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Montag, 2. November 2015

Alben des Monats - Oktober 2015



Julien Baker - Sprained Ankle
"I know you left hours ago, I still haven't moved yet.
I knew you were gone months ago, but I can't think of anyone else."

Julien Baker vermisste auf dem College ihre alte Band aus High School-Zeiten . Also fing sie an alleine Songs zu schreiben. Auf Anraten ihrer Freunde veröffentlichte sie diese Songs. Ein Jahr später hat sie jetzt ein Label und die Aufmerksamkeit der Musikpresse:  Zum Glück! Sprained Ankle ist eines der schönsten, traurigsten Alben des Jahres und ein absurd ausgereiftes, poetisches Debütalbum für eine 19-Jährige.

Es wäre jedoch verfehlt Baker als besonders weise oder reif für ihr Alter anzupreisen. Stattdessen beschreibt sie sich selbst in ihren Songs als zutiefst menschlich, junge Frau, die mit sich selbst, der Liebe, Gott und dem Leben hadert. Ihre Texte sind schmerzhaft persönlich und ehrlich, manchmal voll Selbstmitleid, aber auch überraschend trotzig und kraftvoll. Ihre Themen sind ebenso persönlich wie universell und profitieren von einer täuschend simplen Sprache hinter der sich eine enorme Eleganz, Poesie und vor allem emotionale Wucht verbergen. Der erst Satz des Titelsongs ist "Wish I could write songs about anything other than death". Das ist so etwas wie ein Mission Statement, aber auch täuschend. Denn Bakers Lieder handeln weniger vom Tod, sondern mehr von der Schwierigkeit zu leben. Passend dazu wirft sie auf jedem Song wirklich alles in die Waagschale. 

Mich erinnert Sprained Ankle an die ersten Eps von Daughter und das Debüt-Album von Torres. Mit Beiden hat Julien Baker die große Intensität und Melancholie gemeinsam, ebenso wie die selten gesehene Gänsehaut-Reaktion bei mir vom ersten Hören an. Doch auch bei der Musik ist die simple Eleganz Bakers großes Alleinstellungsmerkmal. Es ist meist nur ihre Stimme und eine Gitarre, die das Gerüst der Songs bilden. Die Melodien sind dabei so trügerisch einfach, wie effektiv. Auf dem Alben-Highlight Something etwa steigert sich Bakers Stimme langsam an Intensität und transportiert dabei unheimlich viel Schmerz, Trauer und Wut, während die hypnotische Gitarrenmelodie im Hintergrund ganz simpel bleibt. Dieses Phänomen zieht sich durch das ganze Album. Die Instrumentierung ist einfach, manchmal minimalistisch, aber nie langweilig oder gleichförmig. Baker doppelt ihre Stimme und arbeitet mit Effekten oder mehreren Gitarrenspuren, sporadisch kommen andere Instrumente zum Einsatz, aber es bleibt im Kern immer ihre hypnotische Gitarre und ihre unglaubliche Stimmgewalt.  

Alle Songs auf Sprained Ankle sind traurig und schmerzhaft, aber auch von einer großen, strahlenden Schönheit. Das alles kulminiert in Go Home, dem abschließenden Klaviersong. Baker verarbeitet Suchtprobleme, Krankheit, Depression und ihr selbstzerstörerisches Verhalten, das daraus resultierte. Und ich habe selten so einen traurigen, wuchtigen und schönen Song gehört. Noch mehr als auf dem Rest des Albums landet jede Zeile wie eine Faust in die Magengegend, zieht jedes Wort aus Bakers Mund am Herzen. Wenn ihre flehende Stimme beim letzten "I wanna go home!" bricht und eine wunderschöne Klaviermelodie und die undeutliche Stimme eines Predigers den Hörer sanft aus dem Album geleiten, ist klar, dass es sich hier um etwas ganz Besonderes handelt. Das beste Debüt-Album des Jahres? Gut möglich. Auf jeden Fall bin ich gespannt, was noch von einer Musikerin kommen wird, die diese fantastischen Songs mehr nebenbei geschrieben hat als sie gerade mal 18 Jahre alt war und ihre Band vermisste!  

Lieblingslieder: Sprained Ankle, Brittle Boned, Something, Go Home

Dilly Dally - Sore
"Don't wanna know you. 
Cause you don't know me, you don't know me, man.
You try and stop me but I'm not dead."

Dilly Dally aus Toronto vermischen Grunge mit triumphalen Rock und klingen manchmal wie eine Mischung aus Nirvana und den Japandroids mit einer Sängerin. Solche Vergleiche sind hilfreich, aber auch zu kurz gegriffen, denn die Band bietet so viel mehr.

Das größte Ausrufezeichen im Sound von Dilly Dally ist auf jeden Fall die Stimme von Katie Monk. Ihre kratzige Reibeisenstimme erinnert oft an Kurt Cobain, aber sie hat eine Energie und Stimmkontrolle, die diesen weit in den Schatten stellt. Dabei klingt sie nie gekünstelt oder angestrengt, sondern strahlt immer ein enormes Selbstbewusstsein aus. Oder besser gesagt: Die Frau hat unheimlich viel "swagger" in der Stimme! Dazu ist Monks Gesang wunderbar dreckig und sexy - schon nach einer gesungenen Zeile hat sie die absolute Aufmerksamkeit sicher.

