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Sonntag, 6. November 2011

Ungewöhnliche „Liebes“-Filme / Filme über die Liebe II

Hier nun Teil II (Teil I siehe hier: Ungewöhnliche "Liebes"-Filme / Filme über die Liebe ) dieser Reihe.

In dieser zweiten Liste befinden sich Filme, die zwar vom Genre und Inhalt sehr unterschiedlich sind, denen aber eine ungewöhnliche und alles besiegende Liebe im Mittelpunkt der Handlung gemeinsam ist.



Der Sternwanderer (Stardust)
Ja ich gebe es zu, Stardust ist auf dem Papier nicht nur ein Fantasy-Film irgendwo zwischen Fluch der Karibik und dem Hobbit, sondern auch ein waschechtes und kitschiges Märchen. Trotzdem gehört der Film aus mehreren Gründen in diese Liste. 

Der Film beginnt vor gut 100 Jahren in einem fiktiven Dorf in England, dass durch eine Mauer von einem sagenumwobenen Märchenland getrennt wird. Tristan (Charlie Cox), ein naiver und ungeschickter Lebensmittelverkäufer versucht die Zuneigung der oberflächlichen Dorfschönheit Victoria (Sienna Miller) zu gewinnen, die seine vermeintliche große Liebe ist. Gleichzeitig stirbt auf der anderen Seite der Mauer der alte König des Zauberlandes und wirft mit seinem letzten Atemzug sein königliches Amulett ins Weltall und verspricht demjenigen Sohn sein Königreich, der das Amulett zurückbringen kann. Das Amulett kollidiert mit einem Stern, der dadurch in das Märchenland abstürzt wo er sich in das Mädchen Yvaine (Claire Danes) verwandelt. Während Tristan seiner Victoria als Liebesweis verspricht innerhalb einer Woche den gefallenen Stern zurückzubringen, machen sich die Söhne des Königs ebenfalls auf den Weg, um das Amulett zu finden. Auch eine böse Hexe (Michelle Pfeiffer) und ihre beiden Schwestern sind auf der Suche nach dem fleischgewordenen Stern, dessen Herz ihnen ihre verlorene Jugend zurückgeben kann. Tristan und Yvaine mögen sich am Anfang überhaupt nicht, aber durch ihre vielen gemeinsamen Abenteuer entdecken sie langsam eine gegenseitige Zuneigung. 

Diese Kurzbeschreibung des Films schreckt sicher viele ab, aber es steckt so viel mehr in der Geschichte, als nur typischer Fantasy-Kitsch. Der Film (nach der Vorlage des großartigen Buchs von Neil Gaiman) sprüht vor ansteckender Kreativität, nicht nur was die Fantasyelemente angeht, sondern auch in seinem ungewöhnlichen Humor und den liebenswert überzeichneten Charakteren. Neben vielen anderen exzentrischen Figuren sticht neben den fantastisch bösartigen Hexen besonders der Luftpirat Captain Shakespeare (großartig: Robert de Niro) hervor, der hinter einer grimmigen Fassade eine schillernde Persönlichkeit verbirgt. 

Im Herzen des Märchens steht aber natürlich die langsam aufblühende Liebe zwischen Tristan und Yvaine. Der Stern verliebt sich schnell in den jungen Mann, aber Tristan braucht eine Weile um zu erkennen, dass seine wahre Liebe nicht die falsche Victoria, sondern der menschgewordene Stern ist, der in seiner Nähe immer heller aufleuchtet. Die beiden Liebenden sind dabei von Anfang an erfrischend anders als in so vielen Liebesfilmen. Tristan träumt nur von der großen Welt und der wahren Liebe, Yvaine dagegen kennt Liebe und Abenteuer nur aus ihrer Beobachterperspektive im Himmel. Beide stürzen sich dann bei erster Gelegenheit mit großen Augen und einer charmanten Naivität ins Abenteuer, die den Zuschauer einfach mitreißt. Dasselbe gilt auch für ihre alles mitreißende Liebe. Yvaine verrät ihre Gefühle durch ein ausgeprägtes Leuchten in Tristans Gegenwart und er trägt alle seine Gefühle offen als seine größte Stärke gegen die falschen und intrigierenden Nebenpersonen des Films. Am Ende siegt natürlich wie in jedem Märchen gut über Böse und die Liebe über den Hass, aber es ist der ungewöhnliche Weg zu diesem Ende und die aufregende Chemie zwischen den Claire Danes und Charlie Cox, die diesen Film hervorhebt und mich am Ende sogar offen mitfiebern, entgegen meiner besten Vorsätze. 


