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Sonntag, 13. Mai 2012

10 Videos - Mein audiovisueller Rückblick des Jahres bisher


Langsam wird es Frühling oder Sommer, manchmal auch eher Herbst, schwer zu sagen....Egal, Zeit für einen kurzen audiovisuellen Rückblick meines Jahres 2012 bisher!


Givers & Theophilus London - Words (La Blogotheque)


Der beste Beweis dafür, dass Live-Musik einfach das Beste ist: La Blogotheque veranstalten zwei Secret Shows in einem Gebäude und der Rapper Theophilus London beschließt spontan (während seines eigenen Konzerts!) das Konzert der Indie-Band Givers nebenan zu besuchen und ein wenig zu freestylen. Die positive Energie, die dabei frei gesetzt wird ist einfach nur großartig. Nicht nur klingen die Givers live ohnehin um einiges besser als auf Platte, die Kombination mit dem Rapper passt auch noch unerwartet gut und zeigt wieder mal, dass Genre-Grenzen nur was für kleingeistige Idioten sind. Die offensichtliche Freude aller Beteiligten und die enthusiastischen Reaktionen des Publikums machen diese Version von Words zu einer der tollsten Sachen, die ich seit langem gesehen/gehört habe!


Explosions in the Sky – Postcard from 1952
 

Die euphorische Gitarrenmusik von Explosions in the Sky ist bereits wie geschaffen um emotionale und bedeutsame Szenen aus Film und Fernsehen zu untermalen. Einem ihrer Songs ein Musikvideo zur Seite zu stellen, dass nicht nur perfekt zu der sich langsam steigernden Musik passt, sondern auch noch eine atemberaubend hohe Bildqualität hat, ist also schon ein mal eine gute Idee. Das Musikvideo ist aber auch unabhängig davon eine wunderschöne Angelegenheit: Bilder aus den 50er Jahren, die wichtige Momente im Leben von Kindern festhalten wurden belebt und verwandeln sich in emotionale und fantastisch gefilmte Szenen. 

 
Charlene Soraia – Daffodils (Crypt Sessions live)
 

Diese Version von Daffodils ist noch mal um Welten besser als die bereits wunderschöne Studio-Version. Ein Song, der die Seele streichelt, wie die ersten Sonnenstrahlen des Tages. Es ist schwer sich zu entscheiden, wo man hinschauen/hören soll: auf Soraia's wunderbar warme und beeindruckend variable Stimme oder auf ihr mindestens ebenso beeindruckendes und ungewöhnliches Gitarrenspiel, mit dem sie diesem Song Komplexität und doch auch irgendwie eine Leichtigkeit verleiht. 

 
Sharon van Etten & Shearwater - Stop Draggin’ My Heart Around


Die Idee hinter dieser Cover-Version ist schon genial. Alle möglichen Bands covern Songs aus einer von der Seite AV Club zusammen gestellten Liste bis alle Stücke gespielt wurden – nach dem Motto, wer zuerst kommt, covert zuerst. Dabei entstehen interessante und vor allem ungewöhnliche Versionen. Das Duett von Stevie Nicks und Tom Petty ist für beide am Cover beteiligten Parteien ungewöhnlich rockiges Terrain, doch nach einer Aufwärmphase steigert sich diese Version zu einer wütenden und sexuell aufgeladenen Rock-Nummer.


Chairlift – Met before

 

Ein Ohrwurm bekommt ein interaktives Musikvideo zur Seite gestellt, in dem der Zuschauer selbst entscheiden kann, wie die Story weitergeht und so gut und gerne mal 30 Minuten mit diesem Song verbringt, sodass er sich (wohl verdient) endgültig in die Gehörgänge einfräst.




 
St. Vincent – Krokodil (live at Coachella 2012)

Gibt es etwas, das cooler und/oder sexier ist als Annie Clark, vor allem wenn sie einen kompletten Song mit für sie ungewöhnlicher Inbrunst singt/schreit, während sie durch die absolut ekstatische Menge crowdsurfed? Wohl kaum...selten habe ich ein Publikum so beneidet...traurigerweise war wohl die Hälfte zu beschäftigt das ganze zu filmen, statt es zu genießen. 


The Dove & the Wolf – Insane, in Love


Die beste Rechtfertigung für die Existenz von youtube sind Channel wie La Blogotheque, CryptSessions oder eben Cargo Video, in denen mehr oder weniger unbekannte Bands die Gelegenehit bekommen, in intimen und oft ungewöhnlichen Umgebungen, ihre Musik vor zu stellen und ihr darüber hinaus noch eine neue Qualität verleihen können. Ein weiteres, beeindruckendes Beispiel dafür ist dieser wunderschöne A Capella Song von The Dove & The Wolf.


Beat Battle 2012- The Tournament

Knapp 5 Minuten übermenschlicher Bewegungen, genial in Szene gesetzt. 

 Will the real Mitt Romney please stand up? (Eminem Cover)

 



Sicherlich die beste, lustigste und aufwendigste Eminem Cover-Version überhaupt und eine gute Repräsentation der republikanischen Vorwahlen in den USA, bei denen man nie weiß, ob man lachen, weinen oder einfach nur Angst haben sollte. 


Arrested Drunk Guy Sings Queen's Bohemian Rhapsody 

 

Der Titel des Videos sagt ja bereits alles: Gleichzeitig extrem witzig und ebenso beeindruckend: Wünschen wir uns nicht alle, einmal so etwas großartiges zu tun, während wir absolut betrunken sind, anstatt einfach nur Mist zu reden und umzufallen? 