Der Bandsound von Dilly Dally hat schon ordentliche Grunge-Einflüsse, ist aber meilenweit entfernt von der Pathos-getränkten Musik des Grunge-Revivals. Stattdessen macht die Band mal Songs, die hingerotzt klingen (im positiven Sinne), dann wieder gibt es große, euphorische Rockmomente und riesige Soundwände, die versuchen mit Monks unglaublicher Selbstsicherheit am Mikrofon und ihren beeindruckenden Schreien mitzuhalten. So kommt es, dass die Songs von Sore in eine dreckige Kneipe kurz vor die Sperrstunde passen würden, aber auch in einer großen Arena nicht fehl am Platz erscheinen würden. Gemeinsam ist diesen beiden Szenarien, dass man bei Dilly Dally schon mit grölen will - ja, fast muss - bevor man die Songs wirklich kennt, geschweige denn singen kann.   

Lieblingslieder:  Desire, Next Gold, Purple Rage, Ice Cream

The Black Heart Rebellion - 
People, when you see the smoke, 
do not think it is fields they're burning
"Where do we go, when we're bound by wild desire?"

The Black Heart Rebellion schrieben schon auf ihrem letzten Album weniger klassische Songs und mehr Events zwischen primitivem Ritual und Seancé. Sie benutzen dafür Elemente von Metal, Post-Rock, Drone, Ambient und etwas was an fernöstliche und indianische Musik erinnert. Genregrenzen verschwimmen dabei vollkommen und machen einem schwer beschreibbaren aber dafür umso greifbaren musikalischen Erlebnis Platz.

Viel hat sich dabei seit dem letzten Album der Belgier eigentlich nicht geändert. Doch wo Har Nevo gelegentlich noch etwas fragmentiert wirkte, ist People... wie aus einem Guss. Pieter Uyttenhoves Gesang ist nach wie vor beeindruckend und bildet den Anker im hypnotischen Sound der Band. Dabei zieht er sowohl als animalisch rufender Schamane in den Bann als auch in einem melancholischen und absolut hypnotischen Duett wie Near To Fire For Bricks.

People... klingt dabei immer wie etwas altertümliches. Nicht im Sinne von altmodisch oder nostalgisch, sondern viel mehr ursprünglich und natürlich. Die Musik zieht ihre Stärke aus ihrer Intensität und Natürlichkeit. Statt Künstlichkeit und Oberflächlichkeit beschwören The Black Heart Rebellion erneut etwas Wahres und Echtes.   

Lieblingslieder: Body Breakers, Near To Fire For Bricks, Rust   

Kelela - Hallucinogen
"You - When it's good I'm questioning. You - Then I stop to take it in."

Kelela verbindet eindrucksvoll eine Verehrung des RnB der 90er Jahre mit einem äußerst modernen und düsteren Sound. Nach einem exzellenten Mixtape 2013 war es lange still um sie, während ähnliche Künstler - allen voran FKA twigs - große Erfolge feierten. Zum Glück ist Hallucinogen aber so gut und gleichzeitig so eigenständig, dass sie Kelela eigentlich wieder ins Rampenlicht befördern müsste.

Der Vergleich zu twigs ist naheliegend. Die Musik ist auf den ersten Blick ähnlich und bei beiden Künstlerinnen hat Arca als Produzent seine Spuren hinterlassen. Doch Kelelas Musik ist direkter und sinnlicher als die oft verstörenden und gekünstelten Songs ihrer Kollegin. Auf Hallucinogen geht es auch düster zu, aber Kelela ist gleichzeitig poppiger und dramatischer. Der oft kühlen, elektronischen Produktion setzt sie ihre warme, sehnsuchtsvolle Stimme entgegen. Die erinnert oft an Aaliyah, wird aber gleichzeitig mehr wie ein sehr vielseitiges Instrument in die Songs eingewoben.

Die sechs Songs auf der EP klingen unterschiedlich durch die verschiedenen Produzenten, trotzdem wirkt Hallucinogen nie unzusammenhängend. Ganz im Gegensatz dazu werden die verschiedenen Stile hier zu einer Stärke. Denn Kelela erzählt in den Texten von einer zerbrechenden Beziehung. Die Produktionen spiegeln dabei gekonnt die Stimmungen, die in den lyrics transportiert werden.       
Aus unerfindlichen Gründen wird diese Geschichte in umgekehrter Reihenfolge erzählt und beginnt mit dem schmerzhaften A Message am Ende der Beziehung. Musikalisch ist das ein Geniestreich, denn der Song ist wie ein schmerzhafter Schlag in die Magengrube, aber auch wahnsinnig schön. Nicht das der Rest der EP dagegen abfallen würde, denn Schwachpunkte gibt es keine. Kelela hat eine gewaltige stimmliche Präsenz, die in den Bann zieht und eine wandelbare Stimme, sodass es nie langweilig wird. 

