Mittwoch, 5. Juli 2017

Die Besten Alben, Songs und Musikvideos 2017 (Januar-Juni)

Alben:

1. Mount Eerie - A Crow Looked At Me
In letzter Zeit gab es einige großartige Alben, explizit über den Tod und die Trauer (David Bowie, Nick Cave, Leonard Cohen, Sufjan Stevens) und Mount Eerie fällt sicher auch in diese Kategorie.

Phil Elvrum macht seit über 20 Jahren experimentelle und hoch gelobte Musik, der ich mir vage bewusst war. Seit 2003 war er mit der Künstlerin und Musikerin Geneviève Gosselin verheiratet und 2015 bekamen die beiden eine Tochter. Kurz darauf wurde bei Gosselin ein inoperabler Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert, im Juli 2016 starb sie. Elvrum blieb zurück mit der gemeinsamen Tochter und einem gigantischen Loch in seinem Leben. Nach eigener Aussage wusste er nicht, was er damit machen sollte außer Musik.

A Crow Looked At Me handelt ausschließlich von Gosselin. Elvrum beschreibt das gemeinsame Leben, den langsamen, schmerzhaften Weg zu ihrem Tod und sein Leben ohne sie, aber trotzdem gefüllt mit ihrer Präsenz. Er sieht sie in den leeren Räumen des gemeinsamen Hauses, in seinen Erinnerungen, im Sonnenuntergang und in seiner Tochter.

Doch A Crow Looked At Me ist deutlich anders als so viele andere Alben über Trauer und den Tod. Die Songs haben nichts mystisches oder spirituelles und der Protagonist (oder der Hörer) ist am Ende des Albums nicht transformiert (im ersten Song sagt Elvrum sogar explizit "I Don't wanna learn anything from this".

Und A Crow Looked at Me ist auch kein grandioses Konzeptalbum. Stattdessen ist es nur Elvrums Sprechgesang und minimale Instrumentierung. Er singt/spricht mit einer Stimme, die man zuerst vorschnell als fast neutral bezeichnen könnte und die doch so getränkt ist vom Schmerz über den tragischen und doch alltäglichen Weg zum Tod seiner Frau und der leeren, sinnlosen Welt ohne sie. Er singt über den gemeinsamen Weg zum Therapeuten - Hand in Hand zu Fuß, bis Gosselin den Weg nicht mehr schafft. Er singt über ihre letzten, mühsamen Atemzüge während einer unerträglichen Hitzewelle. Und er singt über den Schulrucksack, den sie bestellte und der erst nach ihrem Tod ankam und den ihre Tochter erst Jahre später benutzen wird.

Es sind fast beiläufige Erzählungen, die einen gerade deswegen absolut sprachlos und zerstört zurück lassen. Jeder Song hat mehrere Zeilen von purer Poesie, die so traurig sind, dass wiederholtes Hören, trotz aller Schönheit fast an Masochismus grenzt. Wie Elvrum noch funktioniert, geschweige denn ein solches Album schreiben konnte, ist mir ein Rätsel. Gosselin war offensichtlich sein Sonnenschein und sein ganzes Leben. Und das ganze Album ist eine Bewusstwerdung, dass sie nicht mehr da ist und nie wieder zurück kommen wird. Und auch wenn andere Hörer sagen, dass das Album ihnen bewusst gemacht hat wie zerbrechlich und wertvoll das Leben ist, sehe ich vor allem die absolute Ungerechtigkeit und Sinnlosigkeit dieses Todes, der einer Frau das Leben geraubt hat, einem Mann die Liebe seines Lebens und einer Tochter ihre Mutter.

Was A Crow Looked At Me aber auch zeigt, ist eine große Liebe, die durch den Realismus und die Alltäglichkeit der Texte nur noch leuchtender und glaubwürdiger wird. Geneviève Gosselin rettete ihren Mann in einer düsteren Phase der Isolation in seinem Leben und war sein Licht für 13 Jahre. Anderen Künstlern würde ich manche Beschreibungen vielleicht als Kitsch oder nachträgliche Verklärung ankreiden, aber bei Mount Eerie sind sie in so persönliche und treffende Geschichten verpackt, dass ich sofort alles glaube.
Diesen Aspekt des Albums könnte man selbstsüchtig als hoffnungsvoll deuten, denn er zeigt, dass wahre Liebe möglich ist. Ich versuche es stattdessen nur als ein wunderschönes Andenken an eine offenbar tolle Frau zu sehen , mehr noch als der bloßen Bewusstwerdung, dass das Leben sehr ungerecht sein kann und Krebs ein Arschloch ist.

Es gibt Alben, die ich dieses Jahr mehr und "lieber" gehört habe, aber A Crow Looked at Me hat auf jeden Fall den größten Eindruck hinterlassen.

Highlights: Real Death, Ravens, Forest Fire, Swims, Soria Moria           

2. Priests - Nothing Feels Natural
Es ist einfach das beste Gefühl, wenn ein lang ersehntes Album, die hohen Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern noch bei weitem übertrifft. So geschehen bei dem großartigen Debüt-Album von Priests.

Die Band macht wütenden, politischen Punk mit einer guten Prise Pop und einer Psychedelic und Surf Rock-Schlagseite, die eigentlich kein Recht hat so gut zu funktionieren. Nothing Feels Natural verbindet die Energie und das Potential von Priests bisheriger Musik mit noch viel besserem Songwriting und hohem Abwechslunsgreichtum.

Das größte Alleinstellungsmerkmal der Band ist weiterhin Sängerin Katie Alice Greer. Sie schreit bis sich ihre Stimme überschlägt oder versagt, sie kann aber auch beeindruckend singen, irgendwo zwischen Schönheit, Zynismus und Trauer in der Stimme. Und selbst ein Spoken Word-Song wie No Big Bang wird in ihrer Hand absolut faszinierend.

Musikalisch wird diese neue stimmliche Bandbreite von Greer eindrucksvoll untermalt. Neben Highlights wie Jj und Pink White House, die Priests Formel aus manischem Punk und schrägem Surf Rock perfektionieren gibt es den furchteinflößenden und ungewöhnlich experimentellen Opener Appropriate, der eindrucksvoll zeigt wo der Hammer hängt und Anhänger "schöner" Musik sicher direkt vergrault. Am aufregendsten aber sind die Songs Leila 20, Suck und der Titeltrack, die den Pop-Anteil im Sound von Priests deutlich erhöhen und mit großem Chorus und fast schon Hymnen-Charakter verleihen. Die Songs sind tanzbar und haben Ohrwurmpotential, ohne aber jemals zahnlos zu wirken oder irgendetwas von ihrer Kratzbürstigkeit zu verlieren.

Ein grandioses Punk-Album ohne Schwachstellen, dass gerade in diesen Zeiten ebenso wichtige wie willkommen ist. 