Sonntag, 6. Mai 2012

Liebeserklärung an ein Album: The Devil And God Are Raging Inside Me von Brand New


The Devil and God are raging inside me ist ein Album das zuallererst einmal in die kleine Gruppe der Alben gehört, an die ich keine großen Erwartungen hatte, nur um dann komplett umgehauen zu werden. Die Band Brand New aus New York begann mit Your Favorite Weapon als harmlose aber unheimlich eingängige Pop Punk Band. Zwar waren es simple Songs voll von lyrischen Rachefantasien und Selbstmitleid, aber es machte einfach Spaß. Mit Deja Entendu folgte eine Wendung zu einem ernstem, tiefgründigeren und für mich deutlich überschätzten Emo/Alternative-Mix, komplett mit klischeehaften Texten und Songtiteln. Die Band wurde trotzdem oder gerade deswegen erfolgreich und etablierte sich als scheinbar typische Teenie-Band, hinter der aber schon damals etwas mehr zu stecken schien.

Das Brand New ihre verborgenen Stärken jedoch so umfassend präsentieren würden, damit hatte wohl keiner gerechnet. Nach dem großen Erfolg von Deja Entendu und dem Wechsel zu einem Major Label wäre der nächste, logische Schritt wohl eine schwächere Kopie des Vorgängers oder bestenfalls eine sanfte Weiterentwicklung mit größerem Pop-Appeal gewesen. Stattdessen ist The Devil and God are raging inside me eine bombastische, musikalische Offenbarung zwischen wütenden Ausbrüchen und schmerzhaft intimen Geständnissen. Es gibt auf dieser Platte keine leichten Momente, keinen Humor und auch (fast) keine poppigen Hits (im eigentlichen Sinne). Stattdessen ist alles so groß angelegt, so ernst und so dramatisch, dass es eigentlich anstrengend und durchaus auch mal peinlich sein müsste, wenn es nicht so meisterhaft und mitreißend umgesetzt wäre. Und so lösen sich diese Einwände in Sekundenschnelle auf. Bereits das unheimliche, stimmige Cover und der plakative Titel wären bei anderen Bands bloß "Emo"-Klischees, sind aber im Kontext des gigantischen Sounds von Brand New einfach nur stimmig. Der Titel The Devil and God are raging inside me kam laut Sänger Jesse Lachey nach einem Gespräch mit dem manisch-depressiven und schizophrenen Kult-Musiker Daniel Johnston zustande, passt aber auch hervorragend um die musikalische und lyrische Achterbahnfahrt dieses Albums, zwischen leiser Melancholie und schreiender Verzweiflung, zu beschreiben. Musikalisch ist die dazugehörige laut-leise Dynamik mit Anteilen von Emo, Hardcore, Indie und Grunge sicher nichts neues, aber so expansiv und in sich geschlossen, dass sich das Gehörte sofort meilenweit über die unzähligen, vergleichbaren Bands erhebt. Das die Songs so frisch und roh klingen, sich aber trotzdem zu einem so durchdachten und geschlossenen Ganzen zusammenfügen, ist sicher zum Teil dem langen Entstehungsprozess der Musik zu verdanken. Nachdem eine Reihe von halbfertigen Songs geleaked wurden, begann die Band frustriert noch einmal von vorne, schrieb gänzlich neu oder veränderte das bereits Veröffentlichte noch einmal massiv. Die Frustration über den Leak und der zunehmende Druck ein gutes Album zu schreiben, verband sich so mit den durch die lange Schreibzeit langsam gereiften Song-Gerüsten, zu diesen überraschend großartigen Liedern.

 
Der Opener Sowing Season beginnt leise und resigniert, explodiert dann unerwartet in yeah-Rufe, die irgendwie auch noch gut und keineswegs so peinlich klingen, wie es beim lesen klingt. Dazwischen balanciert Jesse Lachey eindrucksvoll zwischen ruhiger Melancholie und trotzigem Zorn. Wie alle Texte auf diesem Album sind seine lyrics hier nicht einfach verständlich, aber nichts desto trotz poetisch und einprägsam. Der Song endet mit den simplen aber fantastischen Zeilen „I'm not your friend, I'm not your lover, I'm not your family!“, die zusammen mit dem riesigen Riff einfach dazu zwingen die Faust in den Himmel zu strecken und mit zu schreien.

Die Single Jesus ist so etwas wie ein offener Brief an Jesus über die großen Fragen des Lebens: Was tun gegen die Einsamkeit? Warum all der der Hass? Was kommt nach dem Tod? Dabei verdient die Band schon einen Preis dafür, den Song weder gotteslästerlich noch übermäßig christlich daherkommen zu lassen und stattdessen biblische Symbole in eine philosophische Gedankenspinnerei über die typischen Fragen des Lebens einzubinden. Davon abgesehen ist Jesus aber auch einfach ein melodischer Geniestreich.

Der thematisch und musikalisch heftigste Song auf dem Album ist das knapp 8-mintüge Limousine (MS Rebridge), der sich mit dem Tod der erst 7-jährigen Katie Flynn beschäftigt. Das Mädchen wurde auf der Heimfahrt von einer Hochzeit, auf dem sie Blumenmädchen war, von einem betrunkenen Fahrer getötet. Ein solches Thema kann schnell erdrückend und schwerfällig daherkommen, aber Brand New erzählen den Unfall aus mehreren Perspektiven (Katie, ihre Mutter, der betrunkene Fahrer) und bilden dabei langsam eine kaum auszuhaltende Spannung auf, die sich dann in einem kurzen Gitarrenriff entlädt, dass die bereits angesammelte Gänsehaut noch einmal vervielfacht und meiner Meinung nach der größte Moment auf einem Album voller großartiger Momente ist.

Der beste Song aber bleibt für mich Degausser. Ein Degausser ist ein Gerät zur Entmagnetisierung bzw. Datenlöschung und dient hier scheinbar als Metapher für eine epische aber auch zerstörerische Liebe. Sänger Jesse Lacey schwankt absolut eindrucksvoll zwischen Resignation, Flehen und wütendem Aufschrei. Dazu gibt es gigantische Gitarrenriffs und einen dramatischen Kinderchor, die den Song bis zum Ende hin zu einem immer breitwandigeren Rocker machen, der emotional aufwühlt und so schnell nicht mehr loslässt. Was diesen Song, ebenso wie das ganze Album, so einzigartig macht sind diese alles durchziehende Emotionalität und diese sich immer wieder entladende Frustration, die im Gegensatz zu den Millionen so künstlich wirkenden Emo- und Alternative Rock-Bands auch nach dem hundertsten Hördurchgang noch überraschen, erschrecken und einfach mitreißen.