Abbitte (Atonement)

Gute Buchverfilmungen sind selten. Sie machen etwas neues aus dem Buchmaterial, überspielen die Schwächen und nutzen die Vorteile des Filmmediums ohne dabei die ursprüngliche Geschichte zu zerstören. Atonement nach dem fantastischen Buch von Ian McEwan ist so eine Seltenheit. Wie das Buch erzählt auch die Verfilmung von Joe Wright (Stolz und Vorurteil, Wer ist Hanna?) eine überwältigende und mitreißende Geschichte von Liebe, Schuld und Sühne.

Die erfolgreiche Schriftstellerin Briony Tallis nutzt ein Fernseh-Interview anlässlich ihres neuen Buches von einem Fehler zu berichten, den sie in ihrer Kindheit begangen hat und der sie bis ins hohe Alter nicht mehr losgelassen hat. Von diesem Punkt aus entfaltet sich die eigentliche Handlung des Films in zwei Teilen vor und während dem zweiten Weltkrieg. Briony kommt aus einer wohlhabenden Familie und führt ein sorgloses Leben im Mittelpunkt des familiären Landsitzes. Der erste Teil des Films spielt nur im Laufe eines Tages und endet in einer Katastrophe nachdem Briony die geheime Liebe zwischen ihrer Schwester Cecilia (Keira Knightley) und Robbie (James McAvoy), dem Sohn des Hausdieners, fehlinterpretiert. Mit einer Lüge, geboren aus kindlichem Unverständnis und Eifersucht, zerstört das junge Mädchen ungewollt nicht nur die Beziehung der jungen Liebenden, sondern auch das Leben der Beiden für immer. 

Der zweite Teil des Films setzt Jahre später ein und Brionys Lüge hat dafür gesorgt, dass Robbie zunächst im Gefängnis landet und jetzt im zweiten Weltkrieg kämpfen muss, während Cecilia jeglichen Kontakt zu ihrer Familie abgebrochen hat und als Krankenschwester arbeitet. Briony versucht jetzt, nachdem sie die Schwere ihrer Taten als Kind verstanden hat, Busse zu tun, indem sie ebenfalls als Krankenschwester arbeitet und erneut die Nähe zu ihrer Schwester sucht. Während Cecilia, Robbie und Briony mit dem Grauen des Krieges konfrontiert werden, halten die beiden Liebenden ihre Liebe tapfer aufrecht, der durch die Umstände nie eine Chance gegeben wurde. Der Zuschauer sieht von der Liebe zwischen Cecilia und Robbie nur einen Tag voller Andeutungen und vielsagender Blicke. Den Rest des Filmes müssen sie getrennt verbringen und nur der Gedanke an den anderen und zahlreiche Briefe lassen sie die Ungerechtigkeiten des Lebens und den Horror des Krieges ertragen. Das reicht vollkommen um sich in die Liebe der beiden zu investieren und mehr zu verraten wäre dem Genuss des Films abträglich. Wir sehen die Beziehung der Liebenden durch die Augen von Briony, die sich im Laufe des Filmes wiederum in den Augen des Zuschauers rehabilitieren kann, nicht nur durch ihre guten Taten als Krankenschwester im Krieg oder der Einsicht ihrer Fehler als Kind, sondern vor allem, weil sie, wie der Zuschauer schon lange vorher, die Größe und Tragik der Liebe zwischen Robbie und Cecilia erkannt hat. 

Was den Film noch viel schöner macht sind die filmischen Komponenten. Joe Wright filmt unvergessliche Szenen, zuerst auf dem malerischen Landsitz von Brionys Eltern, gefüllt mit wilder Natur und kräftigen Farben. Auch die Szenen im Krieg bewahren sich, trotz ihres grausigen Inhalts, durch ihre meisterliche Komposition eine eigene Schönheit, die noch unterstrichen wird von dem herzergreifenden und zu recht Oscar-gekrönten Soundtrack von Dario Marianelli. Der Film ist ein aufwendig inszenierter Historienfilm und ein großangelegtes, dramatisches Epos, doch im Herzen ein Film über eine ungewöhnliche Liebe.


