Sonntag, 4. Dezember 2011

Meine Lieblingsmusik 2011 - Teil I: Musikvideos

Das ist Teil I (von voraussichtlich 7 oder 8) meiner dieses Jahr viel zu ausführlich geratenen aber dafür auch sehr vielfältig geratenen Jahres-Endliste für Musik. Die anderen Teile folgen in den nächsten Tagen und Wochen vor Weihnachten...  

Musikvideos sind mittlerweile endgültig zu einer reinen Internetsache geworden, nachdem das Musikfernsehen seit einer Weile absolut tot und begraben ist. Das macht vieles einfacher. Auch kleine Bands können mit ihren oft sehr kreativen und künstlerisch wertvollen Videos ein großes Publikum erreichen und der geneigte Zuschauer hat eine riesige Auswahl kostenlos und immer präsent abrufbar ohne auf MTV und Co. angewiesen zu sein...ja wäre da nicht die GEMA. In einem Jahr mit extrem vielen guten Musikvideos ist es zunehmend frustrierend, dass dank des Verhandlungsstillstandes zwischen youtube und der GEMA praktisch 1/3 bis die Hälfte aller Videos für deutsche Nutzer gesperrt bleiben. Das ist sicher nicht im Sinne der Bands und ich hoffe 2012 bringt endlich mal eine Änderung. Trotzdem hier der Versuch meine liebsten Musikvideos aus diesem Jahr zu verlinken (zum Glück gibt es auch noch vimeo):



Matthew Dear - Slowdance: Eine schöne und mysteriöse Frau räkelt sich verträumt auf dem Bett halb verborgen hinter schnellen Schnitten und abstrakten Mustern - Die perfekte Ergänzung für Matthew Dears Musik.


 Link zu Vimeo, danke GEMA 
EMA - Marked: Sex Appeal, Rockstarqualitäten und ein wenig Seltsamkeit schaffen ein effektives Musikvideo und auch eine gute Zusammenfassung von EMA's Musik insgesamt. 



Keaton Henson - Charon: Die Wirkung von Hensons todtrauriger Musik wird um ein vielfaches gesteigert durch dieses Video in dem eine depressive Handpuppe auf  unterschiedliche Weise versucht Selbstmord zu begehen. 



Bon Iver - Holocene: Eine Liebeserklärung an die wunderschönen Landschaften Islands, die in Kombination mit dem schönsten Song des aktuellen Albums fast zu schön zum aushalten ist. 



Creep - You (feat. Nina Sky): Die Zwillinge von Nina Sky geben diesem ungemein stylishen s-w-Clip nicht nur jede Menge Erotik, sondern auch einen unheimlichen Vibe, der perfekt zu dem Goth-R & B-Stück passt... 



My Brightest Diamond - Be Brave: Shara Worden tanzt, singt und beschwört verschiedene Seiten ihrer Persönlichkeiten herauf in diesem aufregenden Musikvideo.   



Ane Brun - Do you Remember: Eine Varieté-Show für einen alten Kriegsveteranen auf Drogen? Seltsame und liebevoll gemachte Musikvideos sind einfach die Besten!


James Blake - Lindisfarne: Atemberaubende Bilder und schöne Menschen, die merkwürdige Rituale voll ziehen...



Lia Ices - Daphne: Atemberaubende Landschaften und schöne Menschen, die merkwürdige Rituale vollziehen...



Thees Uhlmann – Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf: Wunderbar authentisch-sympathisch-nostalgisches Video für einen eben solchen Song.


Matt & Kim - Cameras: Matt & Kim machen einfach die lustigsten Videos und haben offensichtlich verdammt viel Spaß mit ihrer Musik und miteinander. Hier artet ein Proberaum-Streit in einen herrlich blutigen Zweikampf aus.  



Alex Clare - Relax my Beloved: Traurig, überaus dramatisch und voller fiebriger Energie; passt perfekt zu diesem Song.


 

Trash Talk - Awake: So gehen Hardcore-Videos - Knapp 2 Minuten Adrenalin bis zum Anschlag!


Link zu vimeo, danke GEMA
Braids - Lammicken: Bitte alle Lichter im Zimmer ausmachen, auf Vollbild stellen und die Boxen aufdrehen!


Freitag, 18. November 2011

Liebeserklärung an ein Album: Ys von Joanna Newsom


Ys ist ein Meisterwerk. Musikalisch und textlich absolut einzigartig, mitreißend und über jeden Zweifel erhaben. Es findet sich in fast allen Jahres- und auch Jahrzehnt-Endlisten großer und kleiner Kritiker, Blogs und Zeitungen auf einem der vorderen Plätze.
Und trotzdem sind es meistens zwei Dinge, die zuerst ins Auge bzw. Ohr fallen und viele Musikhörer davon abschrecken Joanna Newsom zu hören. Auch ich habe lange zu dieser Gruppe gehört.

Zuerst wäre da die Harfe. Newsom ist professionell ausgebildete Harfenspielerin und benutzt sie auch als Hauptinstrument in allen Songs auf Ys. Die Harfe, dieses scheinbar so langweilige, leicht esoterische Instrument, dass sonst nur in der hinteren Ecke von Orchestern seinen Platz findet oder auf ironische Weise in der Popkultur vorkommt. Zu sperrig, zu harmlos um spannend zu sein? Falsch. Newsom zeigt in ihren Kompositionen wie vielseitig, aufregend und auch zu jeder Zeit berührend so eine Harfe klingen kann. Das ist noch dazu zu keiner Zeit akademisch oder eintönig. Stattdessen gibt es hier fünf schwelgerische, dramatische und einfach wunderschöne Lieder zwischen Folk, Pop und einem Hauch Klassik. Unterstützt wird Newsom dabei auf fast allen Songs von einem Orchester, dass von Van Dyke Parks äußerst stimmig arrangiert wurde.

Das zweite „Problem“ ist Joanna Newsoms Stimme. Ebenso wie ihre Musik ist ihr Gesang einzigartig, aber beim ersten Hören auch seltsam und befremdlich, für manche sicher gar nervig und nur schwer zu ertragen. Newsom quietscht und gurrt in einer hohen Stimme, in der immer etwas dramatisches und gleichzeitig niedliches mitschwingt. Das führt dazu, dass viele Hörer bereits vor dem ersten richtigen Hördurchgang behaupten Newsom könne nicht singen und Ys keine weitere Chance geben. Doch ganz im Gegenteil. Die Kontrolle, die Joanna Newsom über ihre Stimme hat, die Emotionen und den Ausdruck, den sie in ihre Vortragsweise steckt, sind unglaublich und beeindruckend. Und mit der Zeit gewöhnt man sich nicht nur an die scheinbar kindliche Gesangweise, man beginnt sie zu lieben. Und es ist auch eigentlich nicht mal wirklich eine kindliche oder gar kindische Stimme. Newsom verbindet in ihrem Gesang viel mehr die Essenz kindlicher Weltoffenheit und Abenteuerlust mit erwachsener Lebensweisheit und Desillusion. 


