Sonntag, 21. August 2011

Besuch in der Oper


How we strive to connect, only to fall apart”
.: The Bled – Nothing we say leaves this room

weiter gehts nach dem Jump: 

Meine Herbstalben für den Arschlochsommer oder: Wenn der August sich wie November anfühlt, wann höre ich dann eigentlich Sommermusik?

Brand New – The Devil and God are raging inside me

 Anspieltipp: Jesus

Brand New hatten vorher ein nettes Pop Punk Album und ein erfolgreiches „Emo“-Album aufgenommen und keiner hätte mit dieser Cd gerechnet. Alles klingt viel erwachsener, ambitionierter authentischer. Jesse Lacey singt nachdenklich und schreit im nächsten Moment leidenschaftlich über Liebe, Glaube und das Leben. Die Musik ist gleichzeitig erschlagend und mitreißend.






Soap&Skin – Lovetune for Vacuum

Anspieltipp: Extinguish Me

Soap&Skin ist Anja Plaschg aus Österreich. Sie hat dieses Album mit 18 Jahren fast alleine geschrieben und aufgenommen. Dementsprechend ist es immer sehr dramatisch und pathosbeladen, aber gleichzeitig auch extrem eindrucksvoll und berührend. Plaschg vermischt ihr Klavierspiel mit anderen klassischen aber auch elektronischen Elementen und natürlich ihrer Stimme. Sie singt, schreit, flüstert und offenbart sich dabei komplett dem Hörer.






Alice in Chains – MTV Unplugged

Anspieltipp: Down in a Hole

Bei der Aufzeichnung des Konzerts sah Layne Staley schon aus wie der Tod, auch wenn er erst 7 Jahre später endgültig an seiner Drogensucht sterben sollte. Aber diese Zerbrechlichkeit ist es auch, was diese Songs so schön macht. Die Rocksongs der Band wurden in wunderschöne Balladen verwandelt, die von den Gesangsharmonien von Staley und Gitarrist Jerry Cantrell getragen werden. Stayles Stimme schwankt dabei immer zwischen total kaputt und überraschend kraftvoll und die Songs gleichzeitig zwischen tiefer Depression und leichter Hoffnung.




Portishead – Third 

 Anspieltipp: Plastic

In den 90ern haben Portishead sehr guten, leicht düsteren Trip Hop gemacht, der von Beth Gibbons leidenschaftlicher und erotischer Stimme getragen wurde. Nach über 10 Jahren Pause kam dann Third, ein absoluter Brocken von einem Album. Gibbons unvergleichbare Stimme ist immer noch im Zentrum der Musik, klingt aber weit verzweifelter und dramatischer als früher. Auch die Musik ist einfach viel mächtiger und aggressiver. Der Trip Hop ist wütenden Beats und Riffs gewichen, die nur gelegentlich von dafür umso schöneren Melodien durchzogen werden. Das perfekte Album, wenn draußen mal wieder die Welt untergeht...




Burial – Untrue 


 Anspieltipp: Archangel

Burials Musik klingt für mich, wie ein einsamer Spaziergang in einer verregneten, anonymen Großstadt. Die einfachen Dubstep-Beats werden begleitet von einer großen Vielfalt an verzerrten und bearbeiteten Gesangsamples, Hintergrundgeräuschen und Melodiefetzen, die sich immer wieder aus dem Grundgerüst der Musik herausschälen und für absolute Gänsehaut sorgen.






Audrey – Visible Forms 

  Anspieltipp: Views

Audrey sind vier Schwedinnen, die wunderschöne Popmusik mit düsteren Post-Rock-Momenten vermischen. Heraus kommen dabei melancholische und sehnsüchtige Songs, engelsgleich gesungen von allen Bandmitgliedern abwechselnd oder gleichzeitig in tollen Harmonien. Neben den konventionellen Instrumenten steht bei Audrey ein Cello im Mittelpunkt und gibt den verführerischen, unheimlichen Liedern noch eine weitere, spannende Note.