Lieblingslieder: A Message, Rewind, All The Way Down

Donnerstag, 1. Oktober 2015

Alben und Songs des Monats - September 2015

Empress Of - Me

"Why don't we make up our own rules. And break them when we like."

Ich hatte noch nie von Empress Of gehört, dann wurde sie gleichzeitig von Pitchfork und Stereogum in den Himmel gelobt. Das macht neugierig, aber auch skeptisch. Die Skepsis war schon nach Sekunden weg geblasen, da "Me" meine Erwartungen bei weitem übertroffen hat...
Empress Of ist das Projekt von Lorely Rodriguez, die das Album fast vollkommen alleine geschrieben, aufgenommen und produziert hat. Doch entgegen meiner Vorurteile macht sie mit Empress keine Lo-Fi oder Singer-Songwriter-Musik, sondern wirklich exzellent produzierten, ambitionierten Dance Pop.

Rodriguez ist eine klassisch ausgebildete Sängerin, verzichtet aber hier auf gesangliche Schnörkel zugunsten eines einfachen, erzählerischen Gesangsstils. Gleichzeitig hat die Sängerin enormes Charisma und eine beeindruckende gesangliche Präsenz auf diesen Songs.  Me wirkt am Anfang kurz wie ein persönliches, intimes Album. Doch das macht es nur um so aufregender, wenn die Musik sich plötzlich Richtung Tanzfläche bewegt und da auch erst mal bleibt. Die Songs sind auf jeden Fall Pop und oft sehr tanzbar, gleichzeitig bewahren sie sich einen experimentellen Charakter und haben ungewöhnliche Ideen, die das Album davor bewahren jemals oberflächlich oder vorhersehbar zu werden. Ganz im Gegenteil gibt es bei Empress Of immer wieder Momente in denen ich nicht fassen kann, wie gut das eigentlich ist und was da überhaupt gerade passiert. Die Musik klingt so vertraut, aber doch nie wie eine Kopie von etwas anderem. Schon beim ersten Hören überlegte ich mir woher ich das bloß schon kannte, nur um dann wieder ganz aus dem Häuschen zu sein, weil etwas spannendes, unerwartetes in einem Song passierte.

Rodriguez erfindet das musikalische Rad natürlich nicht neu, aber es fällt doch schwer die Musik zu beschreiben oder etwas vergleichbares zu finden. Nach einiger Überlegung fallen mir nur Iamamiwhoami und Dillon ein. Doch die Musik von Empress Of klingt viel größer, positiver und aufregender als diese eher düsteren und mysteriösen Projekte. Und vor allem vollführt sie erstaunlich gut den Balanceakt zwischen Pop und Indie. Rodriguez' Songs könnten problemlos in großen Clubs laufen, funktionieren aber auch allein zuhause im dunklen Zimmer.  

Lieblingslieder: Water Water, How Do You Do It, Kitty Kat, Make Up

Carly Rae Jepsen - E•MO•TION

"Not a flower on the wall, I am growing ten feet, ten feet tall.
In your head and I won't stop, Until you forget me, get me not."

Carly Rae Jepsen hat ein Problem und das heißt "Call Me Maybe". Der Song wurde zum Hit und dann zum kulturellen Phänomen. Jepsen hatte weitere erfolgreiche Songs und macht gute Popmusik, schreibt sie sogar oft selbst und kommt doch nie aus dem Schatten dieses einen Songs heraus. Nicht zuletzt wird sie von einem Großteil der Musikhörer wegen Call Me Maybe sofort mit Ignoranz oder Verachtung gestraft. Und das ist wirklich schade, denn Emotion ist ein großartiges Gutelaune-Popalbum.

Das Album ist vor allem 80er-Nostalgie und Dance Pop, vollgepackt mit Hits aber auch einer guten Prise künstlerischer Freiheit und Experimentierfreude. Das kommt sicher davon, dass neben Sia und Ariel Rechtshaid auch Rostam Batmanglij von Vampire Weekend und Dev Hynes an der Produktion beteiligt waren. Vor allem aber hilft es, dass Carly Rae Jepsen musikalisch genau zu wissen scheint, was sie will und enorm viel Spaß dabei hat.  

Die erste Single I Really Like You versuchte noch ein wenig das zweite Call Me Maybe zu sein, ist aber trotzdem ein schöner Song. Und der Rest von Emotion ist so randvoll mit Hits, dass es schon merkwürdig ist, dass das Album nicht viel erfolgreicher ist. Das liegt zwar sicher auch an der katastrophalen Veröffentlichungspolitik ihres Labels, aber wohl auch an dem Popstar selbst. Jepsen ist keine kontroverse Sexbombe, sondern eher Girl Next Door. Wenn einen das aber nicht stört und man dann noch ihre musikalische Vergangenheit ausblendet, sollten die Songs eigentlich für sich sprechen. Run Away With Me und der Titelsong haben gigantische Refrains und wären in den 80ern sicher Superhits geworden. Und so geht es immer weiter auf dem Album. Es gibt kleine Überraschungen wie das psychedelische, hypnotische Warm Blood, aber alles in allem gibt es bei Carly Rae Jepsen typische Popmusik mit typischen Texten. Doch die Songs auf Emotion haben eine einzigartige Wirkung. Man merkt Jepsen einfach an, wie viel Spaß sie hat. Man kann sie auf jedem Song förmlich grinsen hören und ihr ehrlicher Spaß an der Sache ist einfach ansteckend. Es hilft natürlich auch, dass es hier einfach nur wunderbare Songs zu hören gibt...

