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Sonntag, 11. März 2012

Guilty Pleasure-Filme: Ey Mann - Wo is' mein Auto?


Jeder hat so ein paar Filme, die er/sie früher aus irgendwelchen Gründen viel zu oft gesehen hat und die auch jetzt noch neben ungläubigem Kopfschütteln vergeblich unterdrückte Lachanfälle auslösen. Für mich ist einer dieser/ wenn nicht sogar DER Film Ey Mann - Wo is' mein Auto? Es gab eine Zeit, in der ich diesen Film mit Freunden gefühlt mindestens ein Mal pro Woche geschaut habe. Dazu gab es meistens billigen Südsee-Rum gemischt mit Orangensaft und Cola. Ein Getränk, das auf den ersten (und auch zweiten Blick) aussieht wie der Inhalt einer Kläranalage, aber doch überraschend gut schmeckte. Dasselbe gilt passender weise auch für Ey Mann - Wo is' mein Auto?

Der Film nimmt ein simples, aber effektives Comedy-Konzept und mischt in der Folge dumpfen Humor einer Stoner-Komödie mit einem ungewöhnlich hohen Anteil an Absurdität mit großem Erfolg. Jesse und Chester wachen nach einer durchzechten Nacht auf und haben einen absoluten Filmriss. Ihr Kühlschrank ist randvoll mit Pudding, ihre Freundinnen sind sauer und Jesses Auto ist verschwunden. Die beiden machen sich auf die Suche und treffen dabei unter anderem auf äußerst attraktive, aber gefährliche Aliens, einen verrückten, französischen Straußenzüchter und eine Möchtegernsekte unter dem Anführer Zoltan (bis heute mache ich automatisch das Erkennungszeichen, sobald ich diesen Namen höre, wer den Film kennt, weiß, was ich meine...).

Das Konzept des Filmrisses und die darauf folgende Erkenntnis was in der letzten Nacht so alles passiert ist als Ursprung für die Lacher im Film war auch damals noch nichts neues, aber es wurde seitdem leider durch den gnadenlos überbewerteten The Hangover und seine vielen Kopien bis zur totalen Ermüdung ausgelutscht. Ey Mann - Wo is' mein Auto? versuchte aber erst gar nicht wie diese Filme absolut übertriebene und unglaubwürdige Szenen in einer ansonsten realen Welt ein zu bauen. Stattdessen ist der Film von Anfang an eine unglaubwürdige Stoner-Komödie, die nach und nach in einen absurd lächerlichen Kampf zwischen Gut und Böse eskaliert in dem Jesse und Chester ungewollt und planlos die Helden sind, die einen sagen umwobenen Kontinuumstransfunktionator (!!) finden müssen, um die Erde zu retten.


Interessant ist der Film auch aus den Perspektiven der Beteiligten. Als erstes kommt da natürlich Ashton Kutcher in den Sinn, der zur Zeit des Films noch lediglich als Michael Kelso, die liebenswerte Dumpfbacke aus Die wilden Siebziger bekannt war. In Ey Mann - Wo is' mein Auto? spielt er nahezu die selbe Rolle und es war damals auch für alle klar, dass er das ganz gut macht, aber ansonsten für nicht viel zu gebrauchen ist. Mittlerweile ist Ashton Kutcher nach unzähligen, mittelmäßigen Komödien, romantischen und anderen, einer Ehe mit Demi Moore und einem Job als ultranerviger Moderator von Punk'd ein Superstar geworden, der nebenbei der best bezahlte TV-Schauspieler ist und einer der erfolreichsten Twitter-Nutzer der Welt. Wie das passieren konnte, ist mir unbegreiflich und sagt so einiges über den Stand der US-Unterhaltungsindustrie aus. Aber auch, wenn ich Kutcher nicht wirklich mag, freue ich mich doch immer ein wenig für den Kutcher von damals. Sean William Scott dagegen, der die andere Hauptrolle spielt, war bereits durch seine Rolle als Stiffler in American Pie für immer als stumpf und grenzwertig lustiger Typ gecastet. Erst seit kurzem versucht er durch ernstere Rollen diesem Schema langsam zu entfliehen und beweist dabei, dass er auf jeden Fall mehr Talent hat als Kutcher, auch wenn er niemals auch nur ansatzweise dessen Starpower erreichen wird. Die einzige andere bekannte Schauspielerin ist Jennifer Garner, die ihre Rolle in dem Film bestimmt auf ewig bereuen wird, eine Tatsache, die mich bei jedem schauen wieder mit leichtzer Schadenfreude erfüllt.

Nach diesem Exkurs habe ich bemerkt, dass ich bereits endgültig zu viel und zu hochtrabend über einen solch stumpfsinnigen Film berichtet habe. Doch das ist nicht ganz ungerechtfertigt. Denn auch wenn der Film größtenteils unheimlich hirnlos erscheint, steckt doch ein gewisses Schreibtalent, eine ganze Prise Kreativität und eine Liebe zum Detail dahinter, um den scheinbar so stumpfen und billigen Humor auch nach vielen Durchgängen noch so witzig und zitierbar zu machen. So sind typische Szenen wie die Begegnung von Jesse mit einer aggressiv nervigen China-Imbiss-Mitarbeiterin (und daaann?) oder die positiv-schockierende Entdeckung der beiden Hauptdarsteller, dass sie plötzlich tätowiert sind (Was hab ich aufm Rücken?) durch ihr hohes Level an absurder Comedy und einer sich immer weiter steigernden, manischen Energie, die sich durch den ganzen Film zieht, für mich auf ewig unvergesslich.... 


Donnerstag, 29. Dezember 2011

Ausblick ins Jahr 2012 (Filme und Musik)

Filme:

Drive


Ein zurückgezogen lebender Stuntman bei Tag und Fluchtwagenfahrer bei Nacht (Ryan Gosling) muss nach einem schief gelaufenen Überfall seine Nachbarin (Carey Mulligan) und deren Sohn beschützen. Top besetzter, großartig gemachter Film zwischen Gewaltorgie und zärtlicher Romanze.

Shame


Der sexsüchtige Brandon (Michael Fassbender) wird von seiner Schwester Cissy (Carey Mulligan) aus seinem gut durchgeplanten Leben gerissen. Heftiger und sicherlich großartiger Film, der leider wahrscheinlich zu krass für die Oscars sein wird.

Girl with the Dragon Tattoo


Neuinterpretierung des schwedischen Thrillers von David Fincher mit Daniel Craig und Rooney Mara in den Hauptrollen und Musik von Trent Reznor und Atticus Ross.

Like Crazy


Gut besetztes Drama, in dem ein junges Paar nach einer kurzen Phase des Zusammenseins mit den Problemen einer Fernbeziehung kämpfen muss. Der Film wurde bereits mit wichtigen Preisen ausgezeichnet und sieht äußerst viel versprechend aus.

The Dark Knight Rises


Abschließender Teil von Nolans Batman-Trilogie wird erneut eindrucksvoll die Regel widerlegen, dass komplexe Qulitätsfilme keine Blockbuster sein können.

Prometheus


Ein düsterer Science Fiction-Thriller von Ridley Scott, der vielleicht ein Alien Prequel ist? Dazu Charlize Theron, Michael Fassbender, Noomi Rapace und Idris Elba und dieser Teaser?! I'm so in! 

Martha Marcy May Marlene


Die junge Martha zieht nach ihrer Flucht aus einer Sekte zu ihrer Schwester und deren Mann, kann aber die schlimmen Erinnerungen an ihre Vergangenheit nicht abschütteln.

Chronicle


Es sieht zumindest so aus, als ob das Superheldengenre immer noch Raum für interessante, neue Ideen hat.

Haywire

 

Ein Actionfilm von Steven Soderbergh mit einem grandiosen Cast und der wohl ersten glaubwürdigen Action-Heldin in Hollywood...