 

Max Richter – Infra / Ólafur Arnalds – Eulogy for Evolution 


Anspieltipps: Infra 5 / 0040 
Max Richter und Ólafur Arnalds machen beide Musik irgendwo zwischen Neoklassik und Ambient. Im Mittelpunkt stehen bei beiden kleine Streicherarrangements und ein Klavier. Die klassische Ausbildung von Richter und Arnalds kommt deutlich zum Vorschein, aber es finden sich auch elektronische Elemente und andere moderne Versatzstücke in ihrer Musik. Das Ergebnis sind wunderschöne Klanglandschaften, die oft wie der perfekte Soundtrack zu leider noch ungeschriebenen Filmen klingen. 


Sonntag, 14. August 2011

Musiktipps: 10 aufregende Musikerinnen unter 30

Laura Marling (Folk, Singer-Songwriter; geboren 1990)


Glasser / Cameron Mesirow (Electropop; geboren 1983)


Zola Jesus / Nika Roza Danilova (Synthpop, Goth, Electronic; geboren 1989)


Emmy the Great / Emma-Lee Moss (Singer-Songwriter; geboren 1984)


Soap&Skin / Anja Plaschg (Klavier, Electronic; geboren 1990)


A Fine Frenzy / Alison Sudol (Pop, Singer-Songwriter; geboren 1984)


EMA / Erika M. Anderson (Folk, Noise, Electronic; geboren 1983)


 
Sarah Jaffe (Folk, Singer-Songwriter; geboren 1986)
Hörprobe: Sarah Jaffe - Clementine (live)


 
Frances Quinlan / Hop Along, Queen Ansleis (Folk, Singer-Songwriter; geboren 1986)
Hörprobe: Hop Along, Queen Ansleis - Bruno is Orange


Jessica Lea Mayfield (Folk, Singer-Songwriter; geboren 1989)

Sonntag, 7. August 2011

Ungewöhnliche „Liebes“-Filme / Filme über Liebe








Eigentlich wollte ich eine kleine Liste machen mit Filmen, die ich wirklich romantisch finde und die nicht so ganz in die Mulde der gradlinigen und vorhersehbaren Hollywoodfilme passen. Ziemlich schnell habe ich dabei festgestellt, dass die erste Gemeinsamkeit fast aller Filme, die mir spontan dazu einfielen, ein fehlendes Happy End war. Viel wichtiger ist aber dann doch, dass es in diesen Filmen weniger um die Liebe fürs Leben oder die Märchenhochzeit am Ende der Geschichte geht, sondern um Menschen, die aus einer zufälligen Begegnung oder einer ungewöhnlichen Beziehung etwas über sich selbst, die Liebe und das Leben erfahren und am Ende des Films reicher sind an unvergesslichen Erfahrungen, Lebensmut schöpfen konnten oder einfach nur einem kurzen Moment der Zweisamkeit und Geborgenheit erleben durften...


In Search of a Midnight Kiss

Der Inhalt von In Search of a Midnight Kiss ist schnell zusammengefasst: Wilson ist Ende Zwanzig, ein erfolgloser Drehbuchschreiber, der nach einer Trennung nach Hollywood zieht und jetzt zu Silvester einsam zuhause sitzt. Auf Drängen seines Mitbewohners und besten Freundes Jacob startet er mit wenig Hoffnung einen halbherzigen Versuch durch eine Kontaktanzeige im Internet noch ein Date für die Silvesternacht zu finden. Auf sein Gesuch meldet sich schnell die mysteriöse Schauspielerin Vivian und die beiden treffen sich zunächst unverbindlich auf einen Kaffee. Dieses Treffen scheitert bereits nach Minuten fast an Wilsons Unsicherheit und Vivians brutaler Ehrlichkeit, entwickelt sich dann aber auf einigen Umwegen zu einer unvergesslichen Nacht.

