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Sonntag, 20. Mai 2012

TV Serien, die DU schauen solltest: Southland


 
Southland ist auf den ersten Blick nur eine unter den unzähligen Polizei-Serien aus dem amerikanischen Fernsehen. Doch wenn man ihr eine Chance gibt, stellt sich schnell heraus, dass die Show überraschend ausgereift, tiefgründig und auf ihre Weise sogar innovativ sein kann. Dazu ist Southland dann aber auch noch großartig besetzt und gleichzeitig endlos spannend, witzig, tragisch und nicht zuletzt angenehm realistisch...
Doch zurück zum grundlegenden: Die Serie beschäftigt sich parallel mit zwei Detective Teams und ihrer Umgebung, sowie mit einem Polizeineuling, der mit einem zynischen "Lehrmeister" auf Streife fährt. Ihre kleinen und großen Fälle überschneiden sich teilweise, laufen aber meistens wie verschiedene Momentaufnahmen des Polizeialltags neben einander her, während sich im Hintergrund übergreifende Handlungsstränge durch die kurzen Staffeln ziehen.
Die Situationen mit denen die Figuren in Southland konfrontiert werden beinhalten von Verkehrskontrollen bis hin zu Mordserien und Schießereien alles aus dem Berufsalltag von Polizisten in den USA. Natürlich wird der Cop-Alltag in der Serie etwas gestrafft und oft auf besonders spannende und außergewöhnliche Fälle reduziert, aber die Show ist trotzdem meilenweit entfernt von den glamourösen und absurden Supercops anderer Shows und deren Melodramen. Stattdessen greift Southland oft echte Vorfälle auf und bindet sie problemlos und glaubwürdig in das Arbeitsleben seiner fiktiven Protagonisten ein.


Viel wichtiger für die Show sind aber ihre Protagonisten und die Entwicklung, die sie durchleben. Das Herz der Show bildet der gerade von der Polizeiakademie abgegangene Ben Sherman (Benjamin McKenzie) und sein erfahrener Partner John Cooper (Michael Cudlitz). McKenzie als bekanntestes Gesicht der Serie dürfte mit seiner Vergangenheit in der Serie O.C. California ebenso viele falsche Fans anlocken wie Richtige abschrecken. Doch er zeigt hier einiges von seinem Talent und kommt dazu sehr natürlich rüber - eine Qualität, die für eine so realistische Show, wie Southland extrem wichtig ist. Ben Sherman klingt dann auch fast wie eine Parodie von Mckenzies bekanntester Rolle: Nach einem traumatischen Erlebnis in seiner privilegierten Kindheit beschließt Sherman Polizist zu werden und kämpft dabei immer wieder mit den Schatten dieses alten Lebens und den Vorurteilen seiner Kollegen. Sein Training Officer wird von dem ebenso exzellenten Michael Cudlitz verkörpert: Sein Officer John Cooper ist ein knallharter, oft zynischer Einzelgänger, der zunehmend unerträgliche Rückenprobleme hinter seinem Stolz versteckt und notdürftig mit unzähligen Medikamenten betäubt. Der Kontrast zwischen diesen beiden so unterschiedlichen Polizisten, die gemeinsam Streife fahren, gibt schon genug explosives Potential für eine ganze Serie, doch daneben verfolgt Southland noch zwei ebenso spannende Handlungsstränge. Der ewig unterschätzte Shawn Hatosy und Kevin Alejandro (True Blood) bilden ein Team von Gang-Cops, die gleichzeitig beste Freunde sind und es mühelos schaffen den Alltag dieser Polizisten zwischen schwarzem Humor und Momenten absoluter Spannung und echter Tragik abzubilden. Besonders Hatosy als abgehärteter Cop mit Herz aus Gold hat Szenen, die jeden Zuschauer zu Tränen rühren werden und ist dabei zu jeder Zeit absolut natürlich und glaubwürdig.
Das dritte Paar wird gespielt von der fantastischen Regina King und dem daneben fast etwas verblassenden Tom Everett Scott. Kings Figur hat sich ihren Weg aus einer schlechten Nachbarschaft zur dekorierten Polizistin mühsam erarbeitet und kämpft seitdem mit unbeirrbarem Gerechtigkeitssinn gegen die Gewalt und der immer wieder auftauchenden Ungerechtigkeit, die ihr im Job begegnen. Neben diesen Figuren tauchen noch einige, hervorragende Nebenfiguren auf, die sich organisch in die Welt von Southland einfügen, ohne das die Handlungsstränge jemals überfüllt oder überhastet wirken.