Lieblingslieder: Run Away With Me, Emotion, Making The Most Of The Night,  Let's Get Lost,  Warm Blood

Chvrches - Every Open Eye

"We are made of our longest days. We are falling but not alone.
We will take the best parts of ourselves. And make them gold."

The Bones Of What You Believe, das Debüt-Album von Chvrches, war ein kleines Wunder. Es war ein modernes Synth Pop-Album voller Hits, aber auch mit jeder Menge Gefühl und Persönlichkeit und überzeugte Kritiker ebenso wie Indie Musik- und Popmusikfreunde. Binnen kürzester Zeit schafften es die Mitglieder von der Vergangenheit in geliebten, aber mäßig erfolgreichen Post Rock-Bands zu großen Hallen, ins Fernsehen und zu kommerziellem Erfolg. Und es hätte keine bessere Band treffen können. Abgesehen von ihrer tollen Musik traten Chvrches als sympathische, bodenständige Freunde auf, die sich mutig gegen Onlinehetze und Frauenfeindlichkeit aussprachen.
Vor diesem Hintergrund muss der Druck sicher enorm gewesen sein, einen würdigen Nachfolger zu präsentieren. Auch ich war skeptisch und befürchtete eine schwache Kopie ihres Erstlings. Doch schon nach einem Hördurchgang ist klar: Every Open Eye ist seinem Vorgänger mindestens ebenbürtig und Chvrches haben es geschafft genau heraus zu arbeiten, was ihre Musik so besonders macht...und natürlich haben sie auch einfach wieder grandiose Songs geschrieben.

Die Band macht immer noch strahlenden Synth Pop mit einer bemerkenswerten Balance aus Pop-Sensibilitäten und einer gewissen emotionalen Wucht, die vielen ähnlichen Bands total abgeht. Auf Every Open Eye sind die Synths insgesamt noch größer und besser produziert. Es gibt eine etwas stärkere Hinwendung zur Tanzfläche und man merkt, dass diese Songs das Ergebnis von ausgiebigen Touren sind und deshalb hervorragend bei Konzerten funktionieren werden.

Sängerin Lauren Mayberry verzichtet immer noch auf Effekte oder Gesangsakrobatik. Stattdessen vertraut sie ganz auf ihre klare Stimme und die Kraft ihrer Texte und Betonungen. Dank Gesangsunterricht und vermutlich auch der Live-Erfahrung klingt sie auf Album Nr. 2 aber selbstsicherer. Das gibt den Liedern oft noch einen weiteren Schub. Sie gehen sofort ins Ohr, haben aber trotzdem auch wieder eine bemerkenswerte "Halbwertszeit" im Vergleich zu ähnlich gelagerten Bands. Da kann man nur hoffen, dass der Erfolg noch größer wird und vor allem auch anhaltend ist!   

Lieblingslieder:  Leave A Trace, Make Them Gold, Clearest Blue, Bury It

Miley Cyrus - Miley Cyrus And Her Dead Petz

"They say love grows, but I've only seen it die. I'm too young to feel like I'm runnin' out of time."

Ist Miley Cyrus eine selbst verliebte, exhibitionistische und aufmerksamkeitsgeile Nervensäge ohne Filter oder ein selbstbestimmter, feministischer und kreativer Lichtblick im langweiligen Popgeschäft? Die Antwort liegt sicher irgendwo dazwischen und wird immer schwerer zu beantworten, je länger Mileys Karriere voran schreitet.
Auch wenn ich nie wirklich Musik von Miley Cyrus gehört habe und bis vor kurzem hauptsächlich etwas von ihren "schockierenden" Klatsch-Stories mitbekam, wurde mir der ehemalige Teenie Star langsam sympathischer. Sie erzählte freimütig von ihrem Leben als Kinderstar in dem sie keinerlei Selbstbestimmung hatte und von ihrem Selbstbild, das nicht wirklich in die typische Rolle Mann-Frau zu passen scheint. In diesem Licht macht ihr bewusster und anhaltender Bruch mit dem Leben eines Kinderstars doch schon mehr Sinn. Und nicht zuletzt gründete sie eine Stiftung, die sich für obdachlose Jugendliche und Mitglieder der LGBTQ-Gemeinde einsetzt und spielte unter anderem mit Laura Jane Grace von Against Me!. Das lässt das Image der oft etwas hirnlosen Skandalnudel nicht vergessen, hilft aber dabei ihr neues Überraschungsalbum etwas unvoreingenommener anzuhören.