Anders als in so vielen anderen Filmen gleichen Schlags, handelt In Search of a Midnight Kiss nicht von unrealistisch attraktiven Erfolgsmenschen, die nach einigen vorhersehbaren Rückschlägen am Ende des Films nicht nur ihr große Liebe gefunden, sondern damit auch alle ihre Probleme gelöst haben. Wilson und Vivian dagegen haben jede Menge Schwächen und sind zutiefst menschlich. Das macht sie besonders zu Beginn des Films für die Zuschauer nicht immer sympathisch, aber dafür umso nachvollziehbarer. Wilson ist selbst-mitleidig, zynisch und planlos, Vivian exzentrisch, übermäßig misstrauisch und wankelmütig. Das sich die beiden im Laufe des Abends trotz all dieser Hindernisse schließlich doch näher kommen, liegt an den überraschenden Gemeinsamkeiten, die sich zwischen den beiden auftun. Wilson ist auf der Flucht vor den Geistern seiner großen Liebe und Liebeskummer und Depression haben ihn bis kurz vor den Selbstmord getrieben, Vivian ist auf der Flucht vor einem aggressiven und betrügerischen Ex-Freund und so erfolglos in Hollywood, dass sie das Schauspielern fast aufgegeben hat. Diese Hoffnungslosigkeit und Abgeklärtheit in der Liebe, dem Beruf und dem Leben insgesamt, sorgt dafür, dass Vivian und Wilson keine märchenhafte Erwartungshaltung an eine neue Beziehung oder das neue Jahr knüpfen und sich stattdessen resigniert aber offen in die letzte Nacht des Jahres stürzen. Sie wollen nur nicht allein sein. Befreit von diesen Zwängen und Hoffnungen schaffen es die Beiden aber auch das erste Mal komplett ehrlich zu einer anderen Person, aber auch zu sich selbst zu sein. Am Ende der Nacht haben Wilson und Vivian sich einander offenbart, Geheimnisse anvertraut und gegenseitig Mut gemacht einen neuen Abschnitt in ihrem Leben zu beginnen. Natürlich kommt es dabei auch zu all den spannenden Momenten einer aufregenden neuen Liebe (kontrastiert durch kurze Szenen aus der Silvesternacht von Wilsons Freund Jacob und dessen Langzeitfreundin), aber viel wichtiger ist der Mut und die Lebenskraft, die sich die Beiden geben konnten in einer Silvesternacht, die ausnahmsweise mal die absurden Erwartungen erfüllt, die in unserer Gesellschaft an diesen willkürlichen Tag geknüpft sind.


Lost in Translation

Lost in Translation ist kein Liebesfilm, sondern ein Film über Einsamkeit, Freundschaft und die Frage, wohin es im Leben gehen soll.
Bob Harris (Bill Murray in einer Rolle, die nicht nur wie für ihn geschrieben ist, sondern auch tatsächlich nur für ihn geschrieben wurde) ist ein amerikanischer Schauspieler, der weit entfernt von ehemaligen Erfolgen sein Geld mit einem Whiskey-Werbespot in Japan verdient. Seine Ehe von der wir nur etwas über das Telefon erfahren, ist ebenso festgefahren wie seine Karriere und in seinem japanischen Hotel wird er zwar dauernd bewundert, bleibt aber bis auf einige peinliche Begegnungen allein. Durch einen Zufall trifft er die junge Charlotte (Scarlett Johansson), die im selben Hotel ebenso einsam ihre Tage verbringt. Charlotte hat gerade ihr Philosophiestudium abgeschlossen und ist ihrem Mann nach Japan gefolgt. Dieser geht von einem zu nächsten Arbeitstermin und hat nur wenig Zeit für seine Frau, die fast ohne Freunde oder Zukunftspläne durch das kalte Hotel und die überwältigende Stadt Tokio schlafwandelt. Bob und Charlotte trennen fast 30 Jahre, aber durch ihre gemeinsame Einsamkeit und das Gefühl festzustecken im eigenen Leben, entwickeln sie schnell eine ungewöhnliche Freundschaft. Es geht in Lost in Translation nie um romantische Liebe oder Sex, die beiden Protagonisten helfen sich vielmehr gegenseitig durch eine schwere Zeit und zu einem kleinen Stück Vertrautheit in einer einer fremden Stadt, fremdartigen Kultur und dem fremd gewordenen eigenen Leben.

Bemerkenswert ist dabei auch die Chemie zwischen Murray und Johansson, die fast ohne sexuelle Spannung auskommt und dagegen immer von einer tiefen Zuneigung und Wärme zwischen diesen eigentlich so unterschiedlichen Personen geprägt ist. Am Schluss des Films müssen die Beiden aus dem Kokon ihrer unverhofften Freundschaft wieder hinaus in ihr jeweiliges Leben, aber sie konnten in der kurzen gemeinsamen Zeit voneinander Kraft und Lebensmut dafür schöpfen.