Kammerflimmern

Kammerflimmern ist einer meiner Lieblingsfilme aus Deutschland und erzählt eine typisch deutsche Liebesgeschichte, die aber dennoch originell ist. Crash (Matthias Schweighöfer) verlor als Kind bei einem Autounfall beide Eltern, ein Vorfall, der ihn zu einem traumatisierten, hypersensiblen Einzelgänger gemacht hat. Als Rettungsassistent versucht er alle verletzten, kranken und sterbenden Menschen, die ihm begegnen zu retten. Doch das Elend, dass er sieht, wäre schon für hartgesottene Naturen zu viel und Crash droht daran zu zerbrechen. Jede Niederlage, jeden Toten nimmt er persönlich. Das einzige, dass ihn glücklich macht sind wiederkehrende Träume an deren Ende immer das lächelnde Gesicht einer ihm unbekannten Frau auftaucht.

November (Jessica Schwarz) ist hochschwanger und versucht den Vater ihres Kindes von den Drogen weg zu bekommen. Als dieser trotzdem an einer Überdosis stirbt, ist der herbeigerufene Rettungsassistent niemand anderes als Crash, der in November sofort die Frau aus seinen Träumen wieder erkennt. Die zarte Liebesgeschichte, die jetzt entsteht, scheint zunächst angesichts der vielen Hindernisse, die ihr im Weg stehen, mehr als unwahrscheinlich. November trauert um den toten Vater ihres ungeborenen Kindes und steht vor der Herausforderung ein Kind alleine und aus tiefster Trauer heraus groß zu ziehen. Crash dagegen ist immer noch nicht über den Tod seiner Eltern hinweg, wird täglich mit Leid konfrontiert, dass er weder verarbeiten noch filtern kann und sieht in November zunächst eine Art Traumwesen, dass ihn von all dem erlösen wird.

Das die Liebesgeschichte trotzdem schön und vor allem glaubwürdig bleibt, liegt in der Hauptsache an den beiden Hauptdarstellern. Schweighöfer und Schwarz waren zum Zeitpunkt von Kammerflimmern noch keine allgegenwärtigen Stars, sondern lediglich Hoffnungsträger des deutschen Films und bewiesen hier mit natürlichen Darstellungen bereits eindrucksvoll ihr Können. Die Chemie zwischen den beiden überaus fragilen Figuren ist großartig und hilft dem Film, der statt auf große Gesten und Kitsch lieber auf intime Szenen setzt, enorm.

Die zärtlichen und hoffnungsvollen Szenen zwischen Crash und November helfen auch den Rest des Films auszugleichen. Durch seine Arbeit trifft Crash nicht nur trauernde Angehörige, Sterbende und Menschen, die das Leben bereits lange aufgegeben haben, sondern, in der tragischsten Szene des Films, auch ein junges Mädchen, dass sich umbringen will. Der naive wunsch von Crash sie und all die anderen zu retten und die endgültige Vergeblichkeit seiner Bemühungen wiegen nicht nur schwer auf seinen Schultern, sondern in Verlängerung eben auch auf denen der Zuschauer. Das zerbrechliche Glück, dass er mit November bekommen hat, ist etwas in das man beim zuschauen schnell investiert ist. Diese Liebe ist nicht nur glaubwürdig, sondern auch verdient und notwendig für das Seelenheil aller Beteiligten. Selten habe ich so sehr auf ein Happy End gehofft und es den Filmfiguren von ganzem Herzen gegönnt... 


Alles was wir geben mussten (Never let me go)

Eine Warnung vorweg: Dieser Film hat mich absolut zerstört.

In einer leicht abgeänderten Realität hat die Medizin so gewaltige Fortschritte gemacht, dass ein Leben von über 100 Jahren zur Normalität wird. Der Preis dafür ist das Klonen von Menschen, die nur als Organspender konzipiert werden. Kathy (Carey Mulligan), Ruth (Keira Knightley) und Tommy (Andrew Garfield) wachsen auf einem elitären, aber isolierten Internat auf und erfahren bereits als Kinder, dass sie nur bis ins frühe Erwachsenenalter leben werden und dann ihre Aufgabe als Organspender zu erfüllen haben. In drei Ettapen zeigt der Film dann Kindheit, Jugend und Erwachsenenalter der drei Protagonisten, ein Leben was sie zwar langsam aber nie endgültig an die normale Gesellschaft heranführt. Die Vorstellung einer Gesellschaft in der menschliche Organspender nur zum Wohle anderer Menschen existiert ist erschreckend, schlimmer aber noch ist die Unbekümmertheit mit der der größte Rest dieser Gesellschaft, aber auch die Organspender selbst diese Tatsache hinnehmen. Die Indoktrination ist auch für Kathy, Ruth und Tommy so komplett, dass sie sich ihrem Schicksal größtenteils hingeben und nur wegen eines Gerüchtes, dass für Organspender, die echte Liebe gefunden haben, das Spenderdasein verzögert werden kann, gelegentlich von einem anderen Leben träumen. So verbringen sie ihr Leben erst in dem Internat, später auf einem Bauernhof in der malerisch schönen Landschaft Englands, die immer als starker Kontrast zu der Hässlichkeit dieser Klongesellschaft eingesetzt wird.