Miley Cyrus And Her Dead Petz erschien kostenlos und unabhängig von Mileys Label oder dem Druck der Popindustrie. Sie konnte also machen, was sie wollte.
Das ist die größte Stärke und die größte Schwäche des Albums zugeich. Die Schwäche wurde in Form von Kritikpunkten schon an ganz vielen Orten zusammen gefasst. Dead Petz hat 23 Songs und ist 90 Minuten lang. Es gab also offenbar keinen Auswahlprozess und keinen Filter, alles durfte mit und das Gute ertrinkt angeblich in den vielen schlechten Ideen. Dazu kommt die Kritik, dass viele Songs klingen wie Überbleibsel von Aufnahmen der Flaming Lips, die bei vielen Liedern mitgeschrieben haben. Das kann ich nicht beurteilen, da ich die Band nie wirklich gehört habe. Und zuletzt werden die albernen Texte kritisiert, die von Sex, Drogen und toten Haustieren handeln.

Ich halte dagegen, dass es auf einem Album von dem ich wirklich nichts erwartet habe, wirklich viele tolle Momente, Ideen und Songs gibt. Ich finde nichts unhörbar, aber einiges einfach gut, ja sogar berührend. Der erste Song ist ziemlich nervig und auch andere Songs wirken eher albern oder anstrengend. Doch Miley Cyrus hält die Songs zusammen mit ihrer wandelnden und großen Stimme. Man merkt ihr an, dass sie Spaß hat, ihr die Musik am Herzen liegt und sie wirklich hinter diesem psychedelischen Kiff- und Sexalbum steht, das drei toten Haustieren gewidmet ist.

Lieblingslieder: Karen Don't Be Scared, BB Talk, I Get Scared, Tiger Dreams (featuring Ariel Pink)       


Songs:



Ane Brun - Hanging: Ich bin noch nicht wirklich dazu gekommen das neue Album von Ane Brun zu hören. Das liegt zu einem großen Teil an diesem Opener des Albums. Hanging führt die Wandlung von Bruns Musik zu ihrer logischen Konsequenz. Von ihren akustischen Anfängen bleibt nur noch die Intimität der Musik und die fantastische Stimme der Norwegerin. Auf Hanging schafft es die Künstlerin gefühlt ein gesamtes Orchester in den Song zu integrieren, ohne das er überladen wirkt. Stattdessen strahlt Hanging eine Leichtigkeit und Wärme aus, obwohl er dann auch doch wieder eine Melancholie ausstrahlt, die fast überwältigend ist. In gut fünf Minuten hebt und senkt sich Hanging, löst ganz große Gefühle aus und macht es unmöglich ihn nicht sofort wieder und wieder zu hören. (Link)

Amenra - The Longest Night: Die akustische Seite von Amenra schaffte es schon immer auf beeindruckende Weise die Emotionalität und Intensität der Band zu vermitteln, ganz ohne die Härte oder Wucht des üblichen Bandsounds. The Longest Night wurde scheinbar schon länger live gespielt, aber erst jetzt veröffentlicht mit einer Widmung an das ertrunkene Flüchtlingskind Aylan Kurdi und alle Opfer der Flüchtlingskatastrophe. Der Text des Liedes bekommt so eine tragische, neue Bedeutung, der Song bleibt wunderschön, aber auch fast erdrückend traurig. (Link)

Kelela - Rewind: A Message, Kelelas letzte Single, war ein düsterer, kraftvoller Abgesang auf eine schmerzhafte Beziehung. Rewind dagegen beschreibt die Aufregung und Unsicherheit des ersten Verliebens. Der Song ist leicht, flatterhaft und sexy, hat Hitpotential und trotzdem eine beeindruckend detaillierte Produktion und natürlich Kelelas große, wandelbare Stimme. (Link)

Montag, 30. März 2015

Alben und Songs des Monats - Januar, Februar & März

Das erste Quartal des (Musik-)Jahres 2015 ist vorbei und ich war schon lange nicht mehr so begeistert - nach nur 3 Monaten ist dieses Jahr musikalisch schon aufregender als viele andere Jahre in der jüngeren Vergangenheit. Da ich es nicht geschafft habe im Januar oder Februar etwas zu veröffentlichen, gibt es hier nun zusammen gefasst meine bisherigen Highlights 2015. Ab April dann hoffentlich wieder monatlich...


Meine Album-Highlights Januar - März:



Kendrick Lamar - To Pimp A Butterfly

"The evils of Lucy was all around me. So I went runnin' for answers..."

Eins vorweg: Über das neue Album von Kendrick Lamar zu schreiben traue ich mir eigentlich erstens nicht zu, zweitens wurde mittlerweile wohl auch schon alles dazu geschrieben und drittens bin ich kein riesiger Fan und finde manches auf dem neuen Album schlichtweg anstrengend. Trotzdem ließ mich dieses ausschweifende, ungewöhnliche Album nicht los und veranlasste mich dazu meine anfänglichen Vorbehalte immer weiter zu überdenken, bis ich anerkennen musste, dass ich trotz des ganzen Hypes ein Meisterwerk hörte.