We bought a Zoo


Schamloses Feel Good-Movie von Cameron Crowe (Almost Famous) über einen Mann (Matt Damon), der nach dem Tod seiner Frau einen Zoo kauft, um seinen Kindern ein schöneres Leben zu geben. Mit einem Soundtrack von Jónsi (Sigur Ros).

The Hobbit - An Unexpected Journey


Ich war doch sehr skeptisch, doch bereits nach wenigen Sekunden fühlte mich wie vor elf Jahren(!), als der erste Herr der Ringe Teaser erschien...



Musik:


Sleigh Bells – Reign of Terror 14.2.
Nach dem nichts sagenden, aber extrem gut gemachten Album-Teaser und den vielversprechenden Aussagen der Band, freue ich mich doch sehr darauf.

Soap&Skin – Narrow 10.2.
Ein Minialbum als Nachfolger von Lovetune for Vacuum, meinem meist gehörten Album 2009 und wahrscheinlich auch überhaupt. Die Vorfreude ist extrem!

Sharon van Etten – Tramp 14.2.
Mit diesem Album wird Sharon van Etten hoffentlich richtig erfolgreich, die erste Hörprobe macht auf jeden Fall schon Lust auf mehr.

Shearwater – Animal Joy 14.2.
Der erste Song Breaking the Yearlings ist überraschend rockig, aber genau so groß angelegt und spannend wie alles von der Band bisher.

The Twilight Sad - No One Can Ever Know 7.2.
Ich habe ein wenig Angst vor dem angekündigten Stilwechsel und das bisher Gehörte war nicht sooo überzeugend, aber die Hoffnung bleibt... 
 


Hype:  
Egal wie gut oder schlecht ihr Album wird, Lana Del Rey wird 2012 nicht nur Chartstürmerin sein, sondern auch die Feuilletons weltweit noch mehr zu hochtrabenden Erörterungen über den Zustand der Musikindustrie, die Rolle der Frau darin und del Reys aufgespritzten Lippen animieren...
Azealia Banks wird, wenn nicht kommerziell erfolgreich, dann zumindest Kritikerliebling werden und als Retterin des Hip Hop/ R & B 2012 gefeiert werden.
Mumford & Sons werden mit ihrem neuen Album endgültig die neuen Kings of Leon werden (und hoffentlich, hoffentlich trotzdem ein gutes Album abliefern).
Die tollen Dog is Dead werden, wenn die Welt gerecht ist, dann die neuen Mumford & Sons, soll heissen: Die Jungs haben nur Hits, hoffentlich werden sie nächstes Jahr a) ein tolles Album rausbringen und b) dann in aller Munde sein! 
Ich persönlich werde sicher Dirty Ghosts am meisten hypen, die nach einigen sehr spaßigen Demo-Songs am 21. Februar endlich ihr Debüt-Album Metal Moon herausbringen werden!

Künstler, die wahrscheinlich oder auch ganz sicher irgendwann nächstes Jahr Alben herausbringen, auf das ich mich sehr freue: 
Neurosis, The Knife, The Walkmen, Stolen Babies, Bat for Lashes, Amenra, The xx, Cult of Luna, Mumford & Sons, El-P, The Unwinding Hours, Sigur Ros, Her Name is Calla, Metallica (hier ist es weniger Vorfreude und mehr eine Mischung aus Pflichtbewusstsein und morbider Faszination), Converge, Brand New, Ceremony, The Dillinger Escape Plan, Fanfarlo, Made out of Babies (mehr ein sehr starker Wunsch ohne offizielle Bestätigung), Mammút (auch keine offizielle Bestätigung gefunden, aber wenn nicht, muss ich weinen), Captain Planet (muss eigentlich was kommen, auch wenn sich ihr Label leider in Luft aufgelöst hat), Creep, Black Breath und Godspeed You! Black Emperor (Gerüchteweise)

Ich glaube, es wird ein gutes Jahr!

Dienstag, 27. Dezember 2011

Meine Lieblingsfilme 2011

Berücksichtigt habe ich nur Filme, die 2011 ihren Deutschlandstart hatten. Die Liste ist natürlich keineswegs vollständig, dieses Jahr war ich noch mehr als sonst eher ein Serien-Mensch. Aber folgend ein paar Filme, die auf irgend eine Weise besonders bei mir hängen geblieben sind in den letzten 12 Monaten... 


Winter's Bone



Winter's Bone war für mich gleichzeitig der beste und auch der überraschendste Film, den ich dieses Jahr gesehen habe. Er spielt in den Ozark Mountains, einer malerisch schönen Gegend der USA, die in Winter's Bone jedoch von Armut und Drogen zerfressen ist. Ree ist erst 17 muss aber ihre kranke Mutter pflegen, die beiden kleinen Geschwister erziehen und alles tun, damit ihre Familie überleben kann. Als ein Polizist zum Haus der Familie kommt und Ree mitteilt, dass ihr Drogen dealender Vater auf der Flucht ist und das Haus der Familie als Garantie für seine Kaution angegeben hat, macht Ree sich auf die Suche nach ihm. Die eigentlich Story ist aber zweitrangig, in Winter's Bone ist viel mehr eine Charakterstudie dieser Gemeinde am absoluten Rande der amerikanischen Gesellschaft. 


Die größte Überraschung des Films ist Newcomerin Jennifer Lawrence, die mit nicht mal 18 Jahren eine absolut organische und glaubwürdige Performance abliefert. Ihre Ree ist ein Mädchen, das viel zu früh erwachsen werden musste und jett in einer unfairen und unerbittlichen Umgebung eine ganze Familie durchbringen muss. Mit jugendlichem Starrsinn und sehr viel Mut kämpft sie sich durch eine zutiefst patriarchalische Gemeinschaft auf der Suche nach ihrem nichtsnutzigen Vater. Alle Menschen, auf die sie trifft, sind direkt oder indirekt in die Drogenproduktion und den Drogenhandel verwickelt und begegnen ihr mit Misstrauen oder offener Feindseligkeit. Es ist hart ein so sympathischen Mädchen, in einer ohnehin schon brutalen Welt, in einer brutalen Situation nach der Nächsten zu sehen. Aber es ist eine Wohltat Lawrence diese so verletzliche Figur mit einer solchen Stärke spielen zu sehen. John Hawkes präsentiert auch in diesem Film mal wieder sein enormes Talent und seine chamäleongleichen Schauspielfähigkeiten als Ree's Onkel Teardrop. Er verweigert seiner Nichte zunächst jegliche Hilfe und gibt ihr äußerst aggressiv zu verstehen, dass sie die Suche nach ihrem Vater abbrechen soll. Als sie sich aber trotzdem auf die Suche macht und immer weiter in Gefahr begibt, siegt seine familiäre Loyalität über seine Feindseligkeit. Ree's Stärke und der Zusammenhalt ihrer Familie sind die einzigen Lichtblicke in der dunklen und weitgehend hoffnungslosen Welt die von Regisseurin Debra Granik eindrucksvoll festgehalten wird. Untermalt wird der Film von altmodischem amerikanischen Folk, der melancholisch und ungeschönt von Anfang den Ton des Films vorgibt. Leider verlor Winter's Bone bei den meisten Preisverleihungen gegen auffälligere Filme von und mit mehr etablierten Hollywood-Akteuren, aber es bleibt die Hoffnung, dass Debra Granik und Jennifer Lawrence (auch außerhalb von Blockbustern) bald noch mehr gute Filme machen werden.

The Fighter


The Fighter ist mehr als solider Film, der, dank guter Schauspielleistungen und der Vorliebe von Preisverleihungskomitees für Sportlerdramen, überraschend große Aufmerksamkeit und Einspielergebnisse erzielen konnte.