Was Southland außerdem von anderen, vergleichbaren Shows unterscheidet, ist die exzellent geschaffene Unmittelbarkeit in welche die Macher den Zuschauer katapultieren. Hand Held Kameras und ein leicht körnig wirkendes Bild sind in letzter Zeit viel zu häufig benutzte Gimmicks, aber hier funktionieren sie hervorragend. In den ruhigen, alltäglichen Szenen wirkt dieser Stil wie eine unsichtbare Dokumentations-Crew, die den Zuschauer hautnah dabei sein lässt. Richtig zu wirken beginnt das Ganze dann aber vor allem bei den spannungsgeladenen Szenen, die dadurch noch realistischer wirken und dazu das Adrenalin des Zuschauers sekundenschnell in die Höhe schnellen lassen können. Wilde Verfolgungsjagden oder Ausbrüche schockierender Gewalt entstehen oft vollkommen unerwartet und unvermittelt aus Situationen polizeilicher Routine und wirken eben auch wegen der Art des Filmens viel besser als in den meisten anderen Serien. Dieses Unerwartete macht Southland dann auch nicht nur zu einer unglaublich spannenden Serie, sondern auch zu einer der Mitreißendsten. Denn aus einem scheinbar langweiligen Tag auf Streife kann sich binnen Sekunden eine Szene entfalten, die bis zum Bersten mit Spannung geladen ist. Und jede der Figuren, die wir zuvor durch die Interaktionen mit Partnern, Familien und den Menschen auf der Straße kennen und lieben gelernt haben, kann darin plötzlich in Lebensgefahr schweben oder für immer traumatisiert werden. Keine der Figuren ist, ebenso wir ihre echten Vorbilder, sicher.  Der besorgte Zuschauer verbringt immer wieder lange Minuten auf der Stuhlkante - in absoluter Angst um diese fiktiven Personen. Und das ist für eine TV-Serie eine beachtliche Leistung!


Die Auflösung von den gezeigten Fällen hat eine überraschende Bandbreite. Das hier sind keine Supercops, die alle Fälle problemlos lösen, nebenbei immer großartig aussehen und aufregende Liebesleben führen. Stattdessen machen hier echte Menschen, mit Problemen und Fehlern ihre Arbeit, kämpfen dabei gegen die Probleme des Systems, respektlose Mitmenschen und den eigenen Verdruss gegenüber einer Gesellschaft, deren schlechteste Seiten sie tagtäglich sehen müssen. Ihre Fälle sind manchmal scheinbar unwichtig und absurd, an anderen Stellen groß und dramatisch, decken so also alle Bereiche der polizeilichen Arbeit ab und geben den Schauspielern viele Gelegenheiten ihre schauspielerischen Leistungen zu demonstrieren. Das Sorgt für eine große Dichte an tollen Szenen - von kleinen, wunderbaren Momenten, hin zu eindrucksvollen Darbietungen, die jede der Folgen mit viel Leben füllen und für unaufhörliche Gänsehautschübe oder auch mal ein unerwartetes Lächeln auf dem Gesicht des Zuschauers sorgen. Wir sehen hier nicht Supermänner und -Frauen, die durch ihre Fähigkeiten der Welt ihren Stempel aufdrücken, sondern die Wirkung, die das Polizeileben auf eine gemischte Palette von normalen Menschen hat. Eine Show, die gleichzeitig einen solchen Realismus ausstrahlt und trotzdem mit das spannendste im TV/auf DVD ist, die großes Drama, mit „intelligenten“ Krimi-Anteilen und einem ungezwungenen Humor verbindet, verdient einen viel größeren Bekanntheitsgrad als es Southland jemals erreichen wird. Und das ist eine Schande!

Sonntag, 1. April 2012

Dexter und Sons of Anarchy - Sucht-Serien für den "modernen" Fernsehzuschauer


Dexter und Sons of Anarchy sind gute, manchmal auch großartige Spannungs-Serien mit innovativen oder zumindest äußerst ungewöhnlichen Konzepten für Produkte der amerikanischen Fernsehkultur. Sie sind auf eine Weise das absolute Gegenteil typischer amerikanischer Fernse-Serien mit ihrem Fokus auf traditionellen Werten, eindeutigen Helden und vorhersehbaren Spannungsbögen. Trotz allem ist sowohl Dexter als auch Sons of Anarchy oft überraschend traditionell, ja fast schon konservativ und wurde auch genau deswegen zu Publikumslieblingen...


Dexter Morgan, die Hauptfigur der gleichnamigen Serie, ist ein Forensiker mit dem Schwerpunkt Blut bei der Polizei von Miami. Gleichzeitig ist er aber ein methodischer und scheinbar mitleidsloser Serienkiller. Sein verstorbener Vater, der Dexters Neigung früh erkannte, schulte ihn darauf seine Mordlust mit einem Code zu zügeln, der ihm nur erlaubt andere Mörder umzubringen, denen die Polizei nicht beikommen kann oder die sich bisher dem Gesetz erfolgreich entziehen konnten.
Diese Tatsache macht Dexter sicherlich zu einem der deutlichsten und bedenklichsten Anti-Helden in der Fernsehgeschichte. Denn besonders am Anfang wird es durchaus deutlich, dass diese Figur ein eiskalter Mörder ist, der das Töten genießt, es braucht und dazu noch von anderen Killern und deren Taten überaus fasziniert ist. Doch die Serie schafft es Dexter Morgan mit unheimlicher Geschwindigkeit zu einem Helden zu machen, einer Person, mit der man sich so sehr identifiziert, dass man oft vollkommen vergisst, was da eigentlich auf dem Fernsehschirm (und in einem selbst) geschieht. Das ist sicher zum Teil der Verdienst von Darsteller Michael C. Hall, der dieser auf dem Papier so eindimensional und böse wirkenden Figur, unheimlich viele Facetten und Nuancen gibt, sowie ein grandioses Mimik-Spiel. Dazu kommt der abschwächende Trick der Serien-Schreiber Dexter Support-Charakter beizustellen, die ihn zunehmend vermenschlichen und Gegner, die noch viel grausamer und gewissenloser sind als er und sich dazu noch an den Unschuldigen und Wehrlosen vergehen. Dagegen versucht Dexter selbst gegen seine Dränge zu kämpfen, um ein normaler Mensch werden zu können. Und so wird aus einem Massenmörder so etwas wie Batman; ein Mann, der die bestraft, die der Polizei entwischt sind oder denken über dem Gesetz zu stehen.
Doch neben diesen Faktoren spielt sicher auch die Faszination vieler Zuschauer mit Mord und den düsteren Ecken der Gesellschaft und auch dem menschlichen Gehirn eine Rolle. Dexter Morgan kehrt seine Dämonen nach außen und geht seinen Trieben nach, nur gesteuert vom eigenen Überlebensdrang und in einem geringeren Ausmaß auch das Wohlbefinden von Familie und Freunden (zumindest am Anfang der Serie). Solche oder ähnliche Fantasien hat sicher jeder einmal und Dexter gibt dafür ein sicheres Ventil.