"I used to pray like God was listening.
I used to make my parents proud.
I was the glue that kept my friends together,
Now they don't talk and we don't go out."
 


Ältere Liebeserklärungen: hier, hier und hier

Sonntag, 15. April 2012

Musiktipps: 11 weitere, aufregende Musikerinnen unter 30 (UK Edition)

Teil 1 gibt es Hier

Daughter / Elena Tonra (Folk, Singer-Songwriter; geboren 1989 oder 88)   


 
  Gabrielle Aplin (Indie Pop, Singer-Songwriter; geboren 1992) 


Lucy Rose (Indie, Folk; geboren 1989) 

  Rachel Sermanni (Folk, Singer-Songwriter; geboren ~1993)


Emily and the Woods / Emily Wood (Folk, Singer-Songwriter; geboren 1989) 


  Rae Morris (Singer-Songwriter; geboren ~1992)


 Charlene Soraia (Folk, Singer-Songwriter; geboren 1988)


  Misty Miller (Folk, Singer-Songwriter; geboren ~1995)


Hannah Peel (Folk, Singer-Songwriter; geboren ~1983)


  Rose Kemp (Folk; geboren 1984)  
Hörprobe: Rose Kemp - Saturday Night (live) 

...und nicht aus Großbritannien, aber wen interessierts, weil: WOW! 

 Lady Lamb the Beekeeper / Aly Spaltro (Folk, Singer-Songwriter; geboren ~1990) 
Hörprobe: Lady Lamb the Beekeeper - Up the Rafters/Regarding Ascending the Stairs (live)  

Sonntag, 29. Januar 2012

Liebeserklärung an ein Album: Midnight Organ Fight von Frightened Rabbit

 
Räumen wir die obligatorischen aber angebrachten Superlative gleich am Anfang aus dem Weg: Midnight Organ Fight ist definitiv eines meiner Lieblingsalben im schwammigen Bereich zwischen Folk, Indie und Singer-Songwriter Musik, vielleicht sogar eines meiner Lieblingsalben überhaupt. Auf jeden Fall aber ist es das beste (Konzept)-Album über eine zerbrochene Beziehung. Dabei fällt es zum Glück weder in die „Ich hasse Sie/Ihn so sehr und hoffe Er/Sie stirbt qualvoll“ noch in die „Ich will sterben/ bitte komm zurück zu mir“ Kategorie, die oft peinlich und definitiv sehr ausgelutscht sind. Stattdessen erschuf Scott Hutchinson gemeinsam mit seiner Band eine realistische, gefühlvolle und einfach großartige Musik-Collage, die sich mit allen Aspekten auseinander setzt, die nach dem Ende einer großen Liebe das Leben der Liebenden bestimmen. Neben der tollen Musik und dem sympathischen "Schotten-tum" der Band sind es vor allem die fantastischen Texte von Hutchinson, die Midnight Organ Fight zu einem so guten und berührenden Album machen. Seine Texte sind durchaus poetisch und werfen den Hörer in ein Wechselbad von großen und kleinen Gefühlsregungen. Trotzdem bleiben sie dabei immer äußerst direkt und besitzen einen hohen Identifikationswert für eigentlich jeden, der schon mal verliebt war, der sich schon ein mal getrennt hat und/oder schon mal Liebeskummer hatte. Und das trifft, denke ich, eigentlich auf jeden zu.

Das Album beginnt mit einem ungewöhnlichen und fast schon ein wenig irreführenden Song. Modern Leper ist wohl der eingängigste und rockigste Song der platte, dabei jedoch auch einer der wenigen Momente in denen Hutchinson sich in Selbstmitleid ergeht. Andererseits ist dieses Gefühl, beziehungsunfähig und allgemein Gift für andere zu sein, durchaus verständlich und bedarf sicher auch mal der (über)dramatischen) Geste. I feel better dagegen setzt thematisch am Ende des Albums an und stellt den Protagonisten an eine Stelle, an der er scheinbar die Beziehung endlich verarbeitet hat und halb triumphierend singt „This is the last song that I'll write about you!“. Der Song schafft es wunderbar diesen oft trügerischen, aber dennoch so tollen Moment wieder zu geben, wenn man endlich, endlich über jemanden hinweg ist und sich wieder ins Leben stürzen will. Der Rest von Midnight Organ Fight zeigt dann in nicht chronologischer Reihenfolge wichtige Stationen im Verarbeitungsprozess dieser Trennung, von der wir nur bruchstückhaft etwas erfahren, bis hin zu diesem Aufruf in I feel Better. Keep yourself Warm ist eine resignierte Ballade über gesichtslose One-Nights-Stands gegen die Einsamkeit, an deren Ende immer die drastische und deprimierende Wahrheit „It takes more than fucking someone, to keep yourself warm“ steht. Der Albumtitel selbst ist ein cleverer Euphemismus für diese Art von Sex, der auch im Quasi-Titelsong Fast Blood aufgegriffen wird. Die Musik und Hutchinsons extrem emotionale Stimme, schaffen es einen sofort in diesen Zustand irgendwo zwischen hormonellem Aufruhr und dem Gefühl von Sinnlosigkeit und Resignation zu versetzen.


Ganz am anderen Ende des Spektrums wartet mit The Twist der wohl fröhlichste Song des Albums. Auch hier geht es zunächst um anonymen Sex. Doch versteckt sich jetzt das echte Bedürfnis nach Nähe und Zuneigung dahinter, eben über den Umweg von aufregenden Nächte in Kneipen und Discos an deren Ende vielleicht die Möglichkeit einer neuen Liebe wartet. Der Song wäre dabei gleichzeitig sicher ein guter Soundtrack für eine solche Begegnung mit der spannenden Unbekannten, mit der man sich schnell eine gemeinsame Zukunft ausmalt...

