Freitag, 19. Dezember 2014

Best Of 2014: Songs Top 100

Um die schiere Fülle an guten Songs aus allen Genres, die ich höre auch nur ansatzweise auf 100 herunter zu brechen gibt es in dieser Liste pro Künstler nur einen Song (mit kleiner Ausnahme für FKA twigs).

Die vollständige Liste für Hartgesottene und eine „familienfreundlichere“ Version ohne die härteren Sachen gibt es am Ende der Liste zum Anhören auf Spotify. Songs, die nicht bei Spotify zu finden sind, habe ich direkt verlinkt.


1. LUH. - unites: „unites is a simple love song.“ heißt es in der Beschreibung, die gleichzeitig absolut zutreffend und doch ein gigantisches Understatement ist. Ellery James Roberts (ex-wu lyf) Stimme könnte eine Steuererklärung vertonen und es klänge wie die größte Liebeserklärung aller Zeiten. Der Song ist aus kurzen, äußerst effektiv eingesetzten Samples zusammen gesetzt, die gemeinsam mit Roberts Stimme im Laufe des Songs immer mehr an Intensität zunehmen. Man kann nur hoffen, dass Roberts nun nicht wieder für Jahre in der Versenkung verschwindet... 
-
2. Run the Jewels – Oh My Darling Don't Cry (Hip Hop): Jeder der Songs auf dem Album könnte hier stehen oder das Album einfach die ersten 10 Plätze der Liste füllen. Killer Mike und El-P sind einfach so gut, dass es auch nach unzähligen Hördurchgängen noch unglaublich erscheint. Oh my Darling Don't Cry ist der wohl härteste Song auf dem Album und die beiden MC's stacheln sich dazu gegenseitig zu neuen Meisterleitungen des kreativen Shit Talk an.
3. Hundred Waters – Cavity (Electronic, Art Rock): Nicole Miglis Stimme ist eigentlich fast zu schön, um wahr zu sein. Auf Cavity rührt sie zu Tränen und ruft gleichzeitig Erfurcht hervor. Die Musik um sie unterstreicht und umspielt ihre gefühlvollen Gesang meisterhaft.  
-
4. FKA twigs – Two Weeks (R&B): Stimme und Musik von FKA twigs waren schon immer eine geniale Mischung aus schön und verstörend - ein Alleinstellungsmerkmal im R&B. Auf Two Weeks zeigt sie äußerst eindrucksvoll, dass dieses Alleinstellungsmerkmal auch im Kontext einer  großen Hymne funktionieren kann und das sogar äußerst einprägsam.
-
5. Angel Olsen – White Fire (Folk, Indie Rock): Ich weiß nicht, was beeindruckender ist: Die Kontrolle, die Angel Olsen über ihre Stimme hat, oder die Flut an Bildern und Emotionen, die sie mit jeder gesungenen Silbe hervor ruft. Begleitet wird diese fesselnde Naturgewalt auf White Fire fast nur von einem ebenso einfachen, wie hypnotischen Gitarrenspiel.
-
6. The War on Drugs – Under the Pressure (Indie Rock, Folk Rock): Under The Pressure benutzt Zutaten von Musik, die heute oft abfällig als Classic Rock bezeichnet wird. Doch die Vertrautheit, die dieser Sound beim Hörer hervorruft, nutzen The War On Drugs um eine fast 9-minütige, in jeder Hinsicht zeitlose Hymne zu schaffen, die niemals altbacken und immer aufregend klingt.
-
7. How to Dress Well – Face Again (R&B): Tom Krells ernsthafte, leidenschaftliche Stimme klingt manchmal wie Justin Timerlake aus einem düsteren Parallel-Universum. Die druckvolle, äußerst stimmungsvolle Produktion unterstreicht diese Vorstellung noch mit unheimlichen Stimm-Effekten und wabernden Melodiefetzen, zeigt aber auch, dass Beklemmung und Schönheit kein Widerspruch sein müssen.
-
8. Bombay Bicycle Club – Carry Me (Indie Rock): Was Carry Me vor allem von anderen Indie Rock-Songs abhebt ist das unglaubliche Energie-Level, die der Song kontinuierlich hält. Es passiert so viel in gut 4 Minuten und alles fügt sich so nahtlos und doch so aufregend zu einem explosiven Hit zusammen. 
-
9. alt-J – Bloodflood, Part II (Indie Rock, Art Rock): Zuerst ist es enttäuschend zu hören, dass manche Zeilen am Ende dieses unglaublich stimmungsvollen Songs improvisierter Quatsch waren. Doch eigentlich ist es umso beeindruckender, dass alt-j solche Gefühlsachterbahnen auslösen können, nur mit der Art "wie" sie singen.
-
10. Arca – Thievery (Electronic, Ambient): Thievery klingt wie eine Symbiose aus Horrorfilm-Soundtrack und Reggae – auf dem Papier eine schlechte Idee, wird in Arcas Händen ein tanzbares, zutiefst beunruhigendes Songmonster daraus.



11. TOBACCO – Father Sister Berzerker (Electronic): Ich habe diesen Song zuerst in einem Serien-Abspann gehört und genau dahin passt dieses schräge, euphorische Meisterwerk auch perfekt...Oder auf eine gigantische House Party...Oder als Soundtrack für den ersten bemannten Flug zum Mars. Ein perfekt vertonter Adrenalinschub!
-
12. Swans – She Loves Us (Noise Rock, Experimental): Gesungen von Michael Gira klingen die auf dem Papier fast lächerlich wirkenden Worte in diesem Song wie furcht einflößende Beschwörungen. Die Musik dazu passt sich der manischen Energie des Sängers an und bleibt über 17 Minuten in ständiger unruhiger Bewegung.
-
13. S – Losers (Folk, Indie Rock): Losers erzählt eine Geschichte voller Hoffnungslosigkeit und Negativität. Es ist fast schon masochistisch sich diesen Song immer wieder anzuhören. Aber die Musik von Jenn Ghetto ist auch von einer zerbrechlichen Schönheit, der man nur schwer widerstehen kann. Und wenn schon im Elend suhlen, dann so...
-
14. Banks – Drowning (R&B): Jillian Banks Gesang ist wütend und dann wieder lasziv, eine ebenso merkwürdige wie wirkungsvolle Kombination. Und die absolut massive Produktion um ihre Stimme, hebt Drowning noch viel weiter aus der R&B-Flut hervor.
-
15. The Hotelier – Your Deep Rest (Pop Punk, Emo): In Your Deep Rest versucht Christian Holden den Selbstmord eines Freundes zu verstehen und verarbeiten. Sein ebenso eloquenter wie ehrlicher Text macht aus diesem schwierigen wie klischeebeladenen Thema einen äußerst berührenden Song.
-
16. Interpol – My Desire (Post Punk): Würde mich jemand fragen, was Post Punk ist, würde ich ihm/ihr My Desire vorspielen: Majestätisch, kühl und doch voller Leidenschaft. Schön, dass Interpol wieder in Höchstform sind.
-
17. The Notwist – They Follow Me (Electronic, Indie Rock): Entgegen üblicher Vorurteile ist bei The Notwist die elektronische Musik, wie ein warmer Klangteppich in den sich der Hörer schmiegen kann, während Markus Achers Gesang und die sporadischen Rock-Elemente kühl, zögerlich wirken. Zusammen schaffen diese Gegensätze Lieder von fremdartiger und doch irgendwie vertrauter Schönheit.
-
18. Miserable – Halloween Dream (Shoegaze, Folk, Doom Metal): Die Musik von Miserable steckt voller musikalischer Widersprüche und unerwarteten Wendungen. Halloween Dream etwa klingt gleichzeitig nach Lo Fi-Folk und massivem Doom Metal, ist mächtiges Crescendo und entfernter Hilfeschrei zugleich.
-
19. Nux Vomica – Choked At The Roots (Crust, Hardcore, Death Metal): Musikalisch und thematisch machen Nux Vomica eigentlich lupenreine Punkmusik. Doch sie strecken diese Mentalität zu endlos spannenden Songs von epischen Proportionen, die genug Raum bieten für ihre groß angelegte Gesellschaftskritik und einen schier unerschöpflichen Ideenreichtum.
-
20. Breton - Envy (Indie Rock, Electronic, Art Rock): Envy ist eine irreführende Single-Auskopplung. Anders als der Rest des neuen Albums wird die Nachdenklichkeit und Melancholie zugunsten größerer Eingängigkeit zurück geschraubt. Trotzdem ist Envy nicht nur ein großartiger Popsong, er hat trotzdem auch die emotionale Wucht, die Bretons Musik auszeichnet. 