Nachdem diese Punkte geklärt wären, endlich zurück zu den eigentlichen Songs. Alle fünf stehen mit Songlängen zwischen sieben und siebzehn Minuten und einer Struktur, die auf Refrains oder gar Strophen zugunsten eines Kurzgeschichten-artigen Aufbaus verzichtet, ganz entgegen popmusikalischer Konventionen. Nach einer Eingewöhnungsphase wird aber schnell klar, dass sowohl Songlängen als auch Songstrukturen nötig sind, um Newsoms ausschweifender Musik und ihrem enormen Erzähltalent gerecht werden zu können. Die Texte sind dann auch abwechselnd witzige, spannende und traurige kleine Geschichten, die Vokabular und Einfallsreichtum der meisten anderen Musiker bei weitem übertreffen.  

Emily zum Beispiel ist eine bombastische und aufgeregte Liebeserklärung an Joanna Newsoms Schwester (die auch Background singt), eine Astrophysikerin. Dem entsprechend verbinden die Lyrics dann auch Worte der Zuneigung mit Erzählungen vom gemeinsamen Sterne beobachten, mit einer Pallette farbenfroher Vokabeln . Das alles beschreibt und singt Newsom so detailliert und lebendig, dass der Hörer sofort unmittelbar in diese Situationen befördert wird.
Das wird noch deutlicher bei dem Song Monkey & Bear. Von der Thematik ist das ein Märchen, in dem eine Bärin und ein Affe aus Liebe zueinander und dem Wunsch nach Freiheit aus dem Zirkus ausbrechen. Doch der Affe überredet die Bärin weiterhin für Geld zu tanzen, um überleben zu können. Da sie das nicht erträgt, begeht die Bärin am Ende Selbstmord. Das klingt auf den ersten Blick absurd und merkwürdig aber wieder zeigt die Emotionalität und die Lebendigkeit der Worte ihre volle Wirkung und lässt den Hörer gefesselt und traurig zurück. 
Der ungewöhnlichste Song ist Sawdust & Diamonds, der als einziger auf jegliche zusätzliche Instrumentierung neben der Harfe verzichtet. Dennoch oder auch gerade deswegen ist es der emotional berührendste und überwältigendste Song auf Ys. Auch wenn es schwer ist allen Metaphern, Wortspielen und Gedankengängen zu folgen, bleibt Sawdust & Diamonds einer der treffendsten, poetischsten und realistischsten Liebeserklärungen überhaupt. Jeder zweite Satz ist so schön formuliert oder so prägnant, dass man sich ihn tätowieren lassen könnte. Dazu spielt Newsom scheinbar mühelos komplexe Harfenmelodien, für die eigentlich vier Hände nötig wären und singt den Hörer durch ein Wechselbad der Gefühle zwischen Hoffnung, Wut und Freude, während im Hintergrund eine alles durchdringende Aura von Melancholie schwebt. Die typische Hörreaktion dabei lässt sich, wie auch bei allen anderen Songs auf Ys, folgender maßen beschreiben: Offener Mund, debiles Grinsen, plötzlich Gänsehaut, dann ein paar Tränen und am Ende das Gefühl, dass man so eben Zeuge von etwas ganz besonderem geworden ist. Schwachpunkte gibt es so auch keine auf dieser Cd und es bleibt abschließend nur zu sagen: Der Hype, die Lobeshymnen sind alle mehr als angemessen und Joanna Newsoms Musik ist es Wert alle Vorbehalte und Vorurteile über Bord zu werfen...

Sonntag, 6. November 2011

Ungewöhnliche „Liebes“-Filme / Filme über die Liebe II

Hier nun Teil II (Teil I siehe hier: Ungewöhnliche "Liebes"-Filme / Filme über die Liebe ) dieser Reihe.

In dieser zweiten Liste befinden sich Filme, die zwar vom Genre und Inhalt sehr unterschiedlich sind, denen aber eine ungewöhnliche und alles besiegende Liebe im Mittelpunkt der Handlung gemeinsam ist.



Der Sternwanderer (Stardust)
Ja ich gebe es zu, Stardust ist auf dem Papier nicht nur ein Fantasy-Film irgendwo zwischen Fluch der Karibik und dem Hobbit, sondern auch ein waschechtes und kitschiges Märchen. Trotzdem gehört der Film aus mehreren Gründen in diese Liste. 

Der Film beginnt vor gut 100 Jahren in einem fiktiven Dorf in England, dass durch eine Mauer von einem sagenumwobenen Märchenland getrennt wird. Tristan (Charlie Cox), ein naiver und ungeschickter Lebensmittelverkäufer versucht die Zuneigung der oberflächlichen Dorfschönheit Victoria (Sienna Miller) zu gewinnen, die seine vermeintliche große Liebe ist. Gleichzeitig stirbt auf der anderen Seite der Mauer der alte König des Zauberlandes und wirft mit seinem letzten Atemzug sein königliches Amulett ins Weltall und verspricht demjenigen Sohn sein Königreich, der das Amulett zurückbringen kann. Das Amulett kollidiert mit einem Stern, der dadurch in das Märchenland abstürzt wo er sich in das Mädchen Yvaine (Claire Danes) verwandelt. Während Tristan seiner Victoria als Liebesweis verspricht innerhalb einer Woche den gefallenen Stern zurückzubringen, machen sich die Söhne des Königs ebenfalls auf den Weg, um das Amulett zu finden. Auch eine böse Hexe (Michelle Pfeiffer) und ihre beiden Schwestern sind auf der Suche nach dem fleischgewordenen Stern, dessen Herz ihnen ihre verlorene Jugend zurückgeben kann. Tristan und Yvaine mögen sich am Anfang überhaupt nicht, aber durch ihre vielen gemeinsamen Abenteuer entdecken sie langsam eine gegenseitige Zuneigung. 

Diese Kurzbeschreibung des Films schreckt sicher viele ab, aber es steckt so viel mehr in der Geschichte, als nur typischer Fantasy-Kitsch. Der Film (nach der Vorlage des großartigen Buchs von Neil Gaiman) sprüht vor ansteckender Kreativität, nicht nur was die Fantasyelemente angeht, sondern auch in seinem ungewöhnlichen Humor und den liebenswert überzeichneten Charakteren. Neben vielen anderen exzentrischen Figuren sticht neben den fantastisch bösartigen Hexen besonders der Luftpirat Captain Shakespeare (großartig: Robert de Niro) hervor, der hinter einer grimmigen Fassade eine schillernde Persönlichkeit verbirgt. 