Micky Ward (Mark Wahlberg) ist ein Amateurboxer, der das Zeug zum Profi hätte, aber durch eigene Zweifel und der ständigen Einmischerei seiner disfunktionalen Familie lange davon abgehalten wurde. Sein Bruder und Trainer Dicky (Christian Bale) ist ein irritiernder, drogensüchtiger und unzuverlässiger Ex-Boxer, seine Mutter (Melissa Leo), auch gleichzeitig seine Managerin, ist dominant und unprofessionell. Mickys unzählige Schwestern geben als gackernde und meckernde Zaungäste dazu noch ihren Senf aus dem Hintergrund ab. Als Micky sich in die selbstbewusste Kellnerin Charlene (Amy Adams) verliebt und mit ihrer Hilfe langsam aus der ungesunden Beziehung mit seiner Familie löst, kommt es zum großen Konflikt. Neben diesem Portrait einer extrem kaputten, aber doch irgendwie liebenswerten Familie, ist The Fighter eine typisch amerikanische Geschichte des kleinen Mannes, der es durch harte Arbeit an die Spitze schafft und nebenbei eben ein dramatischer, oft leicht kitschiger Boxfilm, der durch ein gutes Drehbuch und durchweg hervorragende Schauspieler zu einem sehr guten Film wird. Mark Wahlberg muss die einzig unauffällige Rolle spielen, die aber der notwendige Mittelpunkt und Gegenpol für all die die auffälligen und im direktem Vergleich teilweise fast aufdringlich wirkenden Nebenrollen bleibt. Er schultert diese Aufgabe adäquat (wie gut er es allerdings verkraftet hat, als Hauptrolle eines Filmes als Einzigster kaum Kritiker-Aufmerksamkeit bekommen zu haben, ist fragwürdig). Um ihn herum können Amy Adams, Melissa Leo und vor allem Christian Bale (es ist wirklich erstaunlich mit welcher scheinbaren Einfachheit Bales Körper von Film zu Film zwischen Bodybuilder- und Cracksüchtigen-Physik wechselt) deswegen neurotische und grellere Figuren spielen (und nebenbei die Preise und Lobeshymnen einstreichen). Am Ende wird so aus einem typischen Drama ein sehenswerter und immer spannender Film, der zwar teilweise dem typischen Hollywood-Storytelling folgt, aber sich immer einen sympathische Realismus bewahrt.

Alles was wir geben mussten 


Ein wunderschöner, unheimlich trauriger Film in dem zwei der momentan besten Jungschauspieler und kommende Superstars (Carey Mulligan und Andrew Garfield, wenn die Welt gerecht ist) und ein ehemaliger Fast-Superstar/Starlet auf dem langsamen Weg zurück zurück zur anerkannten Schauspielerei (Keira Knightley) ganz tolle Leistungen abliefern. Alles andere zum Film habe ich bereits hier geschrieben.

Black Swan


Nach dem nüchternen Realismus von The Wrestler kehrt Darren Aranofsky mit Black Swan wieder zu dem rauschartigen, visuellen Feuerwerk seiner vorherigen Filme zurück. Auf den ersten Blick ist der Film ein gewöhnlicher Psychothriller mit erotischen Elementen, der in weniger versierten Händen auch als Spätabendfilm auf RTL II hätten enden können. Es geht um eine Ballerina, die mit der Hauptrolle in einer modernen Produktion vom Schwanensee, endlich ihren Durchbruch erreichen könnte. Die zutiefst unerfahrene und unschuldige junge Frau, die ihr ganzes Leben zuvor ausschließlich für das Ballett lebte, wird nun von ihrem Regisseur angetrieben ihre wilde und dunkle Seite für eine bessere Darstellung der Rolle zu entdecken. Der unglaubliche Druck, denn sie dabei von ihm, ihrer dominanten Mutter und ihren Kolleginnen erfährt, sowie ihr Drang nach Perfektion, ziehen sie langsam in einen Strudel aus Wahnsinn in dem sie Realität und Fiebertraum nicht mehr unterscheiden kann.


Der Film erfüllt viele Klischees eines Psychothrillers: Alle Figuren wirken oft wie überdrehte Karikaturen, es gibt reichlich Schock- und Ekelmomente und jede Menge Sex. Doch alle Beteiligten hatten offenbar Spaß sich in ihren Rollen auszutoben und Aranofsky hebt durch seine meisterlichen Fähigkeiten den Film zu einem audiovisuellen Spektakel hinauf. Besonders hervorzuheben ist da natürlich Natalie Portman, die für ihre Rolle einen Oscar erhielt. Natürlich kann man sich darüber streiten, ob das nicht eher ein Oscar für ihr bisheriges Lebenswerk war, aber Portman passt perfekt als die ängstliche, naive Ballerina, die langsam dem Wahnsinn verfällt. Auch ihrem Körper hat sie dabei mit vielen Tanzstunden und einer Abmagerungskur einiges abverlangt. Daneben glänzen Barbara Hershey als ihre Furcht erregende Mutter und Winona Ryder in einer kleinen Rolle als Portmans verbitterte Vorgängerin. Dazu kommen Vincent Cassell, der als Portmans Regisseur irgendwo zwischen lachaft und überzeugend umher wandelt und Mila Kunis, die erstmals beweist, dass sie nicht nur gut aussieht und sympathisch ist. Die Musik wurde von Aranofsky-Dauergast Clint Mansell um die Originalmusik des Schwanensee herum komponiert und verbindet das klassische Meisterwerk gekonnt mit elektronischer Spannungsmusik. Die fiebrigen, flirrenden Bilder und die großartigen Tanzchoreographien tun ihr übriges um aus einem gewöhnlichen Film ein großes Stück Filmkunst zwischen Gemälde und Drogentrip zu machen.

Blue Valentine


In Blue Valentine sieht der Zuschauer abwechselnd die aufregende und romantische Zeit als sich ein ungleiches Paar kennen lernt, verliebt und zusammen kommt und einige Jahre später als ein gemeinsames Kind, der ernüchternde Alltag einer Beziehung und die Unterschiede der beiden die anfängliche Euphorie ersetzt haben. Michelle Williams und Ryan Gosling beweisen wieder einmal, dass sie mit die besten Schauspieler ihrer Generation sind. Sie sind ebenso glaubwürdig als frisch verliebtes Paar voller Hoffnung und Energie wie als desillusionierte, müde und oft verzweifelte Menschen gefangen in einer unglücklichen Ehe. Der Film kontrastiert dabei Szenen aus der Anfangsphase dieser Beziehung mit welchen aus ihrem Ende und stürzt den Zuschauer in ein Stimmungschaos. Der Film ist so realistisch und glaubwürdig, dass man zwar sofort an diese Liebe glaubt, aber ebenso in der nächsten Szene schmerzhaft versteht, warum sie nicht mehr funktionieren kann. Der Realismus ist vor allem auch wegen der großartigen Schauspieler manchmal fast schon schmerzhaft.