 
21. Strand Of Oaks – JM  (Folk, Indie Rock): Ich bin nie so ganz mit dem viel gefeierten, neuen Strand Of Oaks-Album warm geworden...aber in einem Jahr in dem ich wie besessen von der Musik von Jason Molina war, sorgte dieser sehr perönliche Tribut-Song mit seinem gigantischen Gitarren-Riff im Mittelpunkt regelmäßig für Gänsehaut.
-
22. Self Defense Family – Aletta (Post-Hardcore, Post Punk)
-
23. Warpaint – Love Is To Die (Indie Rock, Psychedelic Rock)
-
24. Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra & Tra-la-la Band - Take Away These Early Grave Blues (Post Rock, Punk): Trotz ständiger, verwirrender Namenswechsel macht das ehemalige Godspeed You! Black Emperor-Side Project durchgehend hochwertige Musik und selten waren sie so wütend, explosiv und aufregend wie auf ihrem schonungslosen neuen Album.
-
25. Sharon van Etten – Your Love is Killing Me (Folk, Indie Rock)
-
26. FKA x inc. - FKA x inc (R&B)
-
27. White Lung – Drown with the Monster (Punk)
-
28. Broken Bells – Perfect World (Indie Pop): Perfect World erinnert an Dance-Musik aus den 80ern und LCD Soundsystem – und das nur in der ersten Minute. Der Song nutzt seine über 6-minütige Laufzeit eindrucksvoll Pop, Dance Music und Folk zu verbinden. 
29. Clark – Unfurla (Electronic, IDM, Techno)
30. Spooky Black – Reason (R&B): Es ist schwer eine Stimme, die klingt wie eine sinnlichere Version von James Blake, mit diesem schmalen, immer bekifft aussehenden 16-Jährigen zu vereinbaren. Aber mit geschlossenen Augen und ohne Vorurteile macht Spooky Black einfach wunderschönen, berührenden R&B.


31. Sylvan Esso – Coffee (Electro Pop): Entschuldigung für den offensichtlichen Vergleich, aber die wunderbare Mischung aus entspanntem Electro Pop und zartem Folk ist wie die erste Tasse Kaffee des Tages, während langsam die Sonne aufgeht.
-
-
33. Låpsley – Falling Short (R&B, Electronic): Holly Låpsley Fletcher aus Liverpool ist gerade 18 geworden, hat aber bereits eine Vertrag bei XL Recordings und einen Hype, der sie bald zum Star machen wird. Das liegt zum Glück vor allem an ihrer tollen Stimme, irgendwo zwischen Adele und Hannah Reid (London Grammar) und ihrer unglaublich sinnlichen Musik, die oft an James Blake erinnert.
-
34. Galantis – You (House)
35. St. Vincent – Bring Me Your Loves (Art Rock)
-
36. Caribou – Our Love (Electronic)
-
37. Zola Jesus – Dangerous Days (Synth Pop): Die Drums auf Dangerous Days sind ansteckend, der Song tanzbar und poppig. Damit ist der Song ein Fremdkörper auf dem enttäuschenden neuen Album Taiga, aber eine hervorragende Single-Auskopplung.
-
38. Pharmakon – Autoimmune (Noise)
-
39. Woven Hand – Good Shepherd (Alt-Country, Folk Rock, Hard Rock): David Eugene Edwards ist nach wie vor der einzige Prediger, dem ich folgen würde und auf seinem neuen Album hat er erstmals eine musikalische Untermalung, die seiner mächtigen, apokalyptisch-religiösen Theatralik gewachsen ist.
-
40. Cold Specks – Bodies At Bay (Soul)


41. Lil Herb - Another Day ft King Louie (Hip Hop): Weder musikalisch noch lyrisch fügt Lil Herb Gangsta Rap etwas großartig Neues hinzu, aber Stimme, Flow und Präsenz des erst 19-Jährigen sind beeindruckend und werden ihn sicher bald zu einem großen Star machen. 
-
42. Poppy Ackroyd – Feathers (Contemporary Classical, Ambient)
-
43. Whomadewho – Dreams (Indie Pop): Es ist auf den ersten Blick etwas befremdlich, dass Whomadewho plötzlich lupenreine, 80er-inspirierte Popmusik machen. Aber Songs wie Dreams sind so eingängige, gute gemachte Hits, dass man schnell süchtig wird. 
44. Sarah Jaffe – Either Way (Folk, Pop, Electro Pop)
-
45. Priests – New (Punk): Katie Alice Greer schreit sich die Seele aus dem Leib und strahlt dabei selbst auf Platte so viel Charisma aus, dass man eigentlich wild durch den Raum tanzen MUSS. Die Musik von Priests klingt dazu mit seinen Anti-Surfer-Gitarren-Riffs, markanten Bass-Lines und erbarmungslosem Drumming zu jeder Sekunde aufregend und neu.
-
46. Death from above 1979 – Crystal Ball (Indie Rock)
-
47. Clickclickdecker – Ausbalancieren (Folk, Indie Pop)
-
48. The Rural Alberta Advantage – 45/33 (Indie Rock, Folk Rock)
-
49. Esben and the Witch – No Dog (Post Punk, Post Rock): Ich habe Esben And The Witch immer unterschätzt und in falsche Schubladen gesteckt, bis ich zufällig diesen Song mit zugehörigem Live-Video hörte/sah und absolut weg geblasen wurde.
-
50. Jason Feathers – Leave your Stain (Hip Hop, Soul)