Im Herzen des Märchens steht aber natürlich die langsam aufblühende Liebe zwischen Tristan und Yvaine. Der Stern verliebt sich schnell in den jungen Mann, aber Tristan braucht eine Weile um zu erkennen, dass seine wahre Liebe nicht die falsche Victoria, sondern der menschgewordene Stern ist, der in seiner Nähe immer heller aufleuchtet. Die beiden Liebenden sind dabei von Anfang an erfrischend anders als in so vielen Liebesfilmen. Tristan träumt nur von der großen Welt und der wahren Liebe, Yvaine dagegen kennt Liebe und Abenteuer nur aus ihrer Beobachterperspektive im Himmel. Beide stürzen sich dann bei erster Gelegenheit mit großen Augen und einer charmanten Naivität ins Abenteuer, die den Zuschauer einfach mitreißt. Dasselbe gilt auch für ihre alles mitreißende Liebe. Yvaine verrät ihre Gefühle durch ein ausgeprägtes Leuchten in Tristans Gegenwart und er trägt alle seine Gefühle offen als seine größte Stärke gegen die falschen und intrigierenden Nebenpersonen des Films. Am Ende siegt natürlich wie in jedem Märchen gut über Böse und die Liebe über den Hass, aber es ist der ungewöhnliche Weg zu diesem Ende und die aufregende Chemie zwischen den Claire Danes und Charlie Cox, die diesen Film hervorhebt und mich am Ende sogar offen mitfiebern, entgegen meiner besten Vorsätze. 


Abbitte (Atonement)

Gute Buchverfilmungen sind selten. Sie machen etwas neues aus dem Buchmaterial, überspielen die Schwächen und nutzen die Vorteile des Filmmediums ohne dabei die ursprüngliche Geschichte zu zerstören. Atonement nach dem fantastischen Buch von Ian McEwan ist so eine Seltenheit. Wie das Buch erzählt auch die Verfilmung von Joe Wright (Stolz und Vorurteil, Wer ist Hanna?) eine überwältigende und mitreißende Geschichte von Liebe, Schuld und Sühne.

Die erfolgreiche Schriftstellerin Briony Tallis nutzt ein Fernseh-Interview anlässlich ihres neuen Buches von einem Fehler zu berichten, den sie in ihrer Kindheit begangen hat und der sie bis ins hohe Alter nicht mehr losgelassen hat. Von diesem Punkt aus entfaltet sich die eigentliche Handlung des Films in zwei Teilen vor und während dem zweiten Weltkrieg. Briony kommt aus einer wohlhabenden Familie und führt ein sorgloses Leben im Mittelpunkt des familiären Landsitzes. Der erste Teil des Films spielt nur im Laufe eines Tages und endet in einer Katastrophe nachdem Briony die geheime Liebe zwischen ihrer Schwester Cecilia (Keira Knightley) und Robbie (James McAvoy), dem Sohn des Hausdieners, fehlinterpretiert. Mit einer Lüge, geboren aus kindlichem Unverständnis und Eifersucht, zerstört das junge Mädchen ungewollt nicht nur die Beziehung der jungen Liebenden, sondern auch das Leben der Beiden für immer. 

Der zweite Teil des Films setzt Jahre später ein und Brionys Lüge hat dafür gesorgt, dass Robbie zunächst im Gefängnis landet und jetzt im zweiten Weltkrieg kämpfen muss, während Cecilia jeglichen Kontakt zu ihrer Familie abgebrochen hat und als Krankenschwester arbeitet. Briony versucht jetzt, nachdem sie die Schwere ihrer Taten als Kind verstanden hat, Busse zu tun, indem sie ebenfalls als Krankenschwester arbeitet und erneut die Nähe zu ihrer Schwester sucht. Während Cecilia, Robbie und Briony mit dem Grauen des Krieges konfrontiert werden, halten die beiden Liebenden ihre Liebe tapfer aufrecht, der durch die Umstände nie eine Chance gegeben wurde. Der Zuschauer sieht von der Liebe zwischen Cecilia und Robbie nur einen Tag voller Andeutungen und vielsagender Blicke. Den Rest des Filmes müssen sie getrennt verbringen und nur der Gedanke an den anderen und zahlreiche Briefe lassen sie die Ungerechtigkeiten des Lebens und den Horror des Krieges ertragen. Das reicht vollkommen um sich in die Liebe der beiden zu investieren und mehr zu verraten wäre dem Genuss des Films abträglich. Wir sehen die Beziehung der Liebenden durch die Augen von Briony, die sich im Laufe des Filmes wiederum in den Augen des Zuschauers rehabilitieren kann, nicht nur durch ihre guten Taten als Krankenschwester im Krieg oder der Einsicht ihrer Fehler als Kind, sondern vor allem, weil sie, wie der Zuschauer schon lange vorher, die Größe und Tragik der Liebe zwischen Robbie und Cecilia erkannt hat. 

Was den Film noch viel schöner macht sind die filmischen Komponenten. Joe Wright filmt unvergessliche Szenen, zuerst auf dem malerischen Landsitz von Brionys Eltern, gefüllt mit wilder Natur und kräftigen Farben. Auch die Szenen im Krieg bewahren sich, trotz ihres grausigen Inhalts, durch ihre meisterliche Komposition eine eigene Schönheit, die noch unterstrichen wird von dem herzergreifenden und zu recht Oscar-gekrönten Soundtrack von Dario Marianelli. Der Film ist ein aufwendig inszenierter Historienfilm und ein großangelegtes, dramatisches Epos, doch im Herzen ein Film über eine ungewöhnliche Liebe.


Kammerflimmern

Kammerflimmern ist einer meiner Lieblingsfilme aus Deutschland und erzählt eine typisch deutsche Liebesgeschichte, die aber dennoch originell ist. Crash (Matthias Schweighöfer) verlor als Kind bei einem Autounfall beide Eltern, ein Vorfall, der ihn zu einem traumatisierten, hypersensiblen Einzelgänger gemacht hat. Als Rettungsassistent versucht er alle verletzten, kranken und sterbenden Menschen, die ihm begegnen zu retten. Doch das Elend, dass er sieht, wäre schon für hartgesottene Naturen zu viel und Crash droht daran zu zerbrechen. Jede Niederlage, jeden Toten nimmt er persönlich. Das einzige, dass ihn glücklich macht sind wiederkehrende Träume an deren Ende immer das lächelnde Gesicht einer ihm unbekannten Frau auftaucht.