Anders als viele anderen konnte ich bei Lamars bisheriger Musik zwar das immense Talent, die großen Ambitionen und das technische Können anerkennen, aber bis auf wenige Ausnahmen nicht wirklich mit den Songs warm werden. Das ist bei To Pimp A Butterfly zu meiner großen Überraschung vollkommen anders. Statt eines durchaus verdienten Ausruhen auf den Lorbeeren "schockiert" er große Teile seiner Fans mit Songs, die Jazz, Funk und viele Elemente "schwarzer" Musik einbauen und dafür klassischen Rap sogar oft hinter sich lassen. Und das Ding ist: das funktioniert fast überall verdammt gut.

Thematisch gibt es dazu diesmal keinen Kurzfilm in Musikform, sondern viele Vignetten, die sich vor allem mit der Lage von Schwarzen in den USA im allgemeinen und dem schwarzen Künstler im Besonderen befassen. Auch wenn ein Hadern mit der eigenen Berühmtheit und Lamars Selbsteinschätzung als Erlöser oftmals zum Augen Rollen einladen, hat er dennoch mehr zu sagen als die meisten anderen Rapper zusammen und dazu eben unvergleichliches Können und Charisma.

Es ist verlockend dieses Album endlos zu analysieren, Samples und Beteiligte zuzuordnen, oder die wiederkehrenden Gedichtsfetzen, allgegenwärtige Antagonistin Lucy (Luzifer) und 2Pac-Verehrung. Doch das kann abschrecken und abhalten davon ein Album wirklich zu genießen, das eben nur ein wenig Geduld erfordert.    

Lieblingslieder: Wesley's Theory, King Kunta, Alright, How Much A Dollar Cost, The Blacker The Berry

Father John Misty - I love You, Honeybear
 
"You left a note in your perfect script: >>Stay as long as you want<< 
I haven’t left your bed since"

Father John Misty ist das schräge Alter Ego von J. Tillman, der vorher unter seinem Namen und kurz als Teil der Fleet Foxes ernsthafte Folk Musik machte. Nach dieser bewussten Veränderung mit neuem Namen ist das zweite Album als Father John Misty eine große Überraschung. Es gibt immer noch jede Menge unerwartete, schräge Momente und Texte voller Zynismus, Ironie und Augenzwinkern. Gleichzeitig ist Honeybear jedoch ein unglaublich ehrliches Album über die Liebe geworden - von einem Mann, der es scheinbar nach wie vor nicht fassen kann, dass er die Liebe seines Lebens gefunden hat, obwohl er an diesen Liebeskram nicht wirklich glaubt...

I Love You... ist eine Liebeserklärung auf Albumlänge, bei der Poesie, Humor, Zynismus und Kitsch so eng verwoben sind, dass man als Hörer irgendwann aufgibt verstehen zu wollen, wie viel Tillman von dem Ganzen eigentlich ernst meint und wo er die hoffnungslosen Romantiker nur auf die Schippe nimmt. Was das Album, neben dem grandiosen Songwriting, jedoch so außergewöhnlich macht, ist die realistische Liebesgeschichte in seinem Zentrum, die nicht nur unterhaltsam ist, sondern auch Mut und Lust macht sich mal wieder richtig zu verlieben...

Lieblingslieder: Chateau Lobby 4 (in C for Two Virgins), When You're Smiling And Astride Me, The Ideal Husband, I Went To The Store One Day

Zugezogen Maskulin - Alles Brennt
"Endlich wieder Weltkrieg! Tote, Bier und Titten!
Hashtag #ww3, Sexy Uniformen von Adidas
Und das Oranje-Pack kriegt mal wieder auf den Sack"

Testo und Grim104 von Zugezogen Maskulin haben halb scherzhaft lamentiert, dass sie jetzt Feuilleton-Rapper seien. Also von der Presse gefeiert, aber noch nicht erfolgreich genug um richtig Geld zu machen und gleichzeitig bei den richtigen Rap-Fans wegen Ausverkauf verhasst. Das die Beiden entgegen dieser Prophezeiung nicht nur äußerst erfolgreich mit ihrem neuen Album sind, aber trotzdem fast überall als die Rettung des Deutsch Rap gefeiert werden, ist zwar verwunderlich, aber voll verdient. 

Wie ihr Name schon deutlich macht, sind Zugezogen Maskulin zutiefst im Deutsch Rap verwurzelt, grenzen sich aber auch bewusst und unbewusst bei jeder Gelegenheit von ihm ab. So wird aus Alles Brennt ein Album, das weitgehend ohne die üblichen Klischees und Probleme des Genres auskommt und sich stattdessen ebenso humorvoll wie intelligent mit Themen wie Nationalismus, Elendstourismus, Flüchtlingspolitik und immer wieder der Rapmusik in Deutschland auseinander setzt. Statt dem erhobenen Zeigefinger oder Emo Rap gibt es aber hier zum Glück lieber schwarzen Humor, echte Wut und enorme Cleverness der beiden Rapper. Die Produktion dazu erinnert mich an amerikanische Trap Beats und Hudson Mohawke - ist also nicht bahnbrechend neu, aber äußerst effektiv und perfekt zugeschnitten auf die überdrehten Darbietungen von Testo und Grim104. 