51. Wife – Tongue (Electronic): Tongue ist wie das gesamte Debüt von Wife eine Meisterleistung im Aufbau wie auch der Entladung von musikalischer Spannung.
-
52. YOB – In Our Blood (Doom Metal)
-
53. Baths – Ocean Death (Electronic)
-
54. Spaceman Spiff – Teesatz (Indie Pop): Trotz der städtischen Pseudonyme ist Teesatz eine sehr persönliche Geschichte über das Scheitern und die Freundschaft. Kitschig, aber herzerwärmend.
-
55. Jessie Ware – Say You Love Me (R&B, Soul)
-
56. Xiu Xiu – Stupid In The Dark (Post Punk, Noise, Electronic): Hinter der affektierten Stimme von Jamie Stewart und dem brodelnden Post Punk von Xiu Xiu, verbirgt sich ein emotionaler Abgrund, der manchmal kaum zu ertragen, aber auch unglaublich faszinierend ist.
-
57. Broken Twin - Sun Has Gone (Piano Music)
58. Attendant – Wax Pages (Punk, Indie Rock)
-
59. Lyvten – Laufen Auf Repeat (Punk Rock)
-
60. Indian – Rape (Sludge, Doom Metal): Indians Musik ist hässlich, brutal und so so so unglaublich druckvoll, dass es mir die Nackenhaare aufstellt und ein fettes Grinsen aufs Gesicht zaubert.

61. Gridlink – Island Sun (Grindcore): Gridlinks letztes Album ist eine Lehrstunde in technisch brillantem, kompromisslosen und vor allem kontinuierlich unterhaltsamen Grindcore.
-
62. Future Islands – Seasons (Waiting On You) (Synth Pop)
-
63. EMA - Satellites (Electronic, Folk)
-
64. Tiny Ruins – Me At The Museum, You In The Wintergarden (Folk)
-
65. My Brightest Diamond – This Is My Hand  (Art Pop)
66. Old Man Gloom - Burden (Sludge, Post Metal)
-
67. Cloud Nothings – Pattern Walks (Indie Rock, Punk Rock): Das neue Album von Cloud Nothings klingt mir oft zu gewollt schnodderig und punkig, aber das wunderbar dreckige, intensive Pattern Walks macht viel Spaß.
-
68. Afghan Whigs – The Lottery (Indie Rock)
-
69. havarii. - Herbst (Post Punk, Post-Hardcore): Die Ernsthaftigkeit von havarii. Ist sicher nicht für Jeden, aber die Mischung aus Verzweiflung und Resignation in der Stimme von Sängerin Mareike erinnert mich an die Glanzzeiten von Escapado. 
70. Owl John – Don't Take Off The Gloves (Folk, Indie Rock)


71. Vince Staples – Hands Up (Hip Hop)
-
72. Hurray For The Riff Raff – Blue Ridge Mountain (Blues, Folk)
-
73. We Were Promised Jetpacks – I Keep It Composed (Indie Rock): Die neue Platte der Schotten war eine große Enttäuschung, es blieb einfach wenig hängen und es klang zu sehr nach Baukasten. I Keep It Composed ist eine schöne Ausnahme – episch und aufwühlend, wie die besten Songs der Band.
-
74. Chumped – Penny (Pop Punk)
-
75. A Sunny Day in Glasgow – The Body, it Bends (Shoegaze, Dream Pop)
-
76. HVOB – Window (Deep House)
-
77. Grimes – Go (Indie Pop): Ich kann verstehen, wieso Rihanna diesen Song abgelehnt hat und auch wieso Grimes-Puristen ihn verabscheuen. Was ich aber nicht verstehen kann ist, wieso der Song und das abgefahrene Video dazu Grimes nicht zu einem größeren Pop-Star gemacht haben. 
78. United Nations – Serious Business (Post-Hardcore)
-
79. Flying Lotus – Never Catch Me (feat. Kendrick Lamar) (Hip Hop)
-
80. Grand Griffon – Siste lijner (Punk): Meine zwei Lieblings-“Sänger“ deutschsprachiger Musik der härteren Gangart (Ex-Escapado & Captain Planet) – eine Gipfeltreffen, das nicht enttäuscht.

81. clipping. - Inside Out (Hip Hop): Die sehr ungewöhnliche Wortakrobatik und die minimalistische Produktion mit Noise-Anleihen machen clipping zu einer spannenden Gruppe, irgendwo zwischen Aesop Rock und Death Grips. 
82. Giant Squid – Thera (Sludge, Post Metal) 
83. Gazelle Twin – Anti Body (Electronic): Für Fans von The Knife und Planningtorock, die es gerne auch noch etwas düsterer und abgefahrener mögen, ist Gazelle Twin aus Brighton genau das Richtige.
-
84. Sam Amidon – Down The Line (Folk) 
-
85. Boosie Bad Azz – Crusin feat. Yo Gotti (Hip Hop)
-
86. Witch Mountain – Psycho Animundi (Doom Metal): Uta Plotkins riesige, wandelbare Stimme macht aus Witch Mountain viel mehr als nur eine Gruppe von Black Sabbath-Jüngern und Psycho Animundi ist ein fantastischer Beweis für ihr Talent.
-
87. ceo – Wonderland (Electro Pop)
-
88. Lykke Li - No Rest For The Wicked (Indie Pop): Das Lykke Li's aktuelles Album - trotz des massiven Erfolgs des Vorgängers - bereits fast vergessen ist, liegt sicher ebenso an der düster-traurigen Grundausrichtung als auch an der daraus geschuldeten musikalischen Gleichförmigkeit der Songs. No Rest For The Wicked bleibt dennoch eine zu unrecht übersehene Power-Ballade erster Güte.
-
89. Punch - Worth More Than Your Opinion (Hardcore)
-
90. Tweedy – Low Key (Indie Rock)


-
-
93. Mica Levi - Love (Soundtrack, Ambient): Der Soundtrack von Under The Skin gibt dem ohnehin schon beunruhigenden Film eine neue Dimension des Schreckens. Love ist ein Moment außerirdischer Schönheit in einem ansonsten fast zu unheimlichen Soundtrack.
-
94. Damien Jurado – Return To Maraqopa (Folk, Indie Rock)
-
-
96. Júníus Meyvant – Color Decay (Folk, Indie Rock): Wieder mal bewahrheitet sich die Regel, auf Videos von Musikern, die isländisch klingen oder aussehen, sollte man immer erst mal klicken. Auch die erste Veröffentlichung von Júníus Meyvant ist eine angenehme Überraschung. Große, ausufernde Popmusik.
-
97. Antilopen Gang – Outlaws (Hip Hop)
-
98. Hiss Golden Messenger – Saturday's Song (Folk)
-
99. Eyehategod – The Age Of Bootcamp (Sludge): Nach sage und schreibe vierzehn Jahren voller Nebenprojekte und persönlicher Rückschläge, veröffentlichen die Sludge Metal-Urväter und New Orleans-Legenden doch noch ein Album und klingen als ob sie nie weg gewesen wären.
-
100. Dillon – The Unknown (Electro Pop)
-

Song-Auswahl: 

 


Alle 100 Songs (fast): 

Mittwoch, 17. Dezember 2014

Best Of 2014: Top 5 Filme, Serien & Musikvideos

Meine, nach langer Debatte mit mir selbst, auf jeweils fünf Titel gekürzte Liste der besten Filme, Serien und Musikvideos diesen Jahres (imho). Die Reihenfolge ist alphabetisch und soll keine Sortierung nach Qualität sein...