November (Jessica Schwarz) ist hochschwanger und versucht den Vater ihres Kindes von den Drogen weg zu bekommen. Als dieser trotzdem an einer Überdosis stirbt, ist der herbeigerufene Rettungsassistent niemand anderes als Crash, der in November sofort die Frau aus seinen Träumen wieder erkennt. Die zarte Liebesgeschichte, die jetzt entsteht, scheint zunächst angesichts der vielen Hindernisse, die ihr im Weg stehen, mehr als unwahrscheinlich. November trauert um den toten Vater ihres ungeborenen Kindes und steht vor der Herausforderung ein Kind alleine und aus tiefster Trauer heraus groß zu ziehen. Crash dagegen ist immer noch nicht über den Tod seiner Eltern hinweg, wird täglich mit Leid konfrontiert, dass er weder verarbeiten noch filtern kann und sieht in November zunächst eine Art Traumwesen, dass ihn von all dem erlösen wird.

Das die Liebesgeschichte trotzdem schön und vor allem glaubwürdig bleibt, liegt in der Hauptsache an den beiden Hauptdarstellern. Schweighöfer und Schwarz waren zum Zeitpunkt von Kammerflimmern noch keine allgegenwärtigen Stars, sondern lediglich Hoffnungsträger des deutschen Films und bewiesen hier mit natürlichen Darstellungen bereits eindrucksvoll ihr Können. Die Chemie zwischen den beiden überaus fragilen Figuren ist großartig und hilft dem Film, der statt auf große Gesten und Kitsch lieber auf intime Szenen setzt, enorm.

Die zärtlichen und hoffnungsvollen Szenen zwischen Crash und November helfen auch den Rest des Films auszugleichen. Durch seine Arbeit trifft Crash nicht nur trauernde Angehörige, Sterbende und Menschen, die das Leben bereits lange aufgegeben haben, sondern, in der tragischsten Szene des Films, auch ein junges Mädchen, dass sich umbringen will. Der naive wunsch von Crash sie und all die anderen zu retten und die endgültige Vergeblichkeit seiner Bemühungen wiegen nicht nur schwer auf seinen Schultern, sondern in Verlängerung eben auch auf denen der Zuschauer. Das zerbrechliche Glück, dass er mit November bekommen hat, ist etwas in das man beim zuschauen schnell investiert ist. Diese Liebe ist nicht nur glaubwürdig, sondern auch verdient und notwendig für das Seelenheil aller Beteiligten. Selten habe ich so sehr auf ein Happy End gehofft und es den Filmfiguren von ganzem Herzen gegönnt... 


Alles was wir geben mussten (Never let me go)

Eine Warnung vorweg: Dieser Film hat mich absolut zerstört.

In einer leicht abgeänderten Realität hat die Medizin so gewaltige Fortschritte gemacht, dass ein Leben von über 100 Jahren zur Normalität wird. Der Preis dafür ist das Klonen von Menschen, die nur als Organspender konzipiert werden. Kathy (Carey Mulligan), Ruth (Keira Knightley) und Tommy (Andrew Garfield) wachsen auf einem elitären, aber isolierten Internat auf und erfahren bereits als Kinder, dass sie nur bis ins frühe Erwachsenenalter leben werden und dann ihre Aufgabe als Organspender zu erfüllen haben. In drei Ettapen zeigt der Film dann Kindheit, Jugend und Erwachsenenalter der drei Protagonisten, ein Leben was sie zwar langsam aber nie endgültig an die normale Gesellschaft heranführt. Die Vorstellung einer Gesellschaft in der menschliche Organspender nur zum Wohle anderer Menschen existiert ist erschreckend, schlimmer aber noch ist die Unbekümmertheit mit der der größte Rest dieser Gesellschaft, aber auch die Organspender selbst diese Tatsache hinnehmen. Die Indoktrination ist auch für Kathy, Ruth und Tommy so komplett, dass sie sich ihrem Schicksal größtenteils hingeben und nur wegen eines Gerüchtes, dass für Organspender, die echte Liebe gefunden haben, das Spenderdasein verzögert werden kann, gelegentlich von einem anderen Leben träumen. So verbringen sie ihr Leben erst in dem Internat, später auf einem Bauernhof in der malerisch schönen Landschaft Englands, die immer als starker Kontrast zu der Hässlichkeit dieser Klongesellschaft eingesetzt wird.

Das bemerkenswerte an Never let me go ist, dass die drei Protagonisten trotz dieser düsteren Lebensaussicht und ihrem scheinbar unausweichlichen Schicksal nicht aufhören zu träumen oder zu lieben. Kathy und Tommy sind scheinbar schon im Kindesalter füreinander bestimmt, aber die extrovertierte Ruth stellt sich ihnen in den Weg. Es entwickelt sich eine Dreiecksgeschichte, die sich über fast 20 Jahre spannt. Die drei zunächst unzertrennlichen Kinder entfernen sich langsam geistig voneinander und gehen dann auch getrennte Wege. Ruth und Tommy beginnen ihre Karriere als Organspender und Kathy macht eine Ausbildung als Pflegekraft für andere Organspender, die sich Operationen unterziehen. Das immens unfaire an dieser Geschichte ist der Zeitmangel der Drei, den man als Zuschauer immer mehr spürt im Laufe des Films. Die Protagonisten haben nicht nur deutlich weniger Zeit für die Liebe und alles wichtige im Leben, sie haben auch von klein auf ihren scheinbar unverrückbaren Lebensweg vor Augen an dessen Ende der unvermeidliche Tod steht. Erschwerend kommt hinzu, dass sie von ihrer Umgebung nicht als vollwertige Menschen angesehen werden und sich ihre Menschlichkeit und Einzigartigkeit erst erkämpfen müssen. Sie können versuchen, dass beste aus ihrem Leben zu machen oder sich ihrem Schicksal ergeben und auf den erlösenden Tod warten. Am Ende des Films sieht der Zuschauer, dass Liebe und Freundschaft eine dystopische Gesellschaft zwar nicht überwinden können, aber selbst ein kurzes Leben lebenswert und wertvoll machen können.

to be continued...