127 Hours


Auf den ersten Blick hatte 127 Hours für mich drei Probleme oder eher abschreckende Aspekte. 1. Er basiert auf den realen Erlebnissen von Aron Ralston, einem Extremsportler, der durch eigenen Leichtsinn und Übermut in einem Felsspalt eingeklemmt wird. Eine solche Figur scheint nicht wirklich sympathisch oder bemitleidenswert. 2. Ein Film, der fast ausschließlich in dem engen Raum des Felsspalts spielt und zu 90% nur einen Schauspieler zeigt klingt langweilig und ermüdend. 3. James Franco in einer dramatischen Hauptrolle, die den ganzen Film tragen muss in einer Zeit, wo Franco a) hauptsächlich durch witzige Rollen bekannt geworden war und b) Gefahr lief sich durch seine ständige Präsenz überall schnell ab zu nutzen (siehe Your Highness).
Doch trotz allem funktioniert der Film und zieht den Zuschauer schnell und unweigerlich in einen fiebrigen und kurzweiligen Alptraum von einem Film. Das liegt zuerst einmal an Danny Boyles hervorragender Regie (bis jetzt hat der Mann wirklich ausschließlich gute bis sehr gute Filme gemacht, ohne Ausnahme!) und der perfekten Kameraarbeit von Enrique Chediak und Anthony Dod Mantle, die gemeinsam die Enge und Bedrängtheit des Felsspalts und die zunehmende Verzweiflung und Bedrängnis von Ralston eindrucksvoll einfangen. Die größte Überraschung ist aber James Franco, der mit einer realistischen Tour de Force-Performance den langsamen Abstieg in Panik und Wahnsinn eines hoffnungslos gefangenen Mannes eindrucksvoll darstellt und es scheinbar mühelos schafft aus einem auf dem Papier so unsympathisch wirkenden Menschen einen Helden zu machen, mit dem man als Zuschauer einfach mitfiebern muss. Das Ende des Films ist zuerst schockierend, auch wenn jeder vorher bereits weiß, was passieren wird und trotzdem ist 127 Hours ein Film der zeigt, zu was der menschliche Wille alles fähig ist.


Restless


Enoch ist ein vom Tod besessener junger Mann, der den frühen Unfalltod seiner Eltern verarbeitet indem er seine freie Zeit mit dem Geist eines japanischen Kamikazefliegers verbringt und auf den Beerdigungen fremder Menschen. Auf einer dieser Beerdigungen lernt er Anabell kennen, die todkrank ist, aber, absolut lebensfroh, jede Sekunde, die ihr noch bleibt in vollen Zügen genießt. Zwischen den Beiden entwickelt sich eine zärtliche Beziehung, die Anabell und Enoch hilft mit dem Tod umzugehen, aber gleichzeitig auch neuen Lebensmut gibt.
Der Film ist nicht frei von Klischees und läuft manchmal fast Gefahr eine Nicholas Sparks-Verfilmung für Alternative, Indie-Fans und Hipster zu werden. Was denn Film aber rettet, sind die unglaublich natürlichen und glaubwürdigen Hauptdarsteller. Mia Wasikowska schafft es, wie in allen ihren Filmen bisher, von der ersten Sekunde an zu strahlen und mich vollkommen einzunehmen. Zusammen mit Henry Hopper, der in diesem Film sein erstaunliches Debüt gibt, spielt sie diese zärtliche, unbeholfene erste Liebe wunderbar realistisch und trotzdem äußerst romantisch. Gemeinsam schaffen es die beiden aus diesem oft dramatischen und schweren Stoff trotz allem einen Film zu zaubern, der immer wieder ein Lächeln beim Zuschauer erzwingt.

Let me In


Let me in ist ein Remake des schwedischen Films Let the right one in und nebenbei eine der schönsten und seltsamsten Liebesgeschichten des Jahres. Owen Ist ein Trennungskind, Außenseiter und häufiges Mobbingopfer. Durch Zufall lernt er das Nachbarsmädchen Abby kennen und es beginnt eine vorsichtige und zärtliche Freundschaft zwischen den Beiden. Auf den ersten Blick haben sich hier zwei Außenseiter gefunden, die sich gegenseitig Stärke und Zuversicht schenken. Doch Abby ist ein Vampir und biologisch ebenso wie geistig auf eine gewisse Weise für immer im Körper eines Kindes gefangen ist. Viel mehr sollte auch nicht über den Inhalt verraten werden, aber der Film ist eine spannende und gekonnte Mischung aus Horrorfilm und Coming of Age-Drama mit äußerst talentierten Jungschauspielern.

Attack the Block


In einem Londoner Problembezirk treibt eine Jugendgang ihr Unwesen. Nachdem sie eine junge Lehrerin überfallen und beklaut haben, beobachten sie einen merkwürdigen Krater in ihrer Nachbarschaft. Als daraus ein hässliches Alien auftaucht, tötet der Anführer der Gang es in Notwehr und beginnt damit einen verzweifelten Kampf gegen eine Alien-Invasion. Vordergründig ist Attack the Block ein beeindruckender Low Budget-Film mit Humor und viel Adrenalin. Die eigentlich Leistung des Films ist es aber aus der klischeehaften, unsympathischen Jugendgang am Anfang des Films nach und nach echte, sympathische Personen zu machen, die unfreiwillig zu Helden ihres Blocks werden. Abgesehen von Nick Frost (Shaun of the Dead, Hot Fuzz, Paul) besteht der Cast nur aus unbekannten aber äußerst talentierten Jungschauspielern. Im Laufe der Nacht werden die zuvor überfallene junge Frau, zwei Drogendealer, ein Dauerkiffer, eine Gruppe Mädchen und zwei kleine Möchtegerngangster in den Überlebenskampf gegen die Aliens hineingezogen und sorgen für durchgehende Unterhaltung und Spannung.

X-Men: Erste Entscheidung / X-Men: First Class


Nach zwei gut besetzten und adäquat umgesetzten X-Men-Verfilmungen waren Teil 3 der X-Men-Reihe und besonders der erste Wolverine-Film seelenlose Machwerke, die eine gute Story gegen leeren und überfrachteten Bombast austauschten. Da ist es schön, dass für das neue Prequel Matthew Vaughn wieder Regie führte und ein neues Franchise begründete bei dem es wieder mehr um Stories und Personen geht. Durch den Prequel-Charakter des Films kann Vaughn problemlos bekannte und neue Figuren auftauchen lassen ohne Kontinuität der anderen Filme zu zerstören oder Comic-Laien zu verwirren. Dabei geht es hauptsächlich um die komplizierte Beziehung zwischen Charles Xavier und Erik Lehnsherr alias Professor X und Magneto. Gespielt werden die beide mit großartiger Leinwandchemie von James Mcavoy und Michael Fassbender, die zusammen schon mehr Schauspieltalent haben, als die meisten Darsteller in den vier bisherigen X-Men-Filmen. Dazu kommt ein junges Team von, für eine Comic-Verfilmung, überraschend talentierten Schauspielern. Der kalte Krieg bietet dabei einen spannenden Hintergrundkonflikt und auch eine schöne Spiegelung des „Mutantenproblems“.

Fright Night


Es hat mich doch überrascht, wie viel Spaß mir dieser Film bereitet hat. Ich kenne das Original nicht und kann den Film somit nur als selbstständiges Werk, nicht als Remake beurteilen. Charley lebt mit seiner Mutter in einem verschlafenen Vorort bei Las Vegas und hat gerade seine Nerdfreunde zurück gelassen für ein Leben mit seiner ersten Freundin und den „coolen“ Leuten an der High School. Als sein ehemaliger bester Freund Ed ihm vom Verschwinden vieler Klassenkameraden erzählt und behauptet Charleys neuer Nachbar Jerry sei ein Vampir, der mordend durch den Vorort zöge, glaubt Charley das natürlich zuerst nicht. Aber als auch Ed verschwindet, wird er plötzlich in den scheinbar aussichtslosen Kampf mit einem 400 Jahren alten Vampir gezogen.