Filme


Boyhood
In einem Satz: Richard Linklater folgt mit der Kamera dem Leben von Mason und seiner Familie vom Schulanfang bis zur Volljährigkeit und benutzt dafür über Jahre hinweg immer die gleichen Schauspieler.

Warum gut: Eigentlich passiert nicht viel in Boyhood - es gibt wenig dramatische Szenen oder weltbewegende Veränderungen. Stattdessen sind es die kleinen Momente, die hier wichtig sind und mit der Zeit hat man das Gefühl Mason und seine Familie nicht nur zu kennen, sondern eine emotionale Bindung mit ihnen ein zu gehen, die weit über die normaler Filme hinausgeht.


Edge of Tomorrow
In einem Satz: Ein PR-Mann der Armee wird gegen seinen Willen an die Front der letzten Schlacht der Menschheit gegen mysteriöse Aliens versetzt und bleibt nach seinem raschen Tod in einer Zeitschleife gefangen.

Warum gut: Die perfekte Rolle für Tom Cruise – wer ihn nicht mag, kann sich an den unzähligen Todesszenen des schmierigen, arroganten Hauptdarstellers erfreuen. Für alle anderen gibt es einen intelligenten, schlüssigen und äußerst unterhaltsamen Science Fiction-Film mit grandios inszenierten Action-Szenen und einer interessanten, selbstständigen weiblichen Hauptrolle (Emily Blunt - ich hoffe es macht jemand einen Action Star aus ihr!).

Guardians of the Galaxy
In einem Satz: Der Kleinganove Peter Quill von der Erde und eine Gruppe krimineller Aliens stolpern über die zerstörerischen Pläne des mächtigen Ronan the Accuser und werden zu widerwilligen Helden.

Warum gut: Guardians of the Galaxy ist die Verfilmung eines nur wenig bekannten Comics, aber statt einer humorlosen und schwerfälligen Comic-Verfilmung gibt es hier einen absolut spaßigen Abenteuerfilm zu sehen. Befreit von dem Ballast puristischer Fan-Gruppen oder zeitraubender Herkunftsgeschichten für seine Helden, erinnert der Film an die besten Qualitäten von Star Wars oder Indiana Jones. Daneben glänzt Guardians mit Humor, Herz, einem guten Drehbuch und sympathischen Helden/Schauspielern. 


Short Term 12
In einem Satz: Eine Betreuerin in einem Wohnheim für verhaltensauffällige Jugendliche versucht gemeinsam mit ihrem Kollegen und Freund das Leben der Bewohner besser zu machen, während sie mit eigenen Dämonen kämpft.

Warum gut: Der durchweg realistische Film bewahrt eine beeindruckende Balance zwischen Drama und trockenem Humor, die jungen Darsteller glänzen und Brie Larson in der Hauptrolle ist eine Offenbarung. 


Under the Skin
In einem Satz: Ein Alien im Körper einer schönen Frau (Scarlett Johansson) fährt durch Schottland, lockt Männer mit dem Versprechen auf Sex in ihr Haus und tötet sie.

Warum gut: Der Film ist visuell zutiefst beunruhigend und hat trotz seiner spärlichen Ausstattung an Dialogen, Story und Kulissen viele Szenen oder Momente, die den Zuschauer so schnell nicht mehr los lassen. Der alptraumhafte Soundtrack von Mica Levi und eine perfekt gecastete Johansson tun ihr übriges.



Serien


The Good Wife
In einem Satz: Alicia Florrick muss nach über zehn Jahren als Ehefrau, Mutter und Socialite wieder als Anwältin arbeiten, nachdem ihr Mann wegen eines Sex- und Korruptionsskandal im Gefängnis landet.

Warum gut: Auch in der sechsten Staffel und nach deutlich über 100 Folgen, schafft es The Good Wife nach wie vor abwechslungsreich, aufregend, mitreißend, schockierend, lustig, sexy und vieles mehr zu sein. Und immer noch wird die Serie als weitere Anwaltsserie oder Drama für ältliche Zuschauer belächelt. Doch meiner Meinung nach gibt es wenige auch nur ansatzweise so konsistente und durchgehend hochklassige Serien im amerikanischen Fernsehen. Julianna Marguiles spielt ohne Frage eine der komplexesten Figuren in der momentanen Fernsehwelt und wird von einem ebenso breiten wie hervorragenden Ensemble aus Haupt-, Neben- und Gastdarstellern begleitet. 

Hannibal
In einem Satz: Lose Adapation der Thomas Harris-Figuren Hannibal Lecter und Will Graham, die ihre Beziehung vor den Ereignissen der Filme Red Dragon und Das Schweigen der Lämmer beleuchtet.

Warum gut: Eine weitere Adaption der bereits viel zu sehr ausgeschlachteten Hannibal Lecter-Figur, ein Prequel und dann auch noch im frei empfangbaren Fernsehen? Es sprach sehr viel gegen diese Serie. Doch heraus gekommen ist trotzdem eine der visuell beeindruckendsten Serien aller Zeiten, die gleichzeitig als wirklich unheimlicher Horror und detaillierte Charakterstudie funktioniert.
Die Serie ist nichts für Leute mit schwachen Nerven oder Mägen, aber im Gegensatz zu anderen Serien geht es nicht nur um die Schockeffekte, sondern viel mehr um die psychologischen Ursachen und Folgen der Gewalt.
Neben vielen exzellenten Schauspielern ist es vor allem Mads Mikkelsens nuancierte Darbietung als Lecter, die sofort in den Bann zieht und Anthony Hopkins zuletzt lächerlich überzogene Darstellung der Figur schnell vergessen lässt. Der einzigartige Soundtrack, der eigentlich eher zutiefst in die Textur der Serie verwobenes Sounddesign ist, sorgt zusätzlich für ein wirklich erschütterndes Zuschauererlebnis.


Last Week Tonight With John Oliver
In einem Satz: Ein ebenso witziger, wie intelligenter, satirischer Wochenrückblick, der von John Olivers einzigartiger Darbietung und der hervorragend Recherchearbeit seines Teams profitiert.