Dienstag, 1. November 2011

Liebeserklärung an einen Film: Kiss Kiss Bang Bang

Kiss Kiss Bang Bang war ein erstaunlich wichtiger Film für viele der Beteiligten. Es war ein Comeback und auch ein Neuanfang für Drehbuchschreiber und Regisseur Shane Black. In den 80ern und 90ern war er verantwortlich für einige große Action-Blockbuster (u.a. Lethal Weapon), bevor er gänzlich von der Bildfläche verschwand. Kiss war seine erste Regiearbeit und transportierte seinen unnachahmlichen Schreibstil in eine gleichzeitig moderne und wunderbar altmodische Actionkomödie. Danach wurde es zwar seltsamerweise schnell wieder still um Black, aber dieser Film sicherte ihm immerhin Regie- und Schreiberposten für Iron Man 3. Für Robert Downey Jr. war Kiss natürlich noch wichtiger. Erst Iron Man machte ihn zwar erneut zum Superstar, nachdem er durch Drogen seine Karriere zwischenzeitlich scheinbar zerstört hatte, aber es war dieser Film, der zeigte, dass er wieder oder immer noch das Zeug zum Hollywoodstar hatte. Auch für Hauptdarstellerin Michelle Monaghan war Kiss der Beginn einer größeren Karriere, die sie zwar nicht ganz an die Spitze Hollywoods, aber doch relativ nahe daran katapultierte. Am traurigsten ist aber im Zusammenhang des Films die Karriereentwicklung von Val Kilmer. Kiss Kiss Bang Bang war mit der letzte gute Film von einem durchaus begabten Schauspieler. Seitdem wurde Kilmer nur noch dicker und hat es sich scheinbar zum Ziel gesetzt in möglichst vielen B- und C-Movies zu erscheinen.

Dafür, dass er so zentral für die Beteiligten war blieb der Film überraschend erfolglos und ist auch heute noch abgesehen von einem gewissen Kultstatus erschreckend unbekannt. Immerhin taucht Kiss in vielen Listen als einer der besten Filme des letzten Jahrzehnts auf, aber für den Mainstream scheint es eine zu wilde Mischung verschiedener Genres zu sein. Aber zunächst kurz zum Inhalt.

Harry Lockhart (Downey Jr.) ist ein Kleinganove, der beim Versuch Weihnachtsgeschenke für seinen Sohn zu kaufen erwischt wird. Während sein Partner angeschossen wird, flüchtet Harry aus Versehen in ein Vorsprechzimmer für einen Hollywoodfilm. Seine Nervosität und Verzweiflung wird für schauspielerisches Können gehalten und er erhält die Rolle. Schnell bekommt er für den Detektivfilm, in dem er jetzt die Hauptrolle hat, den Privatdetektiv Gay Perry (Kilmer) als Berater an die Seite gestellt. Statt sich aber aus dem Staub zu machen oder wenigstens auf seine Rolle zu konzentrieren, gibt Harry sich als echter Privatdetektiv aus als ihm seine Jugendliebe Harmony Faith Lane (Monaghan) über den Weg läuft, die sich als naive Möchtegernschauspielerin in Hollywood durchschlägt. Als Harmonys Schwester ermordet wird, übernimmt Harry vollkommen ahnungslos und zum großen Verdruss von Gay Perry den Fall in dem sich schnell die Toten häufen und das Chaos ausbricht.

Zurück zu den Genres. Kiss Kiss Bang Bang mischt hauptsächlich zwei Arten von Filmen, Film Noir und die Buddy Action Komödie. Für zweiteres ist Shane Black durch Lethal Weapon so etwas wie der Gottvater. Doch im Gegensatz zu den typischen Buddy Filmen wird das Konzept hier auf den Kopf gestellt. Harry ist zwar ähnlich wie Mel Gibson in der Lethal Weapon-Reihe der wilde Draufgänger, hat aber im Gegensatz zu typischen Actionhelden keinerlei Qualifikationen und stolpert von einer Katastrophe in die nächste. Gay Perry dagegen ist der "Straight Man" des Films, einer Rolle, die im Kontrast zu seiner oft erwähnten Homosexualität steht, der er aber wiederum mit einem Verhalten entegegensteht, dass im krassen Gegensatz zu allen schwulen Filmklischees steht. Zusammen werden die beiden in eine Geschichte hineingezogen, die zunächst wirkt wie ein klassischer Film Noir. Die mysteriöse und verführerische Harmony zieht Harry und damit auch Gay Perry in einen Mordfall, der nach und nach eine größere Verschwörung offenbart. Doch auch hier stellt der Film die Konventionen auf den Kopf. Harry versucht die Detektive aus Film Noir-Filmen zu imitieren, scheitert aber kläglich: statt die Morde aufzuklären macht er einen Fehler nach dem anderen und impliziert sich immer mehr darin. Perry dagegen ist zwar kompetent, aber überhaupt nicht an der Aufklärung des Falles oder gar dem Heldentum interessiert. Harmony ist in diesem Kontext die mysteriöse „damsel in distress“, aber ohne sich ihrer eigenen Sexualität bewusst zu sein, geschweige den sie richtig zu benutzen. Die beiden Teile des Films ergänzen sich auf interessante Weise. Die schräge und pfeilschnelle Actionkomödie gibt der Detektivgeschichte großartigen, pausenlosen Humor und einen durchgehend hohen Adrenalinspiegel, während der Film Noir -Anteil den Actionfilm durch eine durchdachte und spannende, wenn auch zunehmend absurde Hintergrundgeschichte abrundet.

Die erste große Stärke des Films sind die Dialoge. Wie in seinen vorherigen Filmen schafft Black es den Sprüchefaktor konstant hoch zu halten und trotzdem keinerlei Füller oder Schwachpunkte in den Dialogen zu offenbaren. Die manische Überdrehtheit von Harry, der trockene Zynismus von Gay Perry oder die naive Schrulligkeit von Harmony sind durchegehend lustig und sympathisch und in Kombination einfach unschlagbar. Die zweite große Stärke ist dann natürlich die Besetzung. Harry Lockhart ist "die" typische Robert Downey Jr. -Rolle. Er verkörpert den schnell redenden, neurotischen, absolut trotteligen, aber immer ebenso liebenswerten Harry perfekt. Bevor Downey Jr. durch seinen erneuten Erfolg allgegenwärtig und auch zunehmend zu einer reinen Marke wurde, war seine Rolle in diesem Film etwas absolut erfrischendes. Michelle Monaghan dagegen hat zwar die meist undankbare Rolle des "Traummädchens", verleiht ihrer Figur aber auch Tiefe und ihr komödiantisches Timing. Und dann ist da noch Val Kilmer, der hier auf tragische Weise beweist, wie gut er doch eigentlich sein kann mit dem richtigen Material. Der beißende Sarkasmus und die zunehmende Frustration verursacht von den inkompetenten Idioten, die ihn umgeben und den absurden Situationen in die er gegen seinen Willen reingezogen wird, ist einfach extrem witzig und großartig gespielt von Kilmer. Die drei Schauspieler in Kombination mit diesem Drehbuchfeuerwerk sind eine Glanzleistung des Casting Directors und eine Quelle unendlicher Freude für den Zuschauer.