Once

Auch in Once geht es nicht um die große Liebe, sondern um den täglichen Kampf in einer normalen Beziehung und darum, wie die Kraft der Musik helfen kann Liebesschmerz und Depression zu verarbeiten und zu überwinden.
Ein erfolgloser irischer Straßenmusiker, der sich in der Staubsaugerwerkstatt seines Vaters den Lebensunterhalt verdient, lernt durch Zufall eine tschechische Einwanderin kennen, die als Putzfrau ein eher unscheinbares Leben führt, aber ein enormes musikalisches Talent versteckt. Der Rest des Films zeigt wie die beiden anfangen gemeinsam Musik zu machen und parallel dazu durch diese Lieder ihre jeweiligen Probleme zu verarbeiten lernen. Die junge Frau hat ihren Mann, mit dem sie eine gemeinsame Tochter hat, in Tschechien zurückgelassen und der Straßenmusiker (die beiden Figuren haben keinerlei Namen in dem Film) ist immer noch nicht über die Liebe seines Lebens hinweg, die ihn vor kurzem verlassen hat. Die beiden Hauptfiguren ergänzen sich nicht nur musikalisch außerordentlich gut, sondern kommen sich dabei auch persönlich näher. Doch bald erkennen sie, dass der Andere nur eine Ausflucht wäre und sie sich stattdessen ihren Dämonen stellen und um ihre beschädigten Beziehungen kämpfen müssen. Die wunderbare Musik des Films (die ausnahmsweise mal vollkommen zurecht auch einen Oscar und viele andere Preise bekommen hat) reflektiert Gefühle und Erkenntnisse der beiden Hauptfiguren und eine gemeinsam aufgenommene CD am Ende des Films erfüllt die Beiden mit neuer Lebenskraft und dem Mut, sich der Liebe wieder zu stellen.


Chasing Amy

Chasing Amy ist eine merkwürdige Mischung aus zwei Filmen. Auf der einen Seite ein Kevin Smith-Film (u.a. Clerks, Dogma) mit smart redenden, liebenswerten Losern und Frauenfiguren direkt aus der Nerd-Fantasie und auf der anderen Seite ein Liebesfilm, der sich auf dem schmalen Grat zwischen tiefgründig und kitschig bewegt. Holden (Ben Affleck) und Banky (Jason Lee) sind beste Freunde seit Kindertagen und arbeiten gemeinsam an einem recht erfolgreichen Comic. Sie sind im wesentlichen typische Smith-Figuren: Jungs, die nie erwachsen werden und sich ihr Leben lang in einer kleinen, bequemen Welt aufgehalten haben, aber trotz ihrer oft grenzwertigen Einstellung zu Frauen und der Welt an sich, eine gewisse Liebenswertigkeit ausstrahlen. Holden ist der sensiblere der Beiden und verliebt sich eines Tages unverhofft aber unsterblich in die Comicschreiberin Alyssa (Joey Lauren Adams). Was darauf folgt ist die oft gesehene Geschichte der unerwiderten Liebe, mit einem Unterschied: Alysssa ist lesbisch. Es entwickelt sich trotzdem schnell eine innige Freundschaft zwischen den Beiden, aber Holden kann seine wahren Gefühle nicht lange verbergen. Nach anfänglichem Zögern lässt sich Alyssa schließlich auf diese ungewöhnliche Beziehung ein. Doch natürlich ist das alles nicht so einfach. Zuerst wäre da Holdens Freund und Partner Banky, der Alyssa zuerst mit Homophobie, später mit offener Feindseligkeit begegnet. Das hinter diesem Verhalten mehr steckt, als nur Engstirnigkeit entdeckt Holden in seiner Verliebtheit erst zu spät und die Freundschaft droht zu zerbrechen.
Derweil driftet die Liebesgeschichte nicht in unglaubwürdiges „Liebe besiegt alles, Liebe ist blind“-Terrain ab, sondern stellt dieser letztendlich unrealistischen Liebesgeschichte die harsche Realität entgegen. Dabei ist das größte Problem nicht die Tatsache, dass Alyssa lesbisch ist (auch wenn es natürlich ihr eigenes Weltbild ebenso wie das ihrer Freunde erschüttert), sondern vielmehr die unterschiedlichen Erwartungen, die Holden und Alyssa an eine Beziehung knüpfen, die die Beziehung bald an den Rand des Scheiterns bringt. Holden erfährt zum ersten Mal richtige Liebe und fühlt sich zunächst in seiner Männlichkeit bestärkt, kann aber nicht mit Alyssas experimentierfreudiger Vergangenheit umgehen. Alyssa dagegen träumt von einer normalen und stabilen Beziehung, kann aber ihrer Vergangenheit und ihrem früheren Ich nicht entfliehen.
Dieses teilweise recht schwere Drama wird immer wieder aufgelockert von absurden Szenen, die man aus anderen Filmen von Smith kennt, die aber erstaunlicherweise nach einer Eingewöhnungsphase auch hier nicht fehl am Platz wirken. So kommt es das Holden und der Zuschauer eine wichtige Lehre über Beziehungen von niemand anderem als Jay und Silent Bob erhalten und der Film in einer Szene kulminiert, die so schnell zwischen absurder Komik und herzzerreißender Traurigkeit schwankt, dass einem ganz schwindlig wird. In erster Linie bleibt Chasing Amy aber dabei immer eine Liebesgeschichte und zwar eine verdammt Gute!