My backwards Walk und Poke dagegen behandeln das nostalgische und ebenso selbstzerstörerische Bedürfnis die vergangene Liebe Revue passieren zu lassen und zu analysieren wo was wie warum falsch gelaufen ist. My backwards Walk führt dabei sprichwörtlich zurück zu dieser Frau, die den Erzähler nicht loslässt. Er klebt an dieser Frau und weiß nicht, wie er ohne sie weiterleben soll. „You're the shit and I'm knee deep in it“ ist dabei wunderbar doppeldeutig. Steckt er wegen ihr tief in der Scheiße oder ist sie eben „the shit“, also so toll, dass er nie weg will? Bei Poke, dem wohl schönsten und traurigsten Song von Midnight Organ Fight schwankt Hutchinson zwischen der Großmütigkeit die Exfreundin endgültig los zu lassen, ihr das Beste zu wünschen und der tiefen Traurigkeit bei der Erkenntnis, dass es jetzt endgültig vorbei ist und ihn nichts mehr an sie bindet. Dieses Gefühl wird wie so oft ebenso poetisch wie treffend zusammengefasst. „If someone took a picture of us now, they'd need to be told, that we had ever clung and tied a navy knot with arms at night. I'd say she was his sister, but she doesn't have his nose.“ Dieser Song fasst diese Gefühle der oft masochistischen Nostalgie und der schmerzhaften Erkenntnis, dass eine Beziehung endgültig vorbei ist, perfekt zusammen und sorgt auch nach dem x-ten Hören noch dazu, dass sich meine Magengegend zusammen zieht und mein Herz schwer wird.

Von dieser Stelle der Beziehung und auch des Albums wäre ein optimistischer Schritt zurück zu I feel Better und neu gefundenem Lebensmut oder zum Twist und der erneuten Suche nach Liebe angenehm und logisch. Das Album macht aber zunächst einen kleinen Umweg zur der düsteren Stelle, direkt nach der Erkenntnis, dass SIE weg ist: Floating in the Forth beginnt mit dieser traumatischen Erkenntnis: „I closed my eyes for a second and when they opened you weren't there.“ Diese schlimmste Phase, direkt nach der Trennung, führt an den Rande des Selbstmords oder zumindest zu seiner aktiven Kontemplation. Doch stattdessen sorgt die Depression am Ende zu einer Re-Evaluierung und neuen Wertschätzung des Lebens „Take your life, give it a shake, gather up all your loose change. I think I'll save suicide for another year.“ (Und diese Aussage wird noch bedeutender, wenn man Not miserable vom Folgealbum hört, auf dem Hutchinson attestiert, dass es ihm jetzt besser geht und die Gefühle, die ihn fast zum Selbstmord brachten, endgültig verschwunden sind).
Und zumindest in meinem Kopf setzt nach diesem Ausblick der Schreibprozess dieses wunderschönen Albums an, dass die beste Verarbeitung von Trennungsschmerz ist, die ich mir vorstellen kann. Und der gekonnte Spagat zwischen intimer Selbstoffenbarung und einer fast schon allgemeingültigen Führung durch den Trennungsschmerz für alle vom Liebeskummer geplagten, macht Midnight Organ Fight für mich zu einem absoluten Meisterwerk.



Donnerstag, 29. Dezember 2011

Ausblick ins Jahr 2012 (Filme und Musik)

Filme:

Drive


Ein zurückgezogen lebender Stuntman bei Tag und Fluchtwagenfahrer bei Nacht (Ryan Gosling) muss nach einem schief gelaufenen Überfall seine Nachbarin (Carey Mulligan) und deren Sohn beschützen. Top besetzter, großartig gemachter Film zwischen Gewaltorgie und zärtlicher Romanze.

Shame


Der sexsüchtige Brandon (Michael Fassbender) wird von seiner Schwester Cissy (Carey Mulligan) aus seinem gut durchgeplanten Leben gerissen. Heftiger und sicherlich großartiger Film, der leider wahrscheinlich zu krass für die Oscars sein wird.

Girl with the Dragon Tattoo


Neuinterpretierung des schwedischen Thrillers von David Fincher mit Daniel Craig und Rooney Mara in den Hauptrollen und Musik von Trent Reznor und Atticus Ross.

Like Crazy


Gut besetztes Drama, in dem ein junges Paar nach einer kurzen Phase des Zusammenseins mit den Problemen einer Fernbeziehung kämpfen muss. Der Film wurde bereits mit wichtigen Preisen ausgezeichnet und sieht äußerst viel versprechend aus.

The Dark Knight Rises


Abschließender Teil von Nolans Batman-Trilogie wird erneut eindrucksvoll die Regel widerlegen, dass komplexe Qulitätsfilme keine Blockbuster sein können.

Prometheus


Ein düsterer Science Fiction-Thriller von Ridley Scott, der vielleicht ein Alien Prequel ist? Dazu Charlize Theron, Michael Fassbender, Noomi Rapace und Idris Elba und dieser Teaser?! I'm so in! 

Martha Marcy May Marlene


Die junge Martha zieht nach ihrer Flucht aus einer Sekte zu ihrer Schwester und deren Mann, kann aber die schlimmen Erinnerungen an ihre Vergangenheit nicht abschütteln.

Chronicle


Es sieht zumindest so aus, als ob das Superheldengenre immer noch Raum für interessante, neue Ideen hat.

Haywire

 

Ein Actionfilm von Steven Soderbergh mit einem grandiosen Cast und der wohl ersten glaubwürdigen Action-Heldin in Hollywood...

We bought a Zoo


Schamloses Feel Good-Movie von Cameron Crowe (Almost Famous) über einen Mann (Matt Damon), der nach dem Tod seiner Frau einen Zoo kauft, um seinen Kindern ein schöneres Leben zu geben. Mit einem Soundtrack von Jónsi (Sigur Ros).

The Hobbit - An Unexpected Journey


Ich war doch sehr skeptisch, doch bereits nach wenigen Sekunden fühlte mich wie vor elf Jahren(!), als der erste Herr der Ringe Teaser erschien...