Eine letzte Eigenheit und Stärke des Films ist seine Erzählform. Harry selbst ist der Erzähler und zwar ein typisch unzuverlässiger Erzähler. Er ergänzt die Handlung durch Rückblicke auf seine und Harmonys Kindheit, spult die Handlung zurück, weil er etwas vergessen hat und ändert das Ende des Films nach seinen Vorstellungen. Das ganze macht Harry irgendwie noch sympathischer und am Ende des Films wünscht man sich nichts sehnlicher als viele weitere Filme mit einem gemeinsamen Detektivbüro der Hauptdarsteller im Mittelpunkt. Da aber dieser perfekte Film auf der anderen Seite niemals durch Fortsetzungen oder ähnliches verunstaltet werden sollte, bleibt abschließend nur die Hoffnung, dass alle Beteiligten noch häufig zusammen arbeiten werden und vor allem auch Shane Black bald wieder häufiger Filme machen wird. 


Ältere Liebeserklärung hier: The Fountain

Sonntag, 25. September 2011

"We all write songs about life, we just sing them different." - Tolle Coversongs

Biffy Clyro – Love, Sex, Magic (Ciara feat. Justin Timberlake)
Biffy Clyro covern immer wieder Songs irgendwo zwischen guter Popmusik und seelenlosem Radiogedudel und das mit so viel Kreativität, Charme und Spaß an der Sache, dass man als Zuhörer vollkommen vergisst, dass man das Original-Lied eigentlich gar nicht mehr hören kann geschweige denn mag.
Auch ihre meist akkustischen Cover von „respektableren“ Bands sind originell und sehr hörenswert z.B. von The Killers, Franz Ferdinand oder Rage Against The Machine.
 
Original: 

Cover: 



Birdy - Shelter (The xx)
Birdy ist bekannt geworden durch ihre Cover Version von Bon Ivers Skinny Love. Hier macht sie aus der erotisch-pulsierenden Elektro-Nummer von The xx eine dramatische Klavier-Ballade, die ein wenig an Adele erinnert. Das Birdy erst 14 Jahre alt ist, macht im Zusammenhang mit dem Songtext den Hörgenuss zwar etwas moralisch fragwürdig, die dargebotene Leistung aber umso eindrucksvoller. Der Dubstep-Remix von Photek ist ebenso hörenswert.

Original:


Cover: 




Hellsongs - War Pigs (Black Sabbath) 
Hellsongs sind eine schwedische Band, die alle meine Lieblings Rock- und Metalklassiker als wunderschöne Folknummern covern. Für Puristen natürlich kaum auszuhalten geben diese ungewöhnlichen Coverversionen den Songs eine ganz neue Dimension. Politische oder überraschend teifgründige Texte werden durch die klare Gesangsdarbeitung besser verständlich und trotzdem schaffen es Hellsongs die urpsrünglichen Vibes der Songs zu auf eine Weise zu bewahren. Aus Ozzy Osbournes wütenden Anti-Kriegs-lyrics wird in der Coverversion eine wunderschöne, todtraurige Meditation über den Krieg. Auch Songs von Metallica, Slayer oder Iron Maiden können sich ihre Düsternis und Intensität bewahren und gewinnen trotdzem eine neue Schönheit...

Original: 


Cover:



Bat for Lashes - Lonely (Tom Waits)
Natasha Khan aka Bat for Lashes macht aus der melancholischen Klaviernummer von Tom Waits einen dramatisch-traurigen Song voll aufbrausender Emotionen und Instrumente. Mit ihrer einzigartigen Stimme und ihrem Talent für Arrangements schafft sie es immer wieder aus scheinbar perfekten Klasikern ihre eigene, spannende Version zu machen (z.B. auch aus Songs von The Cure, Bruce Springsteen oder Depeche Mode) 

Original: 
Cover:



José González – Heartbeats (The Knife)
Aus der schrägen und tanzbaren Electro-Pop-Nummer macht José González seinen eigenen Song, der nur aus komplex gezupften Gitarrenmelodien und seiner wehmütigen Stimme besteht und es plötzlich schafft ganz andere Emotionenund Reaktionen heraufzubeschwören...

Original: 
Cover:



Woven Hand – Truth (New Order)
Text und Stimmung dieses Liedes der Joy Division-Nachfolgeband wird vom mechanisch-düsteren aber 80er Jahre-typischen Sound und -Gesang befreit und in dieser Cover-Version stattdessen mit der unvergleichlichen Stimme von David Eugene Edwards und dem organischeren Woven Hand-Sound, irgendwo zwischen apokalyptischer Folk Music und Americana, besetzt. 

Original: 
Cover:



EMA – Endless Nameless (Nirvana)
Der wüsteste Song von Nirvana, bleibt bei EMA nah am Original in Klang und Vibe. Dennoch bewahrt sich ihre Version neben einer etwas konventionelleren Songstruktur auch noch eine spannende Eigenheit, die der Secret Song von Nevermind, der im Original ein improvisierte Jamsession war, auch benötigt. 

Original: 
Cover:


5 Gute Actionfilme der Aughts (2000's)

Hier geht es nicht um Meisterwerke der Filmkunst, sondern um ein paar der wenigen, soliden Actionfilme der letzten 10 Jahre

Taken / 96 Hours

In einem Satz: Spion im Ruhestand muss seine Tochter vor Frauenhändlern in Paris retten.

Liam Neeson ist ein absoluter Bad Ass, wer hätte das gedacht. Neeson ist ein respektierter Schauspieler, was ihn aber nicht davon abhält unheimlich viele Schrottrollen anzunehmen. Welchem Mafiaboss er wohl Geld schuldet ist unklar, aber mit diesem Film hat er ausnahmsweise mal einen Volltreffer gelandet. Im Film wird seine Tochter im Parisurlaub verschleppt und er muss die Entführer finden, bevor sie endgültig verkauft wird und verschwindet. Dieses Unterfangen beinhaltet ein wenig Detektivarbeit, aber sonst im wesentlichen Nonstop-Action. Neeson legt bei seiner Suche halb Paris in Schutt und Asche und verprügelt in eindrucksvoll choreographierten Szenen auch noch die halbe Unterwelt der Stadt. Neesons Rolle ist eine schöne Mischung aus Jason Bourne und den Filmhelden alter Schule, als Actionfilme noch einen absurd hohen Bodycount hatten. Der Großteil des Films ist so gut, dass er locker über die schreckliche Rolle der Tochter hinwegtröstet, die 17 sein soll, Mitte 20 war und sich verhält wie Lolita, die als Kind zu oft auf den Kopf gefallen ist. Wenn man also ausblendet, wer da gerettet werden muss (und zum Glück sehen wir nicht viel von der Tochter) steht dem Genuss dieses Films nicht mehr im Wege.