Lieblingslieder: Jj, Leila 20, No Big Bang, Nothing Feels Natural

3. Vince Staples - Big Fish Theory
Summertime '06, Vince Staples Debütalbum aus dem Jahr 2015 war ein dichtes, düsteres Rap-Meisterwerk und Prima Donna, die EP aus dem letzten Jahr war eine logische Fortführung von Staples' Sound - mit noch ausgefalleren Produktionen.

Hinter seinem kühlen, durchdachten Stil steckte ein begnadeter Rapper und grandioser Texter, doch immer lauerte die Depression und der Abgrund in Staples' Musik. Das machte seine Musik gerade so großartig, stand aber auch im Kontrast zu Staples' schlagfertiger und enorm witziger öffentlicher Persönlichkeit. Es war also faszinierend, aber auch etwas beunruhigend, dass Staples verkündete Big Fish Theory sei "Afro Futurism" an dem er vorrangig mit zwei Dance-Produzenten zusammenarbeitete.

Doch alle Sorgen sind unbegründet. Big Fish Theory ist auf jeden Fall anders als alles was Vince Staples bisher gemacht hat, aber alle Projekte an denen er bisher beteiligt war, haben gezeigt, dass er sich den unterschiedlichsten Sounds anpassen kann oder vielmehr diese Sounds um seine Stimme und Präsenz anordnen kann. Und so geschieht es auch hier. Die Beats und Produktionen erinnern an elektronische Musik, sind aber keine Clubsongs im engeren Sinne, sondern vielmehr inspiriert von Techno und der Musik von Künstlern wie Burial.

Ansonsten spielt Staples an allen Ecken mit den Erwartungen. Er stopft das Album auf den ersten Blick mit Features voll, aber die wenigsten der Gäste haben prominente Platzierung oder sind überhaupt heraus zu hören. Stattdessen stehen die schrägen, hypnotischen Beats im Mittelpunkt. Die Texte spielen scheinbar eine untergeordnete Rolle und passen sich der "Party-Stimmung" von Big Fish Theory an. Doch bei genauerem Hinhören ist fast alles auf dem Album nur fast tanzbar und vielmehr düster und bedrohlich. Und wenn man dann genau hinhört, dann ist das Album doch wieder voll von scharfen Beobachtungen über die dunklen Seiten des Erfolgs oder die allgegenwärtige Depression. Und dann sind da noch die fast schizophrenen Momente in denen Staples von Clubs, Partys und dem guten Leben rappt, aber gleichzeitig fast schon beiläufig von Selbstmord spricht, sich mit River Phoenix vergleicht und den Geist von Amy Winehouse in einem Interlude zu Wort kommen lässt.  

Dieses ganze schräge Experiment sollte eigentlich zusammen stürzen, stattdessen ist es neu, aufregend und fordernd. Vince Staples bleibt eine der besten und spannendsten Rapper der Gegenwart.

Lieblingslieder: Crabs in a Bucket, Big Fish,  Yeah Right (feat. Kendrick Lamar), Homage, SAMO

4. Sorority Noise - You're Not As ____ As You Think
Cameroun Boucher ist in einer großartigen Screamo-Band (Old Gray) und leistet dazu mit Sorority Noise auch noch einen großen Beitrag dazu die Bezeichnung "Emo" weg von einem Schimpfwort oder purer Nostalgie und wieder hin zu großartiger Musik zu bewegen.

You're Not As ____ As You Think ist eine Verarbeitung von Selbstmorden und Toden in Boucher's Umgebung, aber es ist keineswegs eine tragische oder gar selbstmitleidige Angelegenheit.

Stattdessen verbindet es die Stärken von Emo mit Indie Rock uns Hardcore zu einer mal explosiven, mal nachdenklichen Mischung, die mich an die besten Momente von Brand New erinnert, aber ein ganzes Stück greifbarer und persönlicher was die Texte angeht. Die größte (und angenehmste)  Überraschung dabei ist, wie lebensbejahend und hymnisch das Album dabei ist.

Lieblingslieder: No Halo, A Portrait Of, Disappeared, Leave the Fan On

5. Allison Crutchfield - Tourist in this Town
Allison Crutchfield ist erst 27, aber macht schon über 10 Jahre fantastische Musik - erst mit ihrer Zwillingsschwester in The Ackleys, P.S. Eliot und Bad Banana, dann in Swearin' und schließlich wieder im Projekt Waxahatchee von Schwester Katie.

Doch Tourist in this Town, entstanden nach der Aufösung von Swearin' und Trennung von ihrem Freund (und Swearin'-Mitglied) Kyle Gilbride, ist nicht nur Crutchfields erstes Album unter ihrem Namen (nach einer tollen, wenig beachteten EP), sondern auch das bisher Ungewöhnlichste und Persönlichste. Oh, und natürlich ist es auch wieder verdammt großartig!

Das Album hat Spuren des Pop Punks und Indie Rocks Crutchfields bisheriger Bands und nicht nur wegen der Stimme auch Ähnlichkeiten zu Waxahatchee, klingt aber oft auch ganz anders und aufregend neu. Neben dem höheren Pop-Anteil, sind es vor allem die Synths, die den ungewöhnlichen Sound komplett machen. Schon der Opener Broad Daylight zeigt mit einem umwerfenden Acapalla-Intro und schimmernden Synths die Richtung und Ambition des Albums deutlich. Die erste Single Dean's Room klingt wie eine Indie-Band, die The Cure covert und dabei richtig gute Laune hat. Und auch wenn es vielleicht schwer zu glauben ist, der Song ist fantastisch. Oder Mile Away, ein großer Song, der nach einem 80er-Hit klingt, aber gleichzeitig von Crutchfields sehnsüchtiger Stimme wieder zurück in die Moderne und Intimität geholt wird.

So funktioniert die Magie von Tourist in this Town oft. Es ist ein trauriges Album über eine zerbrochene Beziehung und der Angst vor dem was als nächstes kommt. Es ist aber auch ein euphorisches Album über ein neues Kapitel in Leben und Musik, voller Aufregung und neuer Entdeckungen. Der Sound der Songs gibt das alles wieder und aus den widerstrebenden Gefühlen und Stimmungen wird ein abwechslungsreiches Album, das auf die Stärken von Crutchfield aufbaut und ihnen noch ein paar Neue hinzufügt.  

Lieblingslieder: Broad Daylight, Charlie, Dean's Room, Mile Away, Secret Lives and Deaths 

6 .The XX - I See You
7. Big Thief - Capacity
8. Mutoid Man - War Moans
9. Love A- Nichts ist Neu
10. Charli XCX - Angel Number 1



1. Flume - Hyperreal (feat KUČKA): Der letzte Song aus Flumes' Skin Album-Zyklus ist meiner Meinung nach auch der Beste. KUČKA holt mit ihrer ätherischen, unheimlichen Präsenz das Beste aus Flumes' Songs heraus und er ist sowieso am besten, wenn er seine Popsensibilitäten so lange verbiegt, verzerrt und malträtiert bis sie gerade eben noch eingängig sind.