Adventureland

James (Jesse Eisenberg) hat 1987 gerade seinen Uniabschluss in Literaturwissenschaft gemacht und will als Belohnung mit Freunden auf eine Europareise gehen. Doch seine Eltern eröffnen ihm am Tag der Zeugnisübergabe, dass ihr Geld weder für die Reise noch für James geplante weiterführende Studien in New York reichen wird. Stattdessen muss er über den Sommer zurück nach Hause ziehen und im heruntergekommenen Freizeitpark „Adventureland“ arbeiten. Was sich zuerst wie ein Albtraum geriert, entpuppt sich nach und nach als wichtigster Sommer in James bisherigem Leben.
Der Film ist eigentlich eine typische Coming of Age-Komödie mit ernsten Untertönen in der die Liebesgeschichte nur einer von vielen Bausteinen ist. James ist intelligent und gebildet, aber in allen anderen Lebensbereichen jungfräulich und weltfremd. Im Sommer, in dem der Film spielt, lernt er nicht nur erstmals richtige Freunde kennen, sondern erhält dringend nötige Lebenserfahrungen und Selbstbewusstsein. Wichtig dafür ist auch Em (Kristen Stewart), in die sich James ziemlich schnell verliebt. Em erscheint ihm zuerst wie das Mädchen seiner Träume: Sie ist intelligent und humorvoll, teilt seinen ausgefallenen Musikgeschmack, ist sexuell offen und gleichzeitig irgendwie „Eine von den Jungs“. Im Laufe des Sommers lernt James dann nicht nur diese Traumvorstellungen von Frauen, sondern auch seine naiven Zukunftsträume mit der Realität zu vereinbaren. Em ist die erste „echte“ Frau (problembeladener und komplexer als er es zunächst sehen kann), die der weltfremde Student kennen lernt und seine Zeit im „Adventureland“ der erste Ausblick auf das echte Leben, dass so ganz anders ist als er es sich vorgestellt hat, aber letztendlich auch viel aufregender. Am Ende des Films kommt wenig überraschend ein Happy End (das man sich als Filmzuschauer und auch Leser dieser Liste ja mal verdient hat) für die Liebe zwischen James und Em. Wichtiger für die Beiden ist aber, dass ihnen der gemeinsame Sommer geholfen hat Probleme zu überwinden und den Weg gewiesen hat in einen neuen Lebensabschnitt und in die Selbstständigkeit.


Das Schreiben dieses Beitrags und das erneute Schauen der passenden Filme hat mir soviel Spaß gemacht, dass es wohl bald einen zweiten Teil geben wird, genug Filme habe ich auf jeden Fall schon :) 



Donnerstag, 28. Juli 2011

Kleine Liste: Comic-Verfilmungen - The Good, The Bad and the Ugly


"Ice to see you!"