Das bemerkenswerte an Never let me go ist, dass die drei Protagonisten trotz dieser düsteren Lebensaussicht und ihrem scheinbar unausweichlichen Schicksal nicht aufhören zu träumen oder zu lieben. Kathy und Tommy sind scheinbar schon im Kindesalter füreinander bestimmt, aber die extrovertierte Ruth stellt sich ihnen in den Weg. Es entwickelt sich eine Dreiecksgeschichte, die sich über fast 20 Jahre spannt. Die drei zunächst unzertrennlichen Kinder entfernen sich langsam geistig voneinander und gehen dann auch getrennte Wege. Ruth und Tommy beginnen ihre Karriere als Organspender und Kathy macht eine Ausbildung als Pflegekraft für andere Organspender, die sich Operationen unterziehen. Das immens unfaire an dieser Geschichte ist der Zeitmangel der Drei, den man als Zuschauer immer mehr spürt im Laufe des Films. Die Protagonisten haben nicht nur deutlich weniger Zeit für die Liebe und alles wichtige im Leben, sie haben auch von klein auf ihren scheinbar unverrückbaren Lebensweg vor Augen an dessen Ende der unvermeidliche Tod steht. Erschwerend kommt hinzu, dass sie von ihrer Umgebung nicht als vollwertige Menschen angesehen werden und sich ihre Menschlichkeit und Einzigartigkeit erst erkämpfen müssen. Sie können versuchen, dass beste aus ihrem Leben zu machen oder sich ihrem Schicksal ergeben und auf den erlösenden Tod warten. Am Ende des Films sieht der Zuschauer, dass Liebe und Freundschaft eine dystopische Gesellschaft zwar nicht überwinden können, aber selbst ein kurzes Leben lebenswert und wertvoll machen können.

to be continued...


Sonntag, 7. August 2011

Ungewöhnliche „Liebes“-Filme / Filme über Liebe








Eigentlich wollte ich eine kleine Liste machen mit Filmen, die ich wirklich romantisch finde und die nicht so ganz in die Mulde der gradlinigen und vorhersehbaren Hollywoodfilme passen. Ziemlich schnell habe ich dabei festgestellt, dass die erste Gemeinsamkeit fast aller Filme, die mir spontan dazu einfielen, ein fehlendes Happy End war. Viel wichtiger ist aber dann doch, dass es in diesen Filmen weniger um die Liebe fürs Leben oder die Märchenhochzeit am Ende der Geschichte geht, sondern um Menschen, die aus einer zufälligen Begegnung oder einer ungewöhnlichen Beziehung etwas über sich selbst, die Liebe und das Leben erfahren und am Ende des Films reicher sind an unvergesslichen Erfahrungen, Lebensmut schöpfen konnten oder einfach nur einem kurzen Moment der Zweisamkeit und Geborgenheit erleben durften...


In Search of a Midnight Kiss

Der Inhalt von In Search of a Midnight Kiss ist schnell zusammengefasst: Wilson ist Ende Zwanzig, ein erfolgloser Drehbuchschreiber, der nach einer Trennung nach Hollywood zieht und jetzt zu Silvester einsam zuhause sitzt. Auf Drängen seines Mitbewohners und besten Freundes Jacob startet er mit wenig Hoffnung einen halbherzigen Versuch durch eine Kontaktanzeige im Internet noch ein Date für die Silvesternacht zu finden. Auf sein Gesuch meldet sich schnell die mysteriöse Schauspielerin Vivian und die beiden treffen sich zunächst unverbindlich auf einen Kaffee. Dieses Treffen scheitert bereits nach Minuten fast an Wilsons Unsicherheit und Vivians brutaler Ehrlichkeit, entwickelt sich dann aber auf einigen Umwegen zu einer unvergesslichen Nacht.