2. Priests - jj: jj fügt der seltsam großartigen Punk-Surf Rock Mischung von Priests eine vorher nie da gewesene Eingängigkeit hinzu, aber auch unerwartet viel Gefühl . Und die sich überschlagende Stimme von Katie Alice Greer ist mit mein liebster Musikmoment 2017 bis jetzt.

3. Mount Eerie - Ravens: Ein wunderschöner Song voll simpler Poesie, der gleichzeitig fast unerträglich traurig ist. Phil Elvrum singt über den Tod seiner Frau, über ihren Geist und ihre Erinnerung, die überall sind. Er erzählt von einem unbeschwerten Ausflug mit seiner Frau bei dem die gemeinsame Tochter gezeugt wurde und einem Besuch am selben Ort, zwischen Trauer und Verleugnung nachdem seine Frau gestorben war. Und jedes Wort ist Kunst und auf maximale emotionale Vernichtung ausgerichtet.

4. Charli XCX - Lipgloss (feat. Cupkakke): Der Song ist ebenso zuckersüß wie schmutzig. Charli singt eigentlich nur eine simple, bescheuerte Hook, aber bleibt damit für immer im Ohr. Und dann ist da noch Cupkakke, die alles gibt und dabei rappt, dass vielen gestandenen Rappern die Röte ins Gesicht steigt.

5. Rope Sect - Fallen Nation: Fallen Nation ist ein seltsames, aufregendes Biest. Der verwaschene Sound und drückende Gesang erinnern an Post-Punk oder sogar Gothic, aber da ist da noch dieses simple, aber gigantische Riff, das den Song praktisch wider Willen zu einer Metal Hymne macht.

6. Kendrick Lamar - The Heart Part 4: Ich bin noch nicht so ganz warm geworden mit Kendrick Lamars neuem Album, aber dieser Non-Album Hype-Track, der eigentlich 3 Songs in einem ist, genug Ideen für 10 hat und besser ist als 95% der Musik zur Zeit...ja der kann schon was!

7. Love A - Unkraut: Bissig, witzig, eingängig und ungemütlich - Love A machen auch auf ihrem vierten Album weiterhin ganz tollen Punk Rock und "Angst: 1, Mitleid: 0, Weltmeister Kartoffelland" und Tri Tra Trulla La hat dieser Goethe nie gesagt" sind nur zwei der unzähligen Zeilen von Unkraut, die man sich am liebsten tätowieren würde.

8. Forest Swords - Vandalism: Wie sich dieser Song langsam aufbaut aus etwas das Trompeten sein könnten und etwas das klingt wie sehr verfremdete Stimmen, dann noch merkwürdig eindringlichen Glockensounds, etwas das entfernt an ein Gitarrenriff erinnert und mächtigen Drums. Und dann wird aus diesen seltsamen Klängen ein mitreißender, emotionsgeladener Song, wo man eigentlich verkopfte Ambientmusik erwartet hatte. 

9. Sylvan Esso - Kick Jump Twist: Verspielter Folk trifft euphorische Electromusik und wandelt sich nach und nach zu einem tanzbaren Hit, bei dem man nicht still halten kann.

10. The Afghan Whighs - Into the Floor: Into the Floor ist eine welterschütternde Power Ballade, eine dramatische Hymne und ein perfekter Albumcloser. Greg Dulli wringt den größtmöglichen Pathos aus seiner tiefen Stimme und es ist viel besser als es sein sollte.

11.Gordi - Heaven I Know: Zu sagen Heaven I Know klinge wie Bon Iver und Imogen Heap wäre passend, aber auch viel zu kurz gegriffen. Gordi entwirft um ihre sagenhafte Stimme (parallel in ihrer natürlichen Schönheit und vielfach verfremdet und verzerrt) einen ergreifenden, umwerfenden Songs aus einem Klavier, Bläsern und vielen Klicks und Echos.

12. Selena Gomez - Bad Liar: Wer hätte das gedacht - Selena Gomez und ihre Songwriter bauen einen Popsong um die Bassline von Talk Talk's Psycho Killer und David Byrne findet es gut und genehmigt das Sample. Aber warum auch nicht, Bad Liar ist ein genial konstruiertes, verführerisches Popkunstwerk.

13. Lana Del Rey - Love: Größtenteils ist mir die Musik von Lana Del Rey zu gewollt und gleichförmig. Doch Love ist ein überraschend positiver und erfrischender Song über junge Liebe, der genau die Stimmung seines Textes ausstrahlt.

14. Lorde - Supercut: Lorde hat ein Talent gigantische Popsongs perfekt um ihre Stimme zu schneidern und das Ganze dann noch besonders und persönlich klingen zu lassen. Supercut ist eines der Highlights auf ihrem neuen Album. Die Melancholie macht etwas mehr Platz für die Euphorie und der Song klingt als ob er am Ende eines großartigen Films zu hören sein sollte. 

15. Allison Crutchfield - Charlie: Ein bittersüßes Lied über das Ende einer Beziehung, abwechselnd genervt und dann wieder voller Zuneigung für einen Ex-Freund. Das Ganze mit den üblich poetischen Texten und dem Charme für den die Crutchfield-Schwestern seit je her bekannt sind.

16. Julie Byrne - Sleepwalker: Seit Lisa Hannigan hat mich keine Stimme mehr so in ihren Bann gezogen. Auch bei Byrne verbirgt sich hinter der offenkundigen Schönheit eine ursprüngliche Qualität, die eine hypnotische Wirkung ausstrahlt.

17. Big Thief - Mary: Beim ersten Hören ist die Stimme von Adrianne Lenker sicher etwas gewöhnungsbedürftig. Lenker singt zwar fast wie eine kühle Erzählerin, aber trotzdem absolut markerschütternd: egal ob es die mehr rockigen Songs sind oder eine herzzerreißende Klavierballade wie Mary.

18. The XX - Dangerous: The XX bewegen sich auf ihrem dritten Album etwas weiter aus dem Schlafzimmer und auf die Tanzfläche. Schon Opener Dangerous zerstückelt ein fantastisches Bläser-Sample, das dem ganzen restlichen Sound einen nötigen Arschtritt verpasst und eine gehörige Portion Funk.   

19. Arca - Piel: Bisher versteckte sich Arca hinter seiner fremdartigen und verstörenden elektronischen Musik. Doch auf Piel und dem dazugehörigen Album wird seine Stimme plötzlich zum absoluten Mittelpunkt, in einer fast operhaften Darbietung. Die Musik darum ist deshalb kaum wieder zu erkennen, doch gleichzeitig bewahrt sie sich die Stimmung, die Arca's Musik nach wie vor so einzigartig macht.