Sons of Anarchy ist fast noch drastischer. Es geht um Jackson „Jax“ Teller, den „Golden Boy“ einer Motorradgang, die von seinem (verstorbenen)Vater mitbegründet wurde. Er beginnt das Gangleben voller Gewalt und Waffenhandel in Frage zu stellen und ist hin- und hergerissen zwischen den Verlockungen des Ganglebens und der Vorstellung von einem normalen und friedlichen Leben. Der Konflikt mit dieser Ersatzfamilie und vor allem mit seiner Vaterfigur, dem Gang-Anführer Clarence „Clay“ Morrow hat Züge von Hamlet, ist aber in erster Linie eine hervorragende Action/Spannungs-Serie. In Sons of Anarchy werden so die sonst klassischen Serien-Bösewichte zu den Helden der Geschichte. Das geschieht erst einmal durch die allgegenwärtige Korruption und der uneingeschränkten Eigennützigkeit, die aus den Helden (Polizei, FBI, ATF, usw.) im besten Fall Figuren in einer ethischen Grauzone macht und sie im drastischsten Fall zu manipulativen, machthungrigen Karikaturen verkommen lässt (die aber durchaus unterhaltsam sind). So sind die Sympathien schon deutlich zugunsten der Biker verschoben. Dazu kommt eine oft äußerst bedenkliche Glorifizierung des Gangsterlebens in der Freundschaft, Bruderschaft und Loyalität über allem stehen und jeder dazu einfach verdammt cool ist. Da vergisst oder verdrängt der Zuschauer schnell, dass die „Helden“ der Serie allesamt Mörder, Waffenhändler, Drogendealer und Schläger sind, die noch dazu Frauen oft wie Dreck behandeln. Die Identifikationskraft mit diesen coolen Typen und ihrer „Familie“ geht dann sogar soweit, dass Gewaltausbrüche gefeiert und bejubelt werden. Denn immerhin stehen die Mitglieder von Sons of Anarchy für etwas, in einer Welt, wo sonst jeder nur an sich selbst denkt. Der Wunsch nach Familie, Zugehörigkeit und etwas, wofür es sich zu kämpfen lohnt, macht für viele Zuschauer die Serie sicher ebenso reizvoll wie auch die Vorstellung eines Lebens außerhalb des Alltags und der „normalen“ Gesellschaft. Die Macher der Serie versuchen, ähnlich wie bei Dexter, die Brutalität und moralische Fragwürdigkeit der Protagonisten abzumildern durch Nebenfiguren, die entweder die Hauptfiguren in ein wärmeres Licht tauchen oder aber, durch ihre noch viel größere Boshaftigkeit, heldenhafter erscheinen lassen. Dazu kommt auch hier, der Versuch der Hauptfigur der Kriminalität zu entfliehen und ein ehrenhaftes Leben zu führen. Das die auf den ersten Blick so deutliche, moralische Fragwürdigkeit der Serien-Helden schnell unwichtig wird, ist auch hier der guten Arbeit von Schauspielern und Drehbuchschreibern zu verdanken.


Diese post-“whatever“-modernen Serienhelden sind also das absolute Gegenteil klassischer Fernsehhelden, die mehr oder weniger geradlinig, Verbrecher schnappen und parallel die Frau fürs Leben suchen und/oder Freundschaften pflegen, während sie bei all dem immer einem klar ausformulierten, moralischen Kodex folgen. Doch bei genauerer Betrachtung gehorchen die Protagonisten von Sons of Anarchy und Dexter größtenteils den gleichen Konventionen amerikanischer Fernsehkultur. Die Figuren sind deutlich vielschichtiger und stehen an einer ungewöhnlichen Stelle des Helden-Schurken-Spektrums, gleichzeitig steht aber auch hier das Identifikationspotential für die Zuschauer und deren Verlangen nach den üblichen Geschichten an erster Stelle. So wird aus dem emotionslosen, asexuellen Massenmörder zunehmend ein Familienmensch, der Liebe findet, ebenso wie ein reiches, emotionales Innenleben. Und aus dem ruchlosen Biker wird ein liebevoller Familienmensch, der Gewalt mehr zum Schutz seiner Familie einsetzt und allgemein sein Gehirn einsetzt, anstatt nur seine Fäuste. Diesen Zwängen der Fernsehunterhaltung können auch solche provokanten Serien nicht entkommen. Doch gerade dieser Anteil klassischer Fernsehmechanismen macht diese vielschichtige Fernsehunterhaltung voller tiefgründiger, konfliktbeladener Figuren, die den Zuschauer nicht nur berieseln, sondern heraus fordern und zum Denken anregen, erst möglich. Warum fasziniert mich das so? Warum gefällt mir das so? Ist es in Ordnung, es gut zu finden? Graustufen statt nur schwarz und weiß.