Anders als in so vielen anderen Filmen gleichen Schlags, handelt In Search of a Midnight Kiss nicht von unrealistisch attraktiven Erfolgsmenschen, die nach einigen vorhersehbaren Rückschlägen am Ende des Films nicht nur ihr große Liebe gefunden, sondern damit auch alle ihre Probleme gelöst haben. Wilson und Vivian dagegen haben jede Menge Schwächen und sind zutiefst menschlich. Das macht sie besonders zu Beginn des Films für die Zuschauer nicht immer sympathisch, aber dafür umso nachvollziehbarer. Wilson ist selbst-mitleidig, zynisch und planlos, Vivian exzentrisch, übermäßig misstrauisch und wankelmütig. Das sich die beiden im Laufe des Abends trotz all dieser Hindernisse schließlich doch näher kommen, liegt an den überraschenden Gemeinsamkeiten, die sich zwischen den beiden auftun. Wilson ist auf der Flucht vor den Geistern seiner großen Liebe und Liebeskummer und Depression haben ihn bis kurz vor den Selbstmord getrieben, Vivian ist auf der Flucht vor einem aggressiven und betrügerischen Ex-Freund und so erfolglos in Hollywood, dass sie das Schauspielern fast aufgegeben hat. Diese Hoffnungslosigkeit und Abgeklärtheit in der Liebe, dem Beruf und dem Leben insgesamt, sorgt dafür, dass Vivian und Wilson keine märchenhafte Erwartungshaltung an eine neue Beziehung oder das neue Jahr knüpfen und sich stattdessen resigniert aber offen in die letzte Nacht des Jahres stürzen. Sie wollen nur nicht allein sein. Befreit von diesen Zwängen und Hoffnungen schaffen es die Beiden aber auch das erste Mal komplett ehrlich zu einer anderen Person, aber auch zu sich selbst zu sein. Am Ende der Nacht haben Wilson und Vivian sich einander offenbart, Geheimnisse anvertraut und gegenseitig Mut gemacht einen neuen Abschnitt in ihrem Leben zu beginnen. Natürlich kommt es dabei auch zu all den spannenden Momenten einer aufregenden neuen Liebe (kontrastiert durch kurze Szenen aus der Silvesternacht von Wilsons Freund Jacob und dessen Langzeitfreundin), aber viel wichtiger ist der Mut und die Lebenskraft, die sich die Beiden geben konnten in einer Silvesternacht, die ausnahmsweise mal die absurden Erwartungen erfüllt, die in unserer Gesellschaft an diesen willkürlichen Tag geknüpft sind.


Lost in Translation

Lost in Translation ist kein Liebesfilm, sondern ein Film über Einsamkeit, Freundschaft und die Frage, wohin es im Leben gehen soll.
Bob Harris (Bill Murray in einer Rolle, die nicht nur wie für ihn geschrieben ist, sondern auch tatsächlich nur für ihn geschrieben wurde) ist ein amerikanischer Schauspieler, der weit entfernt von ehemaligen Erfolgen sein Geld mit einem Whiskey-Werbespot in Japan verdient. Seine Ehe von der wir nur etwas über das Telefon erfahren, ist ebenso festgefahren wie seine Karriere und in seinem japanischen Hotel wird er zwar dauernd bewundert, bleibt aber bis auf einige peinliche Begegnungen allein. Durch einen Zufall trifft er die junge Charlotte (Scarlett Johansson), die im selben Hotel ebenso einsam ihre Tage verbringt. Charlotte hat gerade ihr Philosophiestudium abgeschlossen und ist ihrem Mann nach Japan gefolgt. Dieser geht von einem zu nächsten Arbeitstermin und hat nur wenig Zeit für seine Frau, die fast ohne Freunde oder Zukunftspläne durch das kalte Hotel und die überwältigende Stadt Tokio schlafwandelt. Bob und Charlotte trennen fast 30 Jahre, aber durch ihre gemeinsame Einsamkeit und das Gefühl festzustecken im eigenen Leben, entwickeln sie schnell eine ungewöhnliche Freundschaft. Es geht in Lost in Translation nie um romantische Liebe oder Sex, die beiden Protagonisten helfen sich vielmehr gegenseitig durch eine schwere Zeit und zu einem kleinen Stück Vertrautheit in einer einer fremden Stadt, fremdartigen Kultur und dem fremd gewordenen eigenen Leben.