Lieblingslieder: Oranienplatz, Endlich wieder Krieg, Vatermord, Schiffbruch

Natalie Prass - Natalie Prass
"Our love is a long goodbye, our love is a long goodbye"

Dieses selbstbetitelte Debüt ist auf den ersten Blick etwas irreführend. Auch wenn die titelgebende Sängerin klar im Mittelpunkt steht, waren an der Entstehung des Albums 13 Menschen beteiligt, die alle sehr wichtig für dieses kleine Wunder sind. Durch sie entstanden große Songs mit Streichern und Bläsern, die meisterhaft die Balance zwischen Schwermut und Leichtigkeit bewahren. 

Prass selbst trägt selbstverständlich mit ihrer delikaten, luftigen Stimme und ihren melancholischen Texten auch sehr zu dieser Balance und damit dem Erfolg der Musik bei. Es ist einfach unglaublich, dass ein Debüt, das auch noch Jahre lang unveröffentlicht blieb, so ambitioniert, vollendet und dennoch aufregend klingen kann. Und das die einzelnen Songs dann noch durchgehend solche Hits sind, die trotz eindeutigen Einflüssen und gelegentlich aufkommenden Nostalgiefaktor, unverkennbar nach etwas neuem und aufregenden klingen, macht einfach glücklich und Lust auf mehr.

Lieblingslieder: My Baby Don't Understand Me, Your Fool, Why Don't You Believe In Me, Violently

Love A - Jagd und Hund


"Ich wäre nicht gerne so wie früher, wäre nur früher gerne hier gewesen"

Mit Jagd und Hund meistern Love A aus Trier das schwierige und oft entscheidende dritte Album einer Band scheinbar mühelos. Sie perfektionieren den eigenen Sound ohne sich nur selbst zu kopieren und öffnen sich weiter dem Pop, aber immer weit entfernt vom Ausverkauf. Der ungestüme Zorn und Protest des Punk Rock vereint sich mit bissigem Humor, aber auch immer wieder unerwartet großen Refrains und Gefühlen.

Die bereits erwähnte Öffnung zum Pop ist bei Love A zwar auch der Hang zu eingängigen Melodien, viel mehr sind es aber diese großen, packenden Refrains in allen Songs, die schon beim ersten Hören einen tiefen Eindruck hinterlassen. Was aber Jagd und Hund und damit auch Love A so einzigartig macht, sind die schlauen, lustigen oder auch unvermittelt tiefgründigen Textzeilen, die diese ebenso kantige, wie eingängige Musik begleiten.  So kann es passieren, dass man beim Hören lacht, dann zustimmend nickt und Minuten später inne hält um nach zu denken.

Das alles ist dann eben noch verpackt in energische Punk-Songs, bei denen sich Vertrautheit und Überraschung genau in der Mitte treffen.  

Lieblingslieder: Lose Your Illusions, 100.000 Stühle leer, Augenringe, Modem

Lady Lamb - After
"Now I'm an old song that you once knew, 
you can't remember me for the life of you"

Auf ihrem neuen Album setzt Aly Spaltro ihre große Stimme und ihr immenses Songwriting-Talent noch selbstbewusster in Szene als bisher. Ihr letztes Album lebte von den überraschenden Wendungen und Spaltros bildgewaltiger Sprache voll von Sex, Leidenschaft und ungebrochener Kraft. 

After ist da vielleicht etwas geradliniger und durchdachter, verliert aber dabei nichts von seiner überschwänglichen, unbändigen Energie. Stattdessen wird diese Energie in Songs verwandelt, die durchweg kraftvoll, positiv und insgesamt noch rockiger ausfallen als Spaltros bisheriges Schaffen. Was bleibt ist die pure Lust an der Musik, die man in jedem Lied deutlich hören kann und mit geschlossenen Augen sieht man das breite Grinsen von Aly Spaltro klar vor sich. Beim hören ist das genauso ansteckend wie der Spaß an ihrer Musik. 

Lieblingslieder: Violet Clementine, Spat out Spit, Penny Licks, Milk Duds, Atlas 

Purity Ring - Another Eternity
"I'll whisk away your heartsigh and bury it in mine"

Das Debüt von Purity Ring war ein spannendes, unheimliches aber durchwachsenes Electro Pop-Album mit ein paar großen Hits. Für ihr zweites Album hat die Band die Seltsamkeiten etwas zurück geschraubt und sich stattdessen weiter für Pop und EDM geöffnet. Zwar bleibt dabei die unheimliche Atmosphäre der Band etwas auf der Strecke, doch verschwunden ist sie nicht. Die Öffnung zur Elementen der Mainstream-Musik sorgt dazu nicht nur für jede Menge Hits, sondern auch für überraschende Schlenker im Electro Pop der Band. Die wahre Stärke von Purity Ring bleibt aber die perfekte Symbiose von Corin Roddicks funkelnder Produktion und Megan James märchenhafter Stimme. 