Natürlich haben die Serien auch ihre Probleme: Dexter hat in sich geschlossene Handlungsanteile in jeder Folge und eine Hintergrundhandlung, die sich durch eine ganze Staffel zieht. Dadurch kommt es zwangsläufig dazu, dass der Anfang von Staffeln oft mit Füllmaterial angereichert wird, bevor es zur Mitte hin langsam immer spannender wird. Dazu kommt die oft leider viel zu starke Geschlossenheit der einzelnen Staffeln. Die weitreichenden, schockierenden Entwicklungen in einer Staffel hat größtenteils keine Auswirkungen auf die nächste Staffel und vergangene Ereignisse bleiben frustrierender weise unerwähnt. Die Kehrseite davon ist, dass sich Dexter oft für eine Staffel hervorragende und angesehene Gastdarsteller aussuchen kann, die sich gegenseitig in Charisma und Talent überbieten.
Die Serie beschränkt sich dazu noch zu sehr auf die Perspektive und das Innenleben von Dexter Morgan. Nebenfiguren sind dadurch unterentwickelt und werden mit zunehmender Länge der Serie nahezu überflüssig für die Haupthandlung. Doch die, vor allem am Ende einer Staffel, erzeugte Spannung und der ungewöhnliche, absolut grandios gespielte Protagonist gleichen das größtenteils aus.
Bei Sons of Anarchy fängt das Problem mit dem Serienschöpfer Kurt Sutter an, dessen riesiges Ego ihn zwar zu einem hervorragenden Kritiker macht, aber Kritik an der eigenen Person bzw. Problemen in der Serie unmöglich macht. Auch seine Serie leidet in etwas eingeschränkterem Ausmaß an den fehlenden Konsequenzen. Am Ende einer Staffel kommen alle davon und zu Beginn der nächsten Staffel geht es mehr oder weniger von vorne los, ohne das eine Weiterentwicklung stattgefunden hätte. Dazu kommt mit Jax eine Hauptfigur, die von den Konflikten zwischen Club vs. Familie vs. Liebe vs. Selbsterhaltung so gelähmt ist, dass sie zu einer rein reaktiven Figur wird, die nur selten aktiv ins Geschehen eingreift. Dagegen stehen aber auch hier Schauspieler, die aus auf den ersten Blick für sie unpassend erscheinenden Rollen, alles heraus holen und ein großartig angelegten Spannungsbogen, der am Ende einer Staffel sowohl schlüssig, mitreißend und am wichtigsten - überraschend aufgelöst wird.


Was beide Serien darüber hinaus so faszinierend macht ist ihre thematische Vielschichtigkeit: Anteile von Drama, Comedy und Action werden größtenteils mühelos in die Serien eingefügt und ergänzt durch ethische, psychologische und gesellschaftliche Thematiken. Dazu kommt der hohe serielle Anteil, der das Suchtpotential noch einmal deutlich vergrößert („nur noch eine Folge!“). Dadurch vereinen Dexter und Sons of Anarchy das Beste von alt und neu. Alle Mechanismen, die für erfolgreiche Serien notwendig sind, werden auch hier angewandt und sorgen für ein hohes Identifikationspotential. Dazu kommen aber ungewöhnliche, vielschichtige Protagonisten, die unsere eigenen Moralvorstellungen in Frage stellen, sie gegen unsere geheimen Sehnsüchte ausspielen und dazu noch die in Hollywood oft viel zu klaren (und langweiligen) Grenzen zwischen gut und böse verwischen....

Sonntag, 11. März 2012

TV Serien, die DU schauen solltest: Fringe

 
Es gibt zwei "Probleme" mit Fringe, die es mir sehr schwer machen die Serie ausreichend zu beschreiben und noch schwerer andere mit meinem Enthusiasmus dafür an zu stecken. 

Das erste Problem ist der Aufbau der Serie. Sie begann als groß angelegte Sci-Fi-Show, die eine ganze Weile brauchte, um seine Hauptfiguren richtig gut zu schreiben und die Frage wohin die Reise endgültig gehen sollte. Am Anfang hatten die Figuren (wie so oft bei ambitionierten Serien) noch keine richtige Tiefe und die Schauspieler wussten nicht wirklich, wie sich diesen Rollen nähern sollten. Hinzu kam, dass Fringe in seiner ersten Staffel noch zu sehr auf Stand-Alone-Episoden baute, die eine extrem durchdachte und zunehmend spannende Hintergrundhandlung immer wieder unterbrachen. Doch spätestens in der zweiten Staffel wurde Fringe von einer guten Serie zu einer fantastischen Serie. Ich denke es half ein wenig, dass die Serie nie ein Hit war und der Sender und die Macher sich stattdessen auf die treue und begeisterte Fanbasis konzentrieren konnten. Fringe baute langsam eine komplexe und wunderbar durchdachte Mythologie auf, die viele klassische Science Fiction-Konzepte berührte und ihnen gleichzeitig innovative Einschläge hinzufügte.