Warum gut: Eigentlich war der Markt der satirischen Nachrichtenshows in den USA durch die Veteranen Stephen Colbert und John Stewart bereits zur Genüge abgedeckt. Doch mehrere Dinge machen die Show von John Oliver ebenso einzigartig wie notwendig. Zuerst ist da natürlich der ungewöhnliche Blickwinkel eines Briten auf die amerikanische Gesellschaft. Dann glänzt Oliver mit seiner perfekt abgestimmten Mischung aus beißender Satire, angemessenem Unglauben und angenehm verpacktem Informationsgehalt. 
Und schließlich erzwingt und ermöglicht die längere, aber nur einmal wöchentlich statt findende Sendung mehr Raum für Schwerpunktthemen und grundsätzliche Analysen komplexer Probleme. So ist Last Week Tonight nicht nur unheimlich witzig, sondern auch oft zutiefst schockierend und deutlich gehaltvoller als die meisten (amerikanischen) Nachrichtensendungen. Wenn es nur in Deutschland einen Moderator mit halb so viel Charisma und Programmverantwortliche mit einem Bruchteil des Mutes gäbe... 


Shameless
In einem Satz: Amerikanische Adaption der gleichnamigen britischen Serie; zeigt das  Leben der sechs Kinder einer Familie aus der tiefsten Unterschicht.

Warum gut: Shameless fing als weitere, unnötige Kopie einer britischen Hit-Serie an mit der Showtime-üblichen Quote an Sex, Schockmomenten und Tabubrüchen. Doch mit der Zeit passierte etwas bemerkenswertes – Die Show balancierte diese Elemente und den nach wie vor derben Humor mit einprägsamen wie glaubwürdigen Einblicken in das Leben einer Familie am äußersten Rand der amerikanischen Gesellschaft. Mittlerweile ist Shameless eine fast durchgehend exzellente Drama-Serie, getragen von tollen Schauspielern wie Emmy Rossum, die sich von einem schönen Gesicht mit Rehaugen zu einer der besten dramatischen Fernsehschauspielerinnen gemausert hat.


Utopia
In einem Satz: Vier Durchschnittsengländer stolpern bei der Suche nach einem geheimnisvollen Comic-Buch über eine weitreichende Verschwörung.

Warum gut: Utopia ist eine aufregende Thriller-Serie, umfasst eine ebenso spannende, wie glaubwürdige Verschwörung und trumpft mit ungewöhnlichen Figuren und einem äußerst schwarzen Humor auf. 
Auf den ersten Blick ist es aber vor allem die satte Farbpalette des Gedrehten und der beunruhigende, einzigartige Soundtrack, die Utopia zu einem Erlebnis machen. Damit hebt sich die Serie eben so aus dem Einheitsbrei ab, wie durch die zynische Weltsicht und einem Plan der bösen Verschwörung, der in der heutigen Zeit verständlich oder zumindest nachvollziehbar scheint und zum denken anregt. 
Es ist klar, dass eine so einzigartige, durchdachte Serie nach zwei kurzen Staffeln abgesetzt wird, aber jede Staffel ist in sich geschlossen und der Plan eines US-Remakes von David Fincher und Gillian Flynn lässt vorsichtig hoffen.


Musikvideos

Ein Klick auf die Bilder führt zu den Videos...

FKA twigs – tw-Ache
 
twigs hat tolle, aufwändige Videos zu Songs ihres neuen Albums produziert, doch am beeindruckendsten bleibt dieses „einfache“ Tanz-Video zu einem Song ihrer ersten EP – zu gleichen Teilen anregend und beunruhigend. 

 Flatbush Zombies x Trash Talk – 97.92

 
Sieben Go Pro-Kameras auf eine Drohne montiert sorgen für ein absolut hypnotisches 360°-Erlebnis.

Galantis - You
 
Eine Frau in einer leuchtenden, aufwendig designten Tiermaske wandert durch das nächtliche L.A., begegnet den unterschiedlichsten Menschen und sucht nach Liebe. So simpel, wie schön. 

Grimes - Go
 
In meiner Vorstellung war das Musikvideo zu Go als typisches Blockbuster-Pop-Video geplant, bevor Grimes das Set kaperte und diesen visuell beeindruckenden Fiebertraum daraus machte in dem genug Platz für eine moderne Interpretation von Dante's Inferno und Adiletten ist.

Pissed Jeans - Boring Girls
 
Boring Girls ist ein grandios inszeniertes Ideen-Feuerwerk, das schrägen Humor und alptraumhafte Sequenzen mit einer wunderbar halbherzigen Playback-Darbietung des Punksongs verbindet.

Montag, 15. Dezember 2014

Best Of 2014: Alben Top 20

2013 war ein gutes Jahr für Musik, aber im Rückblick und besonders im Vergleich zu diesem Jahr, blieb nicht so viel hängen, was ich in fünf oder zehn Jahren noch oft hören werde. 

Ich habe das Gefühl dieses Jahr wird das anders sein...Abgesehen von meiner klaren und unangefochtenen Nummer 1 waren dieses Jahr viele Alben dabei, die ihre Zeit brauchten um richtig zu klicken oder Alben, die ich erst spät für mich entdeckte. Dafür sind es viele Alben, die nach einer gewissen Zeit dann einen tiefer gehenden Effekt hatten und auch eine viel längere "Haltbarkeit" zu haben scheinen. 

Hier sind die 20 Alben, die ich nach nicht allzu langem Überlegen als die Wichtigsten, Unterhaltsamsten und Besten in diesem Jahr ansehe: 

 
1. Run the Jewels – RTJ2 (Hip Hop)
Das Dream Team ist zurück! El-P und Killer Mike hatten 2012 so viel Spaß und Erfolg bei der gemeinsamen Arbeit am letzten Killer Mike-Album, dass sie letztes Jahr unter dem Namen Run the Jewels ein gemeinsames Album aufnahmen. Das kostenlose Debüt übertraf die hohen Erwartungen noch und zeigte nicht nur zwei fantastische Rapper in Bestform, sondern auch eine unglaubliche Chemie zwischen El-P und Killer Mike.
Und gerade ein Jahr später veröffentlichen Run The Jewels einfach noch ein Album – so fantastisch, dass es das Debüt wie eine Aufwärmübung wirken lässt und die Konkurrenz wie Anfänger. Killer Mike und El-P sind beide auf ihre Art geniale MC's, aber gemeinsam stacheln sie sich zu immer neuen Höhen an. Und über El-P's Produktion wurde schon so viel gesagt, sie ist einfach seit Jahrzehnten weitgehend einzigartig und so unerreichbar, dass sie kaum kopiert wird.