Der Film hatte den Nachteil nicht nur ein Horror Remake in einer Flut von Remake-Filmen zu sein, sondern auch noch ein scheinbar typischer Teenie Horror Film in einer Flut aus Teenie Horror Filmen. Deshalb ging der Film kommerziell unter. Das ist schade, denn Fright Night ist ein schneller, lustiger und adäquat gruseliger Action Horror Film. Natürlich erfüllt Fright Night dabei jede Menge Klischees, aber doch immer augenzwinkernd ohne zur Selbstparodie zu verkommen. Vieles davon verdankt der Film seinen Schauspielern. Colin Farrell hat offensichtlich sehr viel Spaß als moderner, einschüchternder Macho-Vampir und metzelt sich mit einem breiten Grinsen durch den Film. David Tennant als lächerlicher, aber liebenswerter Möchtegernvampirjäger hat auch Spaß und sorgt für einige Lacher. Anton Yelchin und Imogen Poots im Mittelpunkt des Films haben auch angenehm viel Tiefe und Schauspieltalent für so eine Art von Film. Yelchin ist nie ganz Nerd, aber auch kein Superheld und Poots darf ihre typischen Girlfriend-Rolle mit überraschender Selbstständigkeit und „Ass-Kicking“ anreichern. Die Story an sich ist natürlich absolut berechenbar, aber der Film zeigt eindrucksvoll, was für einen Unterschied gute Schauspieler und solide Regiearbeit bringen können.

Filme, die es wahrscheinlich noch auf diese Liste geschafft hätten, zu denen ich aber noch nicht gekommen bin: 
Tree of Life, Another Earth, Melancholia, Jane Eyre, The Future.
...Hundert weitere Filme habe ich sicher verpennt oder vergessen... ;)

auch noch gut:

Kill the Boss / Horrible Bosses

Drei Freunde beschließen gegenseitig ihre Chefs umzubringen. Solide Komödie, die durch das enorme Talent der Beteiligten über den Durchschnitt hinauswächst.

Paul

Zwei Nerd-Freunde finden auf einem Road Trip ein Alien auf der Flucht vor der Regierung. Paul ist nicht auf einer Ebene mit Shaun of the Dead oder Hut Fuzz, aber Simon Pegg und Nick Frost alleine machen jeden Film gleich viel lustiger. Und Jason Bateman, Kristen Wiig und Seth Rogen sind natürlich auch nie schlecht.

Crazy, Stupid Love

Extrem ausgelutschtes Rom-Com-Thema wird überraschend ansprechend durch ein gutes, angenehm Nicht-Jugendfreies Drehbuch, einen guten Regisseur und überaus charmante Darsteller mit viel Chemie.

True Grit

Western-Action-Abenteuer-Komödien-Remake von den Coen-Brüdern mit einer eindrucksvollen Jungdarstellerin, die umgeben ist von Hollywoodveteranen: Ein überaus unterhaltsamer Film. 


Überraschungen: 

The Rite / Das Ritual

Ich hatte keinerlei Erwartungen an diese ausgelutschte Story eines skeptischen Jungpriesters, der sich widerwillig von einem skurrilen, alten Priester zum Exorzisten ausbilden lässt. Doch die Stimmung und die Drehorte des Films sind sehr gut gewählt, Anthony Hopkins hat eindeutig viel Spaß in seiner Rolle und es gibt mehr Gänsehautszenen als in den meisten vergleichbaren Filmen, die ich in letzter Zeit gesehen habe. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich das Konzept von Besessenheit immer noch unheimlich finde...

Scream 4

Überraschung in dem Sinne, dass es bei weitem nicht so schlecht war, wie ich erwartet hätte. Es gibt keinen Horrorfilm und keine Schockeffekte mehr, aber auch keinen reinen, schlechten Abklatsch. Stattdessen eben ein bis zum Gehtnichtmehr selbst- und Genre-referentielles Machwerk in dem die Akteure zwar alle Horrofilm-Regeln und -Klischees kennen, aber trotzdem noch extrem blöd sind. Neve Campbell ist erstaunlich erträglich, die Jungschauspieler größtenteils kompetent und das Ende zumindest für mich relativ überraschend und spaßig. 

Freunde mit gewissen Vorzügen / Friends with Benefits

Extrem ausgelutschtes Rom-Com-Thema wird überraschend ansprechend durch ein gutes, angenehm Nicht-Jugendfreies Drehbuch, einen guten Regisseur und überaus charmante Darsteller mit viel Chemie


Enttäuschungen:

Transformers 3


Enttäuschung natürlich nicht im Sinne von „ich dachte er wird einer der Filme des Jahres“. Aber ich gebe zu, ich mochte den ersten Teil trotz der Schauspieler größtenteils (CGI, Sound + Action), fand den zweiten Teil absolut furchtbar und peinlich und hoffte der dritte würde wieder etwas mehr zu den Stärken der Reihe zurückfinden. Doch auch wenn der Sound immer noch großartig ist, sind die Actionszenen nichts mehr neues und außerdem zu vollgestopft und hektisch. Schauspielerei und Dialoge waren natürlich noch nie die Stärke von Transformers, aber wenn Schleimbeutel Mc Dreamy (Patrick Dempsey) nach den Robotern der beste Schauspieler und komplexeste Charakter ist, hat der Film ein Problem. Diesmal bestehen dazu noch wirklich 70% der Dialoge aus den Namen „Optimus“ und „Sam“ in verschiedenen Lautstärken geschrien.

Sucker Punch

Regisseur Zach Synder ließ es sich im Vorfeld nicht nehmen diesen merkwürigen Filmmix aus Nerd- und Altmänner-Fantasien als feministisches Machwerk zu betiteln. Das hat natürlich niemand erwartet, aber nach den großartigen Trailern hatte ich zumindest ein Effektfeuerwerk erwartet. Die zugegeben beeindruckenden Actionszenen werden leider von der absolut hanebüchenen, sexistischen und pseudo-tiefgründigen „Story“ des Films ertränkt, die wie eine absurde Mischung aus Show Girls und Einer flog übers Kuckucksnest, aber ohne echte oder trashige Qualitäten wirkt.

Unknown Identity


Bei Actionfilm und Liam Neeson kommt sofort der Heidenspaß von Taken in den Sinn. Stattdessen gibt es bei Unknown Identity leider den schon tausendmal da gewesenen Mix aus Gedächtnisverlust und Verschwörungsthriller, sowie die extrem hölzerne Kombination aus January Jones und Diane Kruger. Immerhin dürfen ein paar altgediente deutsche Schauspieler in kleinen Rollen ran. Letztendlich bleibt die Frage, wem Liam Nesson eigentlich seine Seele verkauft hat, dass er einfach jede Rolle nimmt die ihm angeboten wird?

Your Highness


David Gordon Green begann seine Regisseur-Karriere mit interessanten Indie-Dramen (All the Real Girls, Snow Angels) und stieg dann um auf gute Comedy (Pineapple Express, „Eastbound and Down“). Your Highness kommt da wie ein Schock daher. Natürlich erwartet man bei dem Titel und der Beschreibung kein gehobenes Kino. In einer fiktiven Mittelalterwelt muss der nichtsnutzige Prinz Thadeous seinem heldenhaften Bruder Fabious helfen dessen Braut aus den Klauen eines bösen Zauberers zu befreien. Das Problem an dem Film: Es gibt keinen einzigen Lacher. James Franco führt sein gesetztes Ziel in jedem Film Hollywoods aufzutauchen fort und nutzt seinen hohen Sympathie-Bonus immer schneller ab. Natalie Portman (sowie ihr Po-Double) und Zooey Deschanel sind offensichtlich nur wegen dem Gehaltsscheck hier und Danny McBride ist definitv kein Leading Man-Material. Greens nächste Regie-Arbeit „The Sitter“ lässt leider auch wenig Hoffnung zu...

Sonntag, 6. November 2011

Ungewöhnliche „Liebes“-Filme / Filme über die Liebe II

Hier nun Teil II (Teil I siehe hier: Ungewöhnliche "Liebes"-Filme / Filme über die Liebe ) dieser Reihe.

In dieser zweiten Liste befinden sich Filme, die zwar vom Genre und Inhalt sehr unterschiedlich sind, denen aber eine ungewöhnliche und alles besiegende Liebe im Mittelpunkt der Handlung gemeinsam ist.