Und damit kommen wir zu dem zweiten Problem. Egal von welcher Seite aus ich versuche mich Fringe zu nähern, es klingt nicht besonders schmeichelhaft. Von Anfang an wurde die Serie mit Lost, Alias und Akte X verglichen und schlimmstenfalls als bloßer Abklatsch davon abgetan. Mit Alias hat die Serie aber nur den Schöpfer (J. J. Abrams) gemeinsam und die Tatsache, dass eine Frau die Hauptrolle spielt. Akte X war sicher die Serie, die groß angelegte Mysterien und eine unvergleichliche Seltsamkeit in amerikanischen Fernsehserien popularisierte. Davon und von einigen Ideen für seine Fälle hat sich Fringe sicherlich inspirieren lassen. Sonst haben die beiden Serien allerdings nicht viel gemeinsam. Bei Lost sind die vermeintlichen Parallelen am hinderlichsten. Seit diese Serie das Tor öffnete für komplexe Serien, die ihren Zuschauern eine gewisse Intelligenz und Aufmerksamkeit abverlangten, versuchten alle Sender mehr oder weniger schlechte Kopien von Lost zu machen. Und diesen Vorwurf musste sich auch Fringe gefallen lassen. Neben dem selben Macher, teilweise den selben Schreibern und einem ähnlichen Soundtrack ist es eben auch diese groß angelegte Mythologie voll mit ungeklärten Fragen und Cliffhangern, die bei oberflächlicher Betrachtung an Lost erinnert. Doch in einigen Aspekten haben die Fringe-Schreiber auch aus den Fehlern von Lost gelernt und machen es einfach besser. Wo Lost zum Beispiel so damit beschäftigt war immer neue Rätsel zu erschaffen, die am Ende unmöglich alle halbwegs sinnvoll aufgelöst werden konnten, fing Fringe langsam an und hat bis jetzt schlüssig und logisch seine Welt und seine Mythologie erweitert. Natürlich gibt es auch hier Cliffhanger und eine langsam eskalierende Skala der unglaublichen Ereignisse. Aber im Gegensatz zu Lost hat die Serie bis jetzt nicht vollkommen unerwartet ihre Richtung geändert und wirkt als ob sie auf ein befriedigendes und vor allem geplantes Ende zusteuert. Dazu kommt, dass die Figuren viel mehr Klartext reden, statt wie bei Lost ständig alles geheim zu halten oder unklar auszudrücken. Die Spannung bleibt, aber der Frustrationsgrad ist deutlich geringer.


Es gibt aber natürlich auch noch weitere Gemeinsamkeiten mit Lost, die Fringe gerade zu so einer guten Serie machen. Im Prinzip geht es in der Serie um Olivia Dunham (Anna Torv), die für das FBI arbeitet, bis sie durch einen mysteriösen Fall mit der Fringe Division in Berührung kommt, für die sie in Folge arbeiten wird. Diese Regierungsabteilung kümmert sich um alle möglichen seltsamen und unerklärlichen Vorkommnisse und Verbrechen. Olivia benötigt für ihren ersten Fall die Hilfe des ehemals genialen, jetzt aber leicht wahnsinnigen Wissenschaftlers Walter Bishop (John Noble). Dieser wiederum kann nur durch Einverständnis seines Sohnes Peter (Joshua Jackson) die Irrenanstalt in der er sich befindet, verlassen. Zunächst widerwillig und voller Skepsis, bilden die drei bald ein eingespieltes Team. Diese kurze Beschreibung klingt, besonders für Menschen, die Science Fiction eher nüchtern betrachten, nicht besonders spannend. Mehr von der Mythologie zu erzählen ist daher zwar verlockend, verdirbt aber potentiellen Zuschauern sicherlich die Freude bei der langsamen Entdeckung dieses meisterhaft aufgebauten Universums. Stattdessen komme ich zurück zu einer der Gemeinsamkeiten mit Lost. Denn das eigentlich Herz der Serie sind auch hier die Personen und ihre Beziehungen zueinander. Auch für Leute, die sich nicht so sehr für Science Fiction, Horror, Thriller oder Aspekte zum nachdenken interessieren, kann Fringe so zu einer guten Serie werden. Hauptfigur Olivia Dunham war zu Anfang der Serie noch eine sehr genre-typische Rolle. Die talentierte, leicht unterkühlte Bad Ass-Agentin mit leichten, emotionalen Problemen. Doch Darstellerin Anna Torv gab zusammen mit den Schreibern dieser Rolle so viel Tiefe und Authentizität, dass sie sich ohne Zweifel zu einer meiner absoluten Lieblingsfiguren im Fernsehen entwickelt hat. John Noble dagegen spielt seine auf dem Papier so klischeehaft wirkende Rolle des „verrückten Professors“ einfach meisterhaft, stürzt den Zuschauer in eine Wechselbad der Gefühle, wenn er zwischen Tragik und Komik schwankt und macht ihn unvergleichlich liebenswert. Die sich im Laufe der Serie entwickelnde Vater-Sohn Beziehung der so entfremdeten Bishops ist ebenso herzerwärmend wie realistisch. Und dann wäre da noch die scheinbar obligatorische Liebesbeziehung zwischen Olivia und Peter. Doch auch hier macht die Serie alles richtig. Die Beziehung der beiden entwickelt sich äußerst langsam, aber überaus organisch aus der am Anfang so ungewissen Partnerschaft. Die Serie verzichtet dankbarerweise auf das sonst so übliche „Will they, won't they“-Spiel und lässt den Figuren stattdessen Zeit sich zu entfalten und zu einander zu finden. Die Dynamik zwischen diesen drei ist es also schon wert Fringe eine Chance zu geben, ebenso wie das Talent der Schauspieler und das Leben mit dem sie diese tollen Figuren ausfüllen.