Anders als auf dem fast rein "spaßigen" Debüt kommen auf RTJ2 die Sensibilitäten der beiden Rapper wieder zum Vorschein. Zwischen Meisterklassen in Shit Talk und Bravado gibt es gewohnt eloquente und intelligente Texte über Rassismus, Polizeigewalt und die amerikanische Gesellschaft.
Bemerkenswert ist das dabei alles nicht nur zusammen passt, sondern auch immer glaubwürdig bleibt. Killer Mike ist sozial engagiert und einer der leidenschaftlichsten und intelligentesten Kommentatoren der Proteste in Ferguson und ihrer Ursachen. Gleichzeitig sind er und auch El-P ihren Fans gegenüber so bescheiden, haben so viel Spaß an dem was sie tun und dem Erfolg den sie damit auf einmal haben, dass man ihnen die kreative Angeberei, nicht nur verzeiht, sondern auch vollends gönnt. Das sie dabei noch vollkommen ohne Sexismus, Homophobie und sonstige Rapklischees auskommen ist ein willkommener Bonus.
Es ist oft schwer die Musik von den beteiligten Personen zu trennen. Im Falle von Run The Jewels wird so ein ohnehin schon geniales Album noch viel besser. Killer Mike's politische Kommentare sind so beeindruckend wie notwendig. Jedes Interview mit den Beiden offenbart bescheidene Männer, die überglücklich sind mit Ende 30 noch einmal so viel Erfolg mit etwas zu haben, das sie lieben. Und nebenbei hat das Ganze zwei Rapper und Männer aus so verschiedenen Welten nicht nur zusammen gebracht, sondern auch zu besten Freunden werden lassen.

Und da ist da noch das Versprechen einer Spaß-Version des Albums, bestehend nur aus Katzen-Geräuschen, die Run The Jewels für 40.000 $ verkaufen wollten. Nachdem ein ins Leben gerufener Kickstarter diese Summe spielend aufbrachte, versprach El-P das Album wirklich auf zu nehmen, rekrutierte jede Menge namhafte Produzenten und spendete das Geld an Opfer von Polizeigewalt. Diese Leidenschaft und Glaubwürdigkeit machen das ohnehin beste Album des Jahres noch ein ganzes Stück besser.

Highlights: Oh My Darling Don't Cry, Lie, Cheat, Steal, Early (feat. BOOTS), All Due Respect (Feat. Travis Barker)


2. Angel Olsen – Burn Your Fire For No Witness 
(Folk, Indie Rock)
Angel Olsen hat eine fast schon unheimliche stimmliche Präsenz, egal ob sie über eine einsame Gitarre murmelt oder der aufregende Mittelpunkt überraschender Rocksongs ist. Die Produktion klingt dazu warm und vage nach vergangenen Zeiten, ohne das die Songs jemals Gefahr laufen altbacken oder niedlich zu wirken. Angel Olsens Stimme ist neben ihrer Unmittelbarkeit auch unglaublich variabel: mal wirkt alles mühelos, dann zieht sie den Hörer in dunkle Tiefen, nur um dann Minuten später wieder kraftvoll oder verspielt zu wirken. Die Instrumentierung folgt ihr dabei und wandelt sich von Country, Folk, Rock n Roll bis hin zu Pop ohne jemals den roten Faden zu verlieren. 
Es fällt mir schwer ein Album angemessen zu beschreiben, das mich vom ersten Hördurchgang an so bewegt hat und bis heute wie kein anderes fasziniert. Die Vielseitigkeit macht Burn Your Fire für alle Jahreszeiten und Stimmungen zum passenden Album, Olsens Authenzität und hypnotische Präsenz zwingen fast zum immer und immer wieder hören...  

Highlights: Forgiven/Forgotten, Hi-Five, White Fire, Stars, Windows


3. Swans – To Be Kind 
(Noise Rock, Experimental)
Michael Gira hat den Namen Swans gewählt, weil es schöne, majestätische Tiere mit hässlichem Temperament seien – eine Beschreibung, die seit je her perfekt auf die Musik seiner Band passt. Nach einer langen Pause genoß Gira seit 2010 einen zweiten (oder vierten?) Frühling, der mit dem monströsen 2-Stunden-Album The Seer einen schwindelerregenden Höhepunkt fand. Auf To Be Kind schaffen es Swans absurderweise diese bereits schwindelnden Höhen noch einmal zu überbieten. Das neue Album ist in seiner Klangpalette und Atmosphäre heller (bunter?) als der Vorgänger, von Eingängigkeit ist das Ganze aber immer noch sehr weit entfernt. Stattdessen bleibt Gira eine Art Schamane des kontrollierten Lärms, der, zusammen mit einer perfekt eingespielten Band, den geneigten Hörer zu Trance, Erfüllung und Ekstase führt. 

Highlights: Just A Little Boy (For Chester Burnett), Bring The Sun / Toussaint L'Ouverture, She Loves Us


4. Bombay Bicycle Club – So Long, See You Tomorrow (Indie Rock)
Nachdem ich es eigentlich gar nicht hören wollte, schäme ich mich jetzt fast, dass ich So Long, See You Tomorrow beinahe ungehört ignoriert hätte. Es ist ein lupenreines Indie Pop-Album voll mit tollen Ideen und Gastmusikern, allen voran den wunderschönen Back Up-Vocals von Rae Morris und Lucy Rose. 

Bombay Bicycle Club sehen dabei zwar immer noch aus wie eine Schulband, zelebrieren hier aber mit äußerst ansteckender Energie und Leidenschaft euphorische Popmusik mit ebenso viel verdientem Bombast wie tollen Gitarren-Riffs. Besonders auffällig ist dabei die hohe Dichte der absoluten Hits, die trotzdem nicht zu Lasten der Langlebigkeit dieser Songs fallen. 

Highlights: Overdone, Carry Me, Whenever Wherever, Luna


5. The War on Drugs – Lost In The Dream 
(Indie Rock, Folk Rock)
Lost in the Dream klingt jetzt schon wie ein zeitloses Rock-Album, das seit den 60ern problemlos in jedem Jahrzehnt erscheinen könnte und trotzdem nicht einfach Nostalgie und alt Hergebrachtes ist. Schon beim ersten Hören scheinen die Songs vertraut wie alte Freunde. Das liegt aber nicht daran, dass The War On Drugs von anderen Bands kopieren oder hirnlose Hits schreiben. Stattdessen sind es durchweg ausufernde und gedankenvolle Lieder, die liebevoll, leidenschaftlich vorgetragen werden, ohne dabei irgend etwas von ihrem Unterhaltungswert ein zu büßen. Zeitlose Rockmusik eben.

Highlights: Under the Pressure, Red Eyes, Eyes to the Wind, Burning


6. S – Cool Choices (Folk, Indie "Rock")
Zwei Dinge unterscheiden Cool Choices vom bisherigen Schaffen von Jenn Ghetto als S. Das komplette Album ist eine Verarbeitung/Auseinandersetzung mit einer zerbrochenen Beziehung. Das fällt nicht weiter auf, in einer Diskographie, die sich fast ausschließlich mit (Herz)-Schmerz auseinander setzt. Auffälliger ist der Wandel von verhuschter Schlafzimmermusik zu voller Band und sanften Pop-Anklängen. Mit der Hilfe von Chris Walla (Ex-Death Cab for Cutie) erweitert Ghetto ihren Sound, macht aber nach wie vor wunderschöne, todtraurige Popsongs. So wird aus Cool Choices ein Album, das zunächst fast unauffällig daher kommt, aber schnell und lange Spuren bei dem Hörer hinterlässt.