Der Sternwanderer (Stardust)
Ja ich gebe es zu, Stardust ist auf dem Papier nicht nur ein Fantasy-Film irgendwo zwischen Fluch der Karibik und dem Hobbit, sondern auch ein waschechtes und kitschiges Märchen. Trotzdem gehört der Film aus mehreren Gründen in diese Liste. 

Der Film beginnt vor gut 100 Jahren in einem fiktiven Dorf in England, dass durch eine Mauer von einem sagenumwobenen Märchenland getrennt wird. Tristan (Charlie Cox), ein naiver und ungeschickter Lebensmittelverkäufer versucht die Zuneigung der oberflächlichen Dorfschönheit Victoria (Sienna Miller) zu gewinnen, die seine vermeintliche große Liebe ist. Gleichzeitig stirbt auf der anderen Seite der Mauer der alte König des Zauberlandes und wirft mit seinem letzten Atemzug sein königliches Amulett ins Weltall und verspricht demjenigen Sohn sein Königreich, der das Amulett zurückbringen kann. Das Amulett kollidiert mit einem Stern, der dadurch in das Märchenland abstürzt wo er sich in das Mädchen Yvaine (Claire Danes) verwandelt. Während Tristan seiner Victoria als Liebesweis verspricht innerhalb einer Woche den gefallenen Stern zurückzubringen, machen sich die Söhne des Königs ebenfalls auf den Weg, um das Amulett zu finden. Auch eine böse Hexe (Michelle Pfeiffer) und ihre beiden Schwestern sind auf der Suche nach dem fleischgewordenen Stern, dessen Herz ihnen ihre verlorene Jugend zurückgeben kann. Tristan und Yvaine mögen sich am Anfang überhaupt nicht, aber durch ihre vielen gemeinsamen Abenteuer entdecken sie langsam eine gegenseitige Zuneigung. 

Diese Kurzbeschreibung des Films schreckt sicher viele ab, aber es steckt so viel mehr in der Geschichte, als nur typischer Fantasy-Kitsch. Der Film (nach der Vorlage des großartigen Buchs von Neil Gaiman) sprüht vor ansteckender Kreativität, nicht nur was die Fantasyelemente angeht, sondern auch in seinem ungewöhnlichen Humor und den liebenswert überzeichneten Charakteren. Neben vielen anderen exzentrischen Figuren sticht neben den fantastisch bösartigen Hexen besonders der Luftpirat Captain Shakespeare (großartig: Robert de Niro) hervor, der hinter einer grimmigen Fassade eine schillernde Persönlichkeit verbirgt. 

Im Herzen des Märchens steht aber natürlich die langsam aufblühende Liebe zwischen Tristan und Yvaine. Der Stern verliebt sich schnell in den jungen Mann, aber Tristan braucht eine Weile um zu erkennen, dass seine wahre Liebe nicht die falsche Victoria, sondern der menschgewordene Stern ist, der in seiner Nähe immer heller aufleuchtet. Die beiden Liebenden sind dabei von Anfang an erfrischend anders als in so vielen Liebesfilmen. Tristan träumt nur von der großen Welt und der wahren Liebe, Yvaine dagegen kennt Liebe und Abenteuer nur aus ihrer Beobachterperspektive im Himmel. Beide stürzen sich dann bei erster Gelegenheit mit großen Augen und einer charmanten Naivität ins Abenteuer, die den Zuschauer einfach mitreißt. Dasselbe gilt auch für ihre alles mitreißende Liebe. Yvaine verrät ihre Gefühle durch ein ausgeprägtes Leuchten in Tristans Gegenwart und er trägt alle seine Gefühle offen als seine größte Stärke gegen die falschen und intrigierenden Nebenpersonen des Films. Am Ende siegt natürlich wie in jedem Märchen gut über Böse und die Liebe über den Hass, aber es ist der ungewöhnliche Weg zu diesem Ende und die aufregende Chemie zwischen den Claire Danes und Charlie Cox, die diesen Film hervorhebt und mich am Ende sogar offen mitfiebern, entgegen meiner besten Vorsätze. 


Abbitte (Atonement)

Gute Buchverfilmungen sind selten. Sie machen etwas neues aus dem Buchmaterial, überspielen die Schwächen und nutzen die Vorteile des Filmmediums ohne dabei die ursprüngliche Geschichte zu zerstören. Atonement nach dem fantastischen Buch von Ian McEwan ist so eine Seltenheit. Wie das Buch erzählt auch die Verfilmung von Joe Wright (Stolz und Vorurteil, Wer ist Hanna?) eine überwältigende und mitreißende Geschichte von Liebe, Schuld und Sühne.

Die erfolgreiche Schriftstellerin Briony Tallis nutzt ein Fernseh-Interview anlässlich ihres neuen Buches von einem Fehler zu berichten, den sie in ihrer Kindheit begangen hat und der sie bis ins hohe Alter nicht mehr losgelassen hat. Von diesem Punkt aus entfaltet sich die eigentliche Handlung des Films in zwei Teilen vor und während dem zweiten Weltkrieg. Briony kommt aus einer wohlhabenden Familie und führt ein sorgloses Leben im Mittelpunkt des familiären Landsitzes. Der erste Teil des Films spielt nur im Laufe eines Tages und endet in einer Katastrophe nachdem Briony die geheime Liebe zwischen ihrer Schwester Cecilia (Keira Knightley) und Robbie (James McAvoy), dem Sohn des Hausdieners, fehlinterpretiert. Mit einer Lüge, geboren aus kindlichem Unverständnis und Eifersucht, zerstört das junge Mädchen ungewollt nicht nur die Beziehung der jungen Liebenden, sondern auch das Leben der Beiden für immer. 

Der zweite Teil des Films setzt Jahre später ein und Brionys Lüge hat dafür gesorgt, dass Robbie zunächst im Gefängnis landet und jetzt im zweiten Weltkrieg kämpfen muss, während Cecilia jeglichen Kontakt zu ihrer Familie abgebrochen hat und als Krankenschwester arbeitet. Briony versucht jetzt, nachdem sie die Schwere ihrer Taten als Kind verstanden hat, Busse zu tun, indem sie ebenfalls als Krankenschwester arbeitet und erneut die Nähe zu ihrer Schwester sucht. Während Cecilia, Robbie und Briony mit dem Grauen des Krieges konfrontiert werden, halten die beiden Liebenden ihre Liebe tapfer aufrecht, der durch die Umstände nie eine Chance gegeben wurde. Der Zuschauer sieht von der Liebe zwischen Cecilia und Robbie nur einen Tag voller Andeutungen und vielsagender Blicke. Den Rest des Filmes müssen sie getrennt verbringen und nur der Gedanke an den anderen und zahlreiche Briefe lassen sie die Ungerechtigkeiten des Lebens und den Horror des Krieges ertragen. Das reicht vollkommen um sich in die Liebe der beiden zu investieren und mehr zu verraten wäre dem Genuss des Films abträglich. Wir sehen die Beziehung der Liebenden durch die Augen von Briony, die sich im Laufe des Filmes wiederum in den Augen des Zuschauers rehabilitieren kann, nicht nur durch ihre guten Taten als Krankenschwester im Krieg oder der Einsicht ihrer Fehler als Kind, sondern vor allem, weil sie, wie der Zuschauer schon lange vorher, die Größe und Tragik der Liebe zwischen Robbie und Cecilia erkannt hat. 