Bourne Ultimatum

In einem Satz: Top-Agent der CIA verliert nach einem Einsatz sein Gedächtnis und muss seine Vergangenheit ergründen während er gegen skrupellose Geheimdienstler kämpft.

Vor der Bourne-Trilogie hätte wohl niemand geglaubt, dass Matt Damon einen der coolsten und glaubwürdigsten Action-Helden des letzten Jahrzehnts spielen würde. Nach den Büchern von Robert Ludlum ist die Bourne-Trilogie in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Jason Bourne, der im ersten Teil des Films mit einer Schußwunde und Amnesie aus dem Meer gefischt wird, findet nach und nach heraus, dass er Teil einer Elite-Killer-Truppe der CIA war und verbringt den Rest der drei Filme damit eine Verschwörung aufzudecken in deren Mittelpunkt er steht. Die Bourne-Filme funktionieren dabei als intelligente Spionage-Thriller, die auch, im Gegensatz zu den sonstigen Filmen auf dieser Liste, mit einer plausiblen Story aufwarten können. Gleichzeitig ist Jason Bourne aber der ultimative Bad-Ass, der James Bond vermutlich in sekundenschnelle auf eine extrem ästhetische Weise umbringen könnte. Verblüffend ist auch, dass der letzte Teil der Reihe eindeutig der Beste ist. Die Geschichte (von der ich lieber nicht zuviel verraten will) wird weitergeführt ohne wie bei Forsetzungen oft üblich in Belanglosigkeit und Bomabst zu versinken und die Action- und vor allem Kampfszenen suchen ihresgleichen. Der Film war dann auch nicht nur ein finanzieller Erfolg, sondern hat eine verblüffende aber auch gerechtfertigte, positive Wertung bei Kritikern erhalten. Wer also Actionfilme mag, die sowohl das Gehirn als auch die Adrenalinausschüttung anregen, kommt um die Bourne-Reihe nicht herum, die leider auch keinerlei Konkurrenz hatte in den letzten Jahren...  

Transporter

In einem Satz: Ex-Militär arbeitet als Fahrer/Kurier für die Unterwelt und deckt aus Versehen einen Menschenhändler-Ring auf.

Transporter war der Film, der Jason Statham fast zu einem Actionstar machte. Sein Name hat sich zwischenzeitlich etwas abgenutzt, da er scheinbar den Drang hat jedes Projekt anzunehmen und einen richtigen Hit hatte er abgesehen von der Transporter-Reihe auch nicht mehr. Aber jeder verbindet den Namen Statham seitdem mit kompromissloser Action. The Transporter hebt sich aus zwei Gründen aus dem Einheitsbrei an Action-Filmen hervor. Erstens ist es ein unglaublich stylischer Film in jeder Hinsicht. Angefangen von seinem Hauptdarsteller, über die Kulissen bis hin zur Kameraarbeit ist einfach alles an diesem Film schick und cool. Zweitens natürlich die Actionszenen. Es gibt mehrere spektakuläre Verfolgungsjagden, die durch gute Schnitte und ihre vergleichbare Kürze nie langweilig werden. Die dafür umso ausgedehnten Kampfszenen sind unglaublich. Perfekt choreographiert, extrem abwechslungsreich und kreativ, erinnern sie an alte Jackie Chan-Filme, nur brutaler und humorlos. Humorlosigkeit ist auch noch etwas, dass positiv auffällt. Es gibt fast keine dummen Sprüche oder erzwungenen Auflockerungshumor. Die Story ist aufs nötigste reduziert und versucht nicht mehr aus sich zu machen als sie ist: Ein notwendiges Grundgerüst. Die weibliche Hauptrolle besteht leider wie so oft nur aus Klischees: Zwar sieht sie für Hollywood-verhätnisse ungewöhnlich aus, ansonsten besteht ihre Rolle leider nur aus abwechselndem Schreien, Quietschen, Schmollen und unschuldigem Lächeln. Das ist aber verkraftbar, denn sie tritt zum Glück nie zu lange in den Vordergrund und lässt der Action die verdiente Hauptrolle.

Smokin Aces

In einem Satz: Ein ehemaliger Entertainer aus Las Vegas ist der Kronzeuge gegen die Mafia, diverse Auftragskiller und das FBI versuchen ihn zuerst in seinem Hotel zu erreichen.

Ein All-Star-Cast spielt extreme Karikaturen von Figuren aus Gangsterfilmen und die meisten haben Spaß mit ihren überzogenen Rollen. Nach einer Anfangsphase in der alle Figuren in amüsanten Anekdoten vorgestellt werden und die hanebüchene Hintergrundgeschichte erzählt wird, kommen wir zum Mittelteil, der eigentlich nur aus großartigen Actionszenen besteht. Alle Personen kommen nach und nach zum Hotels des Mafiakronzeugens, dass in einem wunderbar überzogenen und stilistisch ansprechenden Kugelhagel untergeht. Die fiebrige Kamerarbeit und der druckvolle Soundtrack von Clint Mansell sorgen für eine wirkungsvolle Untermalung dieses Overkills. Danach kommt der Film leider zu einem Totalstopp und muss sich noch dramatisch und unbeholfen zu dem total unnötigen "Überraschungs"-Ende quälen. Der Film lohnt sich aber allein für den actionlastigen Teil und die vielen „Den Schauspieler kenne ich doch irgendwoher“-Momente.

Man on Fire

In einem Satz: Ex-CIA-Agent mit dunkler Vergangenheit und Alkoholproblem wird als Bodyguard einer Unternehmertochter in Mexiko City angeheuert, um sie vor Entführungen zu beschützen.