Highlights: Losers, Vampires, Brunch, Pacific


7. How to Dress Well – What Is This Heart? 
(R&B, Pop)
Die schrecklichen Bezeichnungen Post-R&B oder gar Soft Rock schrecken zunächst ab, sind aber zum Glück nur hoffnungslose Versuche dieses phänomenale Album zu kategorisieren. Tom Krells hypnotischer, tiefgründiger R&B steckt voller Abwechslungsreichtum und ist trotzdem ein berührendes und geschlossenes Universum von enormer Schönheit. Für Freunde „cooler“ Musik ist dieses Album sicher ein Alptraum voller Kitsch und „cheesiness“, allen anderen sei es auch gerade aus diesen Gründen wärmstens ans Herz gelegt.

Highlights: Face Again, Words I Don't Remember, Childhood Faith in Love (Everything Must Change, Everything Must Stay the Same), A Power
  
 
8. alt-j – This Is All Yours 
(Indie Rock, Art Rock)
This Is All Yours ist noch verschrobener als der überraschend erfolgreiche Vorgänger, dabei zwar auf den ersten Blick mit weniger Hits, dafür aber mit einer überwältigenden Schönheit und Melancholie ausgestattet, die aus schrägen Songs strahlende Hymnen macht. Das alt-j mittlerweile große Hallen füllen, kann man einer ausgeklügelten Werbekampagne oder der Durchsetzungsfähigkeit von Qualität zuschreiben, erfreulich ist es aber auf jeden Fall. Ich freue mich jedenfalls jetzt schon darauf noch viele schön-schräge Alben der Band langsam auszupacken.

Highlights: Nara, Hunger Of The Pine, Warm Foothills, Bloodflood, part II

 
9. Nux Vomica – Nux Vomica 
(Crust Punk, Hardcore, Death Metal, Post-Rock)
Nux Vomica vermischen auf den drei absolut epischen Songs ihres neuen Albums die besten Elemente von unzähligen Genres: Crust Punk, Hardcore, Melodic Death Metal, Post-Rock und vieles mehr. Das dabei keine lose Aneinanderreihung von Ideen, sondern ein endlos unterhaltsames und mitreißendes Gesamtkunstwerk heraus kommt, ist schon ein kleines Wunder. Das die Songs trotz ihrer enormen Länge nie langweilig werden, stattdessen neben der obligatorischen Härte auch noch eine emotionale Resonanz entfalten, die ihres gleichen sucht, ist eine absolute Meisterleistung.

Highlights:
  

10. FKA twigs – LP1 (R&B)
Von ihrer ungewöhnlichen Stimme zur detaillierten, düsteren Produktion bis hin zu Look, Musikvideos und Tanzchoreographien hat Tahliah Barnett die volle Kontrolle über ihre musikalische Vision. Das offenbart nicht nur ihr großes Talent, sondern auch den Willen in der oft sehr vorhersehbaren Welt der Popmusik etwas Besonderes, Einzigartiges zu schaffen.
Und wie schon auf den zwei EP's, schafft Barnett das auf ihrem ersten Album scheinbar mühelos. Hilfe bekam sie dafür von einer Galerie an aufstrebenden und etablierten Produzenten, doch im Mittelpunkt steht immer noch Barnetts wunderbare Stimme und FKA twigs, die gleichzeitig als vollendete Kunstfigur daher kommt und doch irgendwie authentisch erscheint.

Highlights: Two Weeks, Pendulum, Video Girl, Numbers 
  

11. Self Defense Family – Try Me 
(Post-Hardcore, Punk)
Dieses Album zu beschreiben oder gar zu kategorisieren fällt mir schwer und genau das macht es so aufregend. Post-Hardcore, Spoken Word und schräge, hypnotische Songstrukturen in allen Ecken machen Try Me zu einem fordernden Hörgenuss. Patrick Kindlons trägt seine kryptischen, wütenden Texte oft fast mantra-artig vor, seine kaputte Stimme immer kurz vor dem kippen, versagen oder explodieren. Die mächtigen Riffs und das Schlagzeugspiel wirken dazu oft zu groß und nur mühsam eingedämmt von den umgebenden Songstrukturen. Manchmal führen diese Songs zu explosiven Entladungen, noch viel effektiver ist aber die meisterhaft gespielte Verzögerung dieser Entladungen, die sich in einer immer präsenten, nervösen Energie manifestiert. 
Neben diesem Album brachten Self Defense Family noch eine sehr schöne, viel ruhigere EP heraus in der Caroline Corrigan die gesangliche Hauptolle übernahm, sowie unzählige Splits, Tracks und sonstige Releases. Das macht die Band zu einer der kreativsten und spannendsten des Jahres.

Highlights: Turn The Fan On, Apport Birds, Aletta, Weird Fingering 

 
12. The Hotelier – Home, Like No Place Is There (Emo, Pop Punk)
Der Begriff „Emo Revival“ wird in letzter Zeit vielen tollen Alben aufgedrückt, aber hier passt es schon. Mindestens seit La Dispute hat mich keine Band zwischen Emo, Punk Rock, Post-Hardcore und Pop Punk so mitgenommen und -gerissen. Von Songnamen, über die üblichen Themen, bis hin zu Christian Holdens dramatischem Gesang, weisen The Hotelier viele Standards von Emo- und Post-Hardcore-Bands auf. Das Ganze ist jedoch bis zum bersten mit kleinen, wunderbaren Momenten gespickt. Und Bersten ist sicherlich genau das richtige Wort, den Holden und seine Mitstreiter stecken so viel Gefühl, Emotionen und Ehrlichkeit in Musik und Texte, das jeder Vorwurf der Künstlichkeit sofort lächerlich wirkt. Dazu überzeugt das schiere Vokabular von Holden, das ihn zu einem großartigen Geschichtenerzähler macht.
 
Highlights: An Introduction To The Album, Your Deep Rest, Life In Drag 


13. Clark – Clark 
(Electronic, IDM, Ambient, Techno)
Das selbst betitelte Album von Clark ist das erste, was ich von dem britischen Künstler höre und ich kann es aufgrund mangelnder Kenntnisse weder in sein eigenes Schaffen noch in ein Genre einordnen. Aber auch für den „Laien“ ist erkennbar, dass Chris Clark ein spannungsgeladenes Meisterwerk abgeliefert hat. Die durchweg düstere Stimmung des Albums ruft apokalyptische Vorstellungen ins Gedächtnis, die sich ebenso in beängstigendem Noise, wie in schönen, aber immer auch beunruhigenden Melodien manifestieren. Die Songs sind aufregend strukturierte Bruchstücke, die immer wieder unerwartete Richtungen einschlagen und sich nahtlos zu einem majestätischen Gesamtkunstwerk zusammenfügen.