Was den Film noch viel schöner macht sind die filmischen Komponenten. Joe Wright filmt unvergessliche Szenen, zuerst auf dem malerischen Landsitz von Brionys Eltern, gefüllt mit wilder Natur und kräftigen Farben. Auch die Szenen im Krieg bewahren sich, trotz ihres grausigen Inhalts, durch ihre meisterliche Komposition eine eigene Schönheit, die noch unterstrichen wird von dem herzergreifenden und zu recht Oscar-gekrönten Soundtrack von Dario Marianelli. Der Film ist ein aufwendig inszenierter Historienfilm und ein großangelegtes, dramatisches Epos, doch im Herzen ein Film über eine ungewöhnliche Liebe.


Kammerflimmern

Kammerflimmern ist einer meiner Lieblingsfilme aus Deutschland und erzählt eine typisch deutsche Liebesgeschichte, die aber dennoch originell ist. Crash (Matthias Schweighöfer) verlor als Kind bei einem Autounfall beide Eltern, ein Vorfall, der ihn zu einem traumatisierten, hypersensiblen Einzelgänger gemacht hat. Als Rettungsassistent versucht er alle verletzten, kranken und sterbenden Menschen, die ihm begegnen zu retten. Doch das Elend, dass er sieht, wäre schon für hartgesottene Naturen zu viel und Crash droht daran zu zerbrechen. Jede Niederlage, jeden Toten nimmt er persönlich. Das einzige, dass ihn glücklich macht sind wiederkehrende Träume an deren Ende immer das lächelnde Gesicht einer ihm unbekannten Frau auftaucht.

November (Jessica Schwarz) ist hochschwanger und versucht den Vater ihres Kindes von den Drogen weg zu bekommen. Als dieser trotzdem an einer Überdosis stirbt, ist der herbeigerufene Rettungsassistent niemand anderes als Crash, der in November sofort die Frau aus seinen Träumen wieder erkennt. Die zarte Liebesgeschichte, die jetzt entsteht, scheint zunächst angesichts der vielen Hindernisse, die ihr im Weg stehen, mehr als unwahrscheinlich. November trauert um den toten Vater ihres ungeborenen Kindes und steht vor der Herausforderung ein Kind alleine und aus tiefster Trauer heraus groß zu ziehen. Crash dagegen ist immer noch nicht über den Tod seiner Eltern hinweg, wird täglich mit Leid konfrontiert, dass er weder verarbeiten noch filtern kann und sieht in November zunächst eine Art Traumwesen, dass ihn von all dem erlösen wird.

Das die Liebesgeschichte trotzdem schön und vor allem glaubwürdig bleibt, liegt in der Hauptsache an den beiden Hauptdarstellern. Schweighöfer und Schwarz waren zum Zeitpunkt von Kammerflimmern noch keine allgegenwärtigen Stars, sondern lediglich Hoffnungsträger des deutschen Films und bewiesen hier mit natürlichen Darstellungen bereits eindrucksvoll ihr Können. Die Chemie zwischen den beiden überaus fragilen Figuren ist großartig und hilft dem Film, der statt auf große Gesten und Kitsch lieber auf intime Szenen setzt, enorm.

Die zärtlichen und hoffnungsvollen Szenen zwischen Crash und November helfen auch den Rest des Films auszugleichen. Durch seine Arbeit trifft Crash nicht nur trauernde Angehörige, Sterbende und Menschen, die das Leben bereits lange aufgegeben haben, sondern, in der tragischsten Szene des Films, auch ein junges Mädchen, dass sich umbringen will. Der naive wunsch von Crash sie und all die anderen zu retten und die endgültige Vergeblichkeit seiner Bemühungen wiegen nicht nur schwer auf seinen Schultern, sondern in Verlängerung eben auch auf denen der Zuschauer. Das zerbrechliche Glück, dass er mit November bekommen hat, ist etwas in das man beim zuschauen schnell investiert ist. Diese Liebe ist nicht nur glaubwürdig, sondern auch verdient und notwendig für das Seelenheil aller Beteiligten. Selten habe ich so sehr auf ein Happy End gehofft und es den Filmfiguren von ganzem Herzen gegönnt... 


Alles was wir geben mussten (Never let me go)

Eine Warnung vorweg: Dieser Film hat mich absolut zerstört.

In einer leicht abgeänderten Realität hat die Medizin so gewaltige Fortschritte gemacht, dass ein Leben von über 100 Jahren zur Normalität wird. Der Preis dafür ist das Klonen von Menschen, die nur als Organspender konzipiert werden. Kathy (Carey Mulligan), Ruth (Keira Knightley) und Tommy (Andrew Garfield) wachsen auf einem elitären, aber isolierten Internat auf und erfahren bereits als Kinder, dass sie nur bis ins frühe Erwachsenenalter leben werden und dann ihre Aufgabe als Organspender zu erfüllen haben. In drei Ettapen zeigt der Film dann Kindheit, Jugend und Erwachsenenalter der drei Protagonisten, ein Leben was sie zwar langsam aber nie endgültig an die normale Gesellschaft heranführt. Die Vorstellung einer Gesellschaft in der menschliche Organspender nur zum Wohle anderer Menschen existiert ist erschreckend, schlimmer aber noch ist die Unbekümmertheit mit der der größte Rest dieser Gesellschaft, aber auch die Organspender selbst diese Tatsache hinnehmen. Die Indoktrination ist auch für Kathy, Ruth und Tommy so komplett, dass sie sich ihrem Schicksal größtenteils hingeben und nur wegen eines Gerüchtes, dass für Organspender, die echte Liebe gefunden haben, das Spenderdasein verzögert werden kann, gelegentlich von einem anderen Leben träumen. So verbringen sie ihr Leben erst in dem Internat, später auf einem Bauernhof in der malerisch schönen Landschaft Englands, die immer als starker Kontrast zu der Hässlichkeit dieser Klongesellschaft eingesetzt wird.

Das bemerkenswerte an Never let me go ist, dass die drei Protagonisten trotz dieser düsteren Lebensaussicht und ihrem scheinbar unausweichlichen Schicksal nicht aufhören zu träumen oder zu lieben. Kathy und Tommy sind scheinbar schon im Kindesalter füreinander bestimmt, aber die extrovertierte Ruth stellt sich ihnen in den Weg. Es entwickelt sich eine Dreiecksgeschichte, die sich über fast 20 Jahre spannt. Die drei zunächst unzertrennlichen Kinder entfernen sich langsam geistig voneinander und gehen dann auch getrennte Wege. Ruth und Tommy beginnen ihre Karriere als Organspender und Kathy macht eine Ausbildung als Pflegekraft für andere Organspender, die sich Operationen unterziehen. Das immens unfaire an dieser Geschichte ist der Zeitmangel der Drei, den man als Zuschauer immer mehr spürt im Laufe des Films. Die Protagonisten haben nicht nur deutlich weniger Zeit für die Liebe und alles wichtige im Leben, sie haben auch von klein auf ihren scheinbar unverrückbaren Lebensweg vor Augen an dessen Ende der unvermeidliche Tod steht. Erschwerend kommt hinzu, dass sie von ihrer Umgebung nicht als vollwertige Menschen angesehen werden und sich ihre Menschlichkeit und Einzigartigkeit erst erkämpfen müssen. Sie können versuchen, dass beste aus ihrem Leben zu machen oder sich ihrem Schicksal ergeben und auf den erlösenden Tod warten. Am Ende des Films sieht der Zuschauer, dass Liebe und Freundschaft eine dystopische Gesellschaft zwar nicht überwinden können, aber selbst ein kurzes Leben lebenswert und wertvoll machen können.

to be continued...