10 Comic-Verfilmungen, die auch wirklich gute Filme sind:

1. The Dark Knight (2008)*
2. Batman (1989)**
3. Spider-Man 2 (2002)***
4. X-Men 2 (2003)***
5. Hellboy 2 (2008)***
6. Iron Man (2008)
7. Kick-Ass (2010)
8. Sin City (2005)
9. V for Vendetta (2006)
10. Constantine (2005)

* in etwa gleich gut wie Batman Begins
** nur etwas besser als Batman Returns
*** jeweils deutlich besser als ihre schon guten Vorgänger

10 extrem enttäuschende oder einfach nur grottenschlechte Comic-Verfilmungen:

10. Daredevil (2003)
9. Spider-Man 3 (2007)
8. The Punisher (2004)
7. The Last Airbender (2010)
6. The Spirit (2008)
5. Spawn(1997)
4. Ghost Rider (2007)
3. Steel (1997)
2. Batman & Robin (1997)
1. Catwoman (2004)

Schockierende Filme

Eine kleine Liste von Filmen, die selbst mich als abgestumpften Filmjunkie noch geschockt, beschäftigt und/oder mit einem ekligen Gefühl in der Magengegend zurückgelassen haben. Trotzdem sind es alles durchweg gute und herausfordernde Filme, die ich hiermit (abgesehen von Irreversibel) fast uneingeschränkt empfehlen möchte.

The Shape of Things

Adam ist introvertiert, dicklich und eher unauffällig. Als er die aufregende und unberechenbare Evelyn kennen lernt, verliebt er sich schnell Hals über Kopf. Evelyn treibt ihn dazu an sich anders zu präsentieren, gibt ihm nicht nur neue Kleidung, sondern auch ein gestärktes Selbstbewusstsein. Adams bester Freund Phil ist irritiert von dem plötzlich zunehmend gutaussehenden Freund, der sich nicht mehr alles gefallen lässt, aber dessen Verlobte Jenny ist begeistert vom neuen Adam. Während Evelyn die Transformation von Adam immer weiter voran treibt, kommt er Jenny langsam näher...Was wie ein gutes Beziehungsdrama beginnt, entpuppt sich im für mich absolut überraschenden und schockierenden Finale als etwas ganz anderes...mehr will ich aber nicht verraten, um den Filmgenuss nicht zu verderben.

Martyrs

Martyrs ist eine Tour de Force in zwei Akten. Der erste Akt wirkt wie ein typischer Rache-Thriller mit einigen Gore- und Gruselelementen. Lucie entkommt als Kind nur knapp den Peinigern, die sie über lange Zeit gefoltert und misshandelt haben. In dem Kinderheim, in dem sie danach untergebracht wird, bleibt Anna, ebenfalls Missbrauchsopfer, die einzige Freundin und Familienersatz des traumatisierten Mädchens. Anna versucht Lucie zu beschützen, doch diese wird immer wieder heimgesucht von dem Geist eines Mädchens, dass sie bei ihrer Flucht zurücklassen musste und das ihr scheinbar weitere Verletzungen zufügt so lange sie die Täter von damals nicht findet und bestraft.
Der Film setzt nach diesem kurzen Vorspann ein im Haus einer scheinbar normalen Familie mit zwei Kindern, die gerade alltägliche Dinge besprechen als Lucie das Haus stürmt und ohne Vorwarnung alle darin umbringt. Die telefonisch herbeigerufene Anna ist sich ebenso wie der Zuschauer nicht sicher, ob die ermordete Familie überhaupt schuldig war, versucht aber bei der Beseitigung der Opfer zu helfen. Die Brutalität dieser Eingangsszenen, gepaart mit der Unsicherheit des Zuschauers, was hier eigentlich vor sich geht und die wirksam eingestreuten Schockeffekte, die Lucies geisterhafte Peinigerin mit sich bringen, sind schon genug Horrorelemente für zwei gewöhnliche Filme. Aber was im zweiten Akt von Martyrs passiert, erhebt den Film über vergleichbare Schocker. Ohne zu viel verraten zu wollen, lässt der Film in die tiefsten Abgründe der menschlichen Seele blicken und ist von einer Brutalität erfüllt, deren scheinbare Sinn- und Emotionslosigkeit, das ganze noch unheimlicher macht. Zum Schluss paart der Film zutiefst abstoßende Anblicke mit einem quälend ungewissen Ende, das den Zuschauer noch lange beschäftigen wird. Einer der wenigen Filme, bei dem mir danach der Weg durch den dunklen Flur Unbehagen bereitete...