20. Vagabon - Fear & Force: Fear & Force ist typische Singer-Songwriter-Musik. Nein es erinnert an den Sound von Bands wie Daughter. Oh Nein, jetzt ist es plötzlich ein richtiger Rock-Song. Jetzt wieder zurück zu melancholischer Schönheit? Vagabon wechseln und kombinieren jede Menge Stile zu einem nie langweiligen und doch irgendwie schlüssigen Gesamtkonzept und Fear & Force ist ein Vorzeigebeispiel für diese Herangehensweise.

21. Vince Staples - SAMO
22. Mutoid Man - War Moans
23. Xiu Xiu - Jenny Gogo
24. Royal Thunder - The Sinking Chair
25. Cashmere Cat - Europa Pools (feat. Kacy Hill)
26. Pallbearer - Thorns
27. Open City - Honest as a Sunday Morning
28. Sorority Noise - Disappeared
29. Idles - Mother
30. Carly Rae Jepsen - Cut to the Feeling

31. Strand of Oaks - Rest of It
32. The Menzingers - After The Party
33. Cloud Nothings - Modern Act
34. Waxahatchee - Silver
35. The Staves - Tired as Fuck
36. Neufundland - Eiskugel
37. Julia Michaels - Issues
38. Austra - Future Politics
39. Paramore - Hard Times
40. Chelsea Wolfe - 16 Psyche

41. Trentemoeller - Hands Down (feat. jenny lee)
42. Snow Tha Product - I Dont Wanna Leave Remix
43. Hundred Waters - Particle
44. Feist - Pleasure
45. EMA - Aryan Nation
46. Rainer Maria -Lower Worlds
47. Spoon - Hot Thoughts
48. Torres - Skim
49. HVOB, Winston Marshall - Deus
50. The War on Drugs - Holding On


Musik Videos:

Sorority Noise - No Halo
Das Video versinnbildlicht Angst, Depression und Schmerz, zeigt verschiedene Wege damit umzugehen und ist voll von umwerfenden Szenen, die so viel aus so wenig machen. Gleichzeitig schmerzhaft realistisch, aber auch mit einer magischen, traumhaften Qualität versehen.  

The Menzingers - After The Party
Eigentlich ganz simpel - das Video von After the Party stellt das wilde Partyleben eines Paares mit den verkarteten Morgen danach gegenüber.  Aber die enorme Chemie der Hauptdarsteller und das Talent des Regisseurs mit wenigen prägnanten Szenen ganz viel zu erzählen, machen daraus fast so etwas wie einen (absolut mitreißenden und ergreifenden) Film.

The Staves - Tired As Fuck
Nur das Gesicht von Sängerin Camila in Schwarz-Weiß. Sie singt den Song, raucht eine Zigarette und schaut durch die Kamera direkt in die Seele des Zuschauers. Magic! 

Kendrick Lamar - Humble.
Sowohl produktionstechnisch als auch ikonographisch mit großem Abstand das beeindruckendste und einprägsamste Video des Jahres.

Cashmere Cat - 9 (After Coachella) ft. MØ, SOPHIE
Cashmere Cat macht schrägen, niedlichen EDM-Pop. Was würde also besser passen als ein Video, das ihn, MØ, Freunde und Familie auf schräge und niedliche Art vorstellt?

Idles - Mother
Idles-Sänger Joe Talbot tritt in diesem Video in einem rosa Anzug auf und zertrümmert mit großem Elan kitschige Porzellan-Figuren und Geschirr. Und es ist so Punk und hat so viel mehr Coolness als es eigentlich dürfte...

Grimes ft. Janelle Monáe - Venus Fly
Ich weiß nicht wer auf die Idee kam Grimes einfach einen Haufen Geld und dazu vollkommen freie Hand für eine Video zu geben, aber ich hoffe es passiert noch öfter.

Torres - Skim
Das Video ist gleichzeitig verdammt sexy und auch zutiefst beunruhigend. Und passt damit perfekt zu Torres' neuem St. Vincent-angehauchten Stil.

Montag, 30. Januar 2017

Meine Lieblingsmusik aus dem Januar 2017

Ein unerwartet starker Januar für Musik! Ich hatte noch nicht genug Zeit das neue Fred Thomas-Album zu hören, aber der Ersteindruck ist: wieder ungewöhnlich, tiefgründig und witzig. Das neue Japandroids-Album reizt mich gar nicht, aber ich bin gerade auch nicht in Stimmung für "Classic" Rock. Und das neue Cloud Nothings-Album ist wieder poppiger, hat ein paar starke Momente, haut mich aber insgesamt so gar nicht um. Das neue Antilopen Gang-Album ist...lang und hat viele Fremdschäm-Momente...
Oh, und das dritte Run The Jewels-Album kam zwar eigentlich schon Ende Dezember heraus, aber es muss zumindest noch mal gesagt werden, dass El-P und Killer Mike  produktionstechnisch UND bei den Texten unglaublicherweise noch mal zwei, drei Schippen drauf gelegt haben und immer noch das Beste Rap-Duo zur Zeit seit langem aller Zeiten sind!     

Priests - Nothing Feels Natural 

Es ist einfach das beste Gefühl, wenn ein lang ersehntes Album, die hohen Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern noch bei weitem übertrifft. So geschehen bei dem großartigen Debüt-Album von Priests.

Die Band macht wütenden, politischen Punk mit einer guten Prise Pop und einer Psychedelic und Surf Rock-Schlagseite, die eigentlich kein Recht hat so gut zu funktionieren. Nothing Feels Natural verbindet die Energie und das Potential von Priests bisheriger Musik mit noch viel besserem Songwriting und hohem Abwechslungsgreichtum.

Das größte Alleinstellungsmerkmal der Band ist weiterhin Sängerin Katie Alice Greer. Sie schreit bis sich ihre Stimme überschlägt oder versagt, kann aber auch beeindruckend singen, irgendwo zwischen Schönheit, Zynismus und Trauer in der Stimme. Und selbst ein Spoken Word-Song wie No Big Bang wird in ihrer Hand absolut faszinierend.

Musikalisch wird diese neue stimmliche Bandbreite von Greer eindrucksvoll untermalt. Neben Highlights wie Jj und Pink White House, die Priests Formel aus manischem Punk und schrägem Surf Rock perfektionieren, gibt es den furchteinflössenden und ungewöhnlich experimentellen Opener Appropriate, der eindrucksvoll zeigt wo der Hammer hängt und Anhänger "schöner" Musik sicher direkt vergrault. Am aufregendsten aber sind die Songs Leila 20, Suck und der Titeltrack, die den Pop-Anteil im Sound von Priests deutlich erhöhen und mit großen Melodien fast schon Hymnen-Charakter haben. Die Songs sind tanzbar und haben Ohrwurmpotential, ohne aber jemals zahnlos zu wirken oder irgendetwas von ihrer Kratzbürstigkeit zu verlieren.