Um aber noch mal auf die Atmosphäre der Serie zurück zu kommen. Die Fälle des Fringe Teams sind immer spannend, oft sehr unheimlich und gerne auch mal ein wenig eklig. Oft sind sie gleichzeitig aber auch zutiefst berührend und schaffen damit den seltenen Spagat zwischen intelligenten, innovativen Science Fiction-Geschichten, die nie die emotionale Komponente vernachlässigen. Die Monster und Verbrecher bei Fringe sind, ebenso wie das Fringe-Team selbst, komplexe, oft verzweifelte oder missverstandene Personen (dazu fast immer von sehr guten Schauspielern verkörpert). Die Wendungen und Auflösungen (und davon gibt es, im Gegensatz zu Akte X oder Lost immerhin einige) der Fälle sind schlüssig und dennoch meist überraschend. Und noch dazu passen sie sich wunderbar in die mysteriöse Welt von Fringe ein und haben dort ihren Platz in der Gesamtmythologie.
Wie es aussieht wird die aktuelle, vierte Staffel auch die letzte für Fringe bleiben, aber so kann die Serie immerhin für sich behaupten, immer besser und mutiger geworden zu sein. Und ein geplantes und schlüssiges Ende hat die Serie angeblich auch schon geplant, geschrieben und abgedreht. Doch völlig unabhängig davon haben die Macher von Fringe eine faszinierende Welt erschaffen, die zu erfoschen sich auf jeden Fall lohnt und ein paar wunderbare Fernseh-Figuren, die jeder Fan liebevoll gemachter TV-Unterhaltung kennen lernen sollte!

Sonntag, 18. September 2011

Quit your Day Job (if you want to) - Sechs Schauspieler, die gute Musik machen

Donald Glover

Donald Glover hat erste Aufmerksamkeit bekommen als Teil der Comedy-Truppe Derrick Comedy. Mit ihnen schrieb und spielte er in dutzenden Videos und einem sehr witzigen Film (Mystery Team). Daneben schrieb er mit Anfang 20 für die hervorragende, mit Preisen überhäufte Comedy-Serie 30 Rock, bevor er eine der Rollen in der, meiner Meinung nach, momentan besten Comedy-Serie Community erhielt. Neben diesen Dingen macht er natürlich auch noch Musik. Unter dem großartigen Namen Childish Gambino hat er bereits mehrere Rap-Alben herausgebracht, die an Kanye West und Lil Wayne erinnern, aber lyrisch amüsanter und auch gesanglich einwandfrei sind. Als MC DJ macht Glover auch noch entspannte elektronische Musik und Remixes, die oft als freier Download erhältlich sind. Natürlich ist Glover auch noch Model, Moderator und Stand-Up-Comedian...



Ryan Gosling

Jeder mag Ryan Gosling. Er ist charmant, gutaussehend, humorvoll und darüber hinaus ein verdammt guter Schauspieler. Durch ein fast fehlerloses Resümee in Hollywood ist er mittlerweile nicht nur als Charakter-Darsteller absolut etabliert (Half Nelson, Lars and the Real Girl) sondern wird auch langsam zu einem echten Film-Star (The Notebook, Crazy, Stupid Love). Da ist es um so verwunderlicher, dass Dead Man's Bones, sein Musikprojekt mit Zach Shields, weitgehend unbekannt ist. Die Musik bewegt sich irgendwo zwischen Folk, Indie und Gospel inklusive Kinderchor, ist überraschend düster und macht viel Spaß. Vielleicht wäre es auch einfach zu viel des Guten, wenn die ganze Welt wüsste, dass Ryan Gosling auch noch Musik machen kann...


 


Charlotte Gainsbourg

Charlotte Gainsbourg ist die Tochter von Serge Gainsbourg und Jane Irkin. Es ist also kein Wunder, dass sie nicht nur Schauspielerin, sondern auch Sängerin geworden ist. Während sie bei Filmen mehr zu aufwühlenden und provokanten Rollen tendiert (Antichrtist, Der Zementgarten), ist ihre Musik zwar teilweise düster, aber trotzdem immer leichte Popmusik mit viel Sex Appeal. Ihr letztes Album, dass sie gemeinsam mit Beck geschrieben hat, ist nicht nur überraschend abwechslungsreich, sondern auch überraschend gut und wurde von den meisten Kritikern zu recht gefeiert.





Jason Schwartzman

Als Neffe von Francis Ford Coppola müsste man sich sicher nicht besonders anstrengen um in Hollywood berühmt zu werden. Jason Schwartzman aber beweist schon seit Ewigkeiten, dass er ein wirklich guter und interessanter Schauspieler ist. Er ist Wes Anderson-Veterane (Rushmore, Darjeeling Limited), hatte Rollen in vielen Indie-Filmen als neurotische Außenseiter (I heart Huckabees, Shop Girl), schleimiger Bösewicht (Scott Pilgrim vs. The World, Slackers) oder eine Mischung aus Beidem (Spun). Ich liebe ihn in der Serie Bored to Death, aber bei den meisten seiner Filmrollen stellen sich mir die Nackenhaare auf. Man könnte also sagen, dass er gut in dem ist was er tut. In seinem musikalischen Solo-Projekt Coconut Records fällt es mir jedoch definitiv leichter ihn zu mögen. Schwartzmans markante Stimme ist der Mittelpunkt in einem abwechslungsreichen Indie Pop Album, dass er zusammen mit Incubus-Mitgliedern aufgenommen hat.