2:37

2:37 hat zu Beginn große Ähnlichkeiten zu Gus Van Sants Amokläufer-Drama Elephant (der auch in diese Liste passen würde) und wurde deshalb von vielen bereits von vornherein als bloße Kopie abgetan. Der Zuschauer beobachtet den scheinbar langweiligen Alltag von fünf Highschoolschülern in Australien. Die erste Szene des Films, in der ein Lehrer unter einer abgeschlossenen Toilettentür Blut entdeckt, ist auch gleichzeitig das Ende des Films und durchbricht den Schulalltag auf unerwartete Weise. In seiner restlichen Laufzeit beleuchtet der Film die Stunden vor dieser Szene aus der Sicht aller Protagonisten, die wie schnell klar wird, alle ausreichende Motive hätten sich etwas anzutun. Das schockierende an diesem Film ist aber nicht nur das überraschende Ende, sondern auch andere Szenen, die schonungslos offenlegen, was sich hinter der Fassade dieser scheinbar so normalen Schüler verbirgt. Zusätzlich wird das Filmgeschehen unterbrochen von Interviews mit den Protagonisten in denen sie offen und ehrlich von ihren realistischen Plänen und naiven Träumen nach der Schule sprechen. Der Film ist dabei sicherlich nicht immer ganz glaubwürdig, zeigt aber in überspitzter Form, was nicht nur an dieser fiktiven Schule, sondern auch an echten Schulen geschieht und geschehen könnte.

Requiem for a Dream

Vor knapp zehn Jahren war ich bei Freunden auf einer Lan-Party und um die Zeit totzuschlagen bevor es losging, machte ich den Fehler mir Requiem for a Dream auszuleihen. Die nächsten 1 ½ Stunden saß ich mit Kopfhörern im Ohr in einem nur vom hektischen Flackern der Monitore erhellten Kellerraum und schaute mit zunehmenden Unbehagen diesen Film. Der Rest der Nacht war dann auch irgendwie gelaufen...
Der Film hat eine plakative „Drogen sind böse“-Message und könnte so auch in Schulen laufen (was sicher effektiver wäre als herkömmliche Aufklärungsarbeit). Diese recht simple Botschaft wird jedoch audiovisuell meisterhaft umgesetzt und von überraschend guten Darstellern bis zum äußerst bitteren Ende glaubwürdig vermittelt.

Harry lebt mit seiner Freundin Marion und seinem besten Freund Tyrone als Kleindealer ein sorgloses Leben von einem High zum nächsten. Geld für die Drogen stiehlt er auch schon mal von seiner wehrlosen Mutter, die ein einsames Leben vor dem Fernseher fristet. Harry und Tyrone versuchen ihre Träume vom Wohlstand wahrzumachen, indem sie mehr und mehr Heroin strecken und dealen. Doch ihre eigene Sucht und fehlender Drogennachschub treibt sie immer weiter in Schulden, die Unterwelt und die eigene Abhängigkeit. Harrys Mutter dagegen versucht für eine vermeintliche Kandidatur in ihrer Lieblings-Quiz-Show abzunehmen und wird von den verschriebenen Appetitzüglern erst in die Abhängigkeit und dann in Wahnvorstellungen und zunehmenden Realitätsverlust getrieben.
Der abwechselnd fiebrig nervöse und dann wieder höchst dramatische Soundtrack von Clint Mansell (der leider durch übermäßigen Gebrauch in Hollywood langsam etwas abgenutzt ist) und die von schnellen Schnitten, diversen Effekten und grellen Farben geprägten Bilder, spiegeln die Hochs und Tiefs des Drogenrauschs eindrucksvoll für den Zuschauer. Das unvermeidliche, schlechte Ende für alle Beteiligten nach einer kurzen Phase des trügerischen Glücks (oder Highs) ist durch seine Vorhersagbarkeit nicht weniger schockierend, denn die Kamera hält bei der abschließenden Montage der körperlichen und seelischen Konsequenzen des Drogenkonsums der Protagonisten sadistisch lange drauf und lässt den Filmzuschauer mit einem sehr unangenehmen Gefühl zurück.