Ein grandioses Punk-Album ohne Schwachstellen, dass gerade in diesen Zeiten ebenso wichtige wie willkommen ist. 

Lieblingslieder: Jj, Leila 20, No Big Bang, Nothing Feels Natural

The xx - I See You 

Das Debüt-Album von The xx war eine zeit lang so omnipräsent, dass man leicht vergessen kann wie einzigartig und großartig es war und immer noch ist. In der Zwischenzeit ist die Band ein großer Act, was man nicht zuletzt an ihrem Einfluss auf die Popmusik der letzten Jahre sieht.
Doch the xx selbst stagnierten mit ihrem zweiten Album auf hohem Niveau - Coexist war ein gutes Album, aber es gab wenig, das wirklich hängen blieb.

Vier Jahre später sieht das zum Glück anders aus: I See You ist das poppigste und extrovertierteste Album von the xx, ohne dabei die Romantik, Erotik und Schönheit der Musik zu opfern. Gleich der Opener Dangerous ist dabei die größte Überraschung: eine kraftvolle Hymne für eine außergewöhnliche Liebe, mit einem fantastischen Bläser-Sample, der unvergleichlichen Chemie zwischen Romy Madley Croft und Oliver Sims und einer Produktion, die an Jamie Smiths Soloplatte erinnert.

Letztere ist generell die größte Stärke von I See You. Smith und Co. trauen sich einfach mehr und heraus kommt ein durchweg aufregendes Album. Ja, der Minimalismus machte vorher den Sound der Band aus, hätte aber auf Dauer nur für Langeweile gesorgt. Und auch wenn I See You deutlich größer und ausladender klingt, ist es nie leerer Bombast oder Anbiederung an den Pop. Alle großen Momente kommen mit der Emotionalität und Ehrlichkeit, die den Sound der Band auszeichnet.

Insgesamt ist das Album hoffnungsvoller und von der Stimmung her irgendwo zwischen der Schlafzimmermusik des Debüts und der Tanzfläche von Jamie xx Soloalbum angesiedelt. Großartig ist es gerade deswegen, trotzdem aber immer noch unverkennbar the xx.   

Lieblingslieder: Dangerous, Say Something Loving, A Violent Noise, Replica,

Allison Crutchfield - Tourist in this Town 

Allison Crutchfield ist erst 27, aber macht schon über 10 Jahre fantastische Musik - erst mit ihrer Zwillingsschwester in The Ackleys, P.S. Eliot und Bad Banana, dann in Swearin' und schließlich wieder im Projekt Waxahatchee von Schwester Katie.

Doch Tourist in this Town, entstanden nach der Aufösung von Swearin' und Trennung von ihrem Freund (und Swearin'-Mitglied) Kyle Gilbride, ist nicht nur Crutchfields erstes Album unter ihrem Namen (nach einer tollen, wenig beachteten EP), sondern auch das bisher Ungewöhnlichste und Persönlichste. Oh, und natürlich ist es auch wieder verdammt großartig!

Das Album hat Spuren des Pop Punks und Indie Rocks Crutchfields bisheriger Bands und nicht nur wegen der Stimme auch Ähnlichkeiten zu Waxahatchee, klingt aber oft auch ganz anders und aufregend neu. Neben dem höheren Pop-Anteil, sind es vor allem die Synths, die den ungewöhnlichen Sound komplett machen. Schon der Opener Broad Daylight zeigt mit einem umwerfenden Acapalla-Intro und schimmernden Synths die Richtung und Ambition des Albums deutlich. Die erste Single Dean's Room klingt wie eine Indie-Band, die The Cure covert und dabei richtig gute Laune hat. Und auch wenn es vielleicht schwer zu glauben ist, der Song ist fantastisch. Oder Mile Away, ein großer Song, der nach einem 80er-Hit klingt, aber gleichzeitig von Crutchfields sehnsüchtiger Stimme wieder zurück in die Moderne und Intimität geholt wird.

So funktioniert die Magie von Tourist in this Town oft. Es ist ein trauriges Album über eine zerbrochene Beziehung und der Angst vor dem was als nächstes kommt. Es ist aber auch ein euphorisches Album über ein neues Kapitel in Leben und Musik, voller Aufregung und neuer Entdeckungen. Der Sound der Songs gibt das alles wieder und aus den widerstrebenden Gefühlen und Stimmungen wird ein abwechslungsreiches Album, das auf die Stärken von Crutchfield aufbaut und ihnen noch ein paar Neue hinzufügt.  

Lieblingslieder: Broad Daylight, Charlie, Dean's Room, Mile Away, Secret Lives and Deaths 

Julie Byrne - Not Even Happiness
 
Das neue Album von Julie Byrne ist eines dieser perfekten Winteralben, über die es mir schwer fällt viel zu schreiben. Deswegen nur ein paar Worte...

Byrne hat eine dieser Alt-Stimmen, die wie Balsam für die Seele klingen, wie eine warme Decke an einem bitterkalten Tag. Und die Musik dazu klingt wie ein vertonter Winter in der Natur - mit viel Schnee, Sonne und weit und breit keinem Menschen in Sicht.

Das Ganze ist wohl so etwas wie Folk, mit einer prominenten Akkustik-Gitarre und nur dezent eingesetzten Streichern und Keyboard. Doch auch wenn es musikalisch nichts damit gemeinsam hat, erinnert es mich oft an Kirchenmusik und Gospel. Das liegt an der Klarheit von Byrnes Stimme und der Erhabenheit ihrer wunderschönen Musik.

Lieblingslieder: Sleepwalker, Melting Grid, Morning Dove, I Live now as a Singer  


Songs:

Pallbearer - Thorns: Auch wenn ich die Band mag, habe ich den Hype um Pallbearer nie so ganz verstanden. Sie machen guten, melodischen und etwas nostalgischen Doom Metal, aber nichts weltbewegendes. Bis jetzt! Dieser neue Song ist in jeder Hinsicht gigantisch und das obwohl er nur gut 5 Minuten lang ist. Gesanglich wie auch musikalisch ein Quantensprung für die Band. Heavy, aber klar, melancholisch und doch auch irgendwie hoffnungsvoll und episch, aber auch persönlich wie nie zuvor. Die Band benutzt zwar nach wie vor einen typischen Doom/Stoner-Sound, mit Black Sabbath-Verehrung und einem ruhigeren Teil, der an frühe Metallica erinnert, aber das Ganze klingt einfach so unbeschreiblich frisch und mitreißend! (Link zum Song) 