Lieblingslieder: Heartsigh, Stranger Than Earth, Begin Again, Dust Hymn, Flood On The Floor 

Laura Marling - Short Movie
"Is it still okay that I don't know how to be at all?"

Wenn man ihre Musik hört vergisst man schnell, dass Laura Marling nach wie vor erst 25 Jahre alt ist und nicht schon seit Jahrzehnten ihre Musik perfektioniert. Da ist es dann auch nicht verwunderlich, dass die Musikerin in die zwei Jahre, die seit ihrem letzten Album vergangen sind, scheinbar genug Lebenserfahrungen für eine ganze Karriere gepackt hat: Für die Liebe nach New York gezogen, dann Beziehungsende, Schaffenskrise, Arbeit in Restaurants, Lebenskrise in der fremden Stadt und schließlich Rückkehr nach England. Diese einschneidenden Erlebnisse merkt man Short Movie deutlich an. Es ist Marlings rockigstes, amerikanischstes und stilistisch ungewöhnlichstes Album. 

Die frühe Ankündigung eines Albums mit elektrischer Gitarre entpuppt sich zum Glück nicht als Gimmick oder Fehltritt, sondern organische Erweiterung von Marlings Sound, die gut zu den oft wütenden, energischen Songs passt. Schön und düster waren Marlings Texte und Musik schon immer, aber zum ersten Mal seit ihrem Debüt machen die Songs hier uneingeschränkt Spaß. 

Leider stehen den vielen neuen Ideen und dem sehr dynamischen Songwriting auch ein paar Songs gegenüber, die schlichtweg wenig aufregend sind und sich vor allem im Kontrast zum Rest des Albums ein wenig nach Selbstkopie anhören. Das macht aus einem uneingeschränkten Karriere-Highlight ein "nur" größtenteils überzeugendes Album, toll ist es aber trotzdem noch. 

Lieblingslieder: False Hope, I Feel Your Love, Don't Let Me Bring You Down, Easy, Short Movie  


Songempfehlungen:


Courtney Barnett - Pedestrian at Best: Der Text von Pedestrian at Best ist clever, witzig, bissig und einfach nur genial. Ihrer Musik hat Barnett dazu eine überraschend punkige Note verpasst, die sehr an In Utero erinnert, aber immer noch unverkennbar Courtney Barnett ist.

Torres - Strange Hellos: Mackenzie Scott scheint für ihr zweites Album die Energie ihrer Live Shows in die Songs einfließen lassen. Thematisch passend dazu ist ihr neues Album eine Abrechnung mit ihrer biologischen Mutter, die sie im Stich ließ. Und auch wenn ich einiges erwartet habe, gab mir der Song beim ersten Hören doch einen "Holy Shit!"-Moment im besten Sinne.

Björk - Notget: Wenn Björk die Trennung zur Liebe ihres Lebens verarbeitet klingt das unheimlich persönlich und doch auch welterschütternd und apokalyptisch. Notget etwa ist eine furchteinflößendes, dramatisches Monstrum voll Schmerz und Kraft.

Viet Cong - Silhouettes: Viet Cong sind die Nachfolgeband der viel gehypten Women und erinnern dazu oft an alte Interpol, Wolf Parade und Joy Division. Wenn man aber von all den Erwartungen und Vergleichen einmal absieht, bleibt die Musik ein beeindruckend kompaktes und druckvolles Post Punk-Glanzstück.

Caitlin Canty - Get Up:  Caitlin Cantys wundervolle Musik zwischen Country, Folk, Blues und Rock klingt zu gleichen Teilen hoffnungsvoll und schwermütig. ihre Stimme ist eine warme Offenbarung, Pedal Steel-Gitarre und Schlagzeug geben dem Song Get Up in Ergänzung und Kontrast dazu Dringlichkeit und Power.

HVOB - Ghost: HVOB machen House Musik, die den Widerspruch von schwermütiger Stimmung und traumhafter, oft tanzbarer elektronischer Musik immer wieder in ihren großartigen Songs auflöst. Das sich langsam entfaltende Ghost ist da keine Ausnahme, sondern weiteres Highlight. 
Kelela - A Message: Kelela hat eine große, sinnliche Stimme, die an Aaliyah erinnert und macht Musik irgendwo zwischen R&B und Trip Hop. Auf A Message arbeitet sie erstmals mit Produzent Arca (FKA twigs, Björk, Kanye West) zusammen - eine ebenso naheliegende wie brillante Partnerschaft.

Earl Sweatshirt - Grief: Der schleppende, dreckige Beat und ein Text voller Drogen Depression und Paranoia steht in einem interessanten Kontrast zu Earls Raps, die selten so zielstrebig, kontrolliert und selbstbewusst klangen. Grief ist ein uneingeschränktes Highlight auf einem unerwartet geradlinigen, aber sehr guten Rap-Album.