Musik:


Sleigh Bells – Reign of Terror 14.2.
Nach dem nichts sagenden, aber extrem gut gemachten Album-Teaser und den vielversprechenden Aussagen der Band, freue ich mich doch sehr darauf.

Soap&Skin – Narrow 10.2.
Ein Minialbum als Nachfolger von Lovetune for Vacuum, meinem meist gehörten Album 2009 und wahrscheinlich auch überhaupt. Die Vorfreude ist extrem!

Sharon van Etten – Tramp 14.2.
Mit diesem Album wird Sharon van Etten hoffentlich richtig erfolgreich, die erste Hörprobe macht auf jeden Fall schon Lust auf mehr.

Shearwater – Animal Joy 14.2.
Der erste Song Breaking the Yearlings ist überraschend rockig, aber genau so groß angelegt und spannend wie alles von der Band bisher.

The Twilight Sad - No One Can Ever Know 7.2.
Ich habe ein wenig Angst vor dem angekündigten Stilwechsel und das bisher Gehörte war nicht sooo überzeugend, aber die Hoffnung bleibt... 
 


Hype:  
Egal wie gut oder schlecht ihr Album wird, Lana Del Rey wird 2012 nicht nur Chartstürmerin sein, sondern auch die Feuilletons weltweit noch mehr zu hochtrabenden Erörterungen über den Zustand der Musikindustrie, die Rolle der Frau darin und del Reys aufgespritzten Lippen animieren...
Azealia Banks wird, wenn nicht kommerziell erfolgreich, dann zumindest Kritikerliebling werden und als Retterin des Hip Hop/ R & B 2012 gefeiert werden.
Mumford & Sons werden mit ihrem neuen Album endgültig die neuen Kings of Leon werden (und hoffentlich, hoffentlich trotzdem ein gutes Album abliefern).
Die tollen Dog is Dead werden, wenn die Welt gerecht ist, dann die neuen Mumford & Sons, soll heissen: Die Jungs haben nur Hits, hoffentlich werden sie nächstes Jahr a) ein tolles Album rausbringen und b) dann in aller Munde sein! 
Ich persönlich werde sicher Dirty Ghosts am meisten hypen, die nach einigen sehr spaßigen Demo-Songs am 21. Februar endlich ihr Debüt-Album Metal Moon herausbringen werden!

Künstler, die wahrscheinlich oder auch ganz sicher irgendwann nächstes Jahr Alben herausbringen, auf das ich mich sehr freue: 
Neurosis, The Knife, The Walkmen, Stolen Babies, Bat for Lashes, Amenra, The xx, Cult of Luna, Mumford & Sons, El-P, The Unwinding Hours, Sigur Ros, Her Name is Calla, Metallica (hier ist es weniger Vorfreude und mehr eine Mischung aus Pflichtbewusstsein und morbider Faszination), Converge, Brand New, Ceremony, The Dillinger Escape Plan, Fanfarlo, Made out of Babies (mehr ein sehr starker Wunsch ohne offizielle Bestätigung), Mammút (auch keine offizielle Bestätigung gefunden, aber wenn nicht, muss ich weinen), Captain Planet (muss eigentlich was kommen, auch wenn sich ihr Label leider in Luft aufgelöst hat), Creep, Black Breath und Godspeed You! Black Emperor (Gerüchteweise)

Ich glaube, es wird ein gutes Jahr!

Sonntag, 25. Dezember 2011

Liebeserklärung an ein Album: A Day of Nights von Battle of Mice


Es gibt wohl kaum ein Album bei dem die Entstehungsgeschichte so gut zur Musik passt und auch scheinbar so essentiell für die Stimmung des Ganzen ist. Josh Graham (Grafikdesigner und zuständig für die Bühnenshow von Neurosis, Gründungsmitglied von Red Sparowes und Hauptsongwriter von A Storm of Light) und Julie Christmas (Sängerin von Made out of Babies) lernten sich während einer gemeinsamen Tour kennen und konnten sich laut eigener Aussagen von Anfang an nicht leiden. Irgendwie entstand aber aus der anfänglichen Abneigung doch irgendwie eine unbequeme Beziehung und dann wohl auch der Drang gemeinsam Musik zu machen. So wird Battle of Mice aus der Taufe gehoben. Doch während der Aufnahmen zerbricht das kurze Glück der Beiden und schlägt wieder in richtigen Hass um. Laut der Beteiligten war es wohl so schlimm, dass Christmas und Graham nicht zur gleichen Zeit aufnehmen konnten. Das dennoch eine ganze CD dabei heraus kam, ist verwunderlich, vor allem wenn man bedenkt, wie gut die Musik hier ist. Ich bin ein Fan der anderen Bands von Graham und Christmas, aber finde, dass sie so etwas Gutes und Einzigartiges wie A Day of Nights nie zuvor geschaffen haben und auch wohl nie mehr schaffen werden. Und die zerbrochene Liebe und die damit zusammen hängende Frustration, Wut und alle widerstrebenden Gefühle sind sicher ein wichtiger Teil für dieses perfekte Album.