Strand Of Oaks - Rest Of It: Bisher machte Michael Showalter merkwürdige, aber tolle Musik zwischen Rock n Roll, Synth Pop und Jason Molina-Anbetung. Seine neue Single ist die erste richtige Hymne, die er geschrieben hat - mit feurigen Gitarren-Soli, Mitsing-Parts und einem Sound und Swagger, der an die Rolling Stones, zu ihren besten Zeiten erinnert. Und überraschenderweise funktioniert der Song absolut hervorragend. (Link zum Song)   

Xiu Xiu - Jenny GoGo: Das neue Album von Xiu Xiu soll ihr poppigstes bisher sein und die zweite Single Jenny GoGo unterstreicht diese Behauptung mit überraschender Eingängigkeit. Das heißt aber noch lange nicht, dass Jamie Stewart und Co. nicht weiterhin absolute verstörende, hypnotische Musik machen, die sich tief ins Unterbewusstsein eingräbt. Ein tanzbarer Alptraum sozusagen. (Link zum Song)


Mount Eerie - Real Death: Letzten Sommer starb Phil Everum's Frau Geneviève Castrée an unheilbarem Bauchspeicheldrüsenkrebs, ein Jahr nach dem die gemeinsame Tochter geboren wurde. Real Death ist der erste Mount Eerie-Song nach diesem unbeschreiblichen Verlust. Der Song ist nicht melodramatisch, hoffnungsvoll oder erleuchtet, sondern einfach eine anekdotische, fast nüchterne, aber nichtsdestotrotz todtraurige Erzählung über Verlust und Trauer: "I don't wanna learn anything from this. I love You." (Link zum Song)      

Montag, 19. Dezember 2016

Meine 100 Lieblings-Songs 2016

Dieses Jahr war es schwer...meine 100 Lieblingssongs des Jahres, begrenzt auf einen Song pro Album/Künstler. Unter der Liste sind vier Spotify-Listen mit allen Songs und noch ein paar mehr. Songs, die es nicht bei Spotify gibt, sind hier verlinkt. Enjoy! 



1. Carseat Headrest - The Ballad Of The Costa Concordia: Ein knapp 12-minütiger Song, darüber wie schwierig es ist (richtig) zu leben. Will Toledo beschreibt witzig und treffend, wie er (und wir alle) immer wieder am Leben scheitert und verflucht die fehlende Bedienungsanleitung. Der Song steigert sich immer weiter, baut mühelos ein paar Takte von Dido und eine Parallele zum Kapitän des Unglücksschiffs Costa Concordia ein, um schließlich in einem trotzigen "I give up!" zu kulminieren.

2. Pinegrove - Cadmium: Cadmium handelt von dem inneren Druck, der sich aufbaut, wenn man nicht sagt, was man denkt und plädiert für Offenheit und Ehrlichkeit. Diese Beschreibung ist perfekt für die Musik von Pinegrove - absolut ehrlich, zutiefst menschlich und gerade dadurch einfach wunderschön.

3. Hazel English - I'm Fine: Verzerrte Gitarren, verträumte Synths und eine eindringliche Stimme mit dem Mantra "I'm Fine", das natürlich für alles nur nicht für "Es geht mir gut" steht. Hazel English zaubert einen täuschend simplen, enorm berührenden Song über Depression und Unwohlsein.

4. Camp Cope - Lost (Season One): Georgia Maq singt über die verschiedenen Arten, auf die wir verloren sein können - vorübergehend oder grundlegend, in der Liebe oder im Leben und unwiederbringlich oder absichtlich. Ihre erderschütternde Stimme führt dabei eindrucksvoll durch die verschiedensten Stimmungen, die damit einhergehen.

5. Cobalt - King Rust: Nach einem Intro, das erhaben und vage orientalisch klingt, stürzen sich Cobalt trotzig und breit grinsend in den Abgrund. Der explosive, gigantische Song suhlt sich freudig im Dreck der menschlichen Existenz und ist dabei so absolut Metal, dass es unmöglich ist nicht mit den Füßen zu stampfen und die Fäuste in den Himmel zu strecken.

6. Flume - Numb And Getting Colder (feat Kučka): Flume macht zwei Arten von Songs auf seinem neuen Album: Eingängige, glatte Popsongs und eher experimentelle, kühle Electrosongs. Numb and Getting Colder ist Beides und deshalb für mich sein mit Abstand bester Song.  

7. Aesop Rock - Shrunk: Der Besuch beim Therapeuten als Videospiel mit Endgegner. Lustig, clever, voller toller Beobachtungen und beeindruckender Wortakrobatik. Die Therapeutin von Aesop Rock ist gleichzeitig sehr beneidens- und bemitleidenswert. 

8. Margaret Glaspy - No Matter Who: Margaret Glaspy macht mit ihrer genialen Stimme und ein paar absolut effektiven Riffs aus der alten "Kann nicht ohne die Liebe, kann nicht mit ihr"-Geschichte mitreißende, kleine Meisterwerke.

9. Rihanna - Needed Me: "Fuck Your Horse and your Carriage" ist definitiv eine meiner Lieblings-Lyrics des Jahres und der dazugehörige Song schafft es gleichzeitig Sex, Schmerz, Bedauern und Kraft auszustrahlen.

10. Jenn Champion - No One: Jenn Ghetto aka S heißt jetzt Jenn Champion und hat auf dem neuen Song den elektronischen Anteil und die Eingängigkeit erhöht. Das Ergebnis ist ebenso verwirrend, wie beeindruckend. Nie war augenscheinlich poppige, fast tanzbare Musik so erschütternd und traurig.


11. Martha - Chekhov's Hangnail: Martha sind textlich wie musikalisch eine unglaublich perfekte Mischung aus den Stärken von Pop Punk und Emo. Checkhov's Hangnail ist eingängiger Rocksong mit ganz viel Herz, etwas Schmerz und Selbstmitleid, aber auch einer guten Portion Humor und Augenzwinkern.

12. Vince Staples - Big Time: Vince Staples ist ein überaus selbstbewusster Rapstar, intelligenter, witziger aber auch zynischer Kommentator des Weltgeschehens, aber auch ein Künstler an dem trotz der Erfolge Depression und Unsicherheit nagen. Diese Aspekte und Widersprüche machen ihn gerade zu einem der aufregendsten Rapper der Welt. Sein traumwandlerischer Flow und die außerirdische Produktion auf Big Time helfen natürlich auch.

13.Emily Reo - Spell: Dieser Song ist eine Offenbarung! Emily Reo strickt aus den Zeilen “I can’t feel anything/ I don’t heal anything,” einen trügerisch simplen, aber schließlich überwältigenden Song über psychische Erkrankungen. Das bemerkenswerte ist, sie schafft das Ganze fast nur mit ihrer Stimme. Mit Hilfe von Vocoder und Loops lässt Reo sie zu einem ganzen Orchester heranwachsen, bevor ein echtes Orchester den Song übernimmt und langsam ins Unterbewusstsein hinüber führt.  