Juliette Lewis


 
Juliette Lewis' Filmrollen waren schon immer irgendwo zwischen provokant, anstrengend und einfach total irre. Manchmal funktionierte das, in anderen Filmen hat sie mich einfach nur total genervt. Zwar hat sie meistens einen guten Riecher was Filme angeht, doch ihre Masche nutzte sich recht schnell ab. Als Musikerin passt das überdrehte und laute Image aber perfekt und macht Lewis zu einer genialen Entertainerin auf der Bühne. Ihre kratzige und erotische Stimme hilft natürlich auch dabei und ihre nicht endend wollende Energie geht selbst auf Platte kaum verloren.

 




Zooey Deschanel

Zooey Deschanel erscheint oft wie eine ausgedachte Person, ersponnen von einem einsamen Indie-Jungen. Angefangen bei ihrem niedlichen Namen, über ihr übertrieben süßes Aussehen bis hin zu der Tatsache, dass sie mit dem Sänger von Death Cab for Cutie verheiratet ist. Ihre Film- und Serienrollen passen perfekt in dieses Bild. Sie spielt lebensfrohe, liebenswert neurotische Mädchen, in die sich jeder Junge im Film und vor dem Fernseher sofort verliebt. Mit anderen Worten sie ist ein Prototyp des Manic Pixie Dream Girls. Auch ihre Musik zusammen mit M. Ward unter dem Namen She & Him passt gut in dieses Schema. Deschanel zwitschert niedliche, aber lustige Texte zu charmanter Popmusik, die einem trotz allem schnell in den Bann zieht. Ihre Stimme ist nicht besonders auffällig, aber wieder einmal äußerst passend und steigert damit die Verliebtheit vieler junger Männer überall auf der Welt nur weiter. Wollen wir hoffen, dass Zooeys Musik, anders als sie selbst, niemals mit Katy Perry verwechselt wird! 


Donnerstag, 28. Juli 2011

Sinnlose Informationen: Titel in der Filmindustrie

Jeder, der schon mal einen kompletten Filmabspann im Kino betrachtet hat, sei es um den Film in Ruhe sacken zu lassen oder in der Hoffnung auf eine weitere Szene nach dem Abspann (Hallo Marvel Comic-Verfilmungen) wundert sich was hinter den unzähligen Titeln steckt, den die Mitarbeiter des Films tragen. Was zur Hölle machen eigentlich die 15 „Producer“ und was soll denn bitte ein „Gaffer“ im Kontext eines Hollywoodfilms sein? Deswegen hier mal eine kurze Erklärung der wichtigsten und/oder obskursten Titel* (die sich nicht von selbst erklären):

Producer: Produzenten überwachen, steuern und verantworten ein Filmprojekt von der Planungsphase (Sicherung von Rechten, Schauspieler-Casting uvm.) bis zur Fertigstellung (Post-Produktion, Marketing). Sie sind für Kostenkalkulation, Finanzierung und Organisation eines Projekts verantwortlich. Oft sind sie darüber hinaus auch kreativ oder finanziell in einen Film involviert. 

Executive Producer: Ist einer der Producer, der eine wichtigere Rolle für das Projekt hatte, etwa durch Initiierung des Projekts oder die Sicherung von Geldmitteln und wichtigen Stars. Oft erhalten auch die Hauptdarsteller eines großen Films oder Buchautoren, auf deren Werk der Film basiert, ihre Anerkennung durch einen solchen Titel. 

Line Producer: Überwacht direkt das tägliche Filmgeschehen auf dem Set, hilft dem Regisseur vor Ort bei der Organisation und Finanzierung des Drehs. 

Production Designer: Verantwortlich für den Look eines Films. Nach Absprache mit Regisseur, Produzenten und Kameramann ist er verantwortlich für alle Bereiche, die das Aussehen des Films beeinflussen und instruiert das dafür verantwortliche Personal (Kulissen, Kostüme, Special Effects usw.) 

Focus Puller: Sorgt für ein konstant scharfes Bild beim Filmen. 

Clapper Loader: Assistiert den Kameraleuten durch das Laden des rohen Films in die Kameras, die Positionierung der Schauspieler in den Szenen und die Bedienung der Klappe (und Action!) zu Beginn jeder Szene.

Grip: Konstruieren, pflegen, bedienen und überwachen Geräte, die Kameraleute für bestimmte Szenen brauchen (Von einfachen Stativen über Kräne bis hin zur Montage von Kameras an Helikoptern o.ä.). Darüber hinaus sind die Grips in den USA noch für alle Installationen der Setbeleuchtung verantwortlich, die nicht die Elekronik selbst betreffen. 

Gaffer: Elektriker, der für die Planung und den Aufbau der Setbeleuchtung verantwortlich ist 

Best Boy: Assistieren dem Gaffer oder Grip bei ihrer Arbeit, von der Überwachung der Installationen bis hin zur Sicherheit und Rückgabe von Equipment. 

Boom Operator: Platziert und hält Mikrofone, die in den Filmszenen die Geräusche und Dialoge einfangen.