Dabei ist A Day of Nights weder ein offensichtliches Trennungsalbum noch ein Album über Liebe oder Beziehungen (auch wenn manche Lieder durchaus als Liebeslieder aus der Hölle funktionieren). Stattdessen ist es eine verzweifelte, Blut triefende und absolut erschöpfende Verarbeitung von Schmerz. Die Musik dazu besteht hauptsächlich aus schleppendem und alles erschütternden Sludge, der sich basslastig in die Gehörgänge fräst und nur von atmosphärischen Keyboardteppichen unterbrochen wird. Das Gegenstück dazu ist die an Intensität wohl nicht zu überbietende Performance von Julie Christmas. Man hat das Gefühl, dass Graham die heftigste Musik seines Lebens geschrieben hat im verzweifelten Versuch den Gesangsparts auch nur ansatzweise ebenbürtig sein zu können. Dabei ist Christmas weder die extremste Sängerin der Welt, noch die "Beste". Stattdessen legt sie so viel Intensität und Persönlichkeit in ihre gesangliche Darbietung, dass die Aufnahmen sicher zu einem absoluten Erschöpfungszustand nach jeder Session geführt haben müssen. Sie singt, flüstert, schreit, kreischt haucht und verausgabt sich in jedem Song scheinbar weit über das menschenmögliche hinaus. Diese Darbietung wurde oft als "Björk nach einem Nervenzusammenbruch" zusammengefasst, aber das ist auf jeden Fall unzureichend. Christmas Stimme kann zwar auch hoch und exaltiert klingen, aber ansonsten gibt es da wenig Gemeinsamkeiten. Sie, ebenso wie Björk oft, nur auf ihre ungewöhnliche Stimme und ihre Seltsamkeiten zu reduzieren, wäre unfair. Christmas kann sehr gut singen und ist eine eindrucksvolle Shouterin. Aber dazwischen wechselt sie ebenso schnell, wie scheinbar von einer Persönlichkeit zur anderen. Da klingt sie eben noch wie ein verletzliches und geschundenes Opfer um dann plötzlich los zu brechen und alles in ihrer Umgebung kurz und klein zu schreien. Die Stimmungen, die A Day of Nights dabei ausstrahlen, sind oft verwirrend. Da wären einmal der Zorn und die Verzweiflung, die nur zu gut zu der schwierigen Beziehung von Christmas und Graham passen. Dazu gesellen sich aber neben einer immer fühlbaren Aura von Bedrohung auch Momente, von denen purer Sex ausgeht. Platt gesagt schwankt der Hörer deswegen immer wieder zwischen Erregung für und Angst vor dieser Frau. 

Auf einer anderen Ebene überwältigt einen das Ganze dann, reißt mit und sorgt für häufig wieder kehrende, unaufhaltsame Gänsehautschauer. Am Ende eines der Lieder gibt es dann noch einen gruseligen Telefonausschnitt, der die musikalisch herauf beschworenen Szenen eindrucksvoll untermalt und ihnen einen zusätzlichen Realitätsbezug gibt. Ein Polizist der Notrufzentrale versucht am Telefon die Adresse einer hysterischen Frau zu erfahren um ihr Hilfe schicken zu können, während der Streit mit einem Mann im Hintergrund zusehends eskaliert. Zu Ursprung und Authentizität dieser Aufnahme äußert sich die Band nicht und so kann sich der Hörer seinen Teil dazu selbst denken und das Gewaltdokument schlüssig in dieses gewalttätige und gewaltige Stück Musik einfügen.

Nach A Day of Nights gab es von Battle of Mice nur noch eine hervorragende Split-EP, deren Songs im gleichen Zeitraum entstanden waren. Danach widmeten sich die Beteiligten wieder ihren eigentlichen Bands. Das ist auf den ersten Blick zwar traurig, aber auch ebenso logisch wie verständlich. Das Graham und Christmas noch einmal zusammen arbeiten wollen oder gar können, erscheint unmöglich, wenn man nur genau hin hört. Und darüber hinaus wären die Stimmungen, die zur Entstehung dieses Meisterwerks führten, nicht reproduzierbar. Ein so gutes Album mit einem Nachfolger zu beschmutzen, der nur enttäuschen kann, wäre dazu noch unklug und würde dieser Lehrstunde an Intensität und Heaviness nur ihr Alleinstellungsmerkmal und ihre Einzigartigkeit rauben. 

Donnerstag, 22. Dezember 2011

Meine Lieblingsmusik 2011 - Teil VII: Vergessene Schätze

Zum Abschluss dieser umfangreichen aber sicherlich keineswegs vollständigen Liste meiner Lieblingsmusik 2011 noch ein "wenig" Musik, die ich erst viel zu spät für mich entdeckt habe oder aber schlichtweg übersehen/ vergessen bis jetzt...Dazwischen gibt es noch ein paar tolle Videoclips aus diesem Jahr zur Auflockerung: 

Kate Bush – 50 Words for Snow  
(Singer-Songwriter/ Pop/ Alternative) 


Es ist schon komisch; Ich höre Musik von unzähligen Künstlerinnen, die immer wieder passender- oder viel öfter auch unpassenderweise mit Kate Bush verglichen werden. Wirklich gehört habe ich aber trotzdem kaum Musik von ihr selbt, auch wenn ich selbst auch durchaus mal den Kate Bush-Vergleich auspacke, wenn ich jemandem eine Künstlerin empfehlen will. Ich kenne natürlich so einige ihrer Hits, aber 50 Words of Snow ist, dank höchster Lobpreisungen in der gesamten Kritikerwelt, das erste Album von ihr mit dem ich mich ausführlich beschäftigt habe. Nicht nur vom Titel und der Aufmachung her ist es auf den ersten Blick das perfekte Winteralbum. Melancholisch, sehnsüchtig, verbreitet Bushs Stimme und das in allen Songs prominente Klavier immer auch eine wohlige Wärme in dieser kalten und einsamen Winterlandschaft.
Snowflake, der erste Song, zeigt bereits wo die Reise hinführen wird: Eine simple aber berührende, wiederkehrende Klaviermelodie und Kate Bushs variabler Gesang entführen den Hörer in einen Zustand irgendwo zwischen Weihnachtsstimmung und Winterdepression. Alle Lieder auf 50 Words for Snow sind zwischen sieben und vierzehn Minuten lang, erfordern also Geduld, entfalten dafür aber kleine Mikrokosmen, die den Hörer aus dem Alltag reißen und hinein in diese mystischen Geschichten bevölkert von Geistern, einem lebendigen Schneemann, dem Yeti und natürlich jede Menge Schnee.
Der Schneemann etwa taucht in Misty auf und verbringt eine leidenschaftliche Nacht mit der Erzählerin, bevor er am Morgen schmilzt. In anderen Händen wäre ein solches Thema lächerlich und albern, aber hier berührt dieser wunderschöne, dramatische, leidenschaftliche und tief traurige Song so schnell, dass man gerne bereit ist an diese Liebesgeschichte zu glauben. Wild Man ist ähnlich ausufernd, aber klingt viel mehr nach den 80ern und gleichzeitig ungemein jazzig. Kate Bush sympathisiert dazu in ihren lyrics mit einem gejagten und missverstandenen Yeti.
Der überraschendste Song aber ist Snowed in at Wheeler Street, ein Duett mit Elton John. Doch es passt und es wirkt. Und wie es wirkt! In einer gelegentlich zum epischen Rocksong ausufernden Klavierballade spielen John und Bush Liebhaber, die sich über Jahrtausende hinweg an wichtigen Ereignissen in der Geschichte treffen und immer wieder verlieren.
Nach diesem emotionalen Ritt zeigt der Titelsong wieder Bushs exzentrische Seite. Inspiriert von dem Mythos die Eskimos hätten 50 Wörter für Schnee, erfand sie selbst 50 Wörter und engagierte Stephen Fry diese zu rezitieren während sie selbst ihn im Hintergrund im wahrsten Sinne des Wortes anfeuert. Zum Ausgleich und Abschluss kommt dann noch Among Angels, eine wunderschöne Ballade, die gleichzeitig am Herzen zieht und es doch auch wieder wohlig warm einpackt. 50 Words for Snow ist sicher kein Album für alle Stimmungen oder jede Jahreszeit, aber es funktioniert wunderbar in der kalten und besinnlichen Winterzeit, für die es offenbar gemacht wurde und gibt nebenbei den vielen aufstrebenden Songwriterinnen ein neues Fernziel.


Evening Hymns – Dead Deer: Natürlich habe ich mit das schönste Video diesen Jahres in meiner Liste vergessen...(Achtung NSFW).

Jessica Lea Mayfield – Tell Me  
(Folk/ Singer-Songwriter)


Jessica Lea Mayfield ist erst 22 Jahre alt, macht aber schon seit sie 8 Jahre alt ist Musik. Und das merkt man auf Tell Me, ihrem zweiten Soloalbum, deutlich. Es klingt nicht nur reifer und runder als der Vorgänger With Blasphemy so Heartfelt, sondern auch viel weiser und erfahrener als eine 22-Jährige eigentlich klingen sollte. Im Mittelpunkt steht Mayfields so schwer greifbare Stimme. Oft singt sie leicht leiernd und resigniert, fast als ob sie es nicht richtig beherrschen würde, dann aber wieder kraftvoll, klar und schön. Die Musik dazu bewegt sich zwischen Folk, Country, und Rock. Höhepunkte sind der fast fröhliche Ohrwurm Blue Skies Again, der überraschend rockige Opener I'll be the One You want someday und das melancholische Run myself into the Ground, das klingt wie ein trauriger Popsong gespielt von einer Folk-Country-Band. Auch die anderen Songs auf Tell Me sind durchaus hörenswert und bewegen sich dabei zwischen entspannten und nachdenklichen Folk Songs, imemr aber mit einem melanchollischen Touch.

CREEP - Animals (feat. Holly Miranda): Creep zum Zweiten - Sexy & Unheimlich, mit einer ungewöhnlichen Gastsängerinnen-Performance. Großartig!

Black Tusk – Set the Dial 
(Sludge/ Stoner Rock)


Black Tusk kommen aus Savannah in Georgia, einem Ort mit gerade einmal 130.000 Einwohnern, der aber bereits Kylesa, Baroness und Circle takes the Square hervorgebracht hat. Das schafft also auch eine Erwartungshaltung, der die Band auf Set the Dial aber mühelos gerecht wird. Der heftige Sludge der Band ist durchzogen von großartigen, hymnischen und vor allem einprägsamen Passagen ohne Ende. Neben Stoner Rock gibt es auch Black Sabbath-Einflüsse, jede Menge Verbeugungen vor klassichem Metal und ein unwiderstehliches Rock and Roll-Feeling. Und die Riffs, mein Gott, die Riffs! Es ist einfach unmöglich zu dieser Musik nicht wild im Zimmer rum zu springen, das Haar zu schütteln und Luftgitarre zu spielen bis zur totalen Erschöpfung!

Charlotte Gainsbourg – Terrible Angels: Unheimlich, sexy & seltsam, unbedingt bis zum Ende schauen.

Wolfgang Müller – Ahoi 
 (Singer-Songwriter)


Wolfgang Müller macht auf Ahoi wunderbare deutsche Singer-Songwriter-Musik im elementarsten Sinne: Seine melancholische Stimme wird nur von einer verträumten und verspielten Akustik-Gitarre ergänzt. Der wahre Schatz sind aber die Texte, die poetisch, traurig, witzig und vor allem durchdacht sind ohne auch nur einen Funken Gefühl dabei zu verlieren. Neun der hier vertretenen elf Stücke gab es bereits auf den beiden Vorgängeralben zu hören, aber im intimen und zerbrechlichen Kontext der Akustikversionen entfalten diese Perlen eine noch größere Wirkung und sorgen für unaufhörliche Gänsehaut. Definitiv eines der schönsten Alben des Jahres.

 
Mammút - Leggdu Mig I Salt: Tolles, außergewöhnliches Live-Video Nr. 1

Trap Them – Darker Handcraft  
(Hardcore/ Crust)


Meine Fresse! Trap Them sind mit das heftigste, was ich dieses Jahr zu hören bekam. Leider habe ich ihnen erst viel zu spät eine Chance gegeben, als sie auf allen Best of Listen auftauchten und meine Neugier immer größer wurde. Dabei hatte die Band von Anfang so einiges, was sie genau richtig für mich machte. Darker Handcraft ist eine großartige Mischung aus Hardcore und Crust, eingängig, mitreißend und absolut brutal. Und für die Produktion ist mal wieder der allgegenwärtige Kurt Ballou (Converge) zuständig, der einen unheimlich dreckigen und fast schmerzhaft direkten Sound zaubert, perfekt zu Trap Them passend. Das Ergebnis ist ein Album, das dir gleichzeitig die Fresse poliert und zu fast schon zwanghaften Zuckungen führt.

O'Death - Black Dress: Tolles, außergewöhnliches Live-Video Nr. 2

The Rural Alberta Advantage – Departing 
 (Folk/ Singer-Songwriter/ Indie)


Ich habe The Rural Alberta Advantage erst dieses Jahr für mich entdeckt und Departing litt unfair darunter, dass ich seine Vorgänger Hometowns zuerst gehört hatte und sehr mochte. Im direkten Vergleich gab es dort mehr Hits und ich ließ Departing schnell links liegen und gab ihm keine Chance mehr. Erst mit etwas Abstand kann ich gegen Ende des Jahres erkennen, dass es vielleicht sogar das bessere Alben der Beiden ist. Denn wo Hometowns eine auf den zweiten Blick etwas zusammen gewürfelte Mischung aus unterschiedlichen Songs und Stimmungen ist, wirkt Departing einfach runder, geschlossener und deswegen auch dynamischer. Insgesamt ist die Musik natürlich immer noch dieselbe, aber das Album kann viel besser als Ganzes genossen werden. Der Sound ist darüber hinaus insgesamt überraschend rockig und mitreißend, es schwebt oft eine gewisse Wut in den Songs, die zu karthatischem Tanzen und lautem mitsingen einlädt.

Polyana Felbel - India: Tolles, außergewöhnliches Live-Video Nr. 3

Dark Castle - Surrender To All Life Beyond Form  
(Doom Metal/ Sludge)


Zuerst war ich enttäuscht vom zweiten Album von Dark Castle. Ich gab das Hören schnell auf und wagte erst am Jahresende wieder einen zweiten Versuch. Und siehe da, es zündet doch. Noch deutlich seltsamer und auch unzugänglicher als der Vorgänger Spirited Migration braucht Surrender To All Life Beyond Form mehr Geduld. Aber dann gibt es erneut eine extrem fette und dreckige Doom/Sludge-Walze um die Ohren. Es ist schon verblüffend, dass nur zwei Menschen/Instrumente und Stevie Floyds eindrucksvolles Shouting einen so massiven Sound erzeugen können. Nach einer Eingewöhnungsphase hat Surrender To All Life Beyond Form neben dem monströsen Sound auch eine größere Vielfalt und Dynamik als sein Vorgänger zu bieten und macht einfach viel Spaß!


  Austra - Lose It (Paperbag Session): Tolles, außergewöhnliches Live-Video Nr. 4


Harm's Way - Isolation 
(Hardcore)


Harm's Way aus Chicago klingen als ob Napalm Death gemeinsam mit Entombed ein Hardcore-Album aufgenommen hätten. Es ist unglaublich wie viel Energie und Testosteron die Band in ihren Sound packt. Das ganze klingt so tonnenschwer, brutal und dreckig, dass es unmöglich scheint die Faust dazu nicht in den Himmel zu strecken und durchs Zimmer zu springen wie ein Irrer. Solche Musik gibt es einfach viel zu selten: Man fühlt sich, davon angestachelt, für kurze Zeit in der Lage ganze Staaten zu stürzen, 500 Kilo zu stemmen oder zumidnest ein Hotelzimmer kurz und klein zu schlagen...Der Sänger sieht muskelbepackt und von Kopf bis Fuß tätowiert zwar sehr prollig, aber auch angemessen furchteinflößend aus und klingt wirklich wie Barney Greenway auf Steroiden. Er kotzt seine hasserfüllten Lyrics dem Hörer förmlich entgegen, bleibt dabei aber überraschend variabel: Er wechselt immer wieder zwischen angepisst, sehr angepisst und ultra angepisst. Das simple, aber extrem effektive Songwriting, die ultratief gestimmten Gitarren und der fette Sound tun ihr übriges um Isolation zu einem der brutalsten und besten Hardcore-Alben diesen Jahres zu machen.

Und in allerletzter Minute noch reingerutscht:

    
Moritz Krämer – Wir können nix dafür: Leider erst auf dem Fest van Cleef richtig entdeckt als er von Thees Uhlmann als „Deutschlands Joni Mitchell mit Haaren auf der Brust“ angekündigt wurde. Ehrliche, schräge Musik mit tollen deutschen Texten in denen ich mich absolut wiederfinden kann.

WU LYF - Go tell Fire to the Mountain: Trotz oder auch wegen merkwürdigem Image, durchdachtem Konzept und meistens unverständlicher Texte ist dieses Album dynamischer, aufregender Indie Rock, der mich schon beim ersten Hören in Euphorie versetzt hat.

The Civil Wars - Barton Hollow: Zwei schöne Menschen machen wunderschöne Folk Music mit toll harmonierenden Stimmen.

Clickclickdecker - Du Ich Wir Beide Zu Den Fliegenden Bauten: Eine Band, die live viel direkter, bewegender und einfach viel besser sind, bringen ein Live-Album raus - Sehr gut! 


Sigur Rós - Inni: Für alle, die noch keine Chance hatten die überwältigenden Live-Shows der Isländer zu erleben gibt mit der Cd/Dvd-Komination Inni die nächstbeste Entschädigung.

Danny Brown - XXX: Danny Brown hat eine für Rap absolut ungewöhnliche Stimme und sieht so "uncool" aus, dass G-Unit ihn nicht signen wollten. Wem das als Argument nicht reicht, sei gesagt, auf XXX gibt es dazu noch lustige/intelligente/hektische/mitreißende/ansteckende/wirre Raps, sehr gute Beats und herrlich viel Exzentrik...und das alles auch noch für umme! 

Kembe X - Self Rule: Noch mal Hip Hop, noch mal umsonst. Eher konventionell und Old School, klingt der erst 17-jährige Kembe schon wie ein Rap-Veteran mit tollem Flow, einem Talent für Storytelling und einer sehr guten Produktion für ein Self Release.