Highlights: Unfurla, Sodium Trimmers, The Grit In The Pearl, There's A Distance In You
   

14. Banks – Goddess (R&B, Pop)
Jillian Rose Banks hat ein Luxusproblem: zu viele grandiose Singles. Seit Mitte letzten Jahres hat sie ganze acht davon veröffentlicht, die fast alle großartig waren. Als dann endlich ihr Album erschien, war die Enttäuschung zunächst groß, da fast alle guten Stücke schon längst bekannt waren. Sieht man darüber hinweg, bleibt aber eine Sammlung fast durchweg großartiger R&B-Songs. Banks Stimme ist sinnlich, kraftvoll und emotionsgeladen. Eine beeindruckende Sammlung von Produzenten verhilft ihr zu einem einheitlichen, düsteren Sound mit so vielen Hits, dass man über einige Beliebigkeiten gerne hinweg sieht.

Highlights: Alibi, Waiting Game, Drowning, Begging For Thread


15. Hundred Waters – The Moon Rang Like A Bell (Electronic, Art Rock)
Wenn ich Hundred Waters sehe oder höre, denke ich manchmal, dass es doch etwas zu viel des Guten ist: Zu schön, zu zärtlich, zu entspannend, zu perfekt. Aber dann versinke ich in diesem genialen Album und schalte mein Gehirn aus. Nicole Miglis schraubt ihre eigentlich tiefe, unglaubliche sinnliche Stimme mit scheinbarer Leichtigkeit in unglaubliche Höhen. Ein gesungenes Wort von ihr versetzt ganze Räume in staunendes Schweigen und ihre Mitstreiter schaffen es diese Qualität noch zu unterstreichen in dem sie pulsierende, strahlende Soundteppiche um sie weben in denen nicht mal eine Querflöte unpassend wirkt.

Highlights: Mumurs, Cavity, Chambers (Passing Train), [Animal]

 
16. Warpaint – Warpaint 
(Indie Rock, Psychedelic Rock)
Warpaint sind so fantastisch aufeinander eingespielt, man vergisst schnell wie gut dieses scheinbar mühelos eingespielte Album eigentlich ist. Hypnotische, ätherische Melodien fügen sich zu Songs, die so in den Bann ziehen, dass erst hinterher auffällt wie einprägsam und eingängig sie eigentlich sind. Hier fügen sich perfekt zusammen passende Teile nicht zu glatter Langeweile, sondern zu einem wunderbar anschmiegsamen Indie Rock-Album zusammen.

Highlights: Keep It Healthy, Love Is To Die, Disco//Very, CC


17. Caribou – Our Love (Electronic)
Nach flüchtigem Hören war die Enttäuschung erst mal groß: Das klang ganz anders als der tolle Vorgänger und es klang viel mehr nach beliebiger elektronischer Musik zum nebenbei hören. Doch zum Glück gab ich nicht so schnell auf und es offenbarte sich nach und nach ein großartiges Album, deutlich tanzbarer als die bisherige Musik von Daniel Victor Snaith und doch unverkennbar Caribou. Die Songs ergeben auf den ersten Blick kein geschlossenes Ganzes, glänzen dafür mit viel Abwechslung und unzähligen Nuancen. Das Our Love mit etwas Geduld nicht nur als „Hit“-Sammlung funktioniert, sondern auch als Gesamtkunstwerk ohne Schwächen oder Füller ist eine schöner Bonus. 

Highlights: All I Ever Need, Our Love, Second Chance, Back Home


18. Cold Specks – Neuroplasticity 
(Soul)
Cold Specks ist die Musik einer 26-jährigen Kanadierin, die aus Rücksicht auf ihre religiöse Familie unter dem Pseudonym Al Spx arbeitet. Ihre kraftvolle, raumfüllende Stimme erinnert an christliche Spirituals und Gospel, aber mit deutlich düsteren Untertönen. Auf ihrem neuen Album wird der musikalischen Mischung aus Soul, Jazz, Gospel und Folk nicht nur mehr Experimentierfreudigkeit, sondern auch eine dunklere Seite hinzugefügt, weswegen Cold Specks Musik von Kritikern gerne als Doom Soul bezeichnet wird. Dazu passen die Gastauftritte von Swans-Sänger Michael Gira und Spx kryptische, dramatische Texte.

Noch mehr wie bei ihrem Debüt-Album ist es aber wieder diese imposante Stimme, die mit unzähligen Nuancen der Musik eine Seele jenseits musikalischer Kategorien verleiht. Al Spx könnte damit mühelos ganze Hallen zum Schweigen bringen, sie offenbart aber auch immer eine Verletzlichkeit und Wärme. Dieser Kontrast wird auch in ihren Texten offenbar: Während sie in der Mitte des Albums noch selbstbewusst "I remain unshakeable" donnert, beendet sie es mit dem brüchigen Geständnis "I got an unrelenting desire to fall apart".

Highlights: Bodies At Bay, Let Loose The Dogs, Absisto, A Season Of Doubt


19. Gridlink – Longhena (Grindcore)
Es passiert selten, dass Metalalben mir noch durch eine Mischung aus musikalischer Virtuosität, extremer Härte und enormer Spielfreude ein andauerndes, debiles Grinsen aufs Gesicht zaubern. Das letzte Mal geschah das bei dem letzten Black Metal-Hirnfick von Krallice und dieses Jahr ganz unverhofft bei Gridlink. Aber auch wenn diesen beiden Bands eine unglaubliche Intensität gemeinsam ist, gibt es auf Longhena doch lupenreinen Grindcore zu hören. Die kurzen Songs und pausenlose Härte in diesem Genre bedeutet für mich oft Langeweile oder Kopfschmerzen, doch Gridlink räumen diese Bedenken durch enormen Einfallsreichtum und geniales Songwriting aus. Es klingt absurd, aber dieses Album kann gleichzeitig als kompromisslos, leidenschaftlich und irgendwie eingängig bezeichnet werden.

Es ist schade, dass Longhena schon vor Veröffentlichung als das letzte Album der Band geplant war, aber wirklich tragisch, dass Gitarrist Takafumi Matsubara nach einer Hirninfektion wohl nie wieder Gitarre spielen kann. Aber gerade auch deswegen ist es schön, dass sein möglicherweise letztes Album ein solches Highlight ist. 

Highlights: Constant Autumn, Stay Without Me, Retract Perdition, Island Sun, Look To Windward


20. The Notwist – Close To The Glass 
(Electronic, Indie Rock)
The Notwist vermischen schon lange detailverliebte elektronische Musik mit verschrobenen Indie Rock-Melodien. Nach mindestens einem allgemein anerkannten Meisterwerk und einer innovativen, einflussreichen Karriere waren die Erwartungen an ein neues Album sicher hoch. Das eher ruhige und zunächst unauffällige Close to the Glass brachte abgesehen von dem „Hit-Song“ Kong nur wenig Aufmerksamkeit. Absolut zu unrecht, denn nach einiger Zeit fräsen sich die hypnotischen, perfekt konstruierten Songs allesamt zunächst unbemerkt in die Gehörgänge und bleiben dort auch – dieser lange Atem ist eine Qualität, die so vielen Alben heutzutage abgeht.

Highlights: Kong, Into Another Tune, Run Run Run, They Follow Me