14. Charli XCX - Paradise (feat. Hannah Diamond): Die schräge, manchmal verstörende PC Music von Sophie trifft auf den Breitwandpop von Charli XCX. Heraus kommt ein absurder, gleichzeitig erhabener Monsterhit wie Paradise, der manchmal an Eurodance erinnert und eigentlich auf keinen Fall so gut funktionieren sollte, wie er es tut.

15. Radiohead - Daydreaming: Eine einfache Klaviermelodie und Thom Yorke's gespenstisches Falsetto - und sofort spüre ich diese Mischung aus Druck auf dem Herzen und seltsamer Erhebung - alles umfassende Melancholie mit einem Hauch von Euphorie. Das kann keine Band so gut wie Radiohead.

16. Nick Cave & The Bad Seeds - Magneto: Ein einsames Piano, immer wieder fast erdrückt von an- und abschwellendem Bass und nur kleine Fetzen anderer Instrumente setzt Nick Cave's vor Schmerz und Trauer triefende Stimme eindrucksvoll in Szene. Ein Song, der zum zuhören zwingt, auf einem wichtigen, aber fast unerträglich traurigen Album.

17. Danny Brown - Really Doe (feat. Kendrick Lamar, Ab-Soul, Earl Sweatshirt): Vier der besten Rapper der Welt spornen sich gegenseitig zum absolut Besten an, heraus kommt der seltene Posse-Track ohne Schwachpunkt und dafür ganz vielen Highlights.

18. Angel Olsen - Shut Up Kiss Me: Angel Olsen war schon immer ein absoluter Rockstar und eine göttliche Diva. Auf Shut Up Kiss Me lässt sie diesen Instinkten erstmals freien Lauf und das Ergebnis ist eine Hymne, die nur Tote nicht mitreißend oder sexy finden.

19. Solange - Cranes In The Sky: Ich habe selten RnB, oder generell Musik gehört, die so einfühlsam, gefühlvoll, erhaben und einfach nur schön ist. Solange macht zutiefst menschliche, aber trotzdem absolut magische Songs.

20. Young M.A - OOOUUU: Es ist sicher aufregend, dass Young M.A. in jeder Hinsicht den Stereotypen von Frauen im Rap entgegen läuft aber noch viel aufregender, dass sie eine absolut fantastische Rapperin mit großer Zukunft ist..


21 Anna Wise - BitchSlut

22. Oathbreaker - Needles In Your Skin: Das neue Album ist ein kleiner Quantensprung für Oathbreaker und hebt ihre Mischung aus Hardcore und Black Metal auf ein ganz neues Level. Aber das alles wäre nur halb so beeindruckend ohne Caro Tanghe, deren markerschütternde Schreie die flehende Frage "How could You go without me?" umrahmen und dabei so emotionsgeladen bleibt, dass die Gänsehaut gar nicht mehr weg gehen will.

23. Priests - JJ: Priests haben eine merkwürdige Mischung aus wütendem Punk und Surf Rock perfektioniert, die eigentlich nicht funktionieren dürfte, aber einfach großartig ist. Katie Alice Greer schreit und singt sich dazu die Seele aus dem Leib bis sich die Stimme überschlägt oder versagt.

24. Tinashe - Ride Of Your Life: Tinashe ist am besten, wenn sie nicht versucht Radio-Pop zu machen. Dann klingen sogar vermeintlich oberflächliche Songs über "The Good Life" nicht nur verdammt eingängig, sondern auch sexy und ein wenig düster und gefährlich.

25. Planes Mistaken For Stars - Fucking Tenderness

26. Poliça  - Berlin

27. Nothing - A.C.D. - Abcessive Compulsive Disorder

28. Maggie Rogers - Alaska: Alaska ist etwa auf halber Strecke zwischen Radiopop und Grimes, doch diese Beschreibung greift definitiv zu kurz. Besser ist es sich das Video anzuschauen, das den Song berühmt gemacht hat: Rogers stellt als Studentin den Song schüchtern Pharrell Williams vor, der sich vor Begeisterung kaum halten kann.

29. Subrosa - Despair Is A Siren

30. Brand New - I Am A Nightmare


31. Jenny Hval - Conceptual Romance: Das neue Album von Jenny Hval beschäftigt sich mit Vampiren und Menstruationsblut und sie wirft dabei mit Wörtern wie Abstract Romantisiscm und Sexual Holding Pattern um sich. Hval ist nicht nur die einzige Person, die scheinbar mühelos über solche Themen, Wörter und Konzepte singen kann, sie macht auch noch fantastische Songs daraus.

32. Joyce Manor - Eighteen: Ich habe selten einen Rocksong gehört, der so treffend Nostalgie, Reue und Melancholie vertont.

33. Frightened Rabbit - Get Out

34. Beyoncé - Freedom (feat. Kendrick Lamar) 

35. Moderat - Finder

36. Frank Ocean - Nikes

37. Austra - Utopia

38. Snow tha Product - Nights (feat. W. Darling)

39. Mitski - Your Best American Girl

40. Hamilton Leithauser + Rostam - In A Black Out: Wie der Name schon sagt ist dieses Projekt eine geniale Mischung aus The Walkmen und Vampire Weekend. Leithauser's einzigartige Stimme transportiert Gefühle irgendwo zwischen Melancholie und Euphorie, während Rostam und er darum tolle Songs aus unzähligen Ideen und Genres zusammen kombinieren.


41.Nails - Life Is A Death Sentence: Bei der Beschreibung von Metal- und Hardcorebands verfällt man oft in die Falle holpriger, übertriebener Vergleiche. Aber wie soll man dieses Monstrum anders beschreiben als unaufhaltsame Naturgewalt?

42. Lisa Hannigan - Snow: Lisa Hannigan hat eine der schönsten Stimmen überhaupt, gleichzeitig Balsam für die Seele und zutiefst aufwühlend. Ein Song wie Snow klingt so schön und mühelos, dass man beim Hören leicht vergisst, wie überwältigend und beeindruckend er eigentlich ist.

43. Japanese Breakfast - Heft

44. Crying - Revive: Wer altmodischen Stadionrock mit nostalgischem Synth Pop zu etwas Explosiven und Spaßigen vermischt und dabei noch ganz modern und eigenständig klingt, hat definitiv einen Platz auf dieser Liste verdient.

45. Kanye West  - FML

46. Kendrick Lamar - untitled 02 06.23.2014

47. Suuns - UN-NO

48. Blood Orange - Best To You (feat. Empress Of)

49. Audio88 & Yassin - Weshalb ich Menschen nicht mag: In einem Jahr in dem Nationalismus, Postfaktische Politik und Empathielosigkeit deprimierend erfolgreich waren, sind Songs wie dieser leider sehr wichtig.