Bemerkenswert ist dabei auch die Chemie zwischen Murray und Johansson, die fast ohne sexuelle Spannung auskommt und dagegen immer von einer tiefen Zuneigung und Wärme zwischen diesen eigentlich so unterschiedlichen Personen geprägt ist. Am Schluss des Films müssen die Beiden aus dem Kokon ihrer unverhofften Freundschaft wieder hinaus in ihr jeweiliges Leben, aber sie konnten in der kurzen gemeinsamen Zeit voneinander Kraft und Lebensmut dafür schöpfen.


Once

Auch in Once geht es nicht um die große Liebe, sondern um den täglichen Kampf in einer normalen Beziehung und darum, wie die Kraft der Musik helfen kann Liebesschmerz und Depression zu verarbeiten und zu überwinden.
Ein erfolgloser irischer Straßenmusiker, der sich in der Staubsaugerwerkstatt seines Vaters den Lebensunterhalt verdient, lernt durch Zufall eine tschechische Einwanderin kennen, die als Putzfrau ein eher unscheinbares Leben führt, aber ein enormes musikalisches Talent versteckt. Der Rest des Films zeigt wie die beiden anfangen gemeinsam Musik zu machen und parallel dazu durch diese Lieder ihre jeweiligen Probleme zu verarbeiten lernen. Die junge Frau hat ihren Mann, mit dem sie eine gemeinsame Tochter hat, in Tschechien zurückgelassen und der Straßenmusiker (die beiden Figuren haben keinerlei Namen in dem Film) ist immer noch nicht über die Liebe seines Lebens hinweg, die ihn vor kurzem verlassen hat. Die beiden Hauptfiguren ergänzen sich nicht nur musikalisch außerordentlich gut, sondern kommen sich dabei auch persönlich näher. Doch bald erkennen sie, dass der Andere nur eine Ausflucht wäre und sie sich stattdessen ihren Dämonen stellen und um ihre beschädigten Beziehungen kämpfen müssen. Die wunderbare Musik des Films (die ausnahmsweise mal vollkommen zurecht auch einen Oscar und viele andere Preise bekommen hat) reflektiert Gefühle und Erkenntnisse der beiden Hauptfiguren und eine gemeinsam aufgenommene CD am Ende des Films erfüllt die Beiden mit neuer Lebenskraft und dem Mut, sich der Liebe wieder zu stellen.


Chasing Amy

Chasing Amy ist eine merkwürdige Mischung aus zwei Filmen. Auf der einen Seite ein Kevin Smith-Film (u.a. Clerks, Dogma) mit smart redenden, liebenswerten Losern und Frauenfiguren direkt aus der Nerd-Fantasie und auf der anderen Seite ein Liebesfilm, der sich auf dem schmalen Grat zwischen tiefgründig und kitschig bewegt. Holden (Ben Affleck) und Banky (Jason Lee) sind beste Freunde seit Kindertagen und arbeiten gemeinsam an einem recht erfolgreichen Comic. Sie sind im wesentlichen typische Smith-Figuren: Jungs, die nie erwachsen werden und sich ihr Leben lang in einer kleinen, bequemen Welt aufgehalten haben, aber trotz ihrer oft grenzwertigen Einstellung zu Frauen und der Welt an sich, eine gewisse Liebenswertigkeit ausstrahlen. Holden ist der sensiblere der Beiden und verliebt sich eines Tages unverhofft aber unsterblich in die Comicschreiberin Alyssa (Joey Lauren Adams). Was darauf folgt ist die oft gesehene Geschichte der unerwiderten Liebe, mit einem Unterschied: Alysssa ist lesbisch. Es entwickelt sich trotzdem schnell eine innige Freundschaft zwischen den Beiden, aber Holden kann seine wahren Gefühle nicht lange verbergen. Nach anfänglichem Zögern lässt sich Alyssa schließlich auf diese ungewöhnliche Beziehung ein. Doch natürlich ist das alles nicht so einfach. Zuerst wäre da Holdens Freund und Partner Banky, der Alyssa zuerst mit Homophobie, später mit offener Feindseligkeit begegnet. Das hinter diesem Verhalten mehr steckt, als nur Engstirnigkeit entdeckt Holden in seiner Verliebtheit erst zu spät und die Freundschaft droht zu zerbrechen.
Derweil driftet die Liebesgeschichte nicht in unglaubwürdiges „Liebe besiegt alles, Liebe ist blind“-Terrain ab, sondern stellt dieser letztendlich unrealistischen Liebesgeschichte die harsche Realität entgegen. Dabei ist das größte Problem nicht die Tatsache, dass Alyssa lesbisch ist (auch wenn es natürlich ihr eigenes Weltbild ebenso wie das ihrer Freunde erschüttert), sondern vielmehr die unterschiedlichen Erwartungen, die Holden und Alyssa an eine Beziehung knüpfen, die die Beziehung bald an den Rand des Scheiterns bringt. Holden erfährt zum ersten Mal richtige Liebe und fühlt sich zunächst in seiner Männlichkeit bestärkt, kann aber nicht mit Alyssas experimentierfreudiger Vergangenheit umgehen. Alyssa dagegen träumt von einer normalen und stabilen Beziehung, kann aber ihrer Vergangenheit und ihrem früheren Ich nicht entfliehen.
Dieses teilweise recht schwere Drama wird immer wieder aufgelockert von absurden Szenen, die man aus anderen Filmen von Smith kennt, die aber erstaunlicherweise nach einer Eingewöhnungsphase auch hier nicht fehl am Platz wirken. So kommt es das Holden und der Zuschauer eine wichtige Lehre über Beziehungen von niemand anderem als Jay und Silent Bob erhalten und der Film in einer Szene kulminiert, die so schnell zwischen absurder Komik und herzzerreißender Traurigkeit schwankt, dass einem ganz schwindlig wird. In erster Linie bleibt Chasing Amy aber dabei immer eine Liebesgeschichte und zwar eine verdammt Gute!