* Alle Angaben ohne Gewähr auf Vollständigkeit oder Richtigkeit ;)

Die besten Reden/Monologe aus Film & TV

Ich bin ein großer Fan von mitreißenden Reden und Monologen. Sie sorgen für Gänsehaut und haben auch unabhängig vom Gesamtprodukt einen hohen Wiederanschauungswert. Schauspieler, die diese Kunst beherrschen schaffen es den Zuschauer durch eine solche Szene auch ohne Kontext aus dem Alltag und in das Geschehen zu versetzen. Lange Rede, kurzer Sinn, meine Lieblingsmonologe und -Reden after the jump:

Dienstag, 26. Juli 2011

4 Comedy-Serien, die es mehr verdienen würden als Two and a Half Men ständig bei Facebook zitiert zu werden

Ja ich gebe es zu, ich bin ein Serien-Snob. Ich kannte How I met your Mother schon lange bevor es schlecht synchronisiert die Lücke schloss, die ansonsten humorlose Menschen in Deutschland in ihrem Leben verspürten, nachdem sie alle Two and a Half Men Folgen 3x gesehen hatten. Wobei mittlerweile auch schon wieder alle Barney-Sprüche mehrmals auf Facebook zu finden sind, der letzte homophobe Höhlenmensch die verspätete Erkenntnis, dass ihr Serienheld schwul ist, verkraftet hat und die Masse langsam weiterzieht zu The Big Bang Theory. Und natürlich macht es mich auf eine kindische Art wütend, dass alle Leute mit jahrelanger Verspätung diese Serien jetzt plötzlich in den Himmel loben und ihre besten Sprüche bei jeder schlechten Gelegenheit in schlechter Übersetzung endgültig zu Grabe tragen. Natürlich ist es lächerlich Serien nicht mehr zu mögen, weil sie plötzlich alle lieben, obwohl sie doch früher nie auf meine Empfehlungen gehört hatten, aber was mich eben immer wieder traurig macht ist, dass alle diese in Deutschland hochgelobten Serien ihren Zenit schon lange überschritten haben (How I Met your Mother: Von einer sympathischen Serie, zur Barneyshow und dann zu einer schlechten Selbstkopie) oder nie gut waren (Two and a Half Men: Jetzt mal ehrlich, wenn der Junge nicht älter werden würde, wer wüsste spontan, welche Staffel er/sie grade schaut?), während andere andauernd kreativen Serien ein Schattendasein fristen.

Das liegt natürlich zum einem an der Situation auf dem deutschen Fernsehmarkt: Es werden fast nur die größten Hits aus den USA nach einigen Jahren Anlaufzeit gekauft oder aber unerklärlicherweise Serien, die dort bereits abgesetzt wurden. Die wenigen anspruchsvollen und kreativen Serien werden dagegen spät nachts verheizt oder fristen auf Spartensendern ein Dasein fern vom Publikum. Natürlich gibt es in den USA ein ähnliches Problem, auch wenn dort die Auswahl einfach viel größer ist. Dazu kommt aber auch noch die Einschränkungen, die eine Synchronisierung mit sich bringt. Natürlich wird jetzt wieder die gute Arbeit der Synchronindustrie in Deutschland gepriesen und angeführt, dass ein krampfhaftes Festhalten am O-Ton bei Serien und Filmen elitär sei und nicht durchsetzbar beim Publikum. Dazu sage ich nur: In anderen Ländern funktioniert es doch auch mit Untertiteln und zumindest eine Wahl zwischen ungenauer Übersetzung und der spannenden Vielfalt des englischen Sprachraums sollte dem Zuschauer gegeben werden. Synchronisierung raubt vielen Serien ihre Einzigartigkeit und ihren Charme, sie ist der große Gleichmacher mit ewig gleichen Sprechern für gänzlich unterschiedliche Figuren oder aber unerwarteten Wechseln der Stimmen bei geliebten Figuren. Noch schlimmer aber verhindert die Synchronisierung vielen Serien ihren ohnehin schon schwierigen Weg zum deutschen Publikum. Gerade kreative Comedys gelten als unübersetzbar oder flachen durch grobe Übersetzungen soweit ab, dass sie nicht mehr witzig sind. Der deutsche Zuschauer nimmt daher noch mehr als sein US-Gegenpart Vorlieb mit den Serien, die einen so groben Humor haben, dass sie auch gänzlich ohne Worte auskommen würden (Two and a Half Men) oder er ist durch die jahrelange Konditionierung auf deutsche Synchronstimmen und Laugh-Tracks dazu bereit über alles zu lachen, was ihm als Hit vorgelegt wird, auch wenn ekelhafte Snobs wie ich die übersetzten Witze ihrer einstigen Lieblingsserien nicht wieder erkennen.
Okay genug gejammert, es sollte ja eine Liste mit Empfehlungen werden. Nur noch eine kleine Warnung. Die folgenden Serien gibt es meistens nur auf DVD im Originalton und sie werden auch den deutschen Markt nur selten erreichen oder sind dort bereits sang- klanglos untergegangen. Diese Serien erfordern darüber hinaus oft Aufmerksamkeit und können nicht nebenbei konsumiert werden: Sie sind schnell, haben komplexe Running Gags und erfordern Kenntnisse in Weltgeschehen und Popkultur. Wenn man sich auf das alles einlässt einlässt wird man dafür belohnt mit Serien, die einen hohen Wiederanschauungswert bei gleichzeitiger Einzigartigkeit besitzen.