Man on Fire ist der einzige Film auf der Liste, der kein typischer Action Film ist, sondern mehr ein ungewöhnlicher Thriller, der eine ganze Hälfte seiner Laufzeit darauf verwendet seine Figuren aufzubauen und nur im letzten Drittel zu einem explosiven Actionthriller wird. Die Actionszenen und die Gewalt sind hier wirklich notwendig im Kontext der Geschichte, die wiederum eben nicht nur ein Mittel zum Zweck bleibt. Die erste Stunde des Films kommt dabei fast ohne spannende Szenen aus und wird dazu verwendet dem trinkenden, suizidalen Protagonisten (Denzel Washington) wieder an das Leben heranzuführen, durch seinen neuen Schützling (Dakota Fanning). Nachdem der Film in der schönen ersten Hälfte eine fast schon Vater-Tochter-Beziehung zwischen den beiden aufgebaut hat, läutet die dramatische Entführung von Fannings Charakter die Action-Hälfte des Films ein. Ohne zu viel verraten zu wollen: Denzel Washington ist großartig als gnadenloser Rache-Engel, der sich auf äußerst brutale und ebenso kreative Weise Aller entledigt, die in irgendeiner Form an der Entführung beteiligt waren. Die hektische, effektreiche Regieführung von Tony Scott (Top Gun, The Last Boy Scout, Staatsfeind Nr. 1) und die perfekt passende Musik (u.a. Nine Inch Nails) treiben das Adrenalin und die bei Rache-Thrillern übliche Genugtuung des Zuschauers noch weiter hoch bis zum zwar leicht kitschigen aber doch zufriedenstellenden Ende des Films. Neben den kreativen Actionsequenzen hebt neben diesem auffälligen Stil des Regisseurs vor allem die Chemie zwischen Washington und Fanning Man on Fire hervor.

Sonntag, 18. September 2011

Quit your Day Job (if you want to) - Sechs Schauspieler, die gute Musik machen

Donald Glover

Donald Glover hat erste Aufmerksamkeit bekommen als Teil der Comedy-Truppe Derrick Comedy. Mit ihnen schrieb und spielte er in dutzenden Videos und einem sehr witzigen Film (Mystery Team). Daneben schrieb er mit Anfang 20 für die hervorragende, mit Preisen überhäufte Comedy-Serie 30 Rock, bevor er eine der Rollen in der, meiner Meinung nach, momentan besten Comedy-Serie Community erhielt. Neben diesen Dingen macht er natürlich auch noch Musik. Unter dem großartigen Namen Childish Gambino hat er bereits mehrere Rap-Alben herausgebracht, die an Kanye West und Lil Wayne erinnern, aber lyrisch amüsanter und auch gesanglich einwandfrei sind. Als MC DJ macht Glover auch noch entspannte elektronische Musik und Remixes, die oft als freier Download erhältlich sind. Natürlich ist Glover auch noch Model, Moderator und Stand-Up-Comedian...



Ryan Gosling

Jeder mag Ryan Gosling. Er ist charmant, gutaussehend, humorvoll und darüber hinaus ein verdammt guter Schauspieler. Durch ein fast fehlerloses Resümee in Hollywood ist er mittlerweile nicht nur als Charakter-Darsteller absolut etabliert (Half Nelson, Lars and the Real Girl) sondern wird auch langsam zu einem echten Film-Star (The Notebook, Crazy, Stupid Love). Da ist es um so verwunderlicher, dass Dead Man's Bones, sein Musikprojekt mit Zach Shields, weitgehend unbekannt ist. Die Musik bewegt sich irgendwo zwischen Folk, Indie und Gospel inklusive Kinderchor, ist überraschend düster und macht viel Spaß. Vielleicht wäre es auch einfach zu viel des Guten, wenn die ganze Welt wüsste, dass Ryan Gosling auch noch Musik machen kann...


 


Charlotte Gainsbourg

Charlotte Gainsbourg ist die Tochter von Serge Gainsbourg und Jane Irkin. Es ist also kein Wunder, dass sie nicht nur Schauspielerin, sondern auch Sängerin geworden ist. Während sie bei Filmen mehr zu aufwühlenden und provokanten Rollen tendiert (Antichrtist, Der Zementgarten), ist ihre Musik zwar teilweise düster, aber trotzdem immer leichte Popmusik mit viel Sex Appeal. Ihr letztes Album, dass sie gemeinsam mit Beck geschrieben hat, ist nicht nur überraschend abwechslungsreich, sondern auch überraschend gut und wurde von den meisten Kritikern zu recht gefeiert.





Jason Schwartzman

Als Neffe von Francis Ford Coppola müsste man sich sicher nicht besonders anstrengen um in Hollywood berühmt zu werden. Jason Schwartzman aber beweist schon seit Ewigkeiten, dass er ein wirklich guter und interessanter Schauspieler ist. Er ist Wes Anderson-Veterane (Rushmore, Darjeeling Limited), hatte Rollen in vielen Indie-Filmen als neurotische Außenseiter (I heart Huckabees, Shop Girl), schleimiger Bösewicht (Scott Pilgrim vs. The World, Slackers) oder eine Mischung aus Beidem (Spun). Ich liebe ihn in der Serie Bored to Death, aber bei den meisten seiner Filmrollen stellen sich mir die Nackenhaare auf. Man könnte also sagen, dass er gut in dem ist was er tut. In seinem musikalischen Solo-Projekt Coconut Records fällt es mir jedoch definitiv leichter ihn zu mögen. Schwartzmans markante Stimme ist der Mittelpunkt in einem abwechslungsreichen Indie Pop Album, dass er zusammen mit Incubus-Mitgliedern aufgenommen hat.




Juliette Lewis


 
Juliette Lewis' Filmrollen waren schon immer irgendwo zwischen provokant, anstrengend und einfach total irre. Manchmal funktionierte das, in anderen Filmen hat sie mich einfach nur total genervt. Zwar hat sie meistens einen guten Riecher was Filme angeht, doch ihre Masche nutzte sich recht schnell ab. Als Musikerin passt das überdrehte und laute Image aber perfekt und macht Lewis zu einer genialen Entertainerin auf der Bühne. Ihre kratzige und erotische Stimme hilft natürlich auch dabei und ihre nicht endend wollende Energie geht selbst auf Platte kaum verloren.

 




Zooey Deschanel

Zooey Deschanel erscheint oft wie eine ausgedachte Person, ersponnen von einem einsamen Indie-Jungen. Angefangen bei ihrem niedlichen Namen, über ihr übertrieben süßes Aussehen bis hin zu der Tatsache, dass sie mit dem Sänger von Death Cab for Cutie verheiratet ist. Ihre Film- und Serienrollen passen perfekt in dieses Bild. Sie spielt lebensfrohe, liebenswert neurotische Mädchen, in die sich jeder Junge im Film und vor dem Fernseher sofort verliebt. Mit anderen Worten sie ist ein Prototyp des Manic Pixie Dream Girls. Auch ihre Musik zusammen mit M. Ward unter dem Namen She & Him passt gut in dieses Schema. Deschanel zwitschert niedliche, aber lustige Texte zu charmanter Popmusik, die einem trotz allem schnell in den Bann zieht. Ihre Stimme ist nicht besonders auffällig, aber wieder einmal äußerst passend und steigert damit die Verliebtheit vieler junger Männer überall auf der Welt nur weiter. Wollen wir hoffen, dass Zooeys Musik, anders als sie selbst, niemals mit Katy Perry verwechselt wird!