Adventureland

James (Jesse Eisenberg) hat 1987 gerade seinen Uniabschluss in Literaturwissenschaft gemacht und will als Belohnung mit Freunden auf eine Europareise gehen. Doch seine Eltern eröffnen ihm am Tag der Zeugnisübergabe, dass ihr Geld weder für die Reise noch für James geplante weiterführende Studien in New York reichen wird. Stattdessen muss er über den Sommer zurück nach Hause ziehen und im heruntergekommenen Freizeitpark „Adventureland“ arbeiten. Was sich zuerst wie ein Albtraum geriert, entpuppt sich nach und nach als wichtigster Sommer in James bisherigem Leben.
Der Film ist eigentlich eine typische Coming of Age-Komödie mit ernsten Untertönen in der die Liebesgeschichte nur einer von vielen Bausteinen ist. James ist intelligent und gebildet, aber in allen anderen Lebensbereichen jungfräulich und weltfremd. Im Sommer, in dem der Film spielt, lernt er nicht nur erstmals richtige Freunde kennen, sondern erhält dringend nötige Lebenserfahrungen und Selbstbewusstsein. Wichtig dafür ist auch Em (Kristen Stewart), in die sich James ziemlich schnell verliebt. Em erscheint ihm zuerst wie das Mädchen seiner Träume: Sie ist intelligent und humorvoll, teilt seinen ausgefallenen Musikgeschmack, ist sexuell offen und gleichzeitig irgendwie „Eine von den Jungs“. Im Laufe des Sommers lernt James dann nicht nur diese Traumvorstellungen von Frauen, sondern auch seine naiven Zukunftsträume mit der Realität zu vereinbaren. Em ist die erste „echte“ Frau (problembeladener und komplexer als er es zunächst sehen kann), die der weltfremde Student kennen lernt und seine Zeit im „Adventureland“ der erste Ausblick auf das echte Leben, dass so ganz anders ist als er es sich vorgestellt hat, aber letztendlich auch viel aufregender. Am Ende des Films kommt wenig überraschend ein Happy End (das man sich als Filmzuschauer und auch Leser dieser Liste ja mal verdient hat) für die Liebe zwischen James und Em. Wichtiger für die Beiden ist aber, dass ihnen der gemeinsame Sommer geholfen hat Probleme zu überwinden und den Weg gewiesen hat in einen neuen Lebensabschnitt und in die Selbstständigkeit.


Das Schreiben dieses Beitrags und das erneute Schauen der passenden Filme hat mir soviel Spaß gemacht, dass es wohl bald einen zweiten Teil geben wird, genug Filme habe ich auf jeden Fall schon :)