50. The Avalanches - Because I'm Me


51. Anohni - Drone Bomb Me: Auf Albumlänge ist mir die Mischung aus der gleichförmigen, elektronischen Produktion von Hudson Mohawke, der dramatischen, weinerlichen Stimme und den gut gemeinten, aber mit hohem Fremdschäm-Potential versehenen Texten eindeutig zu viel. Aber die majestätische, vor Emotionen brodelnde Stimme von Ahnoni kann auch hier immer noch für absolute Gänsehautmomente sorgen.

52. Okkervil River - Judey On The Street

53. P.O.S - Sleepdrone / Superposition (feat. Allan Kingdom, Astronautalis, Eric Mayson, Kathleen Hanna, Hard_R, Lydia Liza, Lizzo & Nicholas L. Perez): Bei diesem Rap-Monstrum kann man quasi in Echtzeit beobachten, wie Stef Alexander versucht wieder ins Leben und zur Musik zu finden, nach dem ihn seine versagenden Nieren fast das Leben gekostet haben. Er hadert mit dem Leben und seiner Musik, aber kommt am anderen Ende noch motivierter und stärker wieder hervor.

54. PUP - Sleep in Heat

55. Shearwater - A Long Time Away

56. Trentemøller - River In Me: Ein dänischer Electro-Produzent brachte das beste Post-Punk Album des Jahres heraus und zusammen mit der hypnotischen Jenny Beth von Savages auch einen unwiderstehlichen Hit.

57. Trixie Whitley - Closer

58. White Lung - Kiss Me When I Bleed

59. Mannequin Pussy - Hey, Steven

60. Slothrust - Horseshoe Crab


61. Allison Crutchfield - Dean's Room

62. The Body - Shelter Is Illusory: Wie hässlich und verstörend kann man Musik machen, ohne das die Schönheit und Erhabenheit ganz begraben werden? Shelter is Illusory lotet die Grenzen eindrucksvoll aus.

63. Faber - Alles Gute

64. Loamlands - Restless One

65. Gordi - Avant Gardener: Gordi macht aus der Slacker Hymne von Courtney Barnett eine tieftraurige Pianoballade. Nicht nur wunderschön, sondern auch überraschend gut passend zur Geschichte einer ziellosen Frau, die eine Panikattacke bekommt.

66. Jennifer Rostock - Hengstin: Die Musik ist irgendwo zwischen M.I.A.-Kopie und Trap-Beat, aber auch euphorisierend. Der Text ist mal holprig, mal zum Fremdschämen, aber für eine deutsche Popband, die Teenagerinnen zu ihrer Hauptzielgruppe zählt auch absolut begrüßenswert. 

67. Whitney - No Matter Where We

68. Swain - Kiss Me Hard

69. Swet Shop Boys - Shottin

70. July Talk - So Sorry: Neben Peter Dreimanis' whiskeygetränkter Röhre blieb Leah Fay bisher immer nur die Rolle zwischen Unschuld und Verführung. So Sorry profitiert enorm davon, dass sie endlich mal richtig aufdreht und ihren Aggressionen freien Lauf lässt.


71. Clams Casino - A Breath Away (feat. Kelela): Ein RnB-Song, der sich Zeit lässt und dann wunderschön aufblüht und sich öffnet.

72. Die Höchste Eisenbahn - Blume

73. Dinosaur Jr. - Be a Part: Dinousaur Jr. haben die Kombination aus epischem Rock und alles durchdringender Melancholie perfektioniert und ruhen sich mittlerweile etwas auf ihren Lorbeeren aus. Trotzdem sind sie immer noch zu kleinen Wundern wie diesem fähig.

74. Super Unison - Broken

75. Tim Hecker - Black Phase: Die Musik von Tim Hecker war schon immer mystisch, magisch, fremdartig. Doch mit Kirchenchor und Orgel in seinem Ambient-Sound wird dieser Eindruck noch deutlich verstärkt und das Ergebnis ist beeindruckend.

76. Abi Reimold - Stars -> Video

77. Totenmond - Fort von Gott: Es ist absurd, dass Totenmond mal mit Bands wie Rammstein verglichen wurden...trotz ihres minimalen Setups und auf dem Papier simplen Songstrukturen, bleibt die Band eine der mächtigsten Metalbands und Sänger Pazzer der beeindruckendste 'Sänger' im deutschsprachigen Metalraum.

78. Strand Of Oaks - Radio Kids

79. Skepta - Corn on the Curb (feat. Wiley)

80. Cult of Luna and Julie Christmas - Chevron: Julie Christmas ist immer noch eine der aufregendsten Sängerinnen in der härteren Musik und auch wenn Cult of Luna hier nicht ganz die Höhen von Christmas' bisherigen Mitstreitern erreichen, ist Chevron immer noch ein beeindruckender Showcase.


81. LUH. - Lost Under Heaven

82. Altarage - Cultus

83. Captain Planet - Kreisel

84. The Chainsmokers - Don't Let Me Down (feat. Daya): The xx-Melodien + Rihanna-Typ-Stimme + EDM-utz utz utz = Brutaler Ohrwurm und der mit Abstand beste Song einer unerklärlich populären Band.

85. Minor Victories - Scattered Ashes (Song For Richard): Eine Post-Rock/Alternative Super Group holt sich einen der einzigartigsten Sänger aus diesen Genres als Gast. Das Ergebnis ist wenig überraschend ebenso episch wie erhebend.

86. Mothers - It Hurts Until It Doesn't

87. Self Defense Family - In Those Dark Satanic Mills

88.2 Chainz - Gotta Lotta (Feat. Lil Wayne)

89. Alicia Keys - Blended Family (What You Do For Love)(feat. A$AP Rocky): Ihr fantastischer La Blogothèque-Auftritt hat mich bekehrt und dieser wunderschöne, vor Liebe überschäumende Song über Keys' Patchwork-Familie macht mich endgültig zu einem Fan.

90. Låpsley  - Love Is Blind


91. Ariana Grande - Into You 

92. Braids - Joni

93. Local Natives - Past Lives

94. Carly Rae Jepsen - Higher: Die B-Seiten von Carly Rae Jepsen klingen noch mehr nach 80er Jahren, aber genauso frisch und euphorisierend, wie ihr Album aus dem letzten Jahr. Besser als 99% der Pop-Musik aus diesem Jahr...

95. Emma Ruth Rundle - Protection

96. For Everest - The Body

97. M83 - Go!

98. Schoolboy Q - Ride On (Feat. Vince Staples): ich konnte mich nie wirklich anfreunden mit der Musik von Schoolboy Q, aber die Anwesenheit von Vince Staples macht einfach alles besser und spornt alle zu Höchstleistungen an.

99. Lucy Dacus - I Don't Wanna Be Funny Anymore

100. M.I.A.  Go Off