Verblendung

Verblendung ist die Verfilmung des ersten Teils der überaus erfolgreichen Millenium-Trilogie-Romane von Stieg Larson. Es ist ein überaus spannender und wirkungsvoller Thriller. Um das Unbehagen zu verstehen, dass dieser Film bei mir auslöst, sollte man mit seinem Titel beginnen. Die Übersetzung des Originaltitels ist „Männer, die Frauen hassen“ und damit eindeutig treffender als der faule deutsche Titel. Larson wollte mit seinen Büchern auch auf die alltägliche Gewalt gegen Frauen aufmerksam machen und so ist auch der erste Film voll von Männern, die Frauen zutiefst hassen und erniedrigen.

Der in Ungnade gefallene Wirtschaftsjournalist Mikael Blomkvist wird von dem im Ruhestand lebenden Wirtschaftsboss Henrik Vanger damit beauftragt nach seiner vor 40 Jahren verschwundenen Nichte Harriet zu suchen. Vanger ist überzeugt davon, dass jemand aus seiner eigenen Familie in das Verschwinden verwickelt ist und so beginnt Blomkvist seine Recherchen auf der abgeschiedenen Insel, die nur von der Familie bewohnt wird. Die eigentliche Heldin des Films ist aber die Hackerin Lisbeth Salander, die Blomkvist bei seinen Ermittlungen unterstützt. Nach einer Gewalttat im Kindesalter wird Lisbeth ihr ganzes Leben lang von Psychologen und Vormündern immer mehr zum Opfer gemacht bis sie schließlich bei einem äußerst sadistischen Vormund landet, der seine Macht über Lisbeth und ihr Geld schamlos ausnutzt. Die Szenen der seelischen und sexuellen Gewalt gegen Salander sind für den Zuschauer in ihrer Direktheit kaum auszuhalten und erfüllten mich mit Scham dem männlichen Geschlecht anzugehören. Das langsame Ausbrechen Lisbeths aus der Opferrolle mündet in einem Gewaltakt gegen ihren Vormund, der fast ebenso unangenehm anzuschauen ist, einen jedoch mit einer dann fast schon wieder beunruhigenden Genugtuung erfüllt.
Die Haupthandlung führt Blomkvist und Salander schließlich zu einer Serie von äußerst brutalen Frauenmorden und einem blutigen, nervenaufreibenden und endgültig überraschenden Ende. Danach bleibt zwar das unangenehmes Gefühl in der Magengegend noch eine Weile erhalten, aber ebenso die Erkenntnis einen der seltenen Filme gesehen zu haben in dem emanzipierte und starke Frauen sich selbstständig aus ihrer aufgezwungenen Opferrolle befreien.

Irreversiblé (Achtung wer den Film noch sehen möchte, nicht lesen!)

Eigentlich gibt es keinen Grund Irreversibel zu empfehlen, es sei denn aus sadistischer Gemeinheit. Schon beim Anschauen war der Film damals für mich mehr als eine Art Mutprobe gedacht, denn natürlich halte ich ja denn angeblich so krassen Film aus. Viele betrachten Irreversibel als Kunst, aber für mich war es einfach zu viel. Der Zuschauer sieht in umgekehrter Reihenfolge eine Nacht, die das Leben und die Zukunft eines glücklichen Paares, dass ein Kind erwartet, für immer zerstört. Anstrengende Farben, schnelle Schnitte und eine meist hässliche Kulisse erfüllen den Film. Und dann ist da natürlich noch die Szene, in der der Protagonist dem vermeintlichen Vergewaltiger seiner Freundin mit einem Feuerlöscher den Schädel zu Brei schlägt (während der echte Täter das Ganze amüsiert beobachtet) und die eben genannte, schmerzhaft lange Vergewaltigungsszene, die die schwangere Frau ins Koma und die meisten Zuschauer wohl fast zum Erbrechen bringt. Bei all dem bleibt die Kamera in schonungslosen Nahaufnahmen dabei und am Ende sieht der bereits vollkommen geräderte Zuschauer dank der umgekehrten Reihenfolge der Szenen plötzlich noch einen Moment des Liebesglücks des Paares, das der Filmemacher im ganzen Film zuvor zerstört hat.
Die größte „Leistung“ des Films ist für mich seine Einprägsamkeit. Abgesehen von meinen absoluten Lieblingsfilmen gibt es keinen Film aus dem ich Details auch noch über 5 Jahre nach dem Schauen so gut abrufen kann. Der Film hat sich wie kein anderer in mein Gehirn eingebrannt – Leider.