Dienstag, 1. November 2011

Liebeserklärung an einen Film: Kiss Kiss Bang Bang

Kiss Kiss Bang Bang war ein erstaunlich wichtiger Film für viele der Beteiligten. Es war ein Comeback und auch ein Neuanfang für Drehbuchschreiber und Regisseur Shane Black. In den 80ern und 90ern war er verantwortlich für einige große Action-Blockbuster (u.a. Lethal Weapon), bevor er gänzlich von der Bildfläche verschwand. Kiss war seine erste Regiearbeit und transportierte seinen unnachahmlichen Schreibstil in eine gleichzeitig moderne und wunderbar altmodische Actionkomödie. Danach wurde es zwar seltsamerweise schnell wieder still um Black, aber dieser Film sicherte ihm immerhin Regie- und Schreiberposten für Iron Man 3. Für Robert Downey Jr. war Kiss natürlich noch wichtiger. Erst Iron Man machte ihn zwar erneut zum Superstar, nachdem er durch Drogen seine Karriere zwischenzeitlich scheinbar zerstört hatte, aber es war dieser Film, der zeigte, dass er wieder oder immer noch das Zeug zum Hollywoodstar hatte. Auch für Hauptdarstellerin Michelle Monaghan war Kiss der Beginn einer größeren Karriere, die sie zwar nicht ganz an die Spitze Hollywoods, aber doch relativ nahe daran katapultierte. Am traurigsten ist aber im Zusammenhang des Films die Karriereentwicklung von Val Kilmer. Kiss Kiss Bang Bang war mit der letzte gute Film von einem durchaus begabten Schauspieler. Seitdem wurde Kilmer nur noch dicker und hat es sich scheinbar zum Ziel gesetzt in möglichst vielen B- und C-Movies zu erscheinen.

Dafür, dass er so zentral für die Beteiligten war blieb der Film überraschend erfolglos und ist auch heute noch abgesehen von einem gewissen Kultstatus erschreckend unbekannt. Immerhin taucht Kiss in vielen Listen als einer der besten Filme des letzten Jahrzehnts auf, aber für den Mainstream scheint es eine zu wilde Mischung verschiedener Genres zu sein. Aber zunächst kurz zum Inhalt.

Harry Lockhart (Downey Jr.) ist ein Kleinganove, der beim Versuch Weihnachtsgeschenke für seinen Sohn zu kaufen erwischt wird. Während sein Partner angeschossen wird, flüchtet Harry aus Versehen in ein Vorsprechzimmer für einen Hollywoodfilm. Seine Nervosität und Verzweiflung wird für schauspielerisches Können gehalten und er erhält die Rolle. Schnell bekommt er für den Detektivfilm, in dem er jetzt die Hauptrolle hat, den Privatdetektiv Gay Perry (Kilmer) als Berater an die Seite gestellt. Statt sich aber aus dem Staub zu machen oder wenigstens auf seine Rolle zu konzentrieren, gibt Harry sich als echter Privatdetektiv aus als ihm seine Jugendliebe Harmony Faith Lane (Monaghan) über den Weg läuft, die sich als naive Möchtegernschauspielerin in Hollywood durchschlägt. Als Harmonys Schwester ermordet wird, übernimmt Harry vollkommen ahnungslos und zum großen Verdruss von Gay Perry den Fall in dem sich schnell die Toten häufen und das Chaos ausbricht.

Zurück zu den Genres. Kiss Kiss Bang Bang mischt hauptsächlich zwei Arten von Filmen, Film Noir und die Buddy Action Komödie. Für zweiteres ist Shane Black durch Lethal Weapon so etwas wie der Gottvater. Doch im Gegensatz zu den typischen Buddy Filmen wird das Konzept hier auf den Kopf gestellt. Harry ist zwar ähnlich wie Mel Gibson in der Lethal Weapon-Reihe der wilde Draufgänger, hat aber im Gegensatz zu typischen Actionhelden keinerlei Qualifikationen und stolpert von einer Katastrophe in die nächste. Gay Perry dagegen ist der "Straight Man" des Films, einer Rolle, die im Kontrast zu seiner oft erwähnten Homosexualität steht, der er aber wiederum mit einem Verhalten entegegensteht, dass im krassen Gegensatz zu allen schwulen Filmklischees steht. Zusammen werden die beiden in eine Geschichte hineingezogen, die zunächst wirkt wie ein klassischer Film Noir. Die mysteriöse und verführerische Harmony zieht Harry und damit auch Gay Perry in einen Mordfall, der nach und nach eine größere Verschwörung offenbart. Doch auch hier stellt der Film die Konventionen auf den Kopf. Harry versucht die Detektive aus Film Noir-Filmen zu imitieren, scheitert aber kläglich: statt die Morde aufzuklären macht er einen Fehler nach dem anderen und impliziert sich immer mehr darin. Perry dagegen ist zwar kompetent, aber überhaupt nicht an der Aufklärung des Falles oder gar dem Heldentum interessiert. Harmony ist in diesem Kontext die mysteriöse „damsel in distress“, aber ohne sich ihrer eigenen Sexualität bewusst zu sein, geschweige den sie richtig zu benutzen. Die beiden Teile des Films ergänzen sich auf interessante Weise. Die schräge und pfeilschnelle Actionkomödie gibt der Detektivgeschichte großartigen, pausenlosen Humor und einen durchgehend hohen Adrenalinspiegel, während der Film Noir -Anteil den Actionfilm durch eine durchdachte und spannende, wenn auch zunehmend absurde Hintergrundgeschichte abrundet.

Die erste große Stärke des Films sind die Dialoge. Wie in seinen vorherigen Filmen schafft Black es den Sprüchefaktor konstant hoch zu halten und trotzdem keinerlei Füller oder Schwachpunkte in den Dialogen zu offenbaren. Die manische Überdrehtheit von Harry, der trockene Zynismus von Gay Perry oder die naive Schrulligkeit von Harmony sind durchegehend lustig und sympathisch und in Kombination einfach unschlagbar. Die zweite große Stärke ist dann natürlich die Besetzung. Harry Lockhart ist "die" typische Robert Downey Jr. -Rolle. Er verkörpert den schnell redenden, neurotischen, absolut trotteligen, aber immer ebenso liebenswerten Harry perfekt. Bevor Downey Jr. durch seinen erneuten Erfolg allgegenwärtig und auch zunehmend zu einer reinen Marke wurde, war seine Rolle in diesem Film etwas absolut erfrischendes. Michelle Monaghan dagegen hat zwar die meist undankbare Rolle des "Traummädchens", verleiht ihrer Figur aber auch Tiefe und ihr komödiantisches Timing. Und dann ist da noch Val Kilmer, der hier auf tragische Weise beweist, wie gut er doch eigentlich sein kann mit dem richtigen Material. Der beißende Sarkasmus und die zunehmende Frustration verursacht von den inkompetenten Idioten, die ihn umgeben und den absurden Situationen in die er gegen seinen Willen reingezogen wird, ist einfach extrem witzig und großartig gespielt von Kilmer. Die drei Schauspieler in Kombination mit diesem Drehbuchfeuerwerk sind eine Glanzleistung des Casting Directors und eine Quelle unendlicher Freude für den Zuschauer.

Eine letzte Eigenheit und Stärke des Films ist seine Erzählform. Harry selbst ist der Erzähler und zwar ein typisch unzuverlässiger Erzähler. Er ergänzt die Handlung durch Rückblicke auf seine und Harmonys Kindheit, spult die Handlung zurück, weil er etwas vergessen hat und ändert das Ende des Films nach seinen Vorstellungen. Das ganze macht Harry irgendwie noch sympathischer und am Ende des Films wünscht man sich nichts sehnlicher als viele weitere Filme mit einem gemeinsamen Detektivbüro der Hauptdarsteller im Mittelpunkt. Da aber dieser perfekte Film auf der anderen Seite niemals durch Fortsetzungen oder ähnliches verunstaltet werden sollte, bleibt abschließend nur die Hoffnung, dass alle Beteiligten noch häufig zusammen arbeiten werden und vor allem auch Shane Black bald wieder häufiger Filme machen wird. 


Ältere Liebeserklärung hier: The Fountain