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Sonntag, 6. Mai 2012

Liebeserklärung an ein Album: The Devil And God Are Raging Inside Me von Brand New


The Devil and God are raging inside me ist ein Album das zuallererst einmal in die kleine Gruppe der Alben gehört, an die ich keine großen Erwartungen hatte, nur um dann komplett umgehauen zu werden. Die Band Brand New aus New York begann mit Your Favorite Weapon als harmlose aber unheimlich eingängige Pop Punk Band. Zwar waren es simple Songs voll von lyrischen Rachefantasien und Selbstmitleid, aber es machte einfach Spaß. Mit Deja Entendu folgte eine Wendung zu einem ernstem, tiefgründigeren und für mich deutlich überschätzten Emo/Alternative-Mix, komplett mit klischeehaften Texten und Songtiteln. Die Band wurde trotzdem oder gerade deswegen erfolgreich und etablierte sich als scheinbar typische Teenie-Band, hinter der aber schon damals etwas mehr zu stecken schien.

Das Brand New ihre verborgenen Stärken jedoch so umfassend präsentieren würden, damit hatte wohl keiner gerechnet. Nach dem großen Erfolg von Deja Entendu und dem Wechsel zu einem Major Label wäre der nächste, logische Schritt wohl eine schwächere Kopie des Vorgängers oder bestenfalls eine sanfte Weiterentwicklung mit größerem Pop-Appeal gewesen. Stattdessen ist The Devil and God are raging inside me eine bombastische, musikalische Offenbarung zwischen wütenden Ausbrüchen und schmerzhaft intimen Geständnissen. Es gibt auf dieser Platte keine leichten Momente, keinen Humor und auch (fast) keine poppigen Hits (im eigentlichen Sinne). Stattdessen ist alles so groß angelegt, so ernst und so dramatisch, dass es eigentlich anstrengend und durchaus auch mal peinlich sein müsste, wenn es nicht so meisterhaft und mitreißend umgesetzt wäre. Und so lösen sich diese Einwände in Sekundenschnelle auf. Bereits das unheimliche, stimmige Cover und der plakative Titel wären bei anderen Bands bloß "Emo"-Klischees, sind aber im Kontext des gigantischen Sounds von Brand New einfach nur stimmig. Der Titel The Devil and God are raging inside me kam laut Sänger Jesse Lachey nach einem Gespräch mit dem manisch-depressiven und schizophrenen Kult-Musiker Daniel Johnston zustande, passt aber auch hervorragend um die musikalische und lyrische Achterbahnfahrt dieses Albums, zwischen leiser Melancholie und schreiender Verzweiflung, zu beschreiben. Musikalisch ist die dazugehörige laut-leise Dynamik mit Anteilen von Emo, Hardcore, Indie und Grunge sicher nichts neues, aber so expansiv und in sich geschlossen, dass sich das Gehörte sofort meilenweit über die unzähligen, vergleichbaren Bands erhebt. Das die Songs so frisch und roh klingen, sich aber trotzdem zu einem so durchdachten und geschlossenen Ganzen zusammenfügen, ist sicher zum Teil dem langen Entstehungsprozess der Musik zu verdanken. Nachdem eine Reihe von halbfertigen Songs geleaked wurden, begann die Band frustriert noch einmal von vorne, schrieb gänzlich neu oder veränderte das bereits Veröffentlichte noch einmal massiv. Die Frustration über den Leak und der zunehmende Druck ein gutes Album zu schreiben, verband sich so mit den durch die lange Schreibzeit langsam gereiften Song-Gerüsten, zu diesen überraschend großartigen Liedern.

 
Der Opener Sowing Season beginnt leise und resigniert, explodiert dann unerwartet in yeah-Rufe, die irgendwie auch noch gut und keineswegs so peinlich klingen, wie es beim lesen klingt. Dazwischen balanciert Jesse Lachey eindrucksvoll zwischen ruhiger Melancholie und trotzigem Zorn. Wie alle Texte auf diesem Album sind seine lyrics hier nicht einfach verständlich, aber nichts desto trotz poetisch und einprägsam. Der Song endet mit den simplen aber fantastischen Zeilen „I'm not your friend, I'm not your lover, I'm not your family!“, die zusammen mit dem riesigen Riff einfach dazu zwingen die Faust in den Himmel zu strecken und mit zu schreien.

Die Single Jesus ist so etwas wie ein offener Brief an Jesus über die großen Fragen des Lebens: Was tun gegen die Einsamkeit? Warum all der der Hass? Was kommt nach dem Tod? Dabei verdient die Band schon einen Preis dafür, den Song weder gotteslästerlich noch übermäßig christlich daherkommen zu lassen und stattdessen biblische Symbole in eine philosophische Gedankenspinnerei über die typischen Fragen des Lebens einzubinden. Davon abgesehen ist Jesus aber auch einfach ein melodischer Geniestreich.

Der thematisch und musikalisch heftigste Song auf dem Album ist das knapp 8-mintüge Limousine (MS Rebridge), der sich mit dem Tod der erst 7-jährigen Katie Flynn beschäftigt. Das Mädchen wurde auf der Heimfahrt von einer Hochzeit, auf dem sie Blumenmädchen war, von einem betrunkenen Fahrer getötet. Ein solches Thema kann schnell erdrückend und schwerfällig daherkommen, aber Brand New erzählen den Unfall aus mehreren Perspektiven (Katie, ihre Mutter, der betrunkene Fahrer) und bilden dabei langsam eine kaum auszuhaltende Spannung auf, die sich dann in einem kurzen Gitarrenriff entlädt, dass die bereits angesammelte Gänsehaut noch einmal vervielfacht und meiner Meinung nach der größte Moment auf einem Album voller großartiger Momente ist.

Der beste Song aber bleibt für mich Degausser. Ein Degausser ist ein Gerät zur Entmagnetisierung bzw. Datenlöschung und dient hier scheinbar als Metapher für eine epische aber auch zerstörerische Liebe. Sänger Jesse Lacey schwankt absolut eindrucksvoll zwischen Resignation, Flehen und wütendem Aufschrei. Dazu gibt es gigantische Gitarrenriffs und einen dramatischen Kinderchor, die den Song bis zum Ende hin zu einem immer breitwandigeren Rocker machen, der emotional aufwühlt und so schnell nicht mehr loslässt. Was diesen Song, ebenso wie das ganze Album, so einzigartig macht sind diese alles durchziehende Emotionalität und diese sich immer wieder entladende Frustration, die im Gegensatz zu den Millionen so künstlich wirkenden Emo- und Alternative Rock-Bands auch nach dem hundertsten Hördurchgang noch überraschen, erschrecken und einfach mitreißen.

"I used to pray like God was listening.
I used to make my parents proud.
I was the glue that kept my friends together,
Now they don't talk and we don't go out."
 


Ältere Liebeserklärungen: hier, hier und hier

Sonntag, 29. Januar 2012

Liebeserklärung an ein Album: Midnight Organ Fight von Frightened Rabbit

 
Räumen wir die obligatorischen aber angebrachten Superlative gleich am Anfang aus dem Weg: Midnight Organ Fight ist definitiv eines meiner Lieblingsalben im schwammigen Bereich zwischen Folk, Indie und Singer-Songwriter Musik, vielleicht sogar eines meiner Lieblingsalben überhaupt. Auf jeden Fall aber ist es das beste (Konzept)-Album über eine zerbrochene Beziehung. Dabei fällt es zum Glück weder in die „Ich hasse Sie/Ihn so sehr und hoffe Er/Sie stirbt qualvoll“ noch in die „Ich will sterben/ bitte komm zurück zu mir“ Kategorie, die oft peinlich und definitiv sehr ausgelutscht sind. Stattdessen erschuf Scott Hutchinson gemeinsam mit seiner Band eine realistische, gefühlvolle und einfach großartige Musik-Collage, die sich mit allen Aspekten auseinander setzt, die nach dem Ende einer großen Liebe das Leben der Liebenden bestimmen. Neben der tollen Musik und dem sympathischen "Schotten-tum" der Band sind es vor allem die fantastischen Texte von Hutchinson, die Midnight Organ Fight zu einem so guten und berührenden Album machen. Seine Texte sind durchaus poetisch und werfen den Hörer in ein Wechselbad von großen und kleinen Gefühlsregungen. Trotzdem bleiben sie dabei immer äußerst direkt und besitzen einen hohen Identifikationswert für eigentlich jeden, der schon mal verliebt war, der sich schon ein mal getrennt hat und/oder schon mal Liebeskummer hatte. Und das trifft, denke ich, eigentlich auf jeden zu.

Das Album beginnt mit einem ungewöhnlichen und fast schon ein wenig irreführenden Song. Modern Leper ist wohl der eingängigste und rockigste Song der platte, dabei jedoch auch einer der wenigen Momente in denen Hutchinson sich in Selbstmitleid ergeht. Andererseits ist dieses Gefühl, beziehungsunfähig und allgemein Gift für andere zu sein, durchaus verständlich und bedarf sicher auch mal der (über)dramatischen) Geste. I feel better dagegen setzt thematisch am Ende des Albums an und stellt den Protagonisten an eine Stelle, an der er scheinbar die Beziehung endlich verarbeitet hat und halb triumphierend singt „This is the last song that I'll write about you!“. Der Song schafft es wunderbar diesen oft trügerischen, aber dennoch so tollen Moment wieder zu geben, wenn man endlich, endlich über jemanden hinweg ist und sich wieder ins Leben stürzen will. Der Rest von Midnight Organ Fight zeigt dann in nicht chronologischer Reihenfolge wichtige Stationen im Verarbeitungsprozess dieser Trennung, von der wir nur bruchstückhaft etwas erfahren, bis hin zu diesem Aufruf in I feel Better. Keep yourself Warm ist eine resignierte Ballade über gesichtslose One-Nights-Stands gegen die Einsamkeit, an deren Ende immer die drastische und deprimierende Wahrheit „It takes more than fucking someone, to keep yourself warm“ steht. Der Albumtitel selbst ist ein cleverer Euphemismus für diese Art von Sex, der auch im Quasi-Titelsong Fast Blood aufgegriffen wird. Die Musik und Hutchinsons extrem emotionale Stimme, schaffen es einen sofort in diesen Zustand irgendwo zwischen hormonellem Aufruhr und dem Gefühl von Sinnlosigkeit und Resignation zu versetzen.


Ganz am anderen Ende des Spektrums wartet mit The Twist der wohl fröhlichste Song des Albums. Auch hier geht es zunächst um anonymen Sex. Doch versteckt sich jetzt das echte Bedürfnis nach Nähe und Zuneigung dahinter, eben über den Umweg von aufregenden Nächte in Kneipen und Discos an deren Ende vielleicht die Möglichkeit einer neuen Liebe wartet. Der Song wäre dabei gleichzeitig sicher ein guter Soundtrack für eine solche Begegnung mit der spannenden Unbekannten, mit der man sich schnell eine gemeinsame Zukunft ausmalt...

My backwards Walk und Poke dagegen behandeln das nostalgische und ebenso selbstzerstörerische Bedürfnis die vergangene Liebe Revue passieren zu lassen und zu analysieren wo was wie warum falsch gelaufen ist. My backwards Walk führt dabei sprichwörtlich zurück zu dieser Frau, die den Erzähler nicht loslässt. Er klebt an dieser Frau und weiß nicht, wie er ohne sie weiterleben soll. „You're the shit and I'm knee deep in it“ ist dabei wunderbar doppeldeutig. Steckt er wegen ihr tief in der Scheiße oder ist sie eben „the shit“, also so toll, dass er nie weg will? Bei Poke, dem wohl schönsten und traurigsten Song von Midnight Organ Fight schwankt Hutchinson zwischen der Großmütigkeit die Exfreundin endgültig los zu lassen, ihr das Beste zu wünschen und der tiefen Traurigkeit bei der Erkenntnis, dass es jetzt endgültig vorbei ist und ihn nichts mehr an sie bindet. Dieses Gefühl wird wie so oft ebenso poetisch wie treffend zusammengefasst. „If someone took a picture of us now, they'd need to be told, that we had ever clung and tied a navy knot with arms at night. I'd say she was his sister, but she doesn't have his nose.“ Dieser Song fasst diese Gefühle der oft masochistischen Nostalgie und der schmerzhaften Erkenntnis, dass eine Beziehung endgültig vorbei ist, perfekt zusammen und sorgt auch nach dem x-ten Hören noch dazu, dass sich meine Magengegend zusammen zieht und mein Herz schwer wird.

Von dieser Stelle der Beziehung und auch des Albums wäre ein optimistischer Schritt zurück zu I feel Better und neu gefundenem Lebensmut oder zum Twist und der erneuten Suche nach Liebe angenehm und logisch. Das Album macht aber zunächst einen kleinen Umweg zur der düsteren Stelle, direkt nach der Erkenntnis, dass SIE weg ist: Floating in the Forth beginnt mit dieser traumatischen Erkenntnis: „I closed my eyes for a second and when they opened you weren't there.“ Diese schlimmste Phase, direkt nach der Trennung, führt an den Rande des Selbstmords oder zumindest zu seiner aktiven Kontemplation. Doch stattdessen sorgt die Depression am Ende zu einer Re-Evaluierung und neuen Wertschätzung des Lebens „Take your life, give it a shake, gather up all your loose change. I think I'll save suicide for another year.“ (Und diese Aussage wird noch bedeutender, wenn man Not miserable vom Folgealbum hört, auf dem Hutchinson attestiert, dass es ihm jetzt besser geht und die Gefühle, die ihn fast zum Selbstmord brachten, endgültig verschwunden sind).
Und zumindest in meinem Kopf setzt nach diesem Ausblick der Schreibprozess dieses wunderschönen Albums an, dass die beste Verarbeitung von Trennungsschmerz ist, die ich mir vorstellen kann. Und der gekonnte Spagat zwischen intimer Selbstoffenbarung und einer fast schon allgemeingültigen Führung durch den Trennungsschmerz für alle vom Liebeskummer geplagten, macht Midnight Organ Fight für mich zu einem absoluten Meisterwerk.



Sonntag, 25. Dezember 2011

Liebeserklärung an ein Album: A Day of Nights von Battle of Mice


Es gibt wohl kaum ein Album bei dem die Entstehungsgeschichte so gut zur Musik passt und auch scheinbar so essentiell für die Stimmung des Ganzen ist. Josh Graham (Grafikdesigner und zuständig für die Bühnenshow von Neurosis, Gründungsmitglied von Red Sparowes und Hauptsongwriter von A Storm of Light) und Julie Christmas (Sängerin von Made out of Babies) lernten sich während einer gemeinsamen Tour kennen und konnten sich laut eigener Aussagen von Anfang an nicht leiden. Irgendwie entstand aber aus der anfänglichen Abneigung doch irgendwie eine unbequeme Beziehung und dann wohl auch der Drang gemeinsam Musik zu machen. So wird Battle of Mice aus der Taufe gehoben. Doch während der Aufnahmen zerbricht das kurze Glück der Beiden und schlägt wieder in richtigen Hass um. Laut der Beteiligten war es wohl so schlimm, dass Christmas und Graham nicht zur gleichen Zeit aufnehmen konnten. Das dennoch eine ganze CD dabei heraus kam, ist verwunderlich, vor allem wenn man bedenkt, wie gut die Musik hier ist. Ich bin ein Fan der anderen Bands von Graham und Christmas, aber finde, dass sie so etwas Gutes und Einzigartiges wie A Day of Nights nie zuvor geschaffen haben und auch wohl nie mehr schaffen werden. Und die zerbrochene Liebe und die damit zusammen hängende Frustration, Wut und alle widerstrebenden Gefühle sind sicher ein wichtiger Teil für dieses perfekte Album.

Dabei ist A Day of Nights weder ein offensichtliches Trennungsalbum noch ein Album über Liebe oder Beziehungen (auch wenn manche Lieder durchaus als Liebeslieder aus der Hölle funktionieren). Stattdessen ist es eine verzweifelte, Blut triefende und absolut erschöpfende Verarbeitung von Schmerz. Die Musik dazu besteht hauptsächlich aus schleppendem und alles erschütternden Sludge, der sich basslastig in die Gehörgänge fräst und nur von atmosphärischen Keyboardteppichen unterbrochen wird. Das Gegenstück dazu ist die an Intensität wohl nicht zu überbietende Performance von Julie Christmas. Man hat das Gefühl, dass Graham die heftigste Musik seines Lebens geschrieben hat im verzweifelten Versuch den Gesangsparts auch nur ansatzweise ebenbürtig sein zu können. Dabei ist Christmas weder die extremste Sängerin der Welt, noch die "Beste". Stattdessen legt sie so viel Intensität und Persönlichkeit in ihre gesangliche Darbietung, dass die Aufnahmen sicher zu einem absoluten Erschöpfungszustand nach jeder Session geführt haben müssen. Sie singt, flüstert, schreit, kreischt haucht und verausgabt sich in jedem Song scheinbar weit über das menschenmögliche hinaus. Diese Darbietung wurde oft als "Björk nach einem Nervenzusammenbruch" zusammengefasst, aber das ist auf jeden Fall unzureichend. Christmas Stimme kann zwar auch hoch und exaltiert klingen, aber ansonsten gibt es da wenig Gemeinsamkeiten. Sie, ebenso wie Björk oft, nur auf ihre ungewöhnliche Stimme und ihre Seltsamkeiten zu reduzieren, wäre unfair. Christmas kann sehr gut singen und ist eine eindrucksvolle Shouterin. Aber dazwischen wechselt sie ebenso schnell, wie scheinbar von einer Persönlichkeit zur anderen. Da klingt sie eben noch wie ein verletzliches und geschundenes Opfer um dann plötzlich los zu brechen und alles in ihrer Umgebung kurz und klein zu schreien. Die Stimmungen, die A Day of Nights dabei ausstrahlen, sind oft verwirrend. Da wären einmal der Zorn und die Verzweiflung, die nur zu gut zu der schwierigen Beziehung von Christmas und Graham passen. Dazu gesellen sich aber neben einer immer fühlbaren Aura von Bedrohung auch Momente, von denen purer Sex ausgeht. Platt gesagt schwankt der Hörer deswegen immer wieder zwischen Erregung für und Angst vor dieser Frau. 

Auf einer anderen Ebene überwältigt einen das Ganze dann, reißt mit und sorgt für häufig wieder kehrende, unaufhaltsame Gänsehautschauer. Am Ende eines der Lieder gibt es dann noch einen gruseligen Telefonausschnitt, der die musikalisch herauf beschworenen Szenen eindrucksvoll untermalt und ihnen einen zusätzlichen Realitätsbezug gibt. Ein Polizist der Notrufzentrale versucht am Telefon die Adresse einer hysterischen Frau zu erfahren um ihr Hilfe schicken zu können, während der Streit mit einem Mann im Hintergrund zusehends eskaliert. Zu Ursprung und Authentizität dieser Aufnahme äußert sich die Band nicht und so kann sich der Hörer seinen Teil dazu selbst denken und das Gewaltdokument schlüssig in dieses gewalttätige und gewaltige Stück Musik einfügen.

Nach A Day of Nights gab es von Battle of Mice nur noch eine hervorragende Split-EP, deren Songs im gleichen Zeitraum entstanden waren. Danach widmeten sich die Beteiligten wieder ihren eigentlichen Bands. Das ist auf den ersten Blick zwar traurig, aber auch ebenso logisch wie verständlich. Das Graham und Christmas noch einmal zusammen arbeiten wollen oder gar können, erscheint unmöglich, wenn man nur genau hin hört. Und darüber hinaus wären die Stimmungen, die zur Entstehung dieses Meisterwerks führten, nicht reproduzierbar. Ein so gutes Album mit einem Nachfolger zu beschmutzen, der nur enttäuschen kann, wäre dazu noch unklug und würde dieser Lehrstunde an Intensität und Heaviness nur ihr Alleinstellungsmerkmal und ihre Einzigartigkeit rauben. 

Freitag, 18. November 2011

Liebeserklärung an ein Album: Ys von Joanna Newsom


Ys ist ein Meisterwerk. Musikalisch und textlich absolut einzigartig, mitreißend und über jeden Zweifel erhaben. Es findet sich in fast allen Jahres- und auch Jahrzehnt-Endlisten großer und kleiner Kritiker, Blogs und Zeitungen auf einem der vorderen Plätze.
Und trotzdem sind es meistens zwei Dinge, die zuerst ins Auge bzw. Ohr fallen und viele Musikhörer davon abschrecken Joanna Newsom zu hören. Auch ich habe lange zu dieser Gruppe gehört.

Zuerst wäre da die Harfe. Newsom ist professionell ausgebildete Harfenspielerin und benutzt sie auch als Hauptinstrument in allen Songs auf Ys. Die Harfe, dieses scheinbar so langweilige, leicht esoterische Instrument, dass sonst nur in der hinteren Ecke von Orchestern seinen Platz findet oder auf ironische Weise in der Popkultur vorkommt. Zu sperrig, zu harmlos um spannend zu sein? Falsch. Newsom zeigt in ihren Kompositionen wie vielseitig, aufregend und auch zu jeder Zeit berührend so eine Harfe klingen kann. Das ist noch dazu zu keiner Zeit akademisch oder eintönig. Stattdessen gibt es hier fünf schwelgerische, dramatische und einfach wunderschöne Lieder zwischen Folk, Pop und einem Hauch Klassik. Unterstützt wird Newsom dabei auf fast allen Songs von einem Orchester, dass von Van Dyke Parks äußerst stimmig arrangiert wurde.

Das zweite „Problem“ ist Joanna Newsoms Stimme. Ebenso wie ihre Musik ist ihr Gesang einzigartig, aber beim ersten Hören auch seltsam und befremdlich, für manche sicher gar nervig und nur schwer zu ertragen. Newsom quietscht und gurrt in einer hohen Stimme, in der immer etwas dramatisches und gleichzeitig niedliches mitschwingt. Das führt dazu, dass viele Hörer bereits vor dem ersten richtigen Hördurchgang behaupten Newsom könne nicht singen und Ys keine weitere Chance geben. Doch ganz im Gegenteil. Die Kontrolle, die Joanna Newsom über ihre Stimme hat, die Emotionen und den Ausdruck, den sie in ihre Vortragsweise steckt, sind unglaublich und beeindruckend. Und mit der Zeit gewöhnt man sich nicht nur an die scheinbar kindliche Gesangweise, man beginnt sie zu lieben. Und es ist auch eigentlich nicht mal wirklich eine kindliche oder gar kindische Stimme. Newsom verbindet in ihrem Gesang viel mehr die Essenz kindlicher Weltoffenheit und Abenteuerlust mit erwachsener Lebensweisheit und Desillusion. 


Nachdem diese Punkte geklärt wären, endlich zurück zu den eigentlichen Songs. Alle fünf stehen mit Songlängen zwischen sieben und siebzehn Minuten und einer Struktur, die auf Refrains oder gar Strophen zugunsten eines Kurzgeschichten-artigen Aufbaus verzichtet, ganz entgegen popmusikalischer Konventionen. Nach einer Eingewöhnungsphase wird aber schnell klar, dass sowohl Songlängen als auch Songstrukturen nötig sind, um Newsoms ausschweifender Musik und ihrem enormen Erzähltalent gerecht werden zu können. Die Texte sind dann auch abwechselnd witzige, spannende und traurige kleine Geschichten, die Vokabular und Einfallsreichtum der meisten anderen Musiker bei weitem übertreffen.  

Emily zum Beispiel ist eine bombastische und aufgeregte Liebeserklärung an Joanna Newsoms Schwester (die auch Background singt), eine Astrophysikerin. Dem entsprechend verbinden die Lyrics dann auch Worte der Zuneigung mit Erzählungen vom gemeinsamen Sterne beobachten, mit einer Pallette farbenfroher Vokabeln . Das alles beschreibt und singt Newsom so detailliert und lebendig, dass der Hörer sofort unmittelbar in diese Situationen befördert wird.
Das wird noch deutlicher bei dem Song Monkey & Bear. Von der Thematik ist das ein Märchen, in dem eine Bärin und ein Affe aus Liebe zueinander und dem Wunsch nach Freiheit aus dem Zirkus ausbrechen. Doch der Affe überredet die Bärin weiterhin für Geld zu tanzen, um überleben zu können. Da sie das nicht erträgt, begeht die Bärin am Ende Selbstmord. Das klingt auf den ersten Blick absurd und merkwürdig aber wieder zeigt die Emotionalität und die Lebendigkeit der Worte ihre volle Wirkung und lässt den Hörer gefesselt und traurig zurück. 
Der ungewöhnlichste Song ist Sawdust & Diamonds, der als einziger auf jegliche zusätzliche Instrumentierung neben der Harfe verzichtet. Dennoch oder auch gerade deswegen ist es der emotional berührendste und überwältigendste Song auf Ys. Auch wenn es schwer ist allen Metaphern, Wortspielen und Gedankengängen zu folgen, bleibt Sawdust & Diamonds einer der treffendsten, poetischsten und realistischsten Liebeserklärungen überhaupt. Jeder zweite Satz ist so schön formuliert oder so prägnant, dass man sich ihn tätowieren lassen könnte. Dazu spielt Newsom scheinbar mühelos komplexe Harfenmelodien, für die eigentlich vier Hände nötig wären und singt den Hörer durch ein Wechselbad der Gefühle zwischen Hoffnung, Wut und Freude, während im Hintergrund eine alles durchdringende Aura von Melancholie schwebt. Die typische Hörreaktion dabei lässt sich, wie auch bei allen anderen Songs auf Ys, folgender maßen beschreiben: Offener Mund, debiles Grinsen, plötzlich Gänsehaut, dann ein paar Tränen und am Ende das Gefühl, dass man so eben Zeuge von etwas ganz besonderem geworden ist. Schwachpunkte gibt es so auch keine auf dieser Cd und es bleibt abschließend nur zu sagen: Der Hype, die Lobeshymnen sind alle mehr als angemessen und Joanna Newsoms Musik ist es Wert alle Vorbehalte und Vorurteile über Bord zu werfen...

Dienstag, 1. November 2011

Liebeserklärung an einen Film: Kiss Kiss Bang Bang

Kiss Kiss Bang Bang war ein erstaunlich wichtiger Film für viele der Beteiligten. Es war ein Comeback und auch ein Neuanfang für Drehbuchschreiber und Regisseur Shane Black. In den 80ern und 90ern war er verantwortlich für einige große Action-Blockbuster (u.a. Lethal Weapon), bevor er gänzlich von der Bildfläche verschwand. Kiss war seine erste Regiearbeit und transportierte seinen unnachahmlichen Schreibstil in eine gleichzeitig moderne und wunderbar altmodische Actionkomödie. Danach wurde es zwar seltsamerweise schnell wieder still um Black, aber dieser Film sicherte ihm immerhin Regie- und Schreiberposten für Iron Man 3. Für Robert Downey Jr. war Kiss natürlich noch wichtiger. Erst Iron Man machte ihn zwar erneut zum Superstar, nachdem er durch Drogen seine Karriere zwischenzeitlich scheinbar zerstört hatte, aber es war dieser Film, der zeigte, dass er wieder oder immer noch das Zeug zum Hollywoodstar hatte. Auch für Hauptdarstellerin Michelle Monaghan war Kiss der Beginn einer größeren Karriere, die sie zwar nicht ganz an die Spitze Hollywoods, aber doch relativ nahe daran katapultierte. Am traurigsten ist aber im Zusammenhang des Films die Karriereentwicklung von Val Kilmer. Kiss Kiss Bang Bang war mit der letzte gute Film von einem durchaus begabten Schauspieler. Seitdem wurde Kilmer nur noch dicker und hat es sich scheinbar zum Ziel gesetzt in möglichst vielen B- und C-Movies zu erscheinen.

Dafür, dass er so zentral für die Beteiligten war blieb der Film überraschend erfolglos und ist auch heute noch abgesehen von einem gewissen Kultstatus erschreckend unbekannt. Immerhin taucht Kiss in vielen Listen als einer der besten Filme des letzten Jahrzehnts auf, aber für den Mainstream scheint es eine zu wilde Mischung verschiedener Genres zu sein. Aber zunächst kurz zum Inhalt.

Harry Lockhart (Downey Jr.) ist ein Kleinganove, der beim Versuch Weihnachtsgeschenke für seinen Sohn zu kaufen erwischt wird. Während sein Partner angeschossen wird, flüchtet Harry aus Versehen in ein Vorsprechzimmer für einen Hollywoodfilm. Seine Nervosität und Verzweiflung wird für schauspielerisches Können gehalten und er erhält die Rolle. Schnell bekommt er für den Detektivfilm, in dem er jetzt die Hauptrolle hat, den Privatdetektiv Gay Perry (Kilmer) als Berater an die Seite gestellt. Statt sich aber aus dem Staub zu machen oder wenigstens auf seine Rolle zu konzentrieren, gibt Harry sich als echter Privatdetektiv aus als ihm seine Jugendliebe Harmony Faith Lane (Monaghan) über den Weg läuft, die sich als naive Möchtegernschauspielerin in Hollywood durchschlägt. Als Harmonys Schwester ermordet wird, übernimmt Harry vollkommen ahnungslos und zum großen Verdruss von Gay Perry den Fall in dem sich schnell die Toten häufen und das Chaos ausbricht.

Zurück zu den Genres. Kiss Kiss Bang Bang mischt hauptsächlich zwei Arten von Filmen, Film Noir und die Buddy Action Komödie. Für zweiteres ist Shane Black durch Lethal Weapon so etwas wie der Gottvater. Doch im Gegensatz zu den typischen Buddy Filmen wird das Konzept hier auf den Kopf gestellt. Harry ist zwar ähnlich wie Mel Gibson in der Lethal Weapon-Reihe der wilde Draufgänger, hat aber im Gegensatz zu typischen Actionhelden keinerlei Qualifikationen und stolpert von einer Katastrophe in die nächste. Gay Perry dagegen ist der "Straight Man" des Films, einer Rolle, die im Kontrast zu seiner oft erwähnten Homosexualität steht, der er aber wiederum mit einem Verhalten entegegensteht, dass im krassen Gegensatz zu allen schwulen Filmklischees steht. Zusammen werden die beiden in eine Geschichte hineingezogen, die zunächst wirkt wie ein klassischer Film Noir. Die mysteriöse und verführerische Harmony zieht Harry und damit auch Gay Perry in einen Mordfall, der nach und nach eine größere Verschwörung offenbart. Doch auch hier stellt der Film die Konventionen auf den Kopf. Harry versucht die Detektive aus Film Noir-Filmen zu imitieren, scheitert aber kläglich: statt die Morde aufzuklären macht er einen Fehler nach dem anderen und impliziert sich immer mehr darin. Perry dagegen ist zwar kompetent, aber überhaupt nicht an der Aufklärung des Falles oder gar dem Heldentum interessiert. Harmony ist in diesem Kontext die mysteriöse „damsel in distress“, aber ohne sich ihrer eigenen Sexualität bewusst zu sein, geschweige den sie richtig zu benutzen. Die beiden Teile des Films ergänzen sich auf interessante Weise. Die schräge und pfeilschnelle Actionkomödie gibt der Detektivgeschichte großartigen, pausenlosen Humor und einen durchgehend hohen Adrenalinspiegel, während der Film Noir -Anteil den Actionfilm durch eine durchdachte und spannende, wenn auch zunehmend absurde Hintergrundgeschichte abrundet.

Die erste große Stärke des Films sind die Dialoge. Wie in seinen vorherigen Filmen schafft Black es den Sprüchefaktor konstant hoch zu halten und trotzdem keinerlei Füller oder Schwachpunkte in den Dialogen zu offenbaren. Die manische Überdrehtheit von Harry, der trockene Zynismus von Gay Perry oder die naive Schrulligkeit von Harmony sind durchegehend lustig und sympathisch und in Kombination einfach unschlagbar. Die zweite große Stärke ist dann natürlich die Besetzung. Harry Lockhart ist "die" typische Robert Downey Jr. -Rolle. Er verkörpert den schnell redenden, neurotischen, absolut trotteligen, aber immer ebenso liebenswerten Harry perfekt. Bevor Downey Jr. durch seinen erneuten Erfolg allgegenwärtig und auch zunehmend zu einer reinen Marke wurde, war seine Rolle in diesem Film etwas absolut erfrischendes. Michelle Monaghan dagegen hat zwar die meist undankbare Rolle des "Traummädchens", verleiht ihrer Figur aber auch Tiefe und ihr komödiantisches Timing. Und dann ist da noch Val Kilmer, der hier auf tragische Weise beweist, wie gut er doch eigentlich sein kann mit dem richtigen Material. Der beißende Sarkasmus und die zunehmende Frustration verursacht von den inkompetenten Idioten, die ihn umgeben und den absurden Situationen in die er gegen seinen Willen reingezogen wird, ist einfach extrem witzig und großartig gespielt von Kilmer. Die drei Schauspieler in Kombination mit diesem Drehbuchfeuerwerk sind eine Glanzleistung des Casting Directors und eine Quelle unendlicher Freude für den Zuschauer.

Eine letzte Eigenheit und Stärke des Films ist seine Erzählform. Harry selbst ist der Erzähler und zwar ein typisch unzuverlässiger Erzähler. Er ergänzt die Handlung durch Rückblicke auf seine und Harmonys Kindheit, spult die Handlung zurück, weil er etwas vergessen hat und ändert das Ende des Films nach seinen Vorstellungen. Das ganze macht Harry irgendwie noch sympathischer und am Ende des Films wünscht man sich nichts sehnlicher als viele weitere Filme mit einem gemeinsamen Detektivbüro der Hauptdarsteller im Mittelpunkt. Da aber dieser perfekte Film auf der anderen Seite niemals durch Fortsetzungen oder ähnliches verunstaltet werden sollte, bleibt abschließend nur die Hoffnung, dass alle Beteiligten noch häufig zusammen arbeiten werden und vor allem auch Shane Black bald wieder häufiger Filme machen wird. 


Ältere Liebeserklärung hier: The Fountain

Dienstag, 26. Juli 2011

Liebeserklärung an einen Film: The Fountain

The Fountain ist abgesehen von seinem Erstlingswerk der unbekannteste und am schlechtesten rezipierte Film von Darren Aronofsky, der mit Requiem for a Dream zuvor einen Kultfilm und danach mit The Wrestler und Black Swan zwei oscarprämierte Filme schuf. The Fountain ging dagegen etwas unter und wurde von der Presse und dem Publikum nur lauwarm aufgenommen. Zu ambitioniert, zu philosophisch, zu verwirrend? All das ist der Film sicher manchmal und auch seine „Liebe besiegt alles“-Breitseite ist für viele Zuschauer und Kritiker zu heftig. Für mich ist der Film aber auch gerade deswegen ein unbedingter Lieblingsfilm. Es gibt natürlich noch einige Gründe mehr, doch zuerst eine kurze Filmbeschreibung ohne allzuviel des Inhalts vorwegzunehmen.

Der Film umspannt drei Geschichten und nahezu 1000 Jahre. Im Mittelpunkt steht der Wissenschaftler Tommy (Hugh Jackman), der verzweifelt ein Gegenmittel für den unheilbaren Krebs sucht an dem seine Frau Izzi (Rachel Weisz) erkrankt ist. Er ist so besessen davon die Krankheit und den Tod zu besiegen, dass er sich immer weiter von Izzi entfernt, die langsam ihren nahenden Tod akzeptiert und versucht ihre letzten Tage zu genießen. Dabei schreibt sie eine Geschichte, die gleichzeitig als Spiegel der Haupthandlung dient und ihrem Mann ihre Todesakzeptanz näher bringen soll. In dieser Parallelgeschichte, die im Spanien des 16. Jahrhunderts spielt, beauftragt die spanische Königin ihren treuen Konquistador (ebenso Weisz und Jackman) den Quell ewigen Lebens im Dschungel Südamerikas zu finden als letzte Hoffnung ihres vom Krieg geschundenen Landes. Die dritte Storyline spielt scheinbar mehrere hundert Jahre später fernab der Erde im Weltraum: Ein Mann (Jackman erneut) lebt nur umgeben vom Baum des Lebens (der ihn scheinbar bis dahin am Leben erhalten hat) und den Geistern seiner Vergangenheit einsam und gequält in einer mysteriösen Schutzhülle. Noch mehr von der Handlung zu erzählen würde nur das Sehvergnügen nehmen und noch mehr verwirren. Die Geschichten werden abwechselnd und in nicht chronologischer Reihenfolge erzählt bis sie in einem der schönsten Höhepunkte der Filmgeschichte alle zusammenlaufen und den bis dahin im Dunkeln tappenden Zuschauer im wahrsten Sinne des Wortes erleuchten.

Ein Reiz des Filmes für mich ist sicherlich, dass er zum denken, philosophieren und träumen anregt. Aber das macht nur eine der Ebenen aus. Aus einer rein audiovisuellen Perspektive erreicht der Film eine nahezu orgiastische Perfektion. Filter und Kameraarbeit lassen die beiden Hauptfiguren abwechselnd fragil und menschlich und dann wieder fast ätherisch erscheinen. Die Storylines fließen gekonnt ineinander und überschneiden sich an manchen Orten des Films auf unerwartete Weise. Insgesamt erschafft der Film besonders für sein eher kleines Budget nicht nur allgemein wunderschöne Bilder, sondern auch bemerkenswerte Effekte durch das Fotografieren chemischer Reaktion als Ersatz für herkömmliche CGI-Effekte. Der ganze Film wäre aber sicher nur halb so eindrucksvoll ohne den Soundtrack von Clint Mansell und der schottischen Post Rock-Band Mogwai. Die Musik schwankt immer zwischen melancholischer Klavier- und Streichermusik und dem nächsten aufwühlenden Klimax. Die Musik funktioniert genau wie sicher auch der Film als Einzelkunststück, aber gemeinsam erheben sie den Film zu einem fast spirituellen, audiovisuellen Erlebnis.

Entfernt man die ganzen filmischen Kunstgriffe und die mit Symbolik und Spiritualität beladenen Handlungsstränge funktioniert dieser wunderbare Film aber noch auf einer dritten Ebene: Er erzählt eine oft erzählte aber in dieser Intensität selten gesehene Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen, die Raum und Zeit überschreitet. Jakman und Weisz haben eine unglaubliche Chemie und geben mit eindrucksvollen schauspielerischen Leistungen dieser im Grunde altmodischen Liebesgeschichte die nötige Glaubwürdigkeit und Gravitas.

The Fountain ist sicher nicht ein Film für alle, aber wer sich darauf einlässt wird schnell von einer Intensität eingesaugt, die einen erst lange nach dem Ende des Films mit Gänsehaut und Tränen in den Augen